in Another View

oder

Die Eule der Minerva beginnt ihren Flug bekanntlich erst in den Abendstunden

Zum Verständnis: In diesem Beitrag geht es um vier bzw. drei Gruppen von Menschen: Die Bequemen und Schwachen (ich würde ja gern, aber…), die Ignoranten (mir doch egal, mir geht’s doch gut), die Pessimisten (man doch eh nix ändern…) und die Dummen (ach die übertreiben doch alle!). Geschrieben habe ich dies für die ersten drei Gruppen, da für die vierte Gruppe jedes gute Wort verschwendete Zeit ist, sie sind ohnehin nicht heilbar und fallen daher im gesellschaftlichen Diskurs wegen Irrelevanz heraus. Eine klare Trennung zwischen diesen Gruppen ist nicht möglich, Menschen lassen sich nur schwer in Schubladen stecken (was auch gut ist), aber als grobe Einteilung taugt diese Kategorisierung alle mal. Ich erhebe ferner keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Bequemen und Schwachen:

Immer wieder bekomme ich von Menschen zu hören: „Was soll ich alleine denn schon erreichen?“ Die Krux an der Sache ist, dass dies jeder Zweite sagt. Zugrunde dessen liegt eine Bequemlichkeit, die Nichtbereitschaft seine eigene Komfortzone zu verlassen und auf gewisse Annehmlichkeiten zu verzichten. Schließlich erfordert dies Disziplin, von der zu viele Menschen schlicht und ergreifend zu wenig haben und keinerlei Bereitschaft zum bewussten Verzicht zeigen. Disziplin und bewusster Verzicht sind aber erforderlich, um das aktive Korrektiv hin zu einer Postwachstumsökonomie zu sein, weg vom rücksichtslosen, umweltverachtenden Imperativ der neoliberal geprägten Wegwerf-Gesellschaft. Auch muss begriffen werden, dass all diese allenthalben und jederzeit verfügbaren kulturellen und materiellen Annehmlichkeiten der gegenwärtigen neoliberalen Wachstumsökonomie, lediglich Opiate für all diese Infotainmentmuschis und Konsumschwengel sind, um deren unerfüllte Träume und Sehnsüchte wie mit Methadon ersatzhalber zu befriedigen und sie sind eben nicht der Schlüssel zum wahren Glück.

Die Ignoranten:

„Die Anderen sollen erst mal anfangen, dann mache ich vielleicht auch irgendwann mal etwas“, mit dieser Ausrede im fatalistischem Gestus endet die Argumentationskette „der Einen“ leider noch viel zu häufig. „Die Anderen“ zu sagen entbindet von der eigenen Verantwortung und gibt den Schwarzen Peter weiter. Jeder gibt ihn weiter, denn jeder ist gleichzeitig „der Eine“ und „der Andere“. Am besten noch werden in diesem Kontext „die Reichen“ vorgeschoben. Personen welche einen größeren Einfluss haben. Bedingt durch erhebliche finanzielle Mittel und große gesellschaftliche Macht wird ihnen hier eine exponierte Stellung zur Veränderung zugeschoben. Eine Stellung, welche aber gerade durch diese gesellschaftliche Schicht noch viel weniger genutzt wird, als durch die Schichten am anderen Ende der Gesellschaft.

Die Pessimisten:

Ähnlich verhält es sich bei den Leuten, deren Credo lautet: „is‘ halt so, kann man nix machen“ Hier eine Veränderung in ihrem defätistischem Verhalten herbeizuführen scheint nahezu ausgeschlossen. Diese Menschen sind ebenfalls nur noch sehr schwer für Veränderungen empfänglich. Diesen Menschen muss man zum einen die Konsequenzen ihres Handelns und zum anderen die Möglichkeiten der Veränderung aufzeigen. Ist die Bereitschaft vorhanden und wird dieses begriffen, besteht eine gute Chance sie in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden und als nützliche Protagonisten der nachhaltigen Sache einzusetzen. Was übrigens auch für die ersten beiden Gruppen gilt.

