Das Werte-Gesabbel der Entwertungsgemeinschaft

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Werte sind eigentlich eine klasse Sache. Ganze Gesellschaften definieren sich über allgemeingültige Phrasen, die, einmal aufgestellt, über jeden Zweifel erhaben sind und das Fundament einer modernen Gesellschaft bilden. Wobei das Wort ‚modern‘ uns irreführenderweise suggeriert, dass Werte in früheren Zeiten und Gesellschaften nicht oder nur unzureichend vorhanden waren.

Der Begriff ‚Werte‘ kommt zu allererst ‚werthaltig‘ daher. Etwas von Wert besitzen heißt Kostbares haben. Es lässt sich der ‚Gegenwert‘ beziffern und mit anderem Werthaltigem aufwiegen. Die Wertigkeit eines Produkts beschreibt den Tauschwert und gleichzeitig die Bedeutung für den Besitzer.

Der Stellenwert ist hingegen maßgeblich abhängig vom Auge des Betrachters und erfährt dadurch eine an Personen gekoppelte Bewertung.

Wenn Kanzlerin Angela Merkel wieder einmal ihre Hände zur Raute verdreht und von gemeinsamen Werten und einer Wertegemeinschaft spricht, sollte man sich in Zukunft Gedanken machen, wessen Wertvorstellung hier vertreten wird. Auch ein fast ausnahmslos positiv besetzter Begriff variiert in seinem Stellenwert für jeden Zuhörer.

Wahrhaft wertlos erscheinen dagegen sinnentleerte Worthülsen, die, mit erhobenem Zeigefinger vorgetragen, den Bürger mahnend auf den Boden der Tatsachen zurückholen:

Westliche Wertegemeinschaft, Moral- und Rechtssystem, Demokratieverständnis, Rechtsstaatlichkeit.

Begriffe, die edel anmuten und doch nur ein verzweifelter Versuch sind, den finalen Charakter unseres Gesellschaftssystems zu überspielen und dessen Lebenszeit künstlich zu verlängern.

Der Wertedeckmantel soll das verschleiern, was für immer mehr Menschen offensichtlich ist: Ein bis in die Spitzen unfreier und korrupter Staat, der aufgedunsen vor sich hin vegetiert und längst zu einer unsäglichen Lobbyveranstaltung verkommen ist. Das stete Ziel bleibt dabei allerdings bestehen: Die uneingeschränkte Förderung der Unmündigkeit der Staatsbelegschaft.
Wir erleben somit einen skrupellosen Wertemissbrauch, der, in perfider Weise perfektioniert, die Menschen im Niemandsland der Ungewissheit zurücklässt. Gemeinsame Werte als Kanon, in den jeder einstimmen kann, ohne sich Gedanken über das ‚Warum‘ machen zu müssen.

Zwischen all dem Werte-Geseier und Werte-Gesabber bleibt oft die Doppelmoral verborgen:
Denn wird das Ganze auf die Spitze getrieben, fügt man den Begriff ‚christlich‘ hinzu, hat man augenblicklich die Trennlinie gezogen. ‚Christliche Wertegemeinschaft‘ schafft klare Verhältnisse und beschriebt den Absolutheitsanspruch des westlichen Denkens. Merkel verwendet hier synchron den Begriff ‚Alternativlosigkeit‘. Der ist nicht so herb im Abgang und vermittelt doch Ähnliches.

Doch zurück zur Doppelzüngigkeit, Pardon, Doppelmoral…

Die bloße Aufrechterhaltung der kapitalistischen Finanzordnung zum Ziel, wird geheuchelt und lamentiert, gelogen und manipuliert was das Zeug hält. Das sektenartige Mantra des Wertekonsens mit unseren europäischen und nordamerikanischen Freunden wird wiederholt, bis auch der Letzte verstanden hat, dass die moralische Werteinstanz nirgendwo anders zu suchen ist, als bei uns.

Spannend, wem infolgedessen alles die Werte abgesprochen werden. Man könnte als wohlbehüteter West-Bürger auf die Idee kommen, die da drüben sind doch alle wertlos.

Auf diesem Weg lassen sich militärische Einsätze für ‚Frieden und Demokratie‘ der Bevölkerung besser verkaufen. Drohnenopfer werden relativiert und Feinbilder manifestiert. Tatsächliche Hintergründe sind längst nicht mehr gefragt.
Flankiert wird das dumpfe Werte-Gesabbel von den Meinungs- und Stimmungsverbreitern der Presselandschaft. Ohne die geballte Medien-Infanterie würde so mancher Ausspruch der Werteinhaber ungehört verhallen.

Formiert sich indes Widerstand, regt sich Unmut in Teilen der Bevölkerung, die der Unmündigkeit zu entrinnen versuchen, wird die Werte-Polizei ins Feld geführt.

Polizisten in Kampfmontur stellen sich den Aufrührern in den Weg. Dabei fordern die Demonstranten doch nur die Werte ein, die ihnen ständig unter die Nase gehalten werden. Wertbewusst nennt man sowas.
Doch scheinbar lassen sich Werte nicht auf der Straße verteidigen, sondern nur per Drohne im wertfreien Raum.

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