in Gesellschaft

Gegenwärtig streiken die Erzieherinnen und Erzieher für bessere Gehälter. Die Hoffnung der Kindergärtnerinnen und Kindergärtner allein durch den Streik die Arbeitgeber zu einem Einlenken zu bewegen ist dabei allerdings recht naiv.

Der Streik ist für Gewerkschaften im Prinzip immer das beste Mittel der Wahl, um die eigenen Forderungen bei den Arbeitgebern durchzusetzen. Der Sinn und Zweck eines Streiks ist offensichtlich. Die Arbeitnehmer als Gemeinschaft verweigern die Erbringung der Leistung, dadurch verhindern die Arbeitnehmer, dass der Arbeitgeber weiter Umsätze generieren kann. In der Gemeinschaft ist der einzelne Arbeitnehmer nicht angreifbar, er muss keine Repressalien des Arbeitgebers fürchten. Der Streik setzt den Unternehmer unter Druck, weil der Unternehmer durch die fehlenden Einnahmen täglich Geld verliert. Je länger der jeweilige Streik dauert, desto näher kommt das Unternehmen an den Abgrund und desto größer wird die Not des Arbeitgebers. Früher oder später muss der Arbeitgeber also einlenken. Diese Logik scheint so unumstößlich, dass sie nicht in Frage gestellt werden muss.

Die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner sind mit der absoluten Überzeugung in den Streik gegangen, dass diese Logik auch für sie gilt. Niemand in der Gesellschaft bezweifelt den Sinn eines solchen Streiks. Nicht einmal die Politiker, die bei diesem Spiel die Rolle der Arbeitgeber inne haben.

Leider aber gelten die Regeln der Wirtschaft nicht automatisch auch im öffentlichen Dienst. Die Kindergärten erzeugen zwar Einnahmen, die Gebühren finanzieren jedoch nicht ansatzweise die Gehälter der Kindergärtnerinnen und Kindergärtner. Speziell im Bereich der Kitas bedeutet das im Ergebnis, dass die Arbeitgeber mit jedem Streiktag finanziell besser dastehen als zuvor, weil die Gewerkschaften die Gehälter der Streikenden zahlen. Der Arbeitgeber wird schwerlich allein durch die finanziellen Folgen unter Druck kommen. Die verkehrte Welt zeigt sich schon daran, dass die Arbeitgeber, also die Kommunen, die Kindergartengebühren freiwillig an die Eltern zurückgeben, obwohl sie rechtlich nicht dazu genötigt sind. Im Gegensatz zu privatrechtlichen Unternehmen, sind öffentlich-rechtlich geregelte Kitas nicht zur Rückzahlung von Gebühren verpflichtet. Man stelle sich vor, ein Unternehmer würde seine Einnahmen zurückgeben, obwohl seine Kunden keinen Anspruch auf eine Rückzahlung haben. In der Wirtschaft unwahrscheinlich, im öffentlichen Dienst selbstverständlich.

Wie aber erreichen Gewerkschaften im öffentlichen Dienst dann ihre Ziele? Verdi wird es wissen. In aller Regel streiken nicht nur die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, sondern auch die Abfallwirtschaftsbetriebe, oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern. Angestellte, deren Streik keine Aussicht auf Erfolg hat, streiken gemeinsam mit Angestellten, deren Streik schwere Auswirkungen für die gesamte Bevölkerung hat. So entsteht der Druck auf die Arbeitgeber durch die Kunden beziehungsweise durch die Öffentlichkeit. Dieser Druck der Öffentlichkeit erzeugt die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeber bzw. der Politiker. Ob der Druck der Eltern auf die Politiker ausreichen wird, um die sehr großen Forderungen der Streikenden zu erfüllen, darf gerne  infrage gestellt werden. Ein Einlenken der Politiker würde die klamme Finanzlage der Gemeinden mit einem Schlag extrem verschärfen. Sollten die Arbeitgeber den Streik aussitzen wollen, sind die Aussichten der Streikenden hoffnungslos. Dass die Gewerkschaften trotz dieser Situation nicht auf weitere Verhandlungen gesetzt haben, oder als Alternative den Arbeitskampf nicht auf andere Berufsgruppen ausgeweitet haben, ist absurd. Für die Gewerkschaftler gilt wohl: Der Weg ist das Ziel.

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17 Kommentare

    • WER HAT SIE FÜR DEN SCH….BEZAHLT??? AM BESTE WÄRE; DIE SKLAWEREI EINRICHTEN; DAN HABEN DIE REICHEN BERUFSTÄTIGEN RUHE! DAS SCHREIBEN SOLCHE MENSCHEN; WELCHE KEINE GELD MANGEL HABEN!

  1. Ein toller Staat, der für jede Drecksbank, für jeden maroden EU Staat Geld im Überfluss hat, um es zu verpulvern, aber für Leute, die sich tagtäglich um unsere Zukunf…unsere Kinder kümmern, an der kurzen Leine hält.
    Jede KITA Erzieher/in leistet mit ihrer arbeit mehr am Menschen, als irgendein Banker, der nur davon lebt, andere Leute zu betrügen und aus nix Geld zu ergaunern.
    Und die Eltern, die das nicht kapieren und den KIGA Leuten jetzt Vorwürfe machen, kümmert Euch gefälligst selbst um Eure Kinder, die sind wichtiger als Eure doch so tollen Jobs!

