Die westliche Welt – Vom Kollektiv zum Individuum

Ein Artikel über die Entwicklungsgeschichte der europäischen Zivilisation, der Hang zur Selbstzerstörung, Ideologien und die Entwicklung vom Kollektivismus zum Individualismus.

Anfänge der Zivilisation

Schon zu Zeiten Platons hat man über die Gestaltung eines perfekten Staates diskutiert. Die platonische Staatslehre sah eine Ständegesellschaft vor, deren Führung die Philosophen übernehmen solllten, denn in Ihren Händen läge die Weisheit und die Fähigkeit neuartig Probleme bestmöglichst bewältigen zu können. Die restlichen Stände waren die Wächter, das einfach Volk und die Sklaven.

Dunkles Mittelalter

Die Geburt legte den Berufsstand fest. War der Vater Bauer, wurde man selbst für den Rest seines Lebens ein Bauer. Das eigene Dorf wurde selten verlassen. Kriegseintritte wurden groß gefeiert. Den diese Kriege waren für die Jungen oft die einzige Chance das Dorf zu verlassen und etwas von der Welt zu entdecken. Was man glauben und wissen durfte, wurde von der Kirche bestimmt. Querdenker wie Galileo, die die Gesellschaft weiterentwickeln wollten, wurden von Adel und Kirche verfolgt und unterdrückt. Frauen, die Ihr Leben unabhängig vom Manne gestalten wollten, wurden geschlagen oder gar als Hexen verbrannt. Das Leben war sehr mühsam und einfachste Krankheiten bedeuteten den Tod.

Das Leben jedes Individums wurde einseitg vom Kollektiv geprägt. Die Glaubensgemeinschaft (Kirche), die Familie (Patriarchat) oder der Staat mit seiner jeweilig gewählten Ideologie gaben den Ton an. Wer davon abwich wurde ausgegrenzt und bestraft.

Phase der Aufklärung

Mit der Reformation Luthers, wurde die Stellung der Kirche mehr und mehr in Frage gestellt. Gott sollte nicht für weltliche Zwecke instrumentalisiert werden. Begleitend wuchs der Wunsch dem “dunklen Mittelalter” zu entrinnen. Der Liberalismus mit dem Ziel der Freiheit gegenüber staatlicher Willkür setzte ein. Die Grundlagen der Menschenrechte “Gleichheit und Brüderlichkeit” wurden verfasst und fanden Ihren Weg über blutige Revolutionen in Frankreich und Amerika in die jewilige Verfassung. Staatstheoretiker legten ebenso den Grundstein der Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative) gegen die willkür des Absolutismus. Der von “Gott” eingesetzte Adel wurde Schritt für Schritt abgesetzt, die Kirche verlor stark an Einfluss, die Wissenschaft blühte dank der neu gewonnenen Freiheit enorm auf und die industrielle Revolution setzte ein.

Zeit der Nationalstaaten

Aus kleinen absolutistischen Königreichen entwickelten sich große Nationalstaaten mit eigener Verfassung und gewähltem Parlament. Diese eiferten neuen Ideologien nach. Dem (National-)Sozialismus, sowie wurde die Wirtschaftsform des Kapitalismus in den U.S.A. populär, frei nach Adam Smith’s freier Martkwirtschaft: “Wenn jeder an sich denkt, ist allen geholfen”. In den führenden Nationen entwickelte sich die chauvinistische Vorstellung, sich selbst als Überrasse zu sehen, welche sich das Recht nehmen dürfe, sogenannte Unterrassen zu beherrschen und zu versklaven. Diese in Europa und Amerika vorhandene Weltbild befeuerte den Kolonialismus, mündete mit dem 2. Weltkrieg in der Zerstörung Europas und im Holocaust des NS-Regimes.

Die menschliche Zivilisation entwickelt sich in Stufen voran. Nur scheint es so, als würde der Mensch von ideologischer Blindheit getrieben, immer erst vor dem nächsten zivilisatorischen Trümmerhaufen stehend erkennen, dass die nächste Stufe zu gehen ist.

 

Den Gräueltaten des zweiten Weltkriegs folgend, wurden internationale Organisation wie die Vereinten Nationen und die Europäische Union etabliert, um die Völkerverständigung zu fördern und Frieden zu sichern.  Die Menschenrechte wurden von der UN verabschiedet und fanden Ihren Weg in die neue deutsche Verfassung. Das gespaltene Deutschland wurde zum Mittelpunkt des ideologischen Konflikts zwischen dem sich frei entwickelnden Westen und dem sozialistischen Osten. Dieser Konflikt bewegte sich über Jahre am Rande eines nuklearen Weltkrieges. Durch große wirtschaftliche Defizite im sozialistischen Osten und mehr und mehr friedliches Aufbegehren der Bevölkerung, kollabierte das sozialistische System. Deutschland als Wandler zwischen den Welten, formte die soziale Marktwirtschaft, während die U.S.A. den Extremen des Kapitalismus folgt und Russland sich nur langsam reformiert.