Ein kleines Intermezzo:

An dieser Stelle fällt mir ein Zitat aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ein: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Aber das nur nebenbei.

Hintergrund:

Diese drei Gruppen haben gegenüber den Dummen den Vorteil, dass sie durchaus in der Lage sind, sich einer Veränderung zu stellen, weil sie den Ernst der Lage im Grunde begreifen und den Mut zur Korrektur ihrer bisherigen Lebensweise noch nicht verloren haben bzw. ihn wiederfinden können. Mit welchen Strategien dies geschehen kann, zeige ich im nächsten Absatz.

Die drei Strategien:

Die verschiedenen Denkmuster habe ich nun aufgezeigt. In jedem Fall steckt immer ein mehr oder weniger großer Teil an Egoismus dahinter. „Nach mir die Sintflut“ scheint das Lebensmotto derer zu sein, die nicht bereit sind, einen Teil zu einer besseren Welt beizutragen. Dieser antrainierte Egoismus resultiert u.a. oftmals daraus, dass altruistisches Verhalten viel zu häufig belohnt wird. Aus eigenem, innerem Antrieb heraus zu agieren erfordert für viele Menschen zu viel Überwindung. Vor allem dann, wenn man seine Vorstellungen von Moral und Ethik aus der Sesamstraße, BILD oder GZSZ hat. Wie man es dreht und wendet, ein Defizit besteht. Etwas für andere oder die Umwelt zu tun, muss für viele Menschen mit Anreizen verbunden sein. Doch diesen Anreiz zu bieten wird schwer und ist nur durch willige und fähige Politiker zu erreichen. Entweder über eine Förderungsstrategie (finanzieller Anreiz) oder über eine Machtstrategie (normative, verbindliche Regelungen). Dazu später noch mehr. Kommunikative Strategien laufen hier leider oft ins Leere, sind aber prinzipiell in Ordnung und für einen kleinen Teil der Menschen sicher die richtige Strategie.

Nun auch noch Precht:

Ein gutes Beispiel wie altruistisches Verhalten durch falsche Sozialisation blockiert wird schildert Richard David Precht in seinem Buch „Die Kunst kein Egoist zu sein“:

Folgende Versuchsanordnung mit drei Gruppen von Kindern soll egoistisches Verhalten aufzeigen: Ein Mann mit vollen Händen versucht eine Schranktür zu öffnen. Als natürlichen Reflex versuchen alle drei Gruppen zu helfen. Die erste Gruppe bekam nach dem Helfen eine Belohnung. Die zweite wurde lediglich gelobt. Die Gruppe erfuhr keine Reaktion. Bei weiteren Versuchen des Mannes die Schranktür mit vollen Händen zu öffnen, blieben alle Gruppen durchgängig hilfsbereit. Die erste Gruppe erhielt aber irgendwann keine Belohnung mehr. Dies war der Zeitpunkt in welchem die erste Gruppe die Hilfe versagte. Aus einer bedingungslosen Hilfe wurde eine bedingte Hilfe. Prosoziales Kooperationsverhalten wandelte sich unter kulturellem Einfluss bei ausbleibender Belohnung in ein antisoziales Verhalten.

Die Bereitschaft zu einer Veränderung ohne äußere Anreize wird somit erschwert.

Was hilft dagegen?

Leider sieht die Realität so aus, dass die Mehrheit der westlichen Zivilisation eher der ersten Gruppe angehört und unter den jetzigen Umständen einem unerbittlichen Konsumrigorismus frönt, welcher der Bildung einer Initialzündung und einem kognitiven Paradigma radikal entgegen steht. Eine wirksame Macht- und Förderungsstrategie wird leider durch die makroökonomischen Leistungsträger aus Profitgier konterkariert. Erfahrungsgemäß und bedauerlicherweise läuft die Kommunikationsstrategie auch oft  ins Leere, aber dennoch bleibt sie mangels Alternative die einzige Möglichkeit. Wie diese Strategie umgesetzt werden kann, beschreibe ich im nächsten Absatz.

