in Gesellschaft

Zwei Wochen ist es her, dass sich der Todestag von Horst Stowasser zum dritten mal jährte. Stowasser galt als Anarchist. Im März 2007 veröffentlichte es das Buch ANARCHIE – IDEE – GESCHICHTE – Perspektiven, welches innerhalb von nur zwei Wochen zum Bestseller avancierte. Nur zwei Jahre später starb er.

Der Begriff des Anarchisten wird Stowasser nicht hinreichend gerecht. Er war einfach nur – normal. Er nahm die Rolle des Staates in seinem Buch als allmächtige, alles bestimmende und vieles bestrafende Institution genauer unter die Lupe als viele andere und gelangte zu einem vernichtenden Fazit. Der Mensch ist nicht Dank des Staates ein soziales, versorgtes und geschütztes Wesen, sondern trotz dieses. Alle sozialen Errungenschaften wie Schulen, Krankenversicherung, Gewerkschaften oder Rettungsdienste, die dem Staat zugeschrieben werden, entstammen ursprünglich der menschlichen Gemeinschaft selbst. Sie entstanden in Dorf- und Stadtgemeinden, Klöstern, Handwerkergilden, Privatfirmen, Einzelinitiativen wie z.B. die Björn Steiger Stiftung aber auch Solidargemeinschaften und kollektiven Selbsthilfeorganisationen.

Anschließend wurden diese vom Staat übernommen, der dieser Aufgabe jedoch nicht dauerhaft gewachsen war, da soziale Aufgaben nicht der Bestimmung des Staatswesens entsprechen. Dessen Domäne liegt vielmehr in der Legislative, der Judikative und der Exekutive aber auch in Bürokratie, Staatsbeamtentum, Steuerhoheit, dem Geld- und Erziehungsmonopol, Armee, Zoll und nicht zuletzt in den Geheimdiensten und dem Recht, jeden zu bestrafen oder gar zu töten, der dagegen aufbegehrt. Der Begriff der Sozialstaatlichkeit ist daher ein Widerspruch in sich. Aus diesem Grund werden die okkupierten Errungenschaften menschlichen Kulturstrebens nun wieder vom Staat abgegeben und zwar an private Firmen, die sich damit die Taschen füllen. Es folgt ein kurzer Ausschnitt aus Stowassers Buch ANARCHIE, welchen ich mit freundlicher Genehmigung der Edition Nautilus hier veröffentlichen darf.

Mir tut jeder leid, der nicht mit zwanzig Anarchist war
– CLÉMENCEAU –

Bilanz des Versagens

Dass wir der Staat seien, ist ein frommes Märchen, an dem eigentlich nur erstaunt, dass soviele Menschen daran glauben […]. Dass er uns nur zu unserem Besten unterdrücke, ist ein groteskes Argument, das uns selbst jede Mündigkeit abspricht. Aber es soll ja auch Kinder geben, die nach einer Tracht Prügel noch obendrein ein schlechtes Gewissen haben, sich bedanken und meinen, es geschähe ihnen recht. Ist aber trotz allem das staatliche System nicht recht erfolgreich?

Wenn wir unter Anarchie einmal die landläufige, negative Bedeutung verstehen wollen, nämlich Chaos, so haben wir sie heute: weltweit und flächendeckend. Ein System, in dem genug Nahrung produziert wird und wo dennoch zigtausende verhungern, ist ein Irrsinn. Ein System, das periodisch organisierte Massenmorde anordnet, ist unmenschlich. Ein System, das diesen Planeten zunehmend ausplündert und unbewohnbar macht, ist selbstmörderisch. Ein System, das zehn Prozent der Menschheit Reichtum beschert und die große Mehrheit der Ärmsten immer weiter ausplündert, ist niederträchtig. Ein System, das seine Bürger nur dadurch davon abhalten kann, sich gegenseitig umzubringen, indem es sie wiederum selbst mit dem Tod bedroht, ist eine moralische Bankrotterklärung.

Wenn Anarchisten in einer Diskussion ein solches System ernsthaft vorschlügen, würden sie mit Recht ausgelacht. Man müsste sie Zyniker nennen. Aber dieses System haben wir heute überall, es herscht auf jedem Stückchen Land dieser Erde, und wir leben mittendrin. Es ist das staatliche System. Ein Konstrukt, das unterm Strich völlig versagt und weltweit Chaos in unvorstellbarem Ausmaß hervorbringt. Wir nehmen es nur nicht wahr, denn wir sind gewohnt, in zweierlei Maß zu denken. Vergessen wir nicht: Staat existiert nicht nur in unseren liberalen, westlichen Demokratien, in denen es sich zugegebenermaßen besser leben lässt – Staat, das ist auch Bangladesch und Burkina Faso, Haiti und Usbekistan, Ruanda und Kambodscha, Weißrussland und Sudan. Idi Amin und Konrad Adenauer, Josef Stalin und Winston Churchill, Hitler und Kennedy sind letztlich Vertreter der selben Struktur. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Regimen sind keine prinzipiellen Unterschiede, sie sind lediglich andere Erscheinungsformen ein und derselben Idee: der Staatlichkeit.

In memoriam Horst Stowasser 07.01.1951 bis 30.08.2009

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