in Another View

Fast jeder hat schon einmal vom Knigge gehört. Vor allem die ältere Generation kennt noch dieses Nachschlagewerk der guten Benimm-Regeln. Bei den Jüngeren ist dieses Buch eher als Staubfänger oder Regalstütze beliebt. Den Inhalt kennen sie selten und wenn, dann vergessen sie die Regeln im entscheidenden Moment. Um den Inhalt dieses Buches moderner und attraktiver zu gestalten, haben Autoren die neuesten Benimmregeln aus Wirtschaft sowie Gesellschaft zusammengetragen, alte nicht mehr zeitgemässe Normen über Bord geworfen und durch die neuen Verhaltensregeln ersetzt. Der Verlag Schund & Schande verschickte einen Buchauszug an ausgewählte Redaktionen, damit diese die Werbetrommel rühren. Die Liste der Vorbestellungen ist mittlerweile länger als die Produktion hergibt und man darf sich, laut Herstellerangaben, auf Lieferverzögerungen von mehreren Wochen einstellen.

Warum dieser neue Knigge?

Der alte Verhaltens-Kodex ist voll mit verstaubten Regeln, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Es wäre das Gleiche, als wenn man mit einer technischen Bedienungsanleitung aus den 50ern einen heutigen Satelliten zusammenbauen wollte. Der Text entspricht nicht mehr dem aktuellen technischen Standard, so wie der alte Knigge nicht mehr die heutigen Verhaltensformen in der Gesellschaft enthält. Dieses Vakuum an Regeln der Neuzeit bewog die Autoren, diesen neuen Knigge zu verfassen um der jungen Generation ein Nachschlagewerk zu bieten, welches sich auch mit den neuesten Verhaltensformen befasst.

Was ist neu?

Grundsätzlich wurden alle Regeln, die ein soziales Miteinander ermöglichen aus dem Buchtext gestrichen. Es geht in erster Linie nicht mehr darum, seine Person sozialverträglich in eine Gruppe zu integrieren, sondern wie man sich in der heutigen Zeit gegenüber den Mitmenschen behaupten kann. Dazu ein paar Beispiele.

Gesprächskultur

Früher waren in der Kommunikation zwischen zwei Menschen die Fähigkeiten „zuhören“ und „verstehen“ grundlegende Elemente eines konstruktiven Dialoges. Heute ist diese Gesprächsform zu aufwendig. Es fehlt die Zeit, den anderen aussprechen zu lassen, deshalb wird bereits nach dem halben Satz schon der eigene kreiert, ohne den Schluss des Gegenübers abzuwarten. Das hat zudem den Vorteil, die Botschaft nicht mehr verstehen zu müssen und ggf. darauf zu reagieren. Man ist nur noch darauf bedacht, den eigenen Text los zu werden, egal ob er in einem Kontext mit den Gehörten steht oder nicht. Hauptsache, man konnte seinen Gesprächspartner übertexten. Die Aussage des Anderen in seinen Text einfliessen zu lassen ist ebenfalls veraltet. Man zeigt so Schwäche, in dem man Verständnis für den gehörten Text bekundet.

Viele Call-Center Mitarbeiter oder staatliche Beamte haben diese neue Benimmregel bereits fest in ihre Gesprächskultur integriert. Man kann sagen, was man will, das Gegenüber antwortet sehr selten auf die eigenen Argumente, in der Regel werden sie mit vehementer Ignoranz erwidert. Zudem sind heute hierarchische Ränge ausschlaggebend bei der Gesprächsführung. Als Bittsteller hat man sich komplett zu unterwerfen, ohne die Möglichkeit auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen und als Entscheidungsträger kann man so ziemlich jeden Müll von sich geben. Der Bittsteller muss alles kommentarlos akzeptieren, was sich in seine Gehörgänge verirrt. Jeder der Hartz 4 beantragt hat weiss, wann er die Klappe halten muss, um an das Geld zu kommen. Ein Wunder, dass die Bittsteller noch atmen dürfen.