Kommunikationsstrategie und antizipative Retrospektive:

Nach meinem Dafürhalten hilft hier u.a. ein bestimmtes Verhaltens- und Denkmuster: Eine tiefgreifende Konsum- und Wertekritik kann nur angegangen werden, in dem ein Rückgriff auf historische und gegenwärtige Tatsachen gewagt wird, in Verbindung mit kritischer Reflektion und der Bereitschaft zur Veränderung sowie folgernd daraus das Konzept der antizipativen Retrospektive. Durch die ersten Punkte kann eine Ableitung und Projektion auf zukünftige Ereignisse genau konstruiert werden, letzteres kann durch den Blickwinkel aus der ersten Person Singular/Plural im Tempus Futur 2 eine kritischere Analyse implizieren als die reine Gegenwartsbetrachtung, da diese konsequent fehlerlastig ist.

Als praktisches Beispiel ist folgender Satz zu nennen: Wie werde(n) ich/wir gewesen sein?

Hierzu schreibt Harald Welzer in seinem Buch „Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ auf Seite 133:

[Vieles von dem, was im einfachen Futur als unbequem und lästig erscheint, wird im Futur zwei plötzlich interessant und attraktiv. Futur-zwei-Imaginationen verändern Wertigkeiten. Sie fangen an, zu überlegen, wie Sie gut gewesen sein werden. […] Die Transformation von der expansiven zur reduktiven Kultur ist die Transformation von der einfachen zur intelligenten Kultur: von der Addition zur Kombinatorik, vom Wachstum zur Kultivierung, vom Aufbau zum Ausbau. Von Passivität zur Aktivität. Vom Dulden zum Widerstehen. Vom Dienen zum Genießen. Zum sich wieder Ernst-Nehmen.]

Diese Aufzählung stellt die Instrumente der Postwachstumsökonomie dar. Zu dieser gehören auch Sparsamkeit von endlichen Ressourcen und das Bewusstsein, dass jedes Ding wiederum Ressourcen sowie Energie braucht, um von seiner Urform über den praktischen Nutzen bis hin zu einem Warenfetisch (siehe Karl Marx, Das Kapital Band I, 1867) transformiert zu werden. Damit meine ich aber auch, dass der Warenfetisch eine Abstraktion erfahren muss, eine Abstraktion hin zu einen reinem Gebrauchsgegenstand mit ausschließlich praktischem Nutzen, welcher mitnichten dadurch eine Geringschätzung erfahren soll, sondern im Gegenteil eine Aufwertung zuteil bekommen soll. Aber keine Aufwertung im Fetischsinn wie Marx postulierte, sondern eine Aufwertung hin zu seinem immanenten, stofflichen, dinglichen (Gebrauchs)Wert, resultierend aus dem Wertschöpfungsprozess und den ihm zugrunde liegenden Ressourcen. Nur so kann ein sparsamerer Umgang mit Konsumartikeln in das Bewusstsein der Menschen projiziert werden.

Weiter führt Welzer zu diesem Thema auf Seite 205 aus:

[Insofern transportiert Sparsamkeit immer auch ein Bewusstsein über die prinzipielle Begrenztheit von Ressourcen und ist übrigens eine Sozialtechnik, die mit dem menschlichen Vermögen zur Vorausschau und Planung zu tun hat – man sollte sie nicht schon deshalb gering schätzen, weil sie inzwischen quer zum expansiven Kulturmodell liegt.]

Der geneigte Leser sieht also, das u.a. die Sparsamkeit, der genügsame Umgang mit Gebrauchsgegenständen und der Respekt vor dem materiellen (nicht dem kapitalistischem) Wertschöpfungsprozess eine großer Schritt auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie ist. Hier zu argumentieren, dass „die Anderen“ oder „die Reichen“ damit anfangen sollen (oder die anderen bereits beschriebenen Argumentationsmuster zu bedienen), ist so fehl am Platz wie ein Adipositaspatient auf einer Konditorenmesse.

