in Gesellschaft

Vor 25 Jahren wurde der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen getötet. Noch immer glauben viele es sei seinerzeit die RAF gewesen. Pünktlich zum Todestag  fördert ein aufwendig recherchierter ARD-Film nun eine neue Spur zutage: die Bombe die Herrhausen seinerzeit tötete, kam aus dem Libanon !

Die Bombe kam offenkundig aus dem Nahen Osten, findet Egmont R. Koch in seinem Film heraus. Nur acht Tage vor dem Attentat stirbt in Beirut der libanesische Präsident Réne Moawad durch einen identischen Sprengsatz. Dann, an besagtem 30. November, wird 3000 Kilometer entfernt Alfred Herrhausen getötet. Das Bundeskriminalamt findet ein Bekennerschreiben der RAF, das – aus heutiger Sicht – indirekt belegt, dass sie selbst die Bombe nicht gebaut hat. Denn: Es ist von einer „Hohlladungsmine“ die Rede.

Solche Bekennerschreiben sind von der RAF immer als kollektive Stellungnahmen geschrieben worden. Also hätte doch eigentlich auch ein „Techniker“ der Gruppe den Fehler bemerken müssen. Stattdessen werden falsche Ausdrücke verwendet. Der Direktor des Frauenhofer Instituts EMI, Klaus Thoma, findet das verräterisch: „Das deutet meiner Ansicht nach darauf hin, dass jemand einfach nur Worte aufgeschnappt hat, irgendwas übernommen hat und Worte zusammengemixt hat, die fachlich nicht zusammengehören.“

Bemerkenswert dass selbst der CIA der Bombentyp der Alfred Herrhausen tötete, bis dato noch weitgehend unbekannt war. Und wahrscheinlich noch bemerkenswerter, dass eine linksgerichtete Stadtguerilla genau wusste, wie man diese Bombe auf hochpräzise Weise gegen die hintere Seitentür des gepanzerten Dienst-Mercedes einsetzen und platzieren musste. Denn die Personenschützer, die Herrhausen an diesem Tag  in zwei weiteren Fahrzeugen begleiteten, blieben vollkommen unverletzt. Mehr noch; Infolge der Verletzung verblutete Herrhausen innerhalb von acht bis neun Minuten, während seine Personenschützer in den beiden unbeschädigten Begleitfahrzeugen verharrten. Bemerkenswert auch die Tatsache, dass die Personenschützer, die Herrhausen verbluten ließen, ohne die geringsten Anstalten zu machen, Erste Hilfe zu leisten und das verletzte Bein abzubinden, nicht im Dienste des Bundeskriminalamtes, sondern der Deutschen Bank standen.

Herrhausen und der Zwist mit seinem Arbeitgeber

Viele Freunde machte sich Alfred Herrhausen mit seinen revolutionären Ideen bei der Deutschen Bank vor seinem Tod sicherlich keine. Denn er forderte die für die Bankenwelt vollkommen ungewöhnliche und unproduktive Idee des Schuldennachlasses, zumindest aber Schuldenerleichterungen für 3.Welt-Länder. Seine diesbezüglichen Vorschläge, die er unter anderem auf der Weltbanktagung 1987 und der Bilderberg-Konferenz 1988 vorgebracht hatte, stiessen dann auch auf erbitterten Widerstand in der Finanzwelt, wobei insbesondere die US-Banken in eine ausgeprägte Kampfrhetorik verfielen. Aber auch sein Arbeitgeber selbst, die Deutsche Bank, war alarmiert. So schrieb der Spiegel im Jahre 1988, also einem Jahr vor dem Anschlag auf Herrhausen in seiner Ausgabe 40/1988;

Herrhausen hatte auf der Bilderberg-Konferenz, einem ebenso einflußreichen wie elitären Zirkel von Politikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt, wahrhaft Ketzerisches vorgetragen: Der Banker empfahl, über einen Schuldennachlaß für die Dritte Welt nachzudenken.

