in Another View

Welche verschiedenen Aspekte kennzeichnen Querfront und wie ist ihre Evaluierung im soziopolitischen Gefüge vorzunehmen? Überschneidungen gegensätzlicher Ideologien im aktuellen Kontext der Neuformierung politischer Strukturen.

Zum Thema:

Auf meine Aussage hin, dass ich die EU in ihrer derzeitigen Form ablehne, Sympathisant der Montagsdemos bzw. Friedensmahnwachen bin, sowie u.a. Publikationen wie die Rote Fahne (welche die nationale Frage vehement vertritt) des Stephan Steins mit Begeisterung lese, weiterhin Personen wie Ken Jebsen und Lars Mährholz mit zu den momentan wichtigsten Personen der außerparlamentarischen Opposition zähle, ferner, dass ich die gängige(!) Zweigliederung in linkes und rechtes politisches Spektrum für in der Form nicht (mehr) haltbar befinde, entgegnete mir jemand vor einiger Zeit, dass sich die Rote Fahne doch in Braune Fahne umbenennen soll und ich mein Parteibuch Der Linken abgeben und stattdessen in die AfD oder noch besser, in die NPD eintreten solle. Im nächsten Satz erfolgte die Brandmarkung der Montagsmahnwachen als Veranstaltung nationaler, rechter, neurechter und esoterischer Anhänger einer jüdischen Weltverschwörung.

Wohlgemerkt: Nur allein auf diese Aussage hin und ohne weiteres Kundtun jedweder soziopolitischer Darlegungen meinerseits.

Natürlich zeugt die Aussage nur von einem sehr begrenzten Wissen und völliger Ahnungslosigkeit der tatsächlichen politischen Struktur und stammt offensichtlich aus dem Lager des indoktrinierenden, versifften, linken Mainstreams.

Ich frage mich, wie kann man eine Publikation (Rote Fahne), welche sich auf die KPD und Ernst Thälmann beruft, welche die entscheidende Triebfeder im dritten Reich war, die sich gegen Naziterror und Judenverfolgung stellte, nur so in den Schmutz ziehen? Schon die Programmerklärung der KPD von 1930 forderte die „nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes“. Damals wie heute, geht es um die Knechtschaft des internationalen Finanzkapitals und der mit ihr verflochtenen Strukturen aus Wirtschaft und Politik. Es ging und geht in diesem Nationalismus nicht um xenophobische Reflexe von Personen welche am 20.04. die Flagge auf Halbmast hissen, uns zeigen wollen „wie hoch der Weizen steht“, die von „gewissen Kreisen an der Ostküste“ fabulieren und von verschlagenen und raffinierten Geschäftsmännern sowie vom raffenden und schaffendem Kapital reden.

Wer Nationalismus mit Fremdenhass, Antisemitismus und Abkapselung von kulturfremden Einflüssen gleichsetzt, dem sei an dieser Stelle von mir die Narrenkappe aufgesetzt. Zu Unrecht ist die Begrifflichkeit des Nationalismus – gerade in Deutschland – verbrannt und wird von den meisten Menschen zumeist aus Unwissenheit, teilweise aus Ignoranz gleichgesetzt mit faschistoiden Auswüchsen gewisser politischer Couleur. Freiwillig oder unfreiwillig machen sich diese Hofnarren der bourgeoisen Clique des internationalen Finanzkapitals zum willfährigen Instrument ihrer Machtideologie – oder anders gesagt: Zur fünften Kolonne des Imperialismus.

Ich spreche hier nicht von “gewissen Kreisen der Ostküste“ welche “verschlagen und raffiniert“ agieren. Auch die Unterteilung in “raffendes“ und “schaffendes“ Kapital liegt mir fern.

Diese Provokation im Sinne des “Advocatus Diaboli“ sei mir erlaubt.

Mit abgedroschenen Worthülsen ohne tiefergehenden Begriffsinhalt, Versatzstücken soziopolitischer Diskurse die aus den Schützengräben pseudolinker Scharmützeln stammen, Wahlkampfresten mittlerweile leider (teil)angepasster Parteien des politisch linken Spektrums, werden hier Parolen, die durch inflationäre – geradezu bis zum Erbrechen paraphrasierte – Wiederholung mittlerweile zu Dummheiten geronnen sind, als Waffe gegen den vermeintlichen Feind eingesetzt. Dabei ist der Feind nicht der Feind für den er gehalten wird. Genauso wenig wie der Freund ein Freund ist. Dieses Vexierspiel wandelt sich durch aufklärerische Arbeit zum Vabanquespiel. Obacht und seid gewiss pseudolinke Poser, dass diese Waffe nicht der Pflasterstein über dem Strand (an dieser Stelle eine Hommage an die Spontis) ist, sondern ein Bumerang, der bereits auf dem Weg zurück zu Euch ist. Ihr seid nichts weiter als die Pausenclowns der hegemonialen Oligarchie, die manipulierbaren Gardisten der imperialen Prädatoren.