Die Wirklichkeit sieht nun mal so aus, dass Veränderung zuerst bei einem selbst anfängt und dass das eben erwähnte Argument aus verschiedenen und schon genannten Gründen mittels Zwang nur schwer durchgesetzt werden kann, damit oftmals faktisch ins Leere läuft und die Realität weiterhin eben nur von den schon gezeigten und kritikschwangeren Verhaltensmustern bedient wird. Oft genug also, zeigt die Realität, dass Menschen sich keiner Veränderung unterwerfen wollen oder können. Dies impliziert unweigerlich Unverantwortlichkeit resultierend aus Unwillen oder Unfähigkeit. Unverantwortlichkeit welche bei dem Gro der Bevölkerung nur durch die schon angesprochenen Macht-, Förderungs- und Kommunikationsstrategien durchbrochen werden kann, wenn auch schwer. Im Kern ist Veränderung von den neoliberalen Marktschreiern und Ablasshändlern des ausufernden Raubtierkapitalismus nicht gewollt und wird wirksam erschwert und verhindert. Die geplante Obsoleszenz, das Streben nach Rendite, ein aggressives Marketing und die Vereinnahmung politischer Entscheidungsträger durch eben diese makroökonomischen Leistungsträger, sind die Instrumente dieser Wirtschaftspolitik.

Welzer schreibt dazu auf Seite 207 weiter:

[Das Kulturmodell er expansiven Moderne favorisiert […] Unverantwortlichkeit, weil sie die Kausalität zwischen den Voraussetzungen und den Gegebenheiten ihrer Existenz immer mehr ignoriert. […] Das Kulturmodell einer nachhaltigen Moderne würde gerade diese Kausalität in den Mittelpunkt rücken…]

Wie sehen also, dass die expansive Moderne die Verhaltensmuster zur Veränderung bewusst ignoriert, ja sogar gegenteiliges Handeln fördert, um die Partikularinteressen einer elitären Clique auf Kosten aller Menschen und der Umwelt über Gebühr und Anstand hinaus zu befriedigen.

So ist paradoxerweise das unbegrenzte Wachstum in einer Welt mit begrenzten Ressourcen unzweifelhaft die versuchte Realisierung des Unmöglichen oder anders gesagt: Die Quadratur des Kreises. Diese lässt sich weder von theoretischen Widersprüchen noch von praktischen Irrtümern aufhalten. Ungeachtet dessen wird der Determinismus der Unvermeidlichkeit des absoluten Kollapses der Gesellschaft aus einem diskursiven Opportunismus heraus ausgeblendet. Auf der Titanic spielte die Musik auch bis zum Schluss während die ersten Passagiere schon in den eisigen Fluten ertranken.

Oder um es mit den Worten von Franz Kafka zu sagen: Der Wahnsinn ist der einzig mögliche Ausweg aus der Paranoia.

Wie kann nun eine Veränderung zustande kommen?

Welcher Aspekt ebenfalls zu wenig Beachtung bekommt, ist die modellbildende Wirkung von visionären und rebellierenden Individuen innerhalb einer Gesellschaft. Um paradigmatische gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, ist mitnichten eine breit angelegte Massenbewegung erforderlich.

So schreibt Harald Welzer auf Seite 185:

[Soziale Transformationen sind ungleichzeitig; zunächst werden die sogenannten „first movers“ als Spinner betrachtet, dann als Avantgarde, dann als Vorbilder. Man braucht daher keine Mehrheiten um Gesellschaften zu verändern […]. Drei bis fünf Prozent der Bevölkerung reichen […] um einen tiefgreifenden und nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel in Gang zu setzen.]

Somit wird also ersichtlich, dass jeder Einzelne sehr wohl dazu beitragen kann und eine viel größere Rolle spielt als er zu glauben vermag, um eine paradigmatische Perspektivenvariation zuerst bei sich und im weiteren Verlauf auch bei der breiten Masse der Bevölkerung zu initiieren. Die Herstellung einer Alternative zum gegenwärtigen System erfordert weiterhin, dass auch hier zunächst mit positivistischer Propaganda und Steuerung (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Gramsci#Hegemonie) agiert und reagiert werden muss, um vor einer eigendynamischen Fortschreibung des Prozesses zuerst eine wirksame Initiierung in Gang zu setzen.

