Die Commons – Kooperativ in der Welt des Homo Oeconomicus

Während die Werbung und der Mainstream der Gesellschaft weiter das kapitalistische „Ideal des maximalen Eigennutzen führt zu maximalen Nutzen für die Gesellschaft“ vorlebt und es als Folge dessen immer individueller, wenn nicht sogar isolierter zugeht, bildet sich eine kaum bemerkte, gesellschaftlich breite Bewegung. Sie findet sich in vielen Berufsgruppen, wird von Jung und Alt getragen und ist in vielen Ländern dieser Welt beheimatet: Die Commons. Die Menschen, die daran teilhaben, haben den kapitalistischen Weg des Homo Oeconomicus hinter sich gelassen und sich durch aktive Entscheidungen zum Homo Cooperativus entwickelt.

1. Gemeinschaftsgärten

Gemeinschaftsgärten sind in den meisten Fällen genau das, was der Name beinhaltet. Man betreibt gemeinschaftlich ein Stück Grünfläche als Garten und nutzt dieses in der Regel für den Anbau von Obst und Gemüse. Ähnliches passiert auf der Plattform Ackerhelden.de. Dort können vorgesäte Äcker übernommen werden, auf denen über 20 Gemüsesorten im Frühjahr professionell ausgesät sind.[1] In den USA werden vielerorts brache Flächen in der Großstadt zu Gemeinschaftsgärten umgebaut. Neben den frischen Lebensmitteln und dem Kontakt zur Nachbarschaft werden so zusätzlich Grünflächen geschaffen, die das oft graue Stadtbild bunter gestalten. In den USA wird die Gemeinschaftsgärtnerei von der Polizei sogar als effektive Methode zur Verbrechensprävention angesehen.[2]

2. Open Source – Wissen (Glücksökonomie, S. 96)

Geteilt wird nicht mehr nur Materielles, sondern zunehmend auch Wissen. In den aktuellen Strukturen ist die Publikation von Wissen und wissenschaftlichen Studien meist nur wenigen großen Verlagen erlaubt und möglich. Anschließend werden diese von den Verlagen für viel Geld zur Verfügung gestellt, was den Zugang deutlich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. Mit Open-Source Plattformen wird versucht, diese Hürden zu umgehen. ResearchGate.net zum Beispiel hat es sich zum Ziel gemacht, die Wissenschaftskommunikation zu revolutionieren. 2014 waren rund 14 Millionen Volltexte zu finden. Anderes ‚offenes Wissen‘ findet man auf  Owiowi.org oder OpenMaterials.org.  Hier gibt es z.B. Konstruktionspläne, die weltweit kostenlos zur Verfügung stehen. So können sonst teure Laborgeräte kostengünstig selbst hergestellt werden, wie zum Beispiel eine Kamera oder einen Lasercutter.

3. Car-Sharing

Während die Plattformen für Mitfahrgelegenheiten wie Mitfahrgelegenheiten.de oder Blablacar.de schon länger etabliert sind und von vielen Reisenden genutzt werden, ist das Teilen von Autos auch in einer anderen Form möglich. Während sich nur noch 7% der unter dreißig jährigen ein eigenes Auto kaufen, gibt es zunehmend die Möglichkeit sich ein Auto von Privat zu Privat zu leihen. ‚Tamyca‘ (Kurzform für ‚TakeMy Car‘) ist so eine Internetseite. 4500 Autos sind in Deutschland schon auf Tamyca angemeldet. Ähnliches passiert auf Nachbarschaftsauto.de oder Autonetzer.de. Der Universität von Kalifornien zur Folge, kann jedes ‚geteilte‘ Auto zwischen 9 und 12 Privatwagen ersetzen. Neben der sozialen Komponente hat das Car-Sharing zusätzlich einen positiven Einfluss auf den Ressourcenverbrauch.

Die Beispiele bestätigen was die Wissenschaft schon lange gezeigt hat: Kollektiv, Miteinander und Füreinander lebt es sich besser wie ‚für sich alleine‘. Soziale Kontakte und Ressourcenverbrauch sind zwei wesentliche Punkte der Idee der Commons. Also: Informieren und aktiv werden. Selber eine Idee entwickeln ist meist nicht nötig. Es gibt oft Projekte in der nahen Umgebung, denen man sich anschließen kann.

Quellen:

[1] http://www.ackerhelden.de/so-funktioniert-das/
[2] http://www.gardendallas.org/benefits.htm

Scheub, U. & Jensen, A. (2014). Glücksökonomie: Wer teilt, hat mehr vom Leben. Oekom Verlag (München).