Nun zur Erläuterung der Begrifflichkeit und dem Wesensinhalt des Nationalismus (im Folgenden nur noch mit N. abgekürzt):

Ich orientiere mich stringent an der üblichen und klassischen Definition. Ich halte nichts von eklektizistischen Umformungen nach Gutdünken wie sie heute gang und gäbe sind, stammt dieses Agieren doch aus ungewollter Unwissenheit, nicht aus gewollter Weiterentwicklung klassischer Thesen. Mir fehlen ohnehin als Nicht-Geisteswissenschaftler die theoretischen, wissenschaftlichen Grundlagen um weitergehende Modifikationen der soziopolitischen und philosophischen Theorien weiterzuentwickeln.

Im weitesten Sinn kann man den N. dem Patriotismus gleichstellen, eine soziopolitische Strömung welche die Bildung und Erhaltung eines souveränen Staates fordern mit Solidarität, Zusammengehörigkeitsgefühl, Loyalität und bewusster, kollektiver Identifizierung aller Bürger – unabhängig von Ethnie, Religion, Herkunft, sozialer Stand – mit ihrem Staat. Der Zusammenhalt wirkt durch historisches Erbe, Kultur, Sprache, Herkunft und Schaffen. Damit verbunden ist eine Forderung nach nationaler Selbstbestimmung und Souveränität gegenüber anderen Staaten oder supranationalen Entitäten. Es war die sozialistische Arbeiterbewegung, welche das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Maxime des internationalen Völkerrechts gegenüber der Rechten durchgesetzt hat. Für die Linke ist diese nationale Frage identitätsstiftend (dazu unten mehr).

Die Grenzen zum Chauvinismus sind dabei fließend, eine Erhöhung der eigenen Nation ist dabei, je nach Auffassung, obligatorisch oder fakultativ, aber wohl nie ganz auszuschließen.

Kritiker bemängeln, dass der N. lediglich ein Relikt, eine Manifestation bzw. Fortführung eines ursprünglichen Zusammengehörigkeitsgefühls ist, welches Abgrenzung und Vorurteile gegenüber anderen Gruppen definiert und Verantwortung und Schuld kollektiviert statt personalisiert. Weiterhin werden Fehler der eigenen Nation marginalisiert bis geleugnet sowie – antonym dazu – Fehlern anderer nationalstaatlicher Entitäten eine Signifikanz zugesprochen, welche weit über das berechtigte Maß hinausgeht. Dieses geht nach meinem Dafürhalten in eine Richtung, die möglich ist, aber nichts zwingend eintreten wird.

Exakt das Gleiche was die USA heute unter dem Deckmantel der nationalen Verteidigung betreiben, warum sie 2001 den Bündnisfall ausgerufen haben und was sie weiterhin zur hemmungslosen Terrorausübung (zielführend zur Sicherung wirtschaftlicher, eigenstaatlicher Interessen) in Nahen und Mittleren Osten (und auch überall sonst auf der Welt) betrieben. Als etwas anderes als Chauvinismus (als Fortführung alleiniger nationaler Interessen ohne Rücksicht und Solidarität sowie ohne Anerkennung des gleichen Rechts für andere Nationen) kann und will ich die Politik der USA nicht bezeichnen.

Gemäß dem Motto: Die herrschende Lehre ist die Lehre der Herrschenden. (Karl Marx)

Der völkische Nationalismus:

Eine Ausrichtung ist der völkische N., Hier wird ein übersteigerter Wert auf die ethnische Homogenität, dem Schutz der eigenen Nation (Territorium als auch Bürger) vor volksfremden Subjekten (Überfremdung), Reinhaltung der eigenen Nation (Rasse) und der Gleichrangigkeit bzw. Wertigkeit verschiedener Menschenrassen (Rassismus) bedingt durch ethnische bzw. vererbbare Andersartigkeit gelegt. Die zugrunde liegende Ideologie der (Neuen) Rechten nennt sich Ethnopluralismus (Völkervielfalt). Was auf den ersten Blick keine negative Konnotation zu haben scheint, offenbart bei genauerer Betrachtung eine strenge Teilung der Völker in definierten (Staats)Grenzen und soll einer Durchmischung der Völker Einhalt gebieten. Hier wird das Demokratieverständnis lediglich auf ethnisch und/oder religiös gleiche Individuen angewandt.

Vom N. abzugrenzen ist der Nationalrevolutionismus:

Hier wird nach gängiger Lehrmeinung eine von (vorwiegend) rechten Strömungen geforderte Umwandlung des Staates und der Gesellschaft in eine nationale, autokratische, totalitäre oder auch nur autoritäre Form. Durchaus wird dies aber auch unzweifelhaft von linken Strömungen gefordert. Wie das zusammen passt, sollte mittlerweile klar sein.

Den Euphemismus des Ethnopluralismus gilt es zu durchschauen und nicht dem N. der Linken gleichzusetzen und demzufolge nicht das, was ich in Anlehnung an Thälmann und die KPD unter N. verstehe.

Nun, was ich nicht als N. definiere ist somit dargelegt, komme ich nun zu dem, was ich als N. definiere:

Enthält der N. einen nichtdiskriminierenden, vorurteilsfreien, friedlichen und gegenüber den Leistungen anderer Nationen respektierenden Wettbewerb zwischen den Nationen, so ist dies förderlich für den Austausch auf allen Ebenen. Dementsprechend sollte m. E. der aufklärerische Gedanke des Humanismus dabei stets ideeller Archetyp bleiben und die internationale Solidarität das Leitbild prägen und dementsprechend sollten anderen Nationen die gleichen Rechte zugesprochen werden wie der Eigenen. Eine Relativierung oder gar Abwertung des Individuums gegenüber seiner Nation, gleicht dann eher einer autokratischen Dystopie statt einer aufgeklärten Gesellschaft, welche jedem seiner Bürger neben Pflichten auch Rechte zuspricht.

Mein N. steht in der gedanklichen Fortsetzung der Revolution von 1848, des Hambacher Fests, des Wartburgfests und des im letzten Jahr (2013) stattgefundenen Hohen-Meißner-Fests der emanzipierten bündischen Jugend. Die Einheit und Souveränität eines Staates ist die unabdingbare Voraussetzung sich gegen imperialistische Interessen zu schützen. Wenn schon Ernst Thälmann 1930 die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volks forderte, so hat das – wie dargelegt – nichts mit rechten oder faschistoiden Gedanken zu tun. Nur ein Narr (von denen es leider zuhauf gibt) kann dies ernsthaft glauben und vertreten.

Vergessen sei niemals, dass es fehlende nationale Strömungen waren, die das Heilige Römische Reiche Deutscher Nation haben untergehen lassen und es Napoleon ermöglicht haben, halb Europa zu erobern. Weiterhin hat die Niederschlagung der revolutionären Strömungen durch reaktionäre und restaurative Kräfte ebenfalls ihre Ursache darin. Die fehlende eigenstaatliche Souveränität hat den Versailler Vertrag ermöglicht und den Young-Plan begünstigt. Der wiederrum war die Grundlage für die Genese des Dritten Reichs, dessen Protagonisten und deren abscheulichen Verbrechen.

Die Rolle des ehemaligen britischen Empires sowie der “Grand Nation“ dabei, um ihre Vormachtrollen auf dem europäischen Kontinent zu sichern, sei an dieser Stelle kurz erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt.

Rechts oder links, ja was denn nun?

Das Erschreckende aber gleichzeitig zu Erwartende dabei ist, dass wenn man diese pseudolinken Poser (aber auch pseudorechten Knalltüten) fragt, wie definiert ihr “rechts“ und “links“, dass zuerst verlegenes Backenblasen, anschließend ein “ähm…ja…also…nun denn“ oder ähnliches Gestammel daher kommt und final ein substanzloses Geschwurbel, das ebenso viel Essenz hat wie heiße Luft, hinaus geblasen wird und ganz dem Sprech der omnipräsenten und ubiquitären Verblödungsmaschinerie der Massenmedien entspricht. Aber immer irgendwas mit N. auf der rechten Seite und Toleranz auf der linken Seite. Wird schon irgendwie richtig sein.

Von meiner Seite aus viel Spaß weiterhin mit Schubladendenken und Schwarz-Weiß-Schemata, ich hoffe, auch ihr werdet eines Tages (wieder) selbst denken.

Nun konkret:

Nun, an dieser Stelle sei kurz erläutert was es bedeutet rechts oder links zu sein und woher diese Begrifflichkeit stammt, dies lässt sich in der Literatur nachlesen, in vereinfachter Kurzform an dieser Stelle dargelegt:

Ursprung stammt diese Zuordnung aus der Sitzverteilung in der Französischen Nationalversammlung im Jahr 1789 und deren politischen Ansichten. Rechts die Monarchisten, links die Republikaner (auweia, und schon wieder eine gedankliche Kollision).

Rechte Strömungen propagieren die Ungleichheit der Menschen, resultierend aus Herkunft, erblicher oder gesellschaftlicher Struktur oder rein aus persönlicher Leistung heraus (elitär; fordern somit eine strenge gesellschaftliche Hierarchie und elementare Klassenunterschiede), sie befürworten private Kapitalakkumulation, verneinen die Freiheit des Individuums und seine Unterwerfung unter marktwirtschaftliche Prozesse, sind strikt für Privateigentum der Produktionsmittel, vertreten entweder den Konservativismus oder die Reaktion bzw. die Restauration alter Machtstrukturen und sind nationalrevolutionär in deren Sinne, immer in Ablehnung emanzipatorischer Strömungen und damit nicht progressiv im Geiste des aufklärerischen Humanismus. All dies kann in faschistoiden, autoritären oder sogar totalitären Systemen gipfeln.

Dieses gilt es als Linker zu überwinden.

Diese wiederrum fordern eine klassenlose Gesellschaft mit Progressionsmoment ohne stringente Hierarchien, mit Solidarität untereinander sowie den humanen Liberalismus (nicht den globalkapitalistisch geprägten Neoliberalismus!), weiterhin die unveräußerliche Gleichheit der Menschen (libertär, egalitär, fraternitär; Ablehnung des Sozialdarwinismus), Ablehnung von Produktions- und erst recht Finanzkapitalismus als makroökonomischer Leistungsträger, sie bejahen u.a. das Genossenschaftsideal, Volkseigentum und Nutznieß an Kapitalerträgen durch Werktätige und andere plebiszitäre Elemente und basisdemokratische Partizipation des Individuums in allen Bereichen von Gesellschaft und Politik.

All diese aufgezählten Merkmale sind objektive antonyme Termini und somit inkommensurabel um parallel in einer Ideologie zu vorzukommen.

Von beiden Seiten wird oft Kritik an den Fundamenten der herrschenden, demokratischen Ordnung und Normen geäußert. Die Überführung der Gesellschaft und des Herrschaftssystems in eine autokratische, totalitäre oder auch nur autoritäre Gesellschaft wird gefordert. Damit verbunden sind die Gegensätze zu den Idealen der Aufklärung sowie eine Ablehnung der pluralistischen Parteienlandschaft um nur einige gemeinsame Merkmale zu nennen.

National – International:

Sicherlich war der originäre Ansatz der Linken ein internationalistischer Standpunkt, doch im Laufe der Zeit begriffen auch die Linken, dass der nationale Befreiungskampf unabdingbar war, um eine souveräne und antiimperialistische Haltung zu vertreten. Es gilt von den Betonköpfen unter den Linken einfach zu begreifen, dass N. keine Saturierung völkisch-nationaler (rechter) Strömungen ist, sondern der Hebel ist, welcher nötig ist, um hegemonialen, supranationalen Bestrebungen, welche mit dem Verlust nationaler Souveränität einhergehen, etwas entgegenzusetzen. Denn nicht nur die Solidarität ist international, der global agierende Prädatorenkapitalismus ist es ebenso. Dementsprechend hat die Linke keinen Ausschließlichkeitsanspruch auf internationale Bewegungen oder Haltungen, genau so wenig wie die Rechte den Selbigen auf nationaler Ebene hat. Auch hat die Linke kein Recht darauf, Meinungen mit interideellen Standpunkten der Beliebigkeit und Substanzlosigkeit oder gar der Kollaboration zu bezichtigen.

Diese heute noch aufrechterhaltene (kurz hinter dem Ursprung anzusiedelnde) Linie des Nationalismus ist nicht als minder links anzusehen, als sie es damals war. Die “Nationale Frage“ wurde zu Marx‘ und Thälmanns Zeiten durchaus noch von Links thematisiert und rezipiert, heute aber von Links totgeschwiegen. Durch die beharrliche Weigerung der Linken sich damit auseinanderzusetzen, entstand ein Vakuum, in welches die Rechte hinein brach. Im Kontext der imperialen Strukturen wird diese Frage heute leider (fast) nur von der Rechten bedient. Die Linke starrt immer noch wie das Kaninchen auf die Schlange wenn es um die “Nationale Frage“ geht, unfähig sich aus dem historischen Klammergriff von Kollektivschuld und Sühne zu befreien. Die Linke sollte sich auf ihre marxistischen Wurzeln besinnen und der Rechten nicht das Feld überlassen, gegen Imperialismus und Hegemoniestreben zu kämpfen. Falls sie dies versäumt, werden weitere originäre Bereiche der (Alten) Linken den (Neuen) Rechten in die Hände fallen.

Allen Unkenrufen zum Trotz.

Wo wir bei der Querfront wären:

Die scheinbare Unvereinbarkeit von N. und linkem Gestus lässt viele Linke zur Keule der Querfront greifen. Blindlings und wutentbrannt wie die Zyklopen, hundert Keulen in hundert Armen schwingend wie die Hekatoncheiren und vernichtend wie die Titanen werden diese auf alles und jeden gehauen der auch nur ein Quent von der klassischen – oder besser gesagt der propagierten – Richtlinie per Definition abweicht. Wie ein Wahnsinniger, unfähig nach links oder rechts zu schauen und geradezu panisch und reflexartig wird alles mit dem Kainsmal der Querfront belegt und im Sinne der ditfurthschen Jutta und ihres Spießgesellen Henryk M. Broder vogelfrei der totalen Vernichtung preisgegeben. Acht und Bann wird ausgesprochen, dem noch nicht mal ein Canossa-esker Bußgang Abhilfe schaffen kann. Eine kritische Auseinandersetzung käme schließlich dem Zusammenbruch der eigenen zweigliedrigen Welt gleich.

Das Zugeständnis einer Zwischenposition wird nicht gemacht. Wer nicht für uns ist, der muss unweigerlich gegen uns sein.

Keine Lüge ist den Sonntagskindern der Dekadenz in ihrem herrschaftlichem Gestus zu dreist und keine historische Verdrehung zu absurd, um ihren Kreuzzug zu führen gegen alles was nicht unisono im Reigen des Mainstreams tanzt. Die Projektion eines Diabolus maximus auf reale Personen ist probates Mittel zur Durchsetzung ihrer scheinbaren Deutungshoheit und Wahrheitsführerschaft.

Doch ich mahne und warne: Ein Irrlicht ist euer Leuchtfeuer.

So deuten die Gralshüter linker Politik – welche sich zur höchsten moralischen Instanz mit Universalitätsanspruch selbst gekrönt haben – die aktuelle Debatte nach ihrem Gutdünken.

Aus dem Kontext gerissene Fakten, plakativ umgedeutet, leere Worthülsen, zu Dummheiten geronnene Binsenweisheiten, wiedergekäute Losungen die aus den Kampfgräben verirrter und heiß gelaufener Politdiskussionen stammen könnten, Gemeinplätze und viele andere rhetorische Kniffe – die direkt aus der Eristischen Dialektik eines Arthur Schopenhauers entsprungen sind – werden nach eigenem Gusto interpretiert und als Platzhalter für fehlende und schlüssige Argumente missbraucht. Die Argumente des Gegners werden verdreht und zerkaut und dadurch absichtlich in Misskredit gebracht. Durch diese Diffamierung bzw. scheinbare Herabsetzung der Glaubwürdigkeit und der Integrität soll im soziopolitischen Kontext eine Disqualifikation der anderen Seite herbeigeführt werden, ganz im Sinne eines Argumentum ad hominem. Das Propagieren von falschen Dilemmas und Sophismen soll das Beschreiten eines Mittelweges diffamieren und diesen als Querfront brandmarken. Stichhaltigen Aussagen werden Plattitüden entgegengesetzt und eine weitergehende Differenzierung des Diskurses damit konsequent ausgeschlossen.

Das erinnert mich an das platonische Höhlengleichnis.

Oder an den Darwinfisch, welcher dem ICHTHYS im Goldfischglas zuruft: Komm doch heraus, hier ist eine andere Welt! Doch der ICHTHYS weigert sich standhaft seine Sphäre zu verlassen, er hat schlicht Angst, seine kleine heile Domäne aufzugeben, weil ihm erzählt wurde, dass draußen Pestilenz und Anarchie herrschen.

Oder an die rote und die blaue Pille aus dem Hollywoodklassiker “Matrix“.

… oder oder oder…

Weiter im Thema:

Merken manche Leute nicht wie substanzlos ihre „Querfront-Diskussion“ ist? Das Vertreten von Positionen die auch der politischen Gegenseite zuzuordnen sind, aber eben nicht als Alleinstellungsmerkmal existiert, als Querfront zu verschreien, dient nach meinem Dafürhalten niemand, da es den politischen Konsens blockiert. Ich kann ohne Weiteres gegen die Auflösung souveräner und integrer Völkerrechtssubjekte sein, ursächlich hervorgerufen durch die Schaffung supranationaler Institutionen und der von ihnen verfolgten imperialistischen Strategie, welche durch massenhafte Migration gekennzeichnet ist und der damit verbundenen Auflösung der kulturellen Identität Rechnung trägt, gleichzeitig und unmittelbar daraus resultierend aber eine antiimperialistische Kritik üben, welche quasi-originäres Thema eben der Linken ist.

Dieses als Querfront zu brandmarken trifft also nicht des Pudels Kern (um in Fausts Worten zu salbadern) und ist fernab der Realität und als Mythos nach imperialen Gusto aufzufassen. Ganz so wie Mephisto aus dem Pudel fährt, so wird auch eines Tages der inhärente Beelzebub dieser Erkenntnis entfahren.

Ein paar Punkte zum Nachdenken:

Wie ist zu deuten, dass eine sozialistische Partei (Sinn Féin) Nationalismus und Sozialismus (das ist es wieder, die Verbindung von N. und S.) verbindet? Sowohl die Rechten als auch die Linken verorten Sinn Féin auf ihrer Seite. Siehe dazu die ehemalige Zeitschrift der Neuen Rechten „wir selbst“ (was die Übersetzung von Sinn Féin ist).

Wie ist zu deuten, dass die KPD in ihrer Ausrichtung bereits 1930 eine nationale und soziale Befreiung des deutschen Volks forderte?

Wie ist zu deuten, dass sich Teile der heutigen Linken auf die Seite eines ultranationalistischen Regimes (Israel) schlagen welches ein angestammtes Volk mit Waffengewalt vertrieb und immer noch vertreibt?

Wie ist zu deuten, dass sich rechtspopulistische Parteien der Neuzeit ebenfalls mit Israel und seiner menschenverachtenden Politik verbrüdern? Ist die Nakba nicht der Holocaust der Palästinenser?

Was sind denn originäre Bereiche der Linken? Was sind originäre Bereiche der Rechten? Ist es die nationale Frage, Kapitalismuskritik, Antiimperialismus, Antiamerikanismus, Nationalismus, Ablehnung von Fremdherrschaft? Oder bedienen beide Gruppierungen die gleichen Themenfelder?

Wie ist zu deuten, dass lange vor dem Antiamerikanismus der Linken, ein Antiamerikanismus durch die Neue Rechte proklamiert wurde (siehe wieder Zeitschrift „wir selbst“)?

Wie ist es zu deuten, dass lange vor dem Nationalismus der Rechten die Linke die nationale und soziale Befreiung des deutschen Volkes forderte?

Tut sich da eine kognitive Dissonanz auf welche sich in unauflösbaren Widersprüchen verliert?

Wer hat die Deutungshoheit?

Wer hat die Wahrheitsführerschaft?

Die Linken?

Die Rechten?

Beide?

Oder keiner?

Genug nachgedacht? Dann weiter im Thema:

Wir sollten uns von dem Trugschluss verabschieden, dass es keine ideellen Überschneidungen zwischen Links und Rechts gibt.

Auch zu betrachten an dieser Stelle ist, dass die Linke ihren Anhängerschaft ursprünglich aus der Arbeiterbewegung (Proletarier) bezog. In der heutigen Zeit hat sich längst eine Verschiebung hin zu intellektuellen Schichten ergeben. Die Verteidigung völkerrechtlicher Souveränität und Integrität gilt bei vielen Linken als Anachronismus. Damit spielt sie den Ball den global agierenden Player in die Hände.

Jedoch zeigen auch ganz aktuelle und praxisnahe Beispiele der Vermischung der ideellen Eckpunkte.

Dies möchte ich weiter erläutern:

Somit ist weiteres Beispiel für eine etwaige Querfront – oder das was man gemeinhin als Querfront brandmarkt – ist die “Kollaboration“ rechter Parteien wie der FPÖ, Die Freiheit, dem Vlaams Belang, Partij voor de Vrijheid und den Sverigedemokraterna mit Israel. Gemeinsam in der “Jerusalemer Erklärung“ erklären sie den Islam zur Bedrohung für Europa (diesem Punkt möchte ich als Gegner jedweder theistischer/religiöser Einflüsse nicht widersprechen) und gleichzeitig bekunden sie ihre Solidarität mit Israel.

An dieser Stelle sei eingefügt, dass nicht zwangsweise einzig der Islam per se die Bedrohung darstellt, sondern die unmöglich friedliche Koexistenz mit dem Christentum auf europäischem Boden (oder anderswo).

Dazu ein Zitat aus der Jerusalemer Erklärung:

Ohne jede Einschränkung bekennen wir uns zum Existenzrecht des Staates Israel innerhalb sicherer und völkerrechtlich anerkannter Grenzen. Ebenso ist das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegenüber allen Aggressionen, insbesondere gegenüber islamischem Terror, zu akzeptieren.

Rechtspopulisten wie G. Wilders bekennen sich zum Zionismus, ganz im Sinne internationaler Solidarität mit nationalen resp. rechten Bewegungen. Diametral stehen sich Faschisten die, zwar ebenfalls national und rechts, sich als lupenreine Rassisten und Antisemiten bezeichnen, gegenüber.

Wie ist das zu interpretieren?

Krähen auch hier die Betonköpfe unter den Linken unisono das Lied der Querfront? Müssen die jetzt etwa zusammen mit B. Netanjahu und G. Wilders “Die Internationale“ auf hebräisch singen? Die Erklärung ist einfach, ebenso wie die aufgezählten Parteien (s.o.), so liegt auch der Regierung bzw. der Politik des Staates Israel eine ethnokratische, faschistoide, ultranationale Ideologie zugrunde (übrigens analog zum ehemaligen südafrikanischen Apartheid-Regime). Diese Übereinstimmung in der Ideologie ist exakt der Punkt, weshalb sich rechte Parteien mit dem Staat Israel verbrüdern. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass sich diese Parteien in Abgrenzung zum Naziregime (1933-45) eher als “Neue Rechte“ bezeichnen und sich nicht mehr als Antisemiten bezeichnen und ebenfalls den Holocaust anerkennen.

Das ist nach meinem Dafürhalten Augenwischerei und dient als Rechtfertigung. Im Sinne des Ethnopluralismus wäre eine Ablehnung der Juden bzw. Israels zwar tatsächlich nicht statthaft, so dass m. E. trotz gewisser Vorurteile gegenüber Juden (Antisemitismus) eine einheitliche Strategie gefahren wird um die eigene Ideologie nicht löchrig werden zu lassen. Die Frage bleibt nun, wie kann die Rechte in diesem Kontext noch ihre eventuell antisemitische Grundhaltung erklären und bewahren? Diese unterstelle ich ihr nun einmal, ob ich damit Recht habe, bleibe zu diskutieren bzw. abzuwarten. Aber hier lasse ich mich gern eines Besseren belehren. Ich bin schließlich kein ICHTHYS.

Sogar der norwegische Irre namens Anders Behring Breivik schrieb in seinem Manifest:

So lasst uns zusammen mit Israel kämpfen, mit unseren zionistischen Brüdern gegen alle Antizionisten, gegen alle Kulturmarxisten/Multikulturalisten.

Querfront oder keine Querfront, das ist hier die Frage, um in Hamlets Sprech zu salbadern.

Zu diesem Punkt wäre von meiner Seite abschließend zu sagen:

Das Wort Querfront in seiner inflationären Verwendung, stellt nichts dar. Es ist lediglich eine Schutzbehauptung für Dinge, welcher der Sprecher zu verstehen glaubt, aber in Wirklichkeit fern seiner Wahrnehmung liegen. Kausal liegt dem jahrzehntelange Indoktrinierung von Schwarz-Weiß-Denken zugrunde und die Unfähigkeit sich auf neue soziopolitische Begebenheiten einzustellen. Begründet durch die scheinbare Unvereinbarkeit von Fragmenten aus klassischen Ideologien. Diese Fragmente wurden zum einen originär von den Rechten zum anderen von den Linken bedient. Im aktuellen sowie seit einigen Jahrzehnten dauernden und sich stets neu formierenden soziopolitischen Kontext erfahren diese jedoch eine Durchmischung. Geschuldet ist dies den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen. Auch Ideologien werden angepasst, keine Lehrmeinung oder Ideologie kann für sich den Anspruch verbuchen, bis in alle Ewigkeit Bestand zu haben.

 Was ich von der EU halte:

Da ich anfangs meine kritische Haltung zur Europäischen Union (EU) durchblicken ließ, hier noch ein paar Worte dazu:

Die Idee eines geeinten Europas ist gescheitert und zu einem Herrschaftsprojekt einiger weniger machtgieriger Politiker, klandestin agierender Finanzjongleure und anderer NWO-Akteure verkommen. Die Fokussierung auf die Genese eines sozialen und gerechten Marktes war die eutopische Idee (linker) emanzipatorischer Kräfte, stattdessen wurde ein bürokratisches, dystopisches und neoliberales Monstrum geschaffen und die Restauration der Oligarchokratie unter der Ägide amerikanisch-deutschen Hegemoniestrebens forciert. Die Nicht-Partizipierung plebiszitärer Elemente im politischen Diskurs, geheime Treffen von elitären Kreisen und Personen (welche Repräsentanten des Volkes zu ihren Treffen einladen um gemeinsame Perspektiven zu erörtern und zu unterstützen) kann unmöglich förderlich für eine progressive und emanzipatorische Rolle der EU sein. Wird dies nicht unterbunden, so wird die ursprünglich demokratische Struktur der EU unwiederbringlich durch intransparente und informelle Verhältnisse überlagert und ausgehebelt.

Abschließen möchte ich mein Pamphlet mit je einem Zitat von Rosa Luxemburg und Volker Pispers:

Statt also dem imperialistischen Kriege den Mantel der nationalen Verteidigung fälschlich umzuhängen, galt es gerade mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und mit der nationalen Verteidigung Ernst zu machen, sie als revolutionären Hebel gegen den imperialistischen Krieg zu wenden.

(aus: Die Krise der Sozialdemokratie; VII: Invasion und Klassenkampf)

Ich habe keinen oberflächlichen Antiamerikanismus. Meiner ist ganz und gar nicht oberflächlich.

(aus: Bis neulich 2014)

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Kommentar

  1. Lol, welch drolliger Artikel!

    Angesichts der mitunter aufwendigen Grammatik und den vielen Fremdwörtern war da wohl jemand verliebt in seine eigene Intellektualität.

    Auch schnitt er extrem viele z.T. recht komplexe Themenbereiche an, um sie in seiner offenbar linken Perspektive zu beleuchten – einer Darstellung, der man wohl nicht unbedingt zustimmen muß.

    Drollig wird es als er die EU als von „klandestin agierender Finanzjongleuren“ mißbraucht schildert aber vorher noch Zeitgenossen, welche von “gewissen Kreisen der Ostküste“ sprechen in die faschistoide Ecke einsortiert.

    Dabei sind doch diese Finanzjongleure eben GoldmanSachs, Stichwort Marionetten a la Draghi, La Garde, Monti usw.

    • Stichwort Querfront:

      Es ist sicher rational und vernünftig über den linken Tellerrand hinaus zu schaun und zu überlegen, ob das Bewahren der Heimat, sprich Nationalismus nicht auch sinnvoll sein kann.

      Mit dem „Standartlinken“ hat das allerdings wenig gemein – der ist traditionell ein latenter Deutschenhasser und russophiler Besatzerspeichellecker.

      Tatsächlich waren Hugo Chavez und Fidel Castro auf ihre Weise Nationalisten. Chavez schützte sein Land vor us-Okkupation und Chastro versuchte den sovjetischen Einfluß gering zu halten, Mao dito – im Prinzip waren das Nationalsozialisten, so verrückt sich das auch anhört.

      Das ultima ratio ist halt manchmal nicht mainstream-konform.

  2. Ein Klasse-Artikel!
    Er thematisiert letztlich auch, wie die sich heutzutage „Linke“ nennenden Apologeten des rechten Glaubens (das Wortspiel sei mir als Witz erlaubt), als wahre Hüter desselben aufspielen und sich dabei bewusst oder unbewusst als Werkzeug der Eliten missbrauchen lassen. Sich damit zum Spaltpiltz jeder aus dem Volke kommenden und der Demokratieerhaltung dienenden Bewegung erniedrigen.

    Beispielhaft exerziert wurde das Ganze beim Wegschreiben, ja Wegschreien von Pegida und zuvor beim Kaputtmachen der verschiedenen Friedensbewegungen – für die Friedensbewahrung eine Katastrophe.
    Bleibt noch die Frage, inwieweit dies ein Ergebnis von Manipulation oder, was noch schlimmer wäre, von Korruption ist.

  3. Mich tät ja mal ein Artikel über KenFM interessieren, Der wird ja immer beliebter. Bislang hat mich da nichts so richtig überzeugt, aber vielleicht habe ich ja auch in die falschen Sendungen geguckt?

  4. Ganz einfach: Keine der Parteien vertritt die Menschen und deren Interessen. Wie sollten die irgendwie nationale Fragen bedienen, höchstens es wird von Braintrusts empfohlen und vom „Round Table“ befohlen.

  5. Wer in Links rechts Kategorien denkt ist entweder nicht informiert, dumm oder will Menschen gegeneinander aufhetzen(Geheimdienste, V-Leute). Was soll Links Rechts denn sein? Es gibt nur Menschen mit einer Meinung und die ist oft Fremdbestimmt. Wenn ich einem Papagei etwas oft sage fängt der an das irgendwann zu wiederholen weil es das ist was sein Leben gerade mit bestimmt. Anders sind Menschen auch nicht!!!