In diesem logisch folgenden Szenarium formiert sich zunächst eine splitterhafte, dann eine massenergreifende Kontroverse und final der mehrfach angesprochene paradigmatische Wechsel hin zur Postwachstumsökonomie. Die Akzeptanz der zu revolutionierenden Dinge schreitet nun immer weiter fort, muss aber konsequent weitergeführt werden um einen Rückfall in alte, opportune Muster zu verhindern.

Fazit:

Mein Anliegen war und ist nicht, einen subversiven Beitrag zur allgemeinen Unterhaltung beizutragen, sondern gezielt das Nachdenken anzuregen und einen Impetus zur Rebellion zu liefern, der etablierter Bestandteil meines geistigen Repertoires ist. Ich wurde schon als geistiger Brandstifter bezeichnet, genau das ist es! Ich möchte ein Feuer entfachen, ein Feuer das nötig ist, um alte Verhaltens- und Denkmuster zu zerstören, um Platz zu machen für etwas Neues, Fortschrittliches und Nachhaltiges. Die infantile Dreistigkeit mit welcher Tatsachen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft bis zum Obszönen und zur Absurdität verdreht werden, ist spiegelbildlich für unsere Gesellschaft und mir zutiefst zuwider. Diese Verdrehung aufzudröseln ist meine Intention. Gegen Autoritäten, restaurative und reaktionäre Kräfte muss mit Provokation und gelebtem Anderssein aufbegehrt werden. Mit Konformismus erreicht man nie etwas.

Oder anders gesagt: Wer nicht gegen den Strom schwimmt, gelangt niemals zur Quelle.

Ich befürchte jedoch, so lange in der westlichen Welt die phlegmatisch-saturierten Wohlstandspießer noch das Gro des elektoralen Stimmviehs stellen, die Intellektuellen an den Schalthebeln in ihren Elfenbeintürmen sitzend nicht die Tragik der Allmende erkennen und auch konsequenterweise verkünden, die manipulierenden und selbst manipulierten Medien in ihrem bourgeoisen Klammergriff eine unreflektierte Scheiße in den Äther plärren, welche das Pegelmaß einer jeden Klärgrube sprengt, so lange wird die Musik noch weiterspielen und zwar bis zum bitteren Ende. Um nochmal auf die Titanic zurückzukommen: Die ersten füllten ihre Lungen schon längst mit eisigem Atlantikwasser, da vergnügten sich die feinen Damen und Herren noch im Salon bei Streichmusik und Schampus. Diese Allegorie ist durchaus passend, denn in der gleichen Situation befinden wir uns heute. Nachdenken wie man sich noch retten kann, ist oft fehl am Platz. Sehenden Auges wird der Untergang in Kauf genommen. Nobel geht die Welt zugrunde.

Wir sollten also anfangen nachzudenken, ob es so weitergehen kann. Wenn Ihr Euch nun fragt wo Ihr anfangen könnt, dann sprecht den Satz „Ich fange an nachzudenken und mein Konsumverhalten zu ändern“ laut aus. Habt Ihr diesen Satz tatsächlich ernst gemeint, so ist diese performative Zustimmung bereits der Anfang, da mit dem ernsthaften Aussprechen bereits der Prozess seine Initialzündung erfährt. Von diesem ersten Schritt ausgehend ist man auf dem Weg für sich und seine nähere Umwelt die Postwachstumsökonomie zu proklamieren.

Allen Unkenrufen zum Trotz:

Noch ist die Zeit nicht gekommen, in der es zu spät ist, den Ariadnefaden aufzugreifen, welcher den Weg aus dem Labyrinth des Minotaurus zeigt.

Noch ist die Eintrittskarte nach Elysium nicht vom Winde verweht.