Ehrlichkeit

Diese Eigenschaft ist der Untergang kapitalistischen Denkens und somit völlig unzeitgemäss. Kein Geschäftsabschluss wird heute noch mit ehrlichen Mitteln getätigt. Früher musste man sich mit dem Produkt auseinandersetzen um die bestmöglichen Verkaufsargumente zu erhalten, heute ist kein Fachwissen mehr nötig. Gefragt sind Insiderinformationen, mit welchen sich sein Gegenüber erpressen lässt. Das hat den Vorteil, dass einer sich nicht mehr einfach aus einem Geschäft zurückziehen kann, falls das Angebot unattraktiv ist. Mit dieser neuzeitlichen Verhandlungsstrategie sind die Amerikaner besonders erfolgreich. Dazu ein kleines Beispiel der aktuellen US-Praktiken.

Eine Firma stellt ein innovatives Produkt her und ist Marktführer in diesem Bereich. Die Amerikaner wollen dieses Produkt auch. Zuerst wird mit Spionage versucht, die Herstellungsprozesse zu eruieren. Sollte das nicht reichen wird man bei der Firma persönlich vorstellig. Der Verkaufsleiter legt sich richtig ins Zeug und preist sein Produkt in allen Farben an. Die Produkt-Lobpreisungen beantworten die Amerikaner mit den neuen, oben beschriebenen Kommunikationsregeln und hören somit gar nicht richtig zu. Am Schluss werden Visitenkarten ausgetauscht. Die US-Interessenten melden sich nach einer Weile wieder und haben im Gepäck keine Preisangebote sondern private Informationen des Verkaufsleiters. Sie kontaktierten in der Zwischenzeit ihre Geheimdienste, haben aufgrund der Visitenkarte, den Verkäufer zerpflückt und solange gesucht, bis sie eine „Leiche im Keller“ gefunden hatten. Sollte unglücklicherweise gerade keine zu finden sein, inszenieren sie eine Aktion, bis am Schluss eine „Leiche“ übrig bleibt. Der arme Verkaufsleiter, voll auf das Geschäft eingestellt, wird beim nächsten Verhandlungstermin mit den privaten Details überrumpelt. Das wirft jeden aus dem Ruder und die meisten fügen sich der Erpressung. Wer will schon sein nacktes Antlitz in der Verteilerliste des hauseigenen Mailservers wissen.

Diese Geschäftstaktik wird von den Amerikanern in allen Bereichen eingesetzt. Sei es wirtschaftlich oder politisch. Ihnen geht es heute nicht mehr um das Produkt, sondern nur noch, wie sie das Gegenüber erpressen können, um es zu korrumpieren.

Respekt

Dieser Begriff wurde komplett entfernt. Respekt bringt keinen Profit, benötigt Sozialkompetenz und Einfühlungsvermögen. Alles Fähigkeiten, die dem heutigen Denken völlig im Weg stehen. Der Mitmensch soll als psychischer Mülleimer herhalten und muss somit sämtliche prügelnden Argumente seiner Artgenossen wehrlos einstecken. Selbstschutz ist verboten und wird durch den Staat geahndet. Das heutige Überleben sichert man sich mit aggressivem Verhalten oder wenn möglich mit entsprechender Bewaffnung. Zudem sollte man sich nur schwächere und/oder wehrlose Opfer aussuchen. Behinderte, Kinder und Frauen werden bevorzugt, die man nach Belieben schlagen kann, ohne auf grosse Gegenwehr zu stossen. Bei Frauen sind die Möglichkeiten persönlicher Machtdemonstrationen am attraktivsten. Man(n) verprügelt sie, kann dann sich seiner Säfte entleeren, anschliessend das nackte Opfer bestmöglichst mit dem Handy fotografieren und seinen Mitmenschen als Unterhaltung zur Verfügung stellen. Im Optimalfall wird einem noch anerkennend von den Kollegen auf die Schulter geklopft, was den persönlichen, hierarchischen Aufstieg beflügelt. Bei Kindern funktioniert das genau gleich. Dort sollte man aber mit Fotos vorsichtig sein. Nackte Kinder-Bilder auf dem Handy sind strafbar, nackte Kinder auf dem Waldboden verbuddelbar. Bei Unsicherheiten, wie man mit den Kleinen umgehen soll, empfiehlt sich ein Besuch in der Kirche oder bei den englischen Behörden. Diese beiden Institutionen waren massgeblich bei der Erstellung des neuen Knigge’s behilflich. Ihre Jahrhunderte alte Erfahrung im Umgang mit Minderjährigen fand im neuen Knigge gebührend Raum, um die erfolgreiche Frühsexualisierung der Kinder  zu ermöglichen.

