Bürgermeister erklärt Bank zur “unerwünschten Institution”

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Jetzt hat er die Faxen wirklich endgültig satt, der Señor José Manuel Bermúdez!  Der Bürgermeister der Hauptstadt Teneriffas hat Bankia zur “unerwünschten Institution” erklärt.  Erst vor kurzem hatte er der verstaatlichten Grossbank 1,5 Millionen öffentlicher Gelder abgezogen.  Jetzt erklärte er die Bank als “non grata” und stellte sie ganz öffentlich in die Ecke der Aussätzigen, weil sie ihre Zusagen nicht erfüllt hat.  Alle im Stadtrat vertretenen Parteien haben das ausdrücklich gebilligt: Einstimmig!

“Das hat zwar keine juristischen Konsequenzen”, weiss der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife, “aber jeder soll jetzt wissen, dass diese Bank in unserer Stadt nicht willkommen ist.” – Nachdem der Bürgermeister seine öffentlichen Gelder von den Bankia-Konten räumte (siehe Link oben), hatte die Bank am 9. November in zwei Fällen eine mietgünstige Wohnung für Zwangsgeräumte zversprochen und in einem Fall zugestimmt, dass die entzogene Wohnung alle Schulden eines weiteren Zwangsgeräumten tilgt und somit keine Rückzahlungen offen bleiben. Alle drei Zusagen wurden nicht eingehalten und die vom Bürgermeisteramt gesetzte Frist lief soeben ab.

“Das werde ich so nicht tolerieren”, macht José Manuel Bermúdez (Coalición Canaria) aus seinem Herzen keine Mördergrube, “schon zweimal nicht von einer Bank, die durch die Steuergelder aller Spanier gerettet wurde!” – Zwei Monaten sind vergangen, seitdem Carmen Omaña (48) und die zwei Töchter in ihre Wohnung zurückkehren konnten, die vorher von Bankia zwangsgeräumt worden war. Vorausgegangen war ein zehntägiger Hungertstreik der Frau vor den Türen des Geldladens, den einige fälschlich immer noch als “Geld-Institut” bezeichnen. Das Bürgermeisteramt hatte Bankia zugesagt, 1.800 Euro Monatsmiete für ein Jahr beisteuern zu wollen.

Weil das Geld noch nicht bei Bankia angekommen ist, droht jetzt eine erneute “Express-Zwangsräumung”. Könne ja wohl nicht wahr sein, entrüstet sich der Bürgermeister: “Die Zahlung geht einen administrativen Weg und das dauert halt eine Weile, ist aber auf dem Weg. Ich kann das auch aus meiner Tasche bezahlen, wenn es Not tut, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass eine Bank, die Milliarden von Steuerzahler kassiert hat, nicht zwei Monate lang auf 1.800 Euro warten kann!” – Deswegen und wegen zweier weiterer Fälle gibt es jetzt die Erklärung zur “unerwünschten Institution”, was Bankia zumindest auf den Kanarischen Inseln viele Kunden kosten dürfte.

Diesmal zumindest sind sich alle im Stadtrat vertretenen Parteien einig und verabschiedeten das “non grata” einstimmig. “In solchen Fällen darf es keine Opposition geben, keine parteipolitischen Spielchen”, versichert ein Sprecher der Sozialdemokraten, “hier geht es um alle Bürger unserer Stadt, da muss Einigkeit herrschen.”

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1 Kommentar zu "Bürgermeister erklärt Bank zur “unerwünschten Institution”"

  1. Das mit den Steuergeldern stimmt leider nur teilweise. Die Banken finanzieren sich großenteils über Staatsanleihen. Der Staat ebenso. Dadurch schulden beide mehr und mehr auf. Das Spiel wäre schon längst zu Ende, wenn die Notenbanken nicht durch Manipulation des Anleihenmarktes eine künstliche Inflation herbeiführen würden. Japan ist bereis am Ende der Fahnenstange angekommen und wir können seinem Niedergang in Echtzeit zuschauen. Danach sind die Amis und die Europäer dran.

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