Denn bekanntermaßen beginnt die Eule der Minerva ihren Flug erst in den Abendstunden.

In diesem Sinne bleibt noch zu hoffen, dass „Fünf vor Zwölf“ eine dystopische, aber noch nicht erreichte Vision ist. Mögen die Pessimisten sich abermals irren.

Weiterführende Literatur:

Zu guter Letzt empfehle ich Vorträge und Bücher von Hartmut Rosa (Universität Jena), Niko Paech (Universität Oldenburg) und Harald Welzer (Universität Flensburg) um sich in diesem Thema weiter zu vertiefen und wie immer auch Karl Poppers Kritischer Rationalismus (der gehört überall dazu).

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Kommentar

  1. ..Man kann Veränderung nicht fordern, man muss sie selbst bei sich verwirklichen, nur dazu sind die wenigsten bereit…Ich meine dass wir, immer noch die „wirkliche Macht“ haben und zwar deshalb, weil wir Konsumenten sind. Wir haben die Macht, mit unserem Geldbeutel Politik zu machen… „weitgehender Konsumverzicht“ z.B. ist ein völlig friedliches und legales- aber gleichzeitig absolut radikales Instrument eine Revolution in Gang zu bringen…

    • Die „Macht des Konsumenten“ ist eine Chimäre ,
      die dem Machtlosen suggeriert ,
      er wäre nicht machtlos .
      (Sowie die Möglichkeit zur politischen Wahl ,
      dem Menschen heute suggeriert ,er hätte politischen Einfluß, die Wahlen aber problemlos über gleichgeschaltete Medien gesteuert werden können)

  2. Ich bin wahrscheinlich zu primitiv gestrickt, gehöre wohl eher die Klasse der Dummen, weil ich mit den meisten dahingeschwurbelten Fachausdrücken und zum nachsehen verpflichtenden Fremdworte nicht verstehe. Das Anliegen des Autors habe ich schon verstanden. Wie soll es weiter gehen, wohin müssen wir als Gesellschaft uns verändern, damit unser unbegrenztes Wachstum nicht zum totalen Kollaps führt. Ich vermisse die Idee, eine Vision oder Weg. Alle Zitate und Textpassagen sind ganz nett. Aber zeigen keinen Weg. Denn wenn die Schwachen und Ängstlichen den sehen könnten, weil einer die Idee hat. Würde es laufen!

    • Danke, so ähnlich wäre auch meine Antwort.
      Wir haben zwar einen Haufen wortgewaltiger, belesener Analysten, die durch aneinandergereihte Fachausdrücke suggerieren, sie hätten den Überblick, aber ausser hochgestochenem Geschwurbel ist da null Plan in der Tasche.

  3. Ein Hoch auf die “ Dummen“ !!!!
    Wider die Arroganz der Besserwisser!
    Ich will ein „Dummer“ sein!
    SAPERE AUDE- liebe „Man“-Sager und Schubladenkonstrukteure…
    P.S.: Alternativ für „Dumme“ finde ich folgende Begriffe/Worte:
    Putinversteher, Rechte,Nazis,Ausländerhasser,Fremdenfeinde,Assis(vorzugsweise fürs erzeugte und gehegte HARZ 4 Prekariat),Intolerante..usw. in der besten Tradition unserer „Wahrheitspresse“, die jeder Kritik am Voraus eilenden Gehorsam unserer politischen& wirtschaftlichen „Eliten“ mit Diffamierung,Diskreditierung und Verleumdung begegnet!

  4. Alles schöne Worte. Aber was soll es, den Menschen vorzuhalten, sich klug zu machen und „ein Feuer anzuzünden“ oder „gegen den Storm zu schmimmen“.
    Es fehlt an den Möglichkeiten, solange die Macht bei den Herrschenden ist.

    Die Herrschenden, das sind die globalen Dominatoren, denen so viel vom Kuchen gehört,dass sie alles und jeden bestimmen (besonders in der deutachen Politik und Presse).