„Charlie Hebdo“, Pediga und das unaufhaltsame Ende des Kapitalismus

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Geht es Ihnen auch so? Wenn ich „al-Kaida“ höre, denke ich automatisch immer an „CIA“, so wie ich bei „Jeans“ und „Mcdonalds“ immer an „USA“ denke. Das ist nicht böse gemeint, noch antimerikanisch gedacht: das ist einfach mein Alter. Ich bin noch Zeitzeuge der Kriege in Afghanistan und habe die vielen Berichte gelesen, die damals kursierten: man war stolz darauf, die armen Afghanen gegen die bösen Russen mit Hife des CIA unterstützen zu können, die bekamen sogar „Stinger“-Luftabwehrraketen, mit denen sie die Mil-Mi-8 Kampfhubschrauber der Sowjetunion vom Himmel holen konnte. Seit dem sind die Begriffe für mich untrennbar miteinander verzahnt – und auf den „Krieg gegen den Terror“ kann ich deshalb nicht so locker reagieren wie gewünscht.

Ich bin nun mal ein „philosophischer Kopf“ – und die sind derzeit nicht erwünscht, ja, vor dem Umgang mit uns wurde nach den Terroranschlägen vom 11.9.2001 dringend gewarnt, so der Kommentator Charles Krauthammer von der Washington Post:

Dies ist nicht der Zeitpunkt für Verunklarungen. Oder für selbstquälerischen Relativismus. Oder dafür – was widerlich ist – Schuldvorwürfe zu allererst an Amerika zu richten. Dies ist der Zeitpunkt für Klarheit. Wer zu einem Zeitpunkt nach Schattierungen des Bösen, nach tieferen Gründen, nach Beschönigungen sucht, der ist, um es mit Lance Morrow zu sagen, „ein zu philosophischer Kopf, als dass er für anständige Leute ein passender Umgang sein könnte“ (aus: Schwarzbuch USA, Peter Scowen, DTV 2004, Seite 19).

Die Älteren unter uns gruselt bei diesen Formulierungen, erinnern sie doch an das, was einst in Deutschland galt: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ – jede Form von Kritik oder auch nur der Verdacht, es könnte demnächst Kritik geäußert werden, führte direkt in die düsteren Folterkeller der Gestapo. Ja – wir Menschen fürchten uns, wenn wir solche Worte in führenden US-Medien lesen: immerhin spricht dort die weltbeherrschende Supermacht, was wäre, wenn die sich während ihres „Kriegs gegen den Terror“ in eine Kopie des Dritten Reiches verwandelt?

Nun – Ängste sind Ängste und nur selten real, sie sind uns von der Natur als Vorwarnfunktion mitgegeben worden, nicht als Instrument der Wahrheitsfindung.

Doch nicht nur bei „Jeans“, „McDonalds“ und „Al-Kaida“ denke ich an die USA und ihren Geheimdienst, auch das Wort „Kapitalismus“ ist bei mir direkt mit „god´s own country“ verwoben. Und hier kann ich nicht umhin, aus einem Interview zu zitieren, dass der Soziologe Wolfgang Streek aktuell dem Online-Aufritt der Wirtschaftswoche gegeben hat (siehe wiwo – ganz sicher kein Portal für Verschwörungstheorien):

Bei den politischen Entscheidungsträgern herrschte immer wieder Alarmzustand. Als in den Siebzigerjahren die Konjunktur einbrach und die Arbeitslosigkeit stieg, hatten Helmut Schmidt und die anderen damaligen Regierungschefs ständig das Schreckensbild der großen Krise von 1929 vor Augen. Und sie wussten, dass die Heilung dieser großen Krise des Kapitalismus nicht durch Politik stattgefunden hatte. Auch nicht durch Roosevelts New Deal, sondern durch den Zweiten Weltkrieg. Auch heute ist man sich in den Zentralen des Kapitalismus der Dramatik der Lage sehr bewusst. Larry Summers, der unter Clinton die Finanzmärkte deregulierte, spricht von „säkularer Stagnation“. Und der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman fordert, man solle lieber Crashs riskieren und gefährliche Kredite vergeben, als gar keine. Da herrscht doch die schiere Panik.

