Über Sinn und Unsinn von Demonstrationen

Gegenwärtig gibt es sehr viele Demonstrationen. Das ist nicht ungewöhnlich in einer Zeit, wo vielerorts Krisenstimmung und Unzufriedenheit herrscht. Allerdings sind die Menschen weit davon entfernt, sich einig zu sein, womit sie unzufrieden sind. Denn kaum gibt es irgendwo eine Demonstration, lässt die Gegendemonstration nicht lange auf sich warten.

PEGIDA und die Gegendemonstrationen

Das sieht man am deutlichsten am Beispiel von PEGIDA. Erstmals wurde am Mo 02.02.15 von PEGIDA Wien eine Demonstration abgehalten. Gegendemonstrationen wurden zeitgleich veranstaltet. Die Anzahl der Demonstranten von PEGIDA soll jedoch im Vergleich zu Dresden weit geringer gewesen sein. Etwa bis zu 500 Teilnehmer wurden geschätzt, während die Teilnehmer der Gegendemonstrationen angeblich in der Überzahl waren. PEGIDA Wien wurde wie es aussieht sehr schnell der Todesstoß verpasst. Aussagen und Bilder von Hitlergrüßen und diversen Parolen führen zu einer Diskussion über ein dauerhaftes Verbot von PEGIDA Kundgebungen.

Es ist möglich, dass sich extremistischere Personen und Gruppen bei der PEGIDA Demonstration in Wien eingefunden haben, als dies beispielsweise in Dresden der Fall gewesen sein soll. Solche Personen schaden nicht nur der Organisation selbst, sondern sie schaden allen Menschen, die auf sachliche Art Probleme ansprechen und zum Ausdruck bringen möchten. Denn die Medien stürzten sich mit Begeisterung auf solche Meldungen, Bilder und „Zeugenaussagen der Gegendemonstranten“. Damit kann dann wieder der Beweis erbracht werden, dass solche Organisationen im Ganzen als gefährlich gelten. Menschen, die vielleicht beginnen über die Politik kritisch nachzudenken, würden durch Bilder von Rechtsextremen abgeschreckt werden. Denn mit solchen Personen will man nicht in einen Topf geworfen werden. Fazit: Schweigen und dulden wird für viele zur Devise!

Ist es jedoch völlig auszuschließen, dass sich auch Linksextremisten gezielt unter die PEGIDA Demonstranten gemischt haben, um Hitlergrüße und Parolen darzustellen, in dem Augenblick wo Kameras auf sie gerichtet waren?

Beides ist möglich. Natürlich gibt es Rechtsradikale, die jeder Demonstration und Diskussion durch ihren eigenen Fanatismus schaden können. Aber es gibt auch perfide Strategien, um Menschen und Organisationen stärker ins rechtsradikale Licht zu setzen.

Was bringen Demonstrationen?

Einerseits sind Demonstrationen eine Möglichkeit, um auf ein Thema verstärkte Aufmerksamkeit zu richten. Genau das wird aber durch Gegendemonstrationen versucht zu neutralisieren oder umzudrehen.

Was daraus oft entsteht sind zwei oder mehrere verbohrte Gruppen – wo keiner dem anderen zuhört, geschweige denn überhaupt zuhören will – die sich gegenseitig aufs Schärfste verurteilen. Erreicht wird dadurch meist nichts.

Hinzu kommt, dass bei Demonstrationen das Phänomen der Massenpsychologie zum Tragen kommt. Die Emotionen kochen hoch und die Menschen in der Masse reagieren leicht überschwänglich.

Hier stellt sich die Frage wie sinnvoll Demonstrationen letztlich wirklich sind?

Es bedürfte vielmehr einer Diskussion auf möglichst sachlich und nicht zu emotionaler Ebene, wo die wichtigsten Punkte und Argumente in Ruhe angesprochen werden. Dies scheint kaum mehr möglich zu sein. Denn auch Fernsehdiskussionen dienen nur der Quote, durch eine möglichst hohe Emotionalisierung. Zu guter Letzt bräuchten wir Politiker, die sich ehrlich für unsere Angelegenheiten interessieren und im Sinne des Volkes regieren. Die gibt es aber nicht!

So können wir eigentlich nur versuchen, uns von Extremisten jeglicher Seite nicht davon abhalten zu lassen, uns eigene Gedanken zu machen und diese auch mit anderen so gut es geht zu teilen, ohne sich gleich zu bekriegen. Das geht natürlich nicht mit jedem. Aber: Steter Tropfen höhlt den Stein! Letztlich könnte man dadurch vielleicht mehr erreichen, als durch instrumentalisierte Gruppen.