Wirtschaftsprofessor: „Das Bargeldverbot kommt“

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Eine Abschaffung des Bargelds halten die meisten Deutschen für unmöglich. Doch die internationale Finanzwelt sieht das anders – sie hält ein solches Bargeldverbot für richtig. Auch der deutsche Wirtschaftsprofessor Gerald Mann ist sich sicher: „Das Bargeldverbot kommt“.

Gerald Mann, Professor an der FOM Hochschule in München, hat gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Ulrich Horstmann ein Buch zu dem Thema Bargeldverbot geschrieben – Bargeldverbot: Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen heißt es. In einem Interview mit dem FOCUS, wiederholt er seine wesentliche Feststellung: „Die Bargeldabschaffung wird sicher nicht sofort kommen. Eine schrittweise Abschaffung halte ich hingegen für sehr wahrscheinlich.“

Den wesentlichen Treiber hinter einer solchen Abschaffung sieht Mann wichtige internationale Finanzinstitutionen und -Institute, denn „wenn eine Zahlungsvariante, mit der ich konkurriere, abgeschafft wird, kann ich meine Gewinnmarge deutlich erhöhen“. Ein weiterer Hauptbefürworter sieht er in der europäischen und nordamerikanischen Politik, „so haben bereits einige Länder Höchstbeträge eingeführt, bis zu denen mit Bargeld bezahlt werden kann. So sollen Schwarzarbeit, organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung bekämpft werden.“ Insbesondere Schweden sei hier ein zentraler Vorreiter, wo einige Bankfilialen gar kein Bargeld mehr ausgeben und manche Geschäfte wiederum kein Bargeld mehr annehmen würden. „Manche Experten erwarten, dass in Schweden bis zum Jahr 2030 die bargeldlose Gesellschaft eingeführt werden kann“ so der Experte weiter.

Den Grund für diese gesamteuropäische Entwicklung sieht Mann in der immer noch gegenwärtigen Staats- und Finanzkrise, da die Gefahr eines „Bankruns“, das heißt einer kollektiven Welle der Abhebungen, immer noch bestehe. Aus diesem Grund rückt das Bargeldverbot im Zentrum vieler Banker und Politiker, denn sonst „wäre das Finanzsystem am Ende“. Mann weiter: „Der zweite Grund ist, dass wir unser Geld ausgeben sollen. Die Negativzinsen der Zentralbanken sollen auf für den kleinen Mann gelten, damit der Konsum angekurbelt wird.“ Er nennt diesen einen Angriff auf „unsere gute Sparkultur“.

Die Risiken sieht der Professor für Volkswirtschaftslehre und studierte Politikwissenschaftler vor allem in der Macht, die dem Staat dann zu Gute kommen würde. „Er könnte jede Transaktion überwachen. Wer politisch unliebsame Bücher oder Zeitschriften kauft, könnte sofort erkannt werden. George Orwell würde sich angesichts des ‚gläsernen Zahlers‘ verwundert die Augen reiben, weil es seine Erwartungen noch übertrifft.“

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Zuletzt wurde ein Bargeldverbot in elitären Kreisen immer deutlicher vertreten. So forderte zuletzt die