in Another View

Teile und herrsche

Die alten Römer haben es erfunden: divide et impera. Das Prinzip ist einfach wie genial: „Gegner“ werden in Gruppen aufgeteilt und gegeneinander aufgehetzt, damit man in Ruhe seine Ziele verfolgen kann. Endlose Konflikte zwischen Anhängern diverser politischer Parteien, Ideologien, Religionen, zwischen Links und Rechts, Arm und Reich, Pro-dies und Pro-das, kennen wir alle. (Mediale) Hetze gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen befeuert dieses „Spiel“.

Prinzipiell ist es wegen dieser Methode schädlich, sich lange mit seinen persönlichen Gegnern oder Leuten aufhalten, die nicht mit sich reden lassen. Stattdessen wäre es sinnvoller, sich auf das Wesentliche – die eigentlichen Probleme und Problemverursacher – zu konzentrieren. Wenn möglich, sollte man trotz Meinungsverschiedenheiten zusammenarbeiten, schließen sitzen wir alle im selben Boot.

Außerdem: Die Tatsache, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, wird man niemals ändern können, aber dafür das Verhalten der herrschenden Klasse. Auf das Ziel einer friedlichen Welt kann man sich mit fast jedem einigen, wieso nicht gemeinsam dafür kämpfen? Man muss nur den Fokus von den Unterschieden hin zu den Gemeinsamkeiten verschieben. Und damit ist zu dem Thema alles gesagt.

Brot und Spiele

„Brot und Spiele“ ist eine altbewährte Methode zum Machterhalt, die ebenfalls die alten Römer erfanden (panem et circenses). Sie nutzten diese Methode, weil sie bemerkten, dass die Menschen leichter zu kontrollieren sind, wenn es ihnen relativ gut geht bzw. sie Spaß am Leben haben. Solange die eigene Lebensqualität nicht bedeutend beeinträchtigt ist, wollen sich die Massen tendenziell nämlich nicht erheben (zumindest solange sich in den Köpfen nichts ändert). Und so haben die Römer die berühmten Gladiatorenkämpfe veranstaltet, um ihr Volk bei Laune zu halten.

Und heute? Am zugrundeliegenden Prinzip scheint sich nichts geändert zu haben. Dem Westen geht es vergleichsweise gut, die Menschen sind materiell glücklich, haben genug Freizeit und dank moderner Technik so viel Unterhaltung (= Ablenkung) wie nie zuvor, aber keine Zeit mehr für die wichtigen Dinge der Lebens. Wann haben Sie sich zuletzt Zeit für sich alleine genommen, um über Gott und die Welt zu philosophieren?

Durch Smartphones und soziale Netzwerke sind wir praktisch nie alleine mit uns selbst. Ohnehin sind durch die mediale Dauerberieselung und unsere schnelllebige Umwelt, Stille und Ruhe inzwischen etwas Befremdliches für uns geworden. Das alles hält uns von selbstständigem Denken und unabhängigem Agieren ab. Stattdessen jagen wir von einem Reiz zum nächsten Reiz, auf den wir reagieren können.

Wir dürfen uns nicht zu Konsumsklaven degradieren lassen, wir müssen Verantwortung tragen – unabhängig davon, wie hoch unser Kontostand ist oder ob das WLAN funktioniert.

Zuckerbrot und Peitsche

Eine kurze Erklärung: Wer sich „korrekt“ verhält, wird belohnt, wer sich „falsch“ verhält, wird bestraft (Prinzip der operanten Konditionierung). Diese Methode fängt schon bei der Meinungsäußerung an. Es ist eine Tatsache, dass Menschen viel eher bereit sind, gesellschaftlich akzeptierte Meinungen zu äußern als abweichende Meinungen, weil sie Angst vor sozialen Konsequenzen haben wie Ausgrenzung und Rufmord. Das führt dazu, dass sich Kritiker und Zweifler zurückhalten, während Regierungs- bzw. Systemtreue laut sind und dafür mit Zustimmung und Anerkennung belohnt werden.

„Zuckerbrot und Peitsche“ geht aber noch viel weiter, oft hängt beruflicher und aktivistischer Erfolg davon ab. Wie wir wissen, haben Journalisten mit erwünschter Gesinnung weit bessere berufliche Chancen. Wer aus der Reihe tanzt, außer er ist Teil der System-Opposition, bekommt keine Arbeit bzw. verliert seine Arbeit. Genauso haben Politiker nur dann eine nennenswerte Chance, nach oben zu kommen, wenn sie im Sinne bestimmter einflussreicher Personen agieren, die sie protegieren könnten.

Anderes Beispiel: Falls Sie, sagen wir, eine Organisation oder ein Institut gründen möchten, können Sie nur dann mit finanzieller Unterstützung rechnen, wenn sie Eliten-Interessen bedienen. „Unabhängige“ Organisationen wie Reporter ohne Grenzen bekommen von der EU und den USA finanzielle Unterstützung nur deshalb, weil sie zuverlässig die gewünschten Ergebnisse liefern – ansonsten hätte die Unterstützung ja keinen Sinn.

Bemerkenswert ist, dass dieses Phänomen überall auftritt, in allen Systemen, in allen Staaten. Ob nun Demokratie oder Diktatur – Andersdenkenden wird das Leben schwer gemacht. System- und Regierungstreue hingegen, also die Mehrheit, leben überall im Großen und Ganzen unbedrängt, weil sie ohnehin keine Probleme bereiten. Nützliche Dummköpfe kommen auf diese Weise überall in einflussreiche Positionen, die Gescheiten bleiben unten. Wie Rosa Luxemburg richtig bemerkte: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“.

Jeder hat die Wahl: Entweder man schwimmt im Strom mit und macht sich so das Leben leicht, oder man kämpft gegen den Strom an für mehr Gerechtigkeit. Die meisten entscheiden sich für Ersteres. So hält man ein Volk auf Linie.

Häppchenpolitik

Radikale Veränderungen in einem Staat sind oft unpopulär und schmerzhaft für die Bevölkerung. Nicht immer ist es möglich, den Menschen radikale Veränderungen zu verkaufen, speziell wenn sie nachteilig sind für sie. Deswegen ist es in dem Fall hilfreich, die gewünschte Veränderung in Stücke aufzuteilen. Es kommt immer auf den Kontrast an: Geschieht eine Veränderung plötzlich, ist sie schmerzhaft; wenn sie aber über Jahre hinweg schrittweise voranschreitet, kommt die gleiche Veränderung gar nicht so schlimm vor, denn der Mensch gewöhnt sich an fast alles. Man muss ihm nur Zeit lassen.

Der Soziologe Joseph P. Overton beobachtete Entwicklungsstadien von Ideen, mit Hilfe derer man absolut tabuisierte Ideen gesellschaftsfähig machen kann. Die Entwicklungsstadien, in der sich eine Idee befinden kann: „undenkbar“, „radikal“, „akzeptabel“, „vernünftig“, „populär“ und letztlich „politisch verankert“. Das Stadium, in dem sich eine Gesellschaft befindet, ist das sogenannte „Overton-Fenster“.

Wie setzt man nun eine undenkbare Idee durch? Zuerst bringen Meinungsführer (Forscher, Journalisten, Politiker etc.) die tabuisierte Idee in den öffentlichen Diskurs. Das Undenkbare wird enttabuisiert und hinterfragt. Dann werden zunehmend rationale oder rational anmutende Argumente verbreitet, die peu à peu Unterstützer anziehen sollen und das Undenkbare auf eine solide Basis stellen. Irgendwann – je nachdem, wie erfolgreich die Kampagne läuft – wird die ursprünglich undenkbare Idee zum einzig Vernünftigen und Andersdenkende werden als rückständig, ewiggestrig hingestellt. Zum Schluss verankert man das einst Undenkbare in der Gesetzgebung. Beispiele dafür: Homosexualität – Homo-Ehen, Masseneinwanderung – Reisefreiheit.

Problem-Reaktion-Lösung

Wie erreicht man am elegantesten ein politisches Ziel, das moralisch verwerflich ist? Im Grunde ganz simpel: Man schafft ein (angebliches) Problem, macht darauf aufmerksam und bietet schließlich die Lösung dafür an. Nicht nur, dass man mit seinem Plan durchkommt, man kann sich sogar als selbstloser Wohltäter feiern lassen.

Aktionen unter falscher Flagge sind ein Klassiker von „Problem-Reaktion-Lösung“. Keine Verschwörungstheorie, sondern gang und gäbe in der Geschichte der Politik: So sind Fälle wie „Massenvernichtungswaffen im Irak“ oder, relativ aktuell, die erlogenen Giftgasangriffe durch Baschar al-Assad, als Russland einen westlichen Angriffskrieg gegen Syrien im letzten Moment verhinderte, Beispiele für diese Methode.

Grundsätzlich beginnen Kriege immer mit der Methode der „Problem-Reaktion-Lösung“, weil nur so die Massen von einem Krieg überzeugt werden können. PRL suggeriert, es ginge nicht anders, man müsse im Namen der Menschlichkeit das tun, was von oben gefordert wird. Ein Problem ist schließlich nicht gut und muss beseitigt werden. Das Problem selber, also die Prämisse für eine Lösung, wird selten hinterfragt.

Erschaffung von Illusionen

Damit das Volk nachts beruhigt schlafen kann, wird es in Illusionen gewiegt. Die Illusion, frei und unabhängig zu sein, die Illusion, informiert und aufgeklärt zu sein, die Illusion, auf der Seite der Guten zu stehen, die Illusion, in einer Demokratie zu leben, die Illusion, es gäbe keine bessere Alternative zum bestehenden System usw. Solche Illusionen geben Widerstandsgedanken keine Chance.

Auf die Straßen geht das Volk erst, wenn es sich schlecht fühlt, sei es durch Unterdrückung, Benachteiligung, Ungerechtigkeit oder Armut. Es geht nur um das Gefühl, nicht die realen Zustände, denn wie wir wissen, sind die Massen gefühls- und nicht vernunftgeleitet – deswegen sind Illusionen so effektiv. Wieso auflehnen, wenn man schon „frei“ ist? Manipuliert werden ja immer die anderen. Den Westen können Betroffene kritisieren, die grundsätzliche Einstellung zum Westen bleibt aber stets positiv und ohnehin sind die anderen schlimmer.

Der Vorteil von Illusionen ist, dass man sie weder mit Fakten noch mit Logik angreifen kann, da sie ein integraler Bestandteil des Weltbilds sind. Seit früher Kindheit werden den Menschen mantraartig Illusionen vermittelt, durch die sie in eine Traumwelt untertauchen, ohne die Realität mehr erkennen zu können. Wenn die Menschen einen nüchternen Blick auf die Wirklichkeit hätten, der nur durch intensive und extensive Aufklärung ermöglicht wird, hätten wir schon morgen massenhafte und andauernde Proteste. Ansonsten bleibt die schöne Fassade aufrechterhalten und die tatsächlichen Prozesse der Politik bleiben verborgen. Oder mit Goethes Worten: „Niemand ist hoffnungsloser versklavt als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein.“

Angst- und Empörungsmanagement

Das Volk soll im Großen und Ganzen zufrieden sein, aber gewisse Ängste sollen es beschäftigen. Der Durchschnittsmensch fängt nämlich höchstens dann an, an andere Menschen zu denken, wenn seine eigenen grundlegenden Bedürfnisse befriedigt sind. Eins dieser Bedürfnisse ist Sicherheit und das wird nur teilweise bedient, weil Unsicherheiten ins Volk gestreut werden, die von den großen Problemen dieser Welt ablenken. Wichtig ist auch  hierbei, von den Ursachen abzulenken.

Ob Arbeitsplatzunsicherheit, Terrorakte oder eine angebliche Bedrohung durch „Schurkenstaaten“ – selten wird ein System dahinter als Ursache vermutet, stattdessen sucht man die Schuld bei sich oder anderen Einzelpersonen. Verängstigte und verunsicherte Menschen stellen keine Bedrohung dar; nur wer sich stark fühlt, ist bereit, das Establishment bzw. das System anzugreifen.

Beim Empörungsmanagement geht es darum, die Empörung der Bevölkerung zu lenken. Das geht so: Wenn Empörung vermieden werden soll, verschweigt bzw. marginalisiert man entweder etwas oder hält es möglichst abstrakt. Der Mensch kann nur schwer Empörung entwickeln, wenn eine Sache für ihn abstrakt, unpersönlich, einfach nicht emotional ist. Geht es darum, Empörung zu forcieren, wird die Berichterstattung umfangreich, detailliert, zeigt persönliche Schicksale, das Leid der Menschen etc..

Beispiel: Gibt es einen Anschlag im Westen durch Islamisten, so wird in aller Deutlichkeit die Brutalität und Unmenschlichkeit dieses Anschlags gezeigt. Gibt es einen Anschlag oder sogar einen Krieg in einem „Schurkenstaat“, belässt man die Berichterstattung ganz abstrakt mit Zahlen und einigen Hintergrundinformationen, an Bildern wird dagegen gespart. Schließlich soll niemand Empörung oder Hass gegen den Westen entwickeln und nicht mit seinen Opfern mitfühlen. Jeder weiß zwar, dass es westlich geführte Kriege gibt, die Opfer aber sind weit weg und reine Statistik – es gibt keinerlei emotionale Verbindung. Die „abgelenkte Empörung“ hat zusätzlich den Vorteil, dass man mit der Zeit wegen der ganzen Negativität ermüdet und so wichtiges Empörungs- und somit Widerstandspotenzial verloren geht.

Verschleierung der wahren Ziele

Damit die Machthaber ihre wahren Ziele ohne massiven Widerstand verfolgen können, verschleiern sie diese, indem sie mit falschen Absichten und Begründungen von ihnen ablenken. Am liebsten hüllen die Mächtigen ihre Ziele in einen humanistischen Mantel. Ein Klassiker dafür ist der Krieg, der nur deshalb geführt wird, um uneigennützig zu „helfen“. Oft reden die Machthaber dem Volk bei dieser Methode Alternativlosigkeit ein, damit weniger hinterfragt wird, z. B. mit Aussagen wie „Wir brauchen Einwanderung!“

Und die heutige Globalisierung wird als eine zwangsläufige Konsequenz der technischen und demokratischen Entwicklung auf der Welt dargestellt, die man nicht mehr rückgängig machen könne. Ob die propagierte Version einer Politik ehrlich gemeint ist oder nicht, erkennt man relativ leicht, indem man überprüft, inwieweit sie mit den Tatsachen übereinstimmt und wie sinnvoll sie ist, vielleicht gibt es offenkundig bessere Alternativen. Dann kann man die realen Folgen abschätzen und daraus die eigentliche Absicht einer Politik ableiten.

Dies ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Unsere Gleichgültigkeit ist das Todesurteil anderer.“ Zu kaufen bei Amazon.

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Kommentar

  1. Sehr guter Artikel der Lust auf das Buch macht. Für selbst denkende, kritische Menschen nicht wirklich neu jedoch werden hier die Mechanismen um die Zusammenhänge warum die Welt heute so ist w i e sie ist, anschaulich dargestellt.

  2. In seinem Buch „Dialektik der Ordnung/Die Moderne und der Holocaust“ schreibt Zygmunt Bauman: „Eines der wichtigsten Merkmale ist die Fähigkeit moderner, national-bürokratischer Apparate, eigene Zielsetzungen unter Mitwirkung jener, deren Interessen das zuwiderläuft, zu verwirklichen.“ Und das hier funktioniert nach demselben Muster!! Die aufgeklärten und freiheitsgewohnten Bürger scheinen gut zu schlafen. Das ganze funktioniert offensichtlich auch auf internationaler Ebene. Wehe uns.