    • Das sehe ich identisch, Frau Huber. Mütter und Väter brauchen flexible Modelle und finanzielle Hilfen, um sich selbst um ihre Kinder kümmern zu können. Die Kinder brauchen ihre Eltern. Das ist doch unglaublich. Kinder in die Welt setzen und sie dann vor lauter rennen im Hamsterrad anderen zur Erziehung geben. Man sollte jedem, der sich nicht selbst kümmern möchte, das Kind weg nehmen und in eine Familie geben, die sich liebevoll kümmern möchte. Dann würde der Blödsinn bald aufhören. Arme Kinder!! Armes Deutschland.

      • gut gemeint !ABER WIR LEBEN NICHT IM MÄRCHEN! ES GEHT UM DIE FINANZIERUNG !DIE MENNER VERDIENEN ZU WENIG; DAS DIE FAMILIEN DAVON ANSTÄNDIG LEBEN KÖNNEN!

        • Ach mika……Tun Sie mir einen Gefallen und schauen ein wenig über den Tellerrand hinaus. Wenn man möchte, dass die Frauen arbeiten (und sich dann nicht ausreichend um die Kinder kümmern können!!), was muss man dann machen? Richtig: Das Geld darf nicht reichen, wenn nur der Mann arbeitet. Früher hat es auch gereicht und wir sind heute viel effektiver und produktiver. Es müsste locker reichen – aber man will es nicht. Es handelt sich um keinen Zufall, es ist Absicht!! Wir leben nicht im Märchen, weil die Mehrheit Schlafschafe sind, die nicht erkennen, dass es sich nicht um Zufälle handelt und tapfer weiter Mutti wählen oder eine andere große Partei…..

          • ICH STIMME ZU! ABER WER IST SCHULD FÜR SOLCHE MISSERE? WEN MERKEL NICHT DA IST;DAN KOMMEN ANDERE B… ! DAS DIE MENSCHEN SEIT 20JAHRE KEINE REAL LOHNE GESTIEGEN SIND; OBWOHL DIE PRODUKTIVITÄT IST ENORM GESTIEGEN; DAN IST ES ETWAS MIT SYSTEM NICHT IN ORDNUNG! NUR DIE ANDERE PARTEIEN ZU WÄHLEN IST KEINE LÖSUNG!!!!

          • frantisek, hat es als einziger hier gemerkt, mit dem System ist was nicht in Ordnung.
            Die die das Bruttosozialprodukt schaffen, dazu gehören für mich auch die Kindergärtner u.a. (als Dienstleister der Gesellschaft), sind immer klamm, anderseits können wir die sogenannten Systembanken mit unseren Steuergeldern retten.
            Die Gewerkschaften haben scheinbar kein wirkliches Interesse an einer Lösung des Problems, wäre zu klären woran das liegt.

    • Na prima. Sie sind der Größte und nur Sie haben das Recht, darüber zu urteilen…..Mann oh Mann, wie kann man nur so einen beleidigenden, verallgemeinernden, inhaltslosen Satz schreiben….wer da wohl der Depp ist?

    • Hallo Nico ich weiß zwar nicht was dein Problem ist, aber ja du hast recht ich habe keine Kinder, ABER ich stehe voll hinter dem Streik. Das wurde auch mal Zeit das sowas passiert, der Beruf des Erziehers/in ist so unlukrativ das man davon nicht leben kann. In vielen Berufen werden die Gehälter auf ein Minimum gedrückt das man keine andere Wahl mehr hat das beide Elternteile zur arbeit gezwungen sind. Es ist aber ein absolut falscher Ansatz den Bumann/frau auf die Erzieher, die jetzt für ihr Recht auf anständige Bezahlung, abzuleiten. Und schon gar nicht alle anderen als Deppen zu beschimpfen die sich kritisch ausdrücken. Die die sich kritisch ausdrücken „das die faulen Erzieher“ arbeiten gehen sollen sind diejenigen die nur das Geld…

    • … sehen und nicht das Kind. Dann sieht man auch wie WICHTIG deren Reichtum und Wohlstand über den Kindern gestellt wird. Das ist für mich nur eine Abschiebung der Kinder anstatt sich selbst darum zu kümmern.

      • Dante, du bist bestimmt ein Intellektueller, aber vergiss bitte nicht, das sehr viele Menschen früh aufstehen müssen, und abends erst spät nach Hause kommen. Warum?, weil Sie und Ihre Familien essen müssen, und Miete bezahlen müssen, weil das Leben eben Teuer ist, und nicht umsonst. Bitte achte diese Menschen, und verhöhne sie nicht, vielleicht lebst gerade Du davon, das Sie jeden Morgen ins Hamsterrad springen.

  2. Job eines Erziehers/Erzieherin ist mit dem eines Testpiloten gleichzusetzen. Nur das dieser Job extremer ist. Neben den teilweise verzogenen Kindern müssen sie sich mit ebensolchen Eltern auseinandersetzen. Für das Geld ist es eine Zumutung.