Lügen

Ein Sprichwort sagt: Ehrlichkeit ist ein teures Hobby. In der heutigen kapitalistischen Welt sind solche Eigenschaften finanziell ruinierend. Wer etwas zugibt darf in der Regel zahlen, wer nicht betrügt ebenfalls und wer ehrlich an der Kasse steht, ist nach neuesten Erkenntnissen naiv. Für dieses Kapitel waren massgeblich die Politiker verantwortlich. Ihre Erfahrungen beim Belügen des Volkes sucht seinesgleichen. Kein Gewerbe baut mehr auf Unwahrheiten auf wie die Politik. Diese Fähigkeit ermöglicht das Bereichern von sich selber und seinen Gehilfen, man kann alles dementieren, was man einmal von sich gegeben hat und man ist zu keiner Zeit an seine Aussagen gebunden. Kanzlerin Merkel hat dies eindrücklich bewiesen. Bei ihrem Amtsantritt schwor sie, das deutsche Volk zu schützen, sich an das Gesetz zu halten und ihre Arbeit zum Wohle des Volkes zu gestalten. Sie hat diese Lügen derart perfekt dem Bürger präsentiert, dass sie nach Jahren des Nichteinhaltens und Schwurbruchs zur beliebtesten Deutschen gewählt wurde. Selbst das ZDF mit seinem verklebten Wahrheitsgehalt tritt in ihre Fussstapfen und serviert dem Volk täglich die neuesten Geschichten der Baronin von Münchhausen.

Der Zeitgeist

Die Neuerscheinung des Knigge’s war überfällig. Alle Tugenden, die einmal ein harmonisches Miteinander ausgemacht haben sind mittlerweile verschwunden und wichen den neuen Umgangsregeln der modernen Gesellschaft. Lüge, Hass, Aggression, Gewalt, Diebstahl, Betrug sind nur einige Begriffe, die ihren Weg in den neuen Knigge gefunden haben. Eine erweiterte Version ist in Arbeit und dort werden die zwischenmenschlichen Kommunikationsmethoden der einzelnen Religionen aufgezeigt. Sie unterscheiden sich nicht wesentlich von den allgemeinen Benimmregeln, haben aber ein paar wichtige Verhaltensformen, die vor einer effizienten Kommunikation schützen. Enthauptungen lassen keine Gegenargumente zu, Vergewaltigungen benötigen keinen Wortschatz und Kinder mit Sprengstoffgürteln brauchen keine pädagogische Erziehung.

Sollten Sie das Pech haben, die neueste Ausgabe des Knigge’s noch nicht in den Händen zu halten, können Sie sich an den Pressemitteilungen der Massenblätter orientieren. Dort kann man gut nachlesen, wie Politiker, Wirtschaftsleute und einfache Bürger miteinander umgehen. Suchen Sie sich die verwerflichsten Eigenschaften aus und Sie schwimmen mit dem Strom, respektive können dann nichts falsch machen. Sollte sich dennoch plötzlich ein Gefühl des Skrupels oder Eigenverantwortung einstellen, dann schauen Sie sich ununterbrochen Nachrichtensendungen an, bis der letzte Funken Menschlichkeit die einst sozial veranlagten Hirnwindungen verlassen hat. Dann ist man für die heutige Zeit ausreichend gewappnet.

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Kommentar

  1. Schwachsinnige und völlig falsche Beschreibung der Jugend von jemandem, der eindeutig keinen Kontakt zur Jugend oder der ansonsten beschrieben Gruppe hat. Ich möchte an die Worte von Sokrates erinnernvon vor mindestens 2400 Jahren erinnern: Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.