in Gesellschaft

Das Köpfen ihrer Geiseln scheint den Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) nicht mehr auszureichen. Der jordanische Pilot Muaz al-Kasaesbeh wurde vor laufender Kamera in einem Eisenkäfig verbrannt. Hinter diesem auf dem ersten Blick unbegreiflichen Akt der Gewalt steckt ein Kalkül, dass sich durch alle Handlungen der Islamisten durchzieht: dem Gegner soll Angst gemacht werden.

Besonders deutlich wird dies in dem Interview, das der Journalist Jürgen Todenhöfer mit dem deutschen IS-Kämpfer Christian Emde im Dezember 2014 geführt hat, und das im Internet veröffentlicht wurde.
Emde beschreibt darin die Strategie, den Gegner durch eine Angst auslösende Kriegsführung zu lähmen. Auf diese Weise soll es den wenigen Tausend IS-Kämpfern im Juni 2014 gelungen sein, die irakische Millionenstadt Mossul im Handstreich zu erobern.

Inzwischen ist einiges über die apokalyptischen Angriffsformationen der Dschihadisten und deren Einsatz von Symbolen wie die schwarze Flagge zur Demoralisierung ihrer Gegner geschrieben worden. Aber die Strategie, Furcht auszulösen, ist nicht nur in den Kriegsgebieten relevant. Sie wird auch gegen die westlichen Länder angewandt. So ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Anschlag von Dschihadisten ums Leben zu kommen hierzulande verschwindend gering. Trotzdem hat alleine die Angst davor eine so dramatische öffentliche Wirkung, dass dafür in aller Eile Gesetzte geändert werden, die den Druck auf alle Bürger – und insbesondere auf die Muslime – erhöhen. Dies ist ganz im Sinne der Terroristen. Ihr Ziel ist es, die Eskalation auch in Europa voran zu treiben.

Es ist nicht sinnvoll, die sadistischen Taten des IS oder die unmenschlichen Aussagen des Islamisten Christian Emde als wahnsinnig oder irrational abzutun. Vielmehr sollte die perfide Strategie dahinter erkannt werden, um entsprechende Gegenmaßnahmen treffen zu können.

Wer Angst hat, ist innerlich gelähmt und trifft oft übereilte oder irrationale Entscheidungen. Alle Formen der Angst lassen sich auf eine einzige runter brechen: die Angst vor dem Tod. Die Dschihadisten haben dieses Problem akkurat gelöst: wer als Märtyrer stirbt kommt ins Paradies. Für einem im Westen sozialisierten Beobachter mag diese Vorstellung naiv erscheinen, aber aus strategischer Sicht macht es Sinn – wenn die Strategie darin besteht, Krieg zu führen und die Welt zu erobern. Ein Mensch, der bereit ist für seine Ziele zu sterben, kann nur durch jemanden aufgehalten werden, der ebenfalls dazu bereit ist.

Die westlichen Militärs lösen dieses Dilemma, indem sie mit Drohnenangriffe und Luftschläge das Leben der eignen Soldaten schonen (und das von Zivilisten aufs Spiel setzen). Aber um den Islamistischen Staat wirklich aufzuhalten, sind nach dem Bekunden der meisten Beobachter Bodentruppen nötig. Diese werden bisher nur von den direkt Betroffenen zu Verfügung gestellt. Die Kurdischen Kämpfer und Kämpferinnen in der syrischen Stadt Kurbane haben die IS-Milizen erfolgreich zurückdrängen können.
Dazu passt, dass es im Augenblick keine Pläne mehr gibt, NATO-Truppen in Bürgerkriegsländern wie Irak oder Afghanistan einzusetzen. Das Problem mit der Angst hat nämlich noch eine weitere Dimension: Beständig unterdrückte Todesangst ist ein Auslöser für posttraumatische Belastungsstörungen. Diese wird immer mehr heimkehrenden westlichen Soldaten diagnostiziert, die im Irak oder in Afghanistan gekämpft haben.

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Kommentar

  1. Der letzten Aussage des Artikels muss ich widersprechen. Wie das Contra Magazin berichtet, werden in Kuwait derzeit US-Bodentruppen stationiert, die gegen IS vorgehen sollen. Natürlich ist dies nicht mehr als ein Vorwand zur politischen Neuordnung des Nahen Ostens durch US-Amerikaner und Briten, die seit langem vorbereitet wird und jetzt in eine weitere Phase eintritt. Link zum genannten Artikel:
    http://www.contra-magazin.com/2015/02/kuwait-usa-entsenden-4-000-soldaten-und-schuetzenpanzer-gegen-den-islamischen-staat/

  2. Der IS ist initiiert und finanziert vom Westen…da ist es keine Überraschung, das die Hinrichtungen den Weg direkt in die Medien finden…wer würde sonst Milliarden von Dollar/Euro Steuergelder dafür ausgeben und Millionen von Toten und Verletzten… @ Politikversagen.de du solltest dich hirnversagen.de oder totalmanipuliert.de nennen