in Essen & Trinken

Gärtner und Bauern als Schwerkriminelle – weil sie alte Obst- und Gemüsesorten anbauen

Jahrhunderte altes, von Generation zu Generation weitergegebenes Saatgut ist der genetische und biologische Schatz, der von Jahr zu Jahr schwindet. Über die Jahrhunderte hinweg wurden einheimische Obst- und Gemüsesorten kultiviert. Die Vielfalt in Deutschland war einst sehr groß.

Hin und wieder gibt es noch Kleingärtner und Biobauern, die alte Obst- und Gemüsesorten anbauen. Denn die alten Sorten sind viel widerstandsfähiger, ertragreicher, gesünder und schmecken viel besser, als die gezüchtete Massenware, die es aus Gewächshäusern gibt. Die alten Sorten waren an die hiesigen Klima- und Umweltbedingungen bestens angepasst. Bis ins 20. Jahrhundert züchteten Bauern und Gärtner ihr Saatgut noch selbst und gaben es von Generation zu Generation weiter.

Allerdings ist der Anbau von alten Sorten gesetzlich verboten worden. Was über Jahrhunderte für Bauern und Gärtner selbstverständlich war, wurde verboten. Das sogenannte „Saatgutverkehrsgesetz“ verbietet den Tausch und die Weitergabe von altem Saatgut. Man will, dass nur noch EU-genormtes oder genmanipuliertes Saatgut verwendet wird.

Seit 1996 werden gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut. Schon 12 Prozent des weltweit bebaubaren Ackerlandes sind damit bepflanzt. Vor allem in armen Ländern kommt Gentechnik zum Einsatz, da man dort mit geringem finanziellen Einsatz hohe Erträge herausschlagen will. Der Protest gegen genmanipulierte Pflanzen und die auf den Feldern versprühten Pflanzengifte ist nicht unbegründet. Die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt sind von unabhängigen Wissenschaftlern erforscht: GMO-Pflanzen sind für Menschen und Tiere unverträglich und sogar gesundheitsschädlich und die eingesetzten Pestizide verursachen Krebs sowie andere schwere Krankheiten. Einmal in der freien Natur angepflanzt, sind GMOs nicht mehr kontrollierbar. Sie können sich ungehindert verbreiten und so die natürliche Flora beeinflussen und beeinträchtigen. Die Biodiversität ist in Gefahr.

1985 gab es weltweit noch rund 7.000 Unternehmen, die Saatgut kommerziell für die Landwirtschaft herstellten. 2009 waren es nur noch 10 Großkonzerne, die gemeinsam über 74 Prozent des Saatgut-Weltmarktes beherrschten. In der EU wird Gemüse-Saatgut heute zu 95 Prozent von nur 5 Konzernen kontrolliert.

Ursprünglich sollte das Saatgutverkehrsgesetz, das aus dem Jahre 1930 stammt, Verbraucher vor gesundheitsgefährdendem Obst und Gemüse schützen. Aus diesem Grund sollte nur zugelassenes Saatgut verkauft und weitergegeben werden. Doch inzwischen wurde dieses Gesetz ad absurdum geführt. Mehr noch, die großen Konzerne sollen per Gesetz den Saatgut-Markt beherrschen und den Profit daran alleine einstecken.

Wer heutzutage dabei „erwischt“ wird, wie er gegen das Saatgutverkehrsgesetz verstößt, indem er alte Obst- oder Gemüsesorten anbaut, begeht offiziell eine Ordnungswidrigkeit. Man macht sich strafbar, wenn man altes Saatgut anbaut. Der Vertrieb in Deutschland wurde illegalisiert. Wer dennoch alte Sorten anbaut, muss mit Geldbußen bis zu 25.000 Euro rechnen. Das sind Strafmaße, die denen eines Schwerkriminellen in nichts nachstehen.

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar

12 Kommentare

  1. Die Gesetzeslage ist etwas komplizierter .
    Alleine der Anbau von altem Saatgut ist m.W. nicht verboten .
    Aber unübersehbar ist die Nahrungsmittelproduktion und – Versorgung ein gewichtiger Machtfaktor .
    Schritt für Schritt wird den Menschen die Selbstbestimmung entzogen und eine wesentliche Grunglage für Selbstbestimmung die autonome Organisation der Gesellschaft .
    Die Gesellschaft ist ausserordentlich von Konzernen abhängig und entsprechend wird heute von Konzerninteressen bestimmt .
    Die Massenzuwanderung ist ein wesentlicher Schritt der Konzerne zur weiteren Machtausweitung, denn damit wird auch noch der Rest regionaler Identität ausgelöscht .