Streek hält das Ende des Kapitalismus für sicher. Folgen wir seinen Worten, dann können wir davon ausgehen, dass sich der Alarmzustand der siebziger Jahre in der aktuellen Panik wiederspiegelt. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass die Entscheidungsträger und Gralshüter des Kapitalismus den gleichen Wissensstand haben wie Wolfgang Streek: nur ein Weltkrieg hat den Kapitalismus vor seinem Ende gerettet.

Stellen Sie sich einmal kurz vor, sie wären so ein Kapitalist, so einer von der Marke „Lloyd Blankfein“, der eine ganz eigenartige Auffassung von seiner Arbeit hat (siehe FAZ):

Der Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hat ein ganz eigenes Bild von Gott. Riesige Bonuszahlungen und große Profite in der Krise – für die Gesellschaft sei das alles unproblematisch, sagte er. Und die Banker, vor allem die von Goldman, würden in Wahrheit Göttliches tun.

Wenn man der Meinung ist, man würde selbst Göttliches tun … so wie es die „Islamisten“ weltweit vorleben … welche moralischen Schranken würde man dann noch achten? Als Gott?

Nun, als Mensch, mit dem anständige Amerikaner keinen Umgang haben dürfen, erlaube ich mir noch eine weitere Frage: würde man so weit gehen, einen dritten Weltkrieg gegen den Terror zu inszenieren, dabei seine Kontakte zu Geheimdiensten nutzen? Vielleicht sogar einen Anschlag gegen das eigene Land zulassen oder fingieren (ob mit oder ohne Wissen des Präsidenten und der Regierung ist dabei egal, ich kann Bush´s verblüfftes, verwirrtes Gesicht beim Eintreffen der Nachricht über die Anschläge am 11.9.2001 auch anders deuten: „Oh Gott, die machen ernst“.)

Die Möglichkeiten und Kontakte dazu hätte man gehabt – aber gleichzeit gab es auch öffentlich ausgesprochene Denkverbote, wie es sie nur in Diktaturen gibt -und eine unglaubliche Gleichschaltung der Medien:

Die amerikanischen Fernsehgesellschaften stellten unterdessen auf eine feierliche, selbstgerechte, servile Tonart um und verkochten die gigantische Tragödie … zum Stoff für manipulative Stimmungsmache in Worten und Bildern. (Schwarzbuch USA, a.a.O., Seite 17).

Das kommt uns bekannt vor, oder? Stichwort „Putin“, Stichwort „Islamisten“ – oder Stichwort „Pediga“, überall in deutschen Medien begegnen wir derzeit manipulativer Stimmungsmache – und völlig irrationalen Entwicklungen wie in Dresen, wo man bei einem Anteil von 0,4 % Moslems im Lande eine „Islamisierung“ befürchtet. Darf ich fragen, wer eigentlich diesen Gleichklang dirigiert?

Nein – wir brauchen keine Verschwörungstheorien, um hinreichend erklären zu können, wie die Maschine funktioniert: alle gebildeten, intelligenten Funktionsträger des Kapitalismus wissen um sein Ende … und wie das Ende noch herausgezögert werden kann, was jedem auf seinem Posten (in den Medien, den Gerichten, den Kirchen, den Verwaltungen, den Konzernen, den Regierungen und gesetzgebenden Versammlungen) erlaubt, noch etwas länger im Luxus zu schwelgen: ein neuer Krieg muss her – und zwar ein möglichst langer, am Besten dauert er hundert Jahre.

Dazu braucht man Anschläge wie die auf „Charlie Hebdo“ – und dazu braucht man einen Feind.

Wissen Sie, wer der natürliche Feind des Islam auf europäischem Boden ist?