Bis heute

Aus den Trümmerhaufen auferstanden, hat sich Deutschland überwiegend positiv entwickelt. Der Staat räumt jedem Menschen umfassende Rechte ein. Alle Bürger genießen gewaltige Freiheiten und konnten sich größeren Wohlstand anhäufen. Die Gleichberechtigung ist weit fortgeschritten. Der Zugang zu Bildung ist jedem gestatten und nahezu kostenlos. Jeder Mensch, unabhängig seiner Leistungsfähigkeit hat Zugang zu kostenloser Gesundheitsversorgung. Ebenso ist das soziale System sehr ausgeprägt. Hobbys nehmen großen Raum im Alltag ein. Reisen um die Welt, werden gesellschaftsfähig. Die Menschen haben eine sehr offene Einstellung gegenüber anderen Kulturen. Ein großer Teil der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Der technolgische Wandel, besonders im digitalen Bereich, nimmt enorm an Geschwindigkeit auf. Die Kirche hat nur noch wenig Einfluss auf die Individuen. Das alte Familienbild bröckelt. Scheidungen sind stark angestiegen. Neue Familien- und Lebensformen entwickeln sich. Besonders die Heranwachsenden können sich zunehmend unabhängig von Ihrer Umwelt, dem kollektiv, entfalten. Die Lebensläufe werden immer komplexer, jedoch werden die Beziehungen immer loser. Im Gleichschritt fallen die Geburtenraten.

Wie gehen wir zukünftige Probleme an? Werden wir wieder ideologischen Denkmustern verfallen und erst die nächste Entwicklungsstufe erklimmen, wenn die ganze Welt in Flammen steht?

Ausgewählte Zukunftsprobleme

Der Individualismus wird voranschreiten. Nur wann sind wir individuell genug? Manche betonen, wahre Selbstverwirklich kann erst in einer Gemeinschaft erfolgen, da man anhand sozialer Interaktionen meist besser gefordert ist. Das Kollektiv schränkt zwar unsere persönlichen Freiheiten an, jedoch schützen uns feste soziale Bindungen und ein stabiler Alltag vor modernen Krankheiten wie Depression. In Japan (Video: Einsamkeit in der Mega-City) ist der Individualismus so weit fortgeschritten, dass man bereits den Postboten bezahlen kann, damit dieser klingelt und ein Gespräch mit einem führt, um der Vereinsamung entgegen zu wirken.

Das Interesse eigene Kinder großzuziehen sinkt enorm. Dies befeuert den demografischen Wandel. Japan begegnet diesem Problem mit viel Technik und Automatisierung. Deutschland dagegen, setzt auf hohe Einwanderung. Man könnte meinen, DE versuche den Fremdenhass des Nationalsozialismus, durch eine Politik der “offenen Grenzen” wieder gut zu machen. Gerade die Migration durch Flüchtling ist aktuell enorm, aber ist nicht gerade diese unkontrolierte Zuwanderung das, was Hass und Ängste in der Bevölkerung schürrt? Können wir in so kurzer Zeit diese Menschenmassen integrieren? Entstehen stattdessen Parallelgesellschaften? Fördern wir damit den Brain-Drain in den Entwicklungsländern und verhindern damit dort die Entwicklungsstufen, die wir in der westlichen Welt durchlaufen haben oder verschlimmern wir sogar die Situation in diesen Staaten? Oder sind diese Menschen, die das gute Leben suchen, genau diejenigen die wir brauchen, um Deutschland und Europa weiter voran zu bringen?

Woran orientiert man sich in einer modernen Gesellschaft? Aus welchem Grund stehen wir morgends überhaupt auf? Ist es Gott der uns antreibt ein gute Leben zu führen, um schlussendlich seelig ins Paradies einzugehen? Aber was wenn Gott Tod ist? Ist es der Stolz auf das eigene Land und der Wille, auch etwas dazu beizutragen? Aber wie kann man stolz auf sein Land sein, wenn nicht einmal die eigene Kanzlerin dies zeigen kann? (Video: Kanzlerin wirft DE-Fahne weg) Für die Familie? Gibt es in Zukunft überhaupt noch Familien? Geben wir die Kinder direkt nach der Geburt an den Staat und die Großeltern ins Altersheim, um sofort wieder seinem “eigenem” Leben  oder dem Beruf folgen zu können? Arbeit und Vegetarismus als Religionsersatz? Ist ein gewisses Maß an Spiritualität schwachsinn oder sogar ein Grundbedürfnis, welches das Leben erst lebenswert macht?

Über diesen Artikel

Der Artikel wurde aus dem Antrieb geschrieben, aufzuzeigen welchen gewaltigen Zeitraum Europa in Anspruch nahm, um unseren heutigen zivilisatorischen Stand zu erreichen. Es soll ein Bewusstsein geschaffen werden, dass die Menschheit sich oft blind höheren Zielen (Ideologien) verschreibt, welche in Ihren extremen Formen zwangsläufig zum Kollaps führen. Jedoch erkennen die Menschen dies erst, wenn Sie wirklich selbst den Abgrund erblicken. Dann geht es auf einmal ganz schnell mit dem Wandel in der Welt. Man könnte fast meinen, der Mensch müsse erst Blut vergießen, bevor er sich weiterentwickeln kann.