in Gesellschaft

Videospiele waren lange Zeit fester Bestandteil von Debatten. Killerspiele, Spielesucht, Debatten darüber, ob kompetitives Spielen von Videospielen nun als Sport gilt oder nicht. Das öffentliche Bild von Computerspielen wurde negativ getrübt. Allerdings gibt es da auch die andere Seite der Spielerei vor dem Computer, am Smartphone oder der Konsole. Zum Beispiel wissen Psychiater und Psychologen um die unterstützend-heilenden Wirkungen von Videospielen.

Deutschland spielt Videospiele, knapp die Hälfte sind dabei Frauen

In Deutschland gab es lange Zeit schier endlose Debatten über den Einfluss von sog. Baller- oder gar Killerspielen auf unsere Jugend und/oder junge Erwachsene. Auch darüber, wie sich dieserlei Videospiele auf psychisch labile Menschen auswirken. Internet- und Spielesucht war und ist weiterhin ein großes Thema. Doch es wird kaum über die positiven Effekte von Videospielen geredet.

Dabei ist es doch so, dass in Deutschland rund 34,3 Millionen Menschen regelmäßig digitale Spiele spielen. Seien es mobile Games auf dem Smartphone, oder Videospiele auf dem heimischen Computer, Laptop oder auch der Spielkonsole. 47 Prozent dieser Menschen sind dabei Frauen, das nur als interessanter Fakt am Rande. Vor allem mobile Spiele auf dem Smartphone oder Tablet laden ja geradezu dazu ein zu spielen. Immer und überall. Diese Beliebtheit spiegelt sich nicht zuletzt auch in zahlreichen Umsatzzahlen der mobilen Spielebranche wider.

Vom Killerspiel zum Therapieerfolg: Videospiele helfen Gefühle zu erfahren und Selbstwert aufzubauen

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, so wie Jan Kalbitzer aus Berlin beispielweise, geben nun an, dass digitale Spiele gar förderlich sein können. Und zwar als positives Hilfsmittel in der Psychotherapie oder aber auch als „Stütze“ in Zeiten psychischer Belastungen. Kalbitzer berichtet, dass sogar einige seiner Kollegen nach Feierabend gerne mal „Ego-Shooter spielen“. Ego-Shooter sind Spiele basierend auf dem Einsatz von Waffen in realistischen, fantastischen oder auch futuristischen Welten. Zu den bekanntesten zählen hier wohl Counter Strike, Call of Duty und Battlefield.

Videospiele tragen aber auch zu mehr Selbstwertgefühl und sozialem Miteinander bei. Dabei geht es zumeist um kurze Phasen des Erfolges in einer Gemeinschaft oder auch alleine. „Menschen etwa, die sonst kaum Lob erfahren, können in Spielen Erfolgserlebnisse haben, die dann auch auf das restliche Leben ausstrahlen“, heißt es hierzu vom Facharzt mit eigener Praxis in Berlin. In einem Videospiel kann so Selbstwert aufgebaut und Anschluss an Gemeinschaften gefunden werden.

Für manche Patienten haben Videospiele gar noch größere Wirkung. Es gibt Berichte von Patienten mit Borderline und Depressionen, die sich selbst und ihre eigenen Gefühle erst mit Hilfe von Videospielen wahrnehmen können. Das soll natürlich kein Dauerzustand bleiben, doch hilft das Erleben des eigenen Ichs in der Psychotherapie doch deutlich.

Digitale Spiele als wichtige Stütze in schweren Seiten

Andere Patienten berichten, dass allein der Gedanke des Spielens in einer virtuellen Welt ihnen hilft durch schwere Phasen zu kommen oder Ängste zu überwinden. Der Gedanke alleine hilft ihnen „morgens aufzustehen“, wo sonst nur Antriebslosigkeit vorherrschte. Manche Videospiele helfen gar Einsamkeit zu überwinden oder Selbstvertrauen zu finden. Sicherlich sind die meisten digitalen Spiele nicht mit diesem Hintergrund entwickelt worden, dennoch wird viel zu wenig über die positiven Aspekte des Spielens gesprochen.

Jan Kalbitzer erklärt, dass verschiedene Spiele, verschiedene Effekte hervorufen können. Beispielsweise rufen Ego-Shooter starke Emotionen hervor. Diese Videospiele basieren meist auf schnellen Reaktionen und Entscheidungsfindungen binnen von Bruchteilen von Sekunden. Aufbauspiele widerrum, bei denen Städte oder Bauernhöfe aufgebaut werden müssen, stärken das Selbstvertrauen. Es sei, laut Kalbitzer, „ein erfüllendes Gefühl, ein System unter Kontrolle zu haben.“

Bei all den Erfolgen ist Spielesucht dennoch eine reale Gefahr

Dennoch ist alles in Maßen zu genießen. Die Psychologie redet nicht das Risiko der Sucht klein. „Videospiele können eine zu hohe Sogkraft, eine zu große Ablenkung erzeugen und dann selbst zum Problem werden.“ Vor allem MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role-Playing Games – Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele) entführen Spielerinnen und Spieler in alternative Realitäten und Welten, was durchaus zur Sucht führen kann. Vor allem dann, wenn in der realen Welt große Probleme vorherrschen.

Am Ende aber, meldet die Psychologie und Psychotherapie Erfolge mit Videospielen. Diese werden nicht anders eingesetzt als Liegestütze oder eiskaltes Wasser ins Gesicht. Es sollen Reize ausgelöst werden, die dabei helfen bestimmte Zustände zu überwinden bzw. zu beenden. Und in der Psychotherapie gilt weiterhin, dass mit Ressourcen gearbeitet werden sollte, die der Patient selbst schon mitbringt. Wenn das Videospiele sind, warum denn dann eigentlich nicht? Dem Patienten das gesunde Verwalten und Einteilen dieser Ressourcen beizubringen obliegt schließlich nicht zuletzt den Therapeuten.

Autor: Thomas Schmied

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