Das Christentum … das „christliche Abendland“, welches angeblich gerade von Pegida (deren Programm kaum ausländerfeindlicher ist als das der CSU) verteidigt wird. Es wäre die Aufgabe der Kirchen im Wettstreit der Religionen dem Islam zu begegnen – und zwar in christlicher Art und Weise. Wissen Sie noch, was das ist, die christliche Art zu leben? Jenseits von durch die Medien aufgepeitschte Skandale um den Opus Dei, pädophile Priester und größenwahnsinnige Bischöfe? Hören wir dazu Eugen Drewermann (siehe Paderborn am Sonntag):

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„Im Grunde ist die Botschaft der Engel über Bethlehem ein Versuch, die Bedeutung der Person Jesu vorweg zu formulieren. Herrlichkeit ist bei Gott nur im Himmel, wenn Friede ist auf Erden den Menschen, die Güte glauben können und Gewalt ablehnen. Friede kommt nicht durch das Diktat der überlegenen Waffen, sondern durch Wehrlosigkeit, Gesprächsbereitschaft und Vertrauen“

Wehrlosigkeit, Gesprächsbereitschaft, Vertrauen? Sicher, Sie werden jetzt sagen: „Der Drewermann ist von der Kirche suspendiert!“ Ich werde Ihnen entgegenhalten, das der Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten nicht umsonst dafür gesorgt  hat, dass Bischöfe wie Bundestagsabgeordnete einen ordentlichen Geldsegen bekommen haben – wie alle Funktionsträger der Gesellschaft. Ich behaupte sogar: das geschah mit Plan und Absicht, weil man wusste, dass man 1933-1945 brauchte, um 1929 zu verhindern. Oder denken Sie etwa, dass die Erkenntisse aus jener Zeit, die einen Helmut Schmidt nervös machten, heute vergessen sind?

Aber ich möchte nicht nur Eugen Drewermann zitieren, sondern auch seinen ehemaligen Chef, den Papst – damit es kein Gemecker gibt. Am 13.Juni 2014 veröffentlichte die „Zeit“ klare Worte des Papstes zum Kapitalismus, den er als „unerträglich“ bezeichnet (siehe Zeit):

„Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“

Für Christen die allergrößte Sünde – einfach mal die zehn Gebote lesen … bitte nicht überfordern, die ersten beiden reichen schon. Was der Papst beschreibt, ist die Herrschaft des Antichristen – für Christen ein größerer, schlimmerer Feind als der Islam selbst. Seltsam, dass die Hauptkonkurrenten des Islam in Europa nicht den Islam als große Bedrohung sehen, oder?

Und wieso streitet Pegida eigentlich nicht auch gegen die Kapitalisierung des christlichen Abendlandes, wo doch einer der obersten Christenhirten hier ein christliches Machwort gesprochen hat?

Jetzt haben Sie einige Perspektiven serviert bekommen, vor denen die „Mainstream-Medien“ sie schützen, um Sie nicht durcheinander zu bringen. Will ich nun unterstellen, dass die Anschläge auf „Charlie Hebdo“ von der CIA organisiert waren? Um Gottes Willen – wo kommen wir denn da hin. Trotz der inzwischen schon klassischen „die-haben-ihren-Ausweis-verloren“- Methode (kennt man von „Nine-eleven“ und „MH-17), trotz der perfekten Ausführung der Morde, die an die Professionalität von „Special Forces“ erinnert, trotz der Insiderkenntnisse über die internen Vorgänge bei „Charlie Hebdo“ (siehe Spiegel) und den kuriosen Verweisen auf „al-Kaida“ durch CNN (siehe Spiegel) kann man nicht ausschließen, dass es sich um die üblichen „verwirrten Einzeltäter“ gehandelt hat, die wir seit den Morden an den Kennedys kennen.

