in Gesellschaft

Von Kalinga Seneviratne

Sydney, 19. März (IPS) – Äußerungen der australischen Regierungschefin Julia Gillard über Ausländer, die Einheimischen die Arbeit wegnehmen, haben das Thema Einwanderung, Asyl und ethnische Herkunft in den Wahlkampf zurückgebracht. Gillard hielt ihre Rede in Rooty Hill, einem Arbeitervorort von Sydney.

Die Wahlen sind für September geplant. Den bisherigen Umfragen zufolge liegt Gillards Australische Arbeiterpartei (ALP) weit abgeschlagen hinter der oppositionellen Liberalen Partei und wird das Rennen verlieren. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Gillards Slogan ‚Aussie jobs first‘ bei den Wählern der westlichen Vororte von Sydney und in Melbourne gut ankommt.

Feindseligkeiten gegenüber Asylsuchenden, die in Booten die australische Küste erreichen und Überbrückungsvisa erhalten, nehmen zu. Die Opposition wirft der Regierung vor, die Kontrolle über die Landesgrenzen verloren zu haben.

Gillard hat die Fremdenfeindlichkeit nun noch weiter geschürt, indem sie öffentlich den ‚Missbrauch‘ des Visaprogramms 457 kritisierte. Das Programm ermöglicht Arbeitgebern, den Fachkräftemangel zu beheben, wenn der lokale Arbeitsmarkt den Bedarf nicht decken kann. Es wird am häufigsten von allen Visaprogrammen dazu genutzt, den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland für maximal vier Jahre zu finanzieren.

Visaprogramm erfährt großen Zulauf

Jüngsten Zahlen der Einwanderungsbehörde zufolge waren Ende Januar mehr als 105.000 Ausländer mit ‚457-Visas‘ tätig. Das bedeutet einen Anstieg um 25,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Inder machen mit 20 Prozent den größten Teil dieser Arbeitskräfte aus, gefolgt von Briten, Iren und Philippinern. Die meisten Visainhaber arbeiten im staatlichen Gesundheitswesen, wo es an Ärzten, Krankenschwestern und anderen Fachkräften fehlt. Auch der Boom im Bergbausektor hat die Nachfrage nach Spezialisten erhöht.

Premierministerin will Australiern bei Stellensuche Vorrang garantieren

Gillard kritisierte in ihrer Rede am 4. März, dass die Vorgängerregierung ein Visaprogramm hinterlassen habe, das nicht mehr zu kontrollieren sei. Der Zweck des Programms sei zwar legitim, doch komme es zu häufig vor, dass Australier, die die notwendigen Qualifikationen vorweisen könnten, die entsprechende Stelle nicht erhielten.

„Unter diesen Umständen will ich sicherstellen, dass australische Arbeitskräfte an erster Stelle stehen.“

Gillards Ankündigung wird mit einer Entscheidung von Einwanderungsminister Brendan O’Connor am 23. Februar in Verbindung gebracht. Demnach sollen die Voraussetzungen, unter denen solche Visa vergeben werden, aufgrund des zunehmenden Drucks von Gewerkschaften weiter verschärft werden.

Der Einwanderungsexperte Scott Morrison fordert gar, dass die Inhaber von Überbrückungsvisa auch eine ‚Genehmigung‘ ihrer künftigen Wohnorte einholen müssten, da sie durchaus eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt darstellen könnten. Er bezog sich auf einen Srilanker, der diesen Monat angeklagt wurde, eine Studentin in Sydney sexuell angegriffen zu haben.

Die meisten Asylbewerber in Australien stammen aus Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Sri Lanka. Mahmoud Yekta kam vor mehr als 30 Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Australien. Er betreut jugendliche Asylsuchende. Wie er betont, achten Zuwanderer besonders darauf, von ihrer Umgebung als höflich wahrgenommen zu werden. Er wirft Morrison vor, „diesen Menschen nun Kreuze auf die Stirn zu zeichnen, damit die Menschen auf sie aufmerksam werden“.

Visaprogramm für Wissenstransfer missbraucht

Doch nicht nur Asylsuchende, auch Arbeitgeber sind zur Zielscheibe von Kritik geworden. Einem Bericht der Zeitung ‚Sydney Morning Herald‘ zufolge nutzte der IT-Tycoon Mahindra Satyam das Visaprogramm dazu, systematisch Arbeitskräfte aus Indien, Malaysia und den Philippinen ins Land zu holen und sie dort anzulernen, um anschließend Stellen ins Ausland zu verlagern.

Nach Angaben eines australischen IT-Beraters bringt die Firma die IT-Fachkräfte für jeweils ein Vierteljahr nach Australien und schickt sie dann mit neuen Kenntnissen in ihre Ursprungsländer zurück, wo sie dann die Arbeit verrichten. Damit fallen Jobs für Australier weg. Der Berater erklärte, er selbst habe auf diese Weise nach neun Jahren seine Stelle verloren.

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