    • Es sind nur Verordnungen, keine Gesetze. Sie können keine Gesetze machen, weil sie im Handelsrecht tätig sind. Da geht es nur um Verträge. Sie veröffentlichen einfach Verordnungen und weil niemand widerspricht, werden die wirksam durch Stillschweigen. Wir sind es selbst Schuld, sind allerdings auch nicht informiert worden. Das nennt man Täuschung! Damit sind die Verordnungen nicht geltend! Da fast alle schweigen machen die immer weiter! Es liegt an uns ob wir schweigen oder nicht, ob wir die Verordnungen einhalten oder nicht. Wir sind viele, aber leider nicht solidarisch, sonst könnten wir viel erreichen!

      • In den USA ist die Weiterrgabe und der Verkauf roher Milch strafbar. Als Kind lief ich noch mit einer Kanne aus Metall zum Bauern und holte beste Milch. Reich an Enzymen usw. Und nein, erinnere mich an weder üble Blkähungen noch an Durchfall.

        Kürzlich kaufte ich DEMETER Milch in der Glasflasche. Sieh an, die Blähungen hörten auf! Diese Milch wurde nicht homogenisiert.

        Das sollte mal wissenschaftlich untersucht werden.

        Übrigens brauchte ich Milch, um Proteinpulver einzunehmen.

        Zu einem Selbstversuch wird geraten.

        • Man verwundert sich wie die Generationen vor uns durchgekommen sind, haben sie doch Milch getrunken, Butter Käse gegessen, Brot aus eigenem Anbau gebacken, usw.
          und selbst ich bin alt geworden- und wir waren sieben Kinder. Der Schulweg, Sommer wie Winter war ca. 2 Km Einweg x 4, auf rund 830 M ü M.
          mit bestem Gruss in die Zukunft
          Kranich

        • Warum Proteinpulver, wenn du es doch günstiger haben kannst. Nimm Pferdemist oder den Hundekot auf der Stasse. Voller Proteine und Vitamine. Wohl bekomms

      • wir sind selbst Schuld, muss ich so stehen lassen. Es ist nicht nur Desinteresse, oder weil ich es nicht ändern kann, es ist auch so, die die arbeiten, müssen soviel kämpfen und wollen ein bisschen Freizeit. Der kleine Bürger hat große Angst sich (politisch)zu äußern, denn die Vergangenheit, lastet und wird immer wieder neu zugewiesen. Die „besser“gestellten, glauben es betrifft sie nicht, Geld findet überall ein Zuhause und unsere „Gäste tangiert es sowie so nicht. denn wenn hier alles kaputt ist, dann können sie zurück in ihre Heimat.

    • Sehe ich auch so. Für mich war und ist die EU das Übel schlecht hin.
      Kann nur nochmal auf das Buch hinweisen von Oswald Sprengel “ der Untergang des Abendlandes“

  2. Naja das wir regiert werden denke ich nicht mehr… bevormundet, ausgenutzt, verraten und verkauft und für blöd gehalten. Das hat weniger mit regieren zu tun.
    Aber ich verstehe natürlich was du meinst

  3. Die EU ist ein „Selbstbedienungsladen“ der Großkonzerne und obskurer Interessenten/“Politiker“.
    Merkel will TTIP – Trump nicht. Da Merkel sowieso nichts kann außer an der „Regierung“ zu „bleiben“ ( als „Schwarze Null“ ), kann hier eher Trump gefolgt werden. Und überhaupt: was schert Merkel schon die Interessen Deutschlands ? Hauptsache es paßt in ihren Kram und dient ihren „unheimlichen“ „Mandanten“.

    • So ist es. Alle, die hier geantwortet haben und diese Meinungen vertreten, sollten sich zusammentun und immer mehr werden. Nur gemeinsam sind wir stark und können etwas bewegen.

  4. die EU und die Regierungen der Länder akzeptieren und setzten solch einen Schwachsinn noch um. Welche Interessen vertreten sie? die von den Bürger bestimmt nicht.