Ach ja – Kennedy. Da ist wohl einiges an uns vorbei gegangen, wie die Süddeutsche im Jahre 2008 kurz schilderte (siehe Süddeutsche):

Der Mord hat an US-Präsident John F. Kennedy vor mehr als 40 Jahren wirft bis heute Fragen auf. Wissenschaftler haben neue Erkenntnisse und wollen, dass der Fall neu aufgerollt wird. Ihre Analyse von Munitionsfragmenten hat ergeben, dass die Splitter, die in der Leiche des Präsidenten und im näheren Umfeld gefunden worden waren, nicht zweifelsfrei aus einer einzigen Waffe stammen.

Eine Sensation – eigentlich. Die „Mutter aller Verschwörungstheorien“ stellt sich als wahr heraus, die Regierungstheorien zum Mord an dem Präsidenten als fehlerhaft.

Doch wie wird damit umgegangen? Es bleibt eine Randnotiz, eine Randnotiz, die uns daran erinnern sollten, dass in Demokratien Regierungstheorien nicht automatisch wahr sind, wie es Charles Kraushammer (und mit ihm aktuell die gesamten „westlichen“ Medien) unterstellte.

Eingedenk dieser Tatsache sollten wir uns daran erinnern, was nun unsere Aufgabe ist – in Zeiten, in denen ultrarechte Strömungen zufällig zu einem günstigen Zeitpunkt durch aktuelle Attentate Unterstützung bekommen: nicht mehr und nicht weniger als die Rettung der Demokratie vor ihren Feinden … die nicht nur Turban tragen (siehe Heise):

Der US-Botschafter in Deutschland William E. Dodd bekundete 1937 gegenüber einem Reporter der „New York Times“:

Eine Clique von US-Industriellen ist versessen darauf, unseren demokratischen Staat durch ein faschistisches System zu ersetzen und arbeitet eng mit den Faschistenregimes in Deutschland und Italien zusammen. Ich hatte auf meinem Posten in Berlin oft Gelegenheit zu beobachten, wie nahe einige unserer amerikanischen regierenden Familien dem Naziregime sind. Sie trugen dazu bei, dem Faschismus an die Macht zu verhelfen und sind darum bemüht, ihn dort zu halten.

Wusste der Kapitalismus schon damals, dass es zu seiner Rettung eines Krieges bedurfte, eines Krieges, für den ein Adolf Hitler der beste Garant in Europa war?

Warum gibt es eigentlich keine Demonstrationen zur Rettung von Grundgesetz und europäischer Menschenrechtskonvention vor einer neuen, gerade heranwachsenden Generation von Juristen, die – trotz grßter persönlicher Sicherheit – in zunehmenden Maße Folter und Todesstrafe gut heißen? Nur noch 42 % der Studenten lehnen – in Übereinstimmung mit geltenden Gesetzen – Folter generell ab (siehe Legal Tribune Online) – und angesichts der nach den Anschlägen in Paris wachsenden Forderungen nach einer unchristlichen Gesellschaftsordnung (so müssen wir das als christliche Abendländer korrekt bezeichnen, wenn Folter und Todesstrafe wieder Standard werden sollen) dürfte ihre Zahl noch abnehmen.

Ein ungewöhnlicher Blick, den ich Ihnen präsentiere – aber darum warnte man in den USA ja schon vor 14 Jahren vor dem Umgang mit solchen Menschen, die Regierungstheorien nicht stramm, kritiklos und mit Jubelpatriotismus folgen.

Schade, dass ich nicht mehr erleben werde, wie Historiker des 22. Jahrhunderts die Regierungslügen des 21. Jahrhunderts beschreiben werden. Erstmal bin ich zu alt dafür … und zweitens erachte ich die Chance als sehr gering, dass es im 22. Jahrhundert noch genug Ressourcen und Rahmenbedingungen für unabhängige Geisteswissenschaftler gibt.

Wenn wir den momentanen Kurs nicht ändern, werden wir uns wohl in einer Form von Dystopie wiederfinden – einem völlig verwüsteten, lebensfeindlichem Planeten, den wir unserem Glauben an den Kapitalismus geopfert haben – oder einer Gesellschaft, die jede Form selbständigen Denkens als Angriff auf die Souveränität des Staates bekämpft.

Oder beides.

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