Für Röller, nebenher Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, kam der Vorstoß Herrhausens völlig überraschend. Sicher, der Kollege von der Deutschen Bank hatte auf der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vergangenes Jahr in Washington schon einmal ähnliches geäußert; doch nach Protesten aus dem Kollegenkreis hatte Herrhausen damals widerrufen. Seither schienen die Reihen der deutschen Banker wieder fest geschlossen.

Doch Alfred Herrhausen hatte sich etwas vorgenommen, und dem folgte er auch weiterhin, wahrscheinlich ohne sich über die konkrete Gefahr bewusst zu werden, in die er sich bei solch einem Vorgehen begab.

Der Schein hat, wie sich nun herausstellte, getrogen. In seiner Ratlosigkeit suchte Röller Hilfe beim Kollegen Walter Seipp, dem Chef der Commerzbank. Telephonisch, von Bank-Hochhaus zu Bank-Hochhaus in Frankfurt, fragte Röller, wie der neuerlichen Herausforderung durch Herrhausen am besten begegnet werden könne.

Und weiter heisst es in derselben Spiegel-Ausgabe;

Das Thema, das die Geldmanager so nachhaltig beschäftigte, war der alles beherrschende Stoff des großen IWF-Spektakels. Sechs Jahre lang schwelt die globale Schuldenkrise nun, und ein Ende ist nicht in Sicht.Im Gegenteil: Die Beträge, die Staaten und Unternehmen in der südlichen Erdhälfte den Banken und den öffentlichen Institutionen der Industriewelt schulden, werden von Jahr zu Jahr höher.Dafür sorgt schon die Hartnäckigkeit der Gläubiger. Sie bestehen darauf, daß zumindest Zinsen auf die Kredite bezahlt werden.Da den Schuldnern oft die Dollar selbst für diese Überweisungen fehlen, müssen sie sich frisches Geld leihen – bei ihren alten Gläubigern.So wandert das Geld vom Norden in den Süden und dann gleich wieder zurück in den Norden, ein perverser Kreislauf.Alfred Herrhausen würde ihn gern unterbrechen. Und weil er in diesem Zusammenhang das Wort von „Schuldenerleichterungen“ auszusprechen wagt, hat er nun die Kollegenschar gegen sich. Und wie.

Die Vorstellung, mit einem Forderungsverzicht könne den hochverschuldeten Ländern geholfen werden, sei „eine Schnapsidee“, polterte Commerzbank-Seipp kurz vor Beginn des Kongresses, als seine Bank IWF-Gäste auf einer Dampferfahrt bewirtete. „Scheinbar einfache und deswegen populäre Vorschläge“ zur Lösung der Schuldenkrise wie ein Forderungsverzicht führten „in eine Sackgasse“.

Ermittlung „gegen Unbekannt“ und Täter niemals gefasst

Die Ermittlungen rund um den Mord erscheinen rückblickend chaotisch. Ein V-Mann namens Siegfried Nonne machte konkrete Angaben zu den mutmaßlichen Tätern, widerrief seine Aussage dann aber vor laufender Kamera – und ohnehin war einer der Beschuldigten zum Tatzeitpunkt nachweislich nicht in Deutschland gewesen. Christoph S. wurde, nachdem er sich einige Jahre später den Behörden gestellt hatte, umgehend wegen mangelnden Tatverdachts freigelassen. (DIE WELT / 15.01.13)

Und selbst die zerstörte S-Klasse-Limousine, in der A.Herrhausen einst starb, ist nicht mehr auffindbar.

Gesucht werden: 2,8 Tonnen Stahl, Blech, Verbundglas und Gummi. Also eine „sondergeschützte“ Limousine der Mercedes S-Klasse, Baureihe W-126. Am 30. November 1989 starb in dem dunkelgrauen Fahrzeug mit Frankfurter Kennzeichen der Vorstandsprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, bei einem Bombenanschlag. Jetzt sucht das Stuttgarter Haus der Geschichte das Wrack für eine geplante Ausstellung über die Rote-Armee-Fraktion (RAF). Doch der Wagen ist nicht mehr aufzufinden. Das meldet die „Bild“-Zeitung.

Ein Sprecher des Museums sagte, das zerstörte Fahrzeug sei an den Hersteller Daimler zurückgegeben worden. Doch dort heißt es, dass sich das Wrack nicht in der Sammlung des Konzerns befinde und zum Verbleib nichts gesagt werden könne.

Auf jeden Fall verschwand das Thema Schuldenerlass nach Herrhausens Tod umgehend in der Versenkung. Sein Nachfolger Hilmar Kopper tat das Ganze als intellektuelles Experiment ab, welches niemals ernst gemeint gewesen sei.

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Kommentar

  1. John Perkins, Abkömmling einer bekannten Familie des amerikanischen Ostküsten-Establishments plaudert in seinen Confessions of an Economic Hitman (Geständnisse eines Wirtschaftsattentäters) aus dem Nähkästchen der internationalen Finanzoligarchie – wie vor allem Entwicklungsländer mit einem ganzen Repertoire an wirtschaftlicher Erpressung, dem Einsatz gedungener Attentäter und schließlich Krieg dem Diktat von IWF, Weltbank und privaten Finanzinteressen unterworfen wurden.

    Aber der beschriebene Modus operandi trifft auch für eine ganze Reihe unaufgeklärter Morde in Europa zu, von Enrico Mattei, Aldo Moro, Jürgen Ponto, Alfred Herrhausen bis zu Detlev Karsten Rohwedder, um nur einige zu nennen.

    https://www.youtube

  2. Alfred Herrhausen war noch einer der wenigen seriösen Banker die es heute nicht mehr gibt und hat daher damals den international aufkeimenden Finanzkapitalismus und das Investment Banking kritisiert daher kann er unmöglich von einer linken Terrorgruppe umgebracht worden sein. Was die RAF war? eventuell so was wie die NSU? Auf jeden Fall war der Kopf der Bande nicht politisch sondern ein rein krimineller Gewalttäter. Ackermann(letzter Chef der deutschen Bank) sagte auch mal in einer Bemerkung bei Hart aber Fair, „er möchte noch ein wenig weiterleben“ Auch da ging es um den Finanzkapitalismus!!!

      • Die Sendung habe ich nicht gesehen. Ich bin mir sicher war eine der letzten Sendungen bei hart aber Fair wo Ackermann dabei war. Da hat er ebenfalls wie nebensächlich erwähnt das er noch weiterleben will. Habe die Hart aber Fair Sendung leider nicht gefunden.
        Nur als Fazit würde ich sagen wenn jemand wie Ackermann so was sagt war das eine Info an die Allgemeinheit denn der Mann weis bestimmt was er sagt!!!

  3. Der Tod von Herrhausen zeigt Wirkung .

    Herrhausen war der Letzte ,
    der eine Entschuldung von Staaten forderte ,
    die ihre Schulden niemals begleichen werden können .
    In einem Fernsehauftritt
    lehnte Ackermann das Eintreten für Entschuldung ab ,
    mit der interessanten Begründung ,
    er wolle nicht enden wie Herrhausen .

    Wenn heute die Bombenherkunft in den Libanon geschoben wird ,
    könnten sich diese Behauptungen nur leicht um ein paar Kilometer Richtung Süden verschoben ,richtig sein .

  4. Diese ARD-Sendung war ein peinlicher Versuch, den Mord an Herrhausen, der ganz klar auf das Konto unseres westlichen Finanzfaschismus geht, doch noch irgendwie dem RAF-Phantom ans Bein zu binden. Diese Art von Geschichtsrevisionismus wird uns dann auch noch als investigativer Journalismus verkauft … es ist nur noch peinlich!

    Die Präzision des Mordanschlages und die verwendete Technik sprechen eindeutig für eine Geheimdienst-Operation. Wie stets bei solchen traurigen Anlässen frage man sich: cui bono?