Kommentar: Die Demokratie-Lüge

Wir leben in einer Wertegemeinschaft. Einer Gemeinschaft, deren Zusammenhalt auf dem Einhalten gemeinsamer Werte beruht.

Diese Werte sind vielfältig. Sie betreffen nahezu jeden Bereich unseres Lebens. Redefreiheit und Demokratie gehören genauso dazu wie Marktwirtschaft und Bankensystem. Werte sind Grundlagen. Grundlagen für eine Gesellschaft, die auf einheitliche Ziele eingeschworen wird. Dieser Gesellschaft wird suggeriert, dass sie die eine wahre Lebensform darstellt. Dass jedes einzelne Zahnrad in diesem unendlich großen Getriebe seinen Sinn und Zweck erfüllt. Einblick in dieses übergeordnete nicht greifbare Getriebe haben allerdings die wenigsten Menschen. Zusammenhänge spielen keine Rolle und sollen nicht erfasst werden können.
Wir haben Experten für alles: Für die Finanzwelt, für Familienpolitik, für die Verteidigung unseres Landes, für die Bildung… Uns wird immer vor Augen geführt, dass wir uns keine Gedanken machen müssen, denn wir haben Experten für jeden nur erdenklichen Bereich.

Wir sind nicht mündig genug uns selbst ein Bild von der Lage zu machen. Wir sind nicht vertrauenswürdig.
Als kleines Entgegenkommen dürfen wir alle vier Jahre unser Kreuz auf dem Wahlzettel hinterlassen. Eine Suggestion von Mitbestimmung, die zur Beruhigung beiträgt, brav hofiert von der Medienwelt, die als wichtigste Macht im Staate, die Stimmung der Menschen lenkt.

Wahlen haben eine enorme Bedeutung, werden sie doch als ultimatives Recht der Mitbestimmung hingestellt. Ein Recht, das so kostbar ist, dass es nur alle vier Jahre zur Anwendung kommt. Zwischenzeitlich sehen die Experten nach dem Rechten und schaffen die Rahmenbedingungen für unsere Wertegemeinschaft.
Wir sollen uns keine Gedanken machen! Volksentscheide oder andere alternative Formen der Teilhabe sind nicht erwünscht.

Wenn man das gerade Gelesene unkommentiert stehenlässt und den Fragebogen weiter spannt, begibt man sich auf dünnes Eis. Man bedenke: Fragen stellen, also Nachdenken über den Ist-Zustand, ist nicht erwünscht.
Warum sollen wir uns keine Gedanken machen? Was steckt hinter unserer Wertegemeinschaft?

Wahr ist, dass wir alle Spieler in einem Spiel sind, in dem sich das Spieltempo in schwindelerregende Höhen gesteigert hat. Die Zusammenhänge von Finanzwelt, Schuldenpolitik, Bankenwesen, Zinspolitik und Realwirtschaft sind nur schwer zu begreifen. Wir, die Spieler, werden gebraucht, um die immer höher werdenden Staatsschulden und damit auch die Zinsen zu bedienen. Ohne Arbeitskräfte bricht dieses System zusammen. Ohne eine stetige Inflationsrate und ständiges Wirtschaftswachstum ist es nicht möglich die steigenden Verbindlichkeiten der Staaten zu bedienen. Eine Wertegemeinschaft in den Fängen der Zinspolitik.

Die wenigen Profiteure dieses unerbittlichen Systems kontrollieren mit ihren Entscheidungen ganze Länder und Staatengemeinschaften und somit unsere Lebenswirklichkeit. Ohne ein ständiges mehr an Absatzmärkten und Rohstoffen befindet sich unsere Scheinwelt im freien Fall. Spricht man in diesem Zusammenhang von Ausbeutung, so untertreibt man gewaltig. Gnadenlose Gier treibt unsere Wertegemeinschaft an. Befeuert wird ein System, das dem Untergang geweiht ist und versucht den Zeitpunkt der Abdankung immer weiter hinauszuzögern. Der Trugschluss von immer mehr Wohlstand für alle, in Fachkreisen auch Globalisierung genannt, trifft uns wie ein Bumerang.

Längst haben wir auf dem gesamten Erdball verbrannte Erde hinterlassen. Wachstumsmärkte werden knapper, der Dollar als Leitwährung wird andernorts bereits mehr als kritisch hinterfragt. Stellt man diese Frage aber zu laut, schlägt das Imperium zurück.

Die Angst der Amerikaner vor ihrem eigenen Niedergang zeichnet sich immer deutlicher auch in der Geiselhaft ab, in der sich die europäischen Staaten befinden. Entscheidungen der deutschen Außenpolitik werden nicht in Berlin gefällt, sondern aus Washington vorgegeben. Wer in Zeiten von immer neuen Enthüllungen der NSA-BND-Beziehungskiste diesen Sachverhalt abstreitet, der sollte sich mal Gedanken machen zum Thema ‚Spitze des Eisbergs‘.

Also machen wir alle vier Jahre unser Kreuz um Vertreter der amerikanischen Politik- und Wirtschaftsinteressen in den Bundestag zu wählen? Wertegemeinschaft? Freiheit? Freiheit, von der unser Nachbar uns erzählt wie sie auszusehen hat? Freiheit des Finanzsystems und der Industrie? Freiheit des Freihandels? Muss diese Freiheit in unserem Namen auf der ganzen Welt verteidigt werden? Ist das unsere Freiheit?

Da kann einem unsere so gern beschworene Demokratie doch zumindest zweifelhaft vorkommen. Aber Vorsicht: Zweifler werden nicht hofiert. Denen weht ein gehöriger Gegenwind ins Gesicht. Zweifelt man an den unlauteren Interessen unserer Wertegemeinschaft, so wird man schnell in die Ecke der Verschwörer gestellt. Es soll einem Angst und Bange werden.

Schnell wieder ins Glied. Ausscheren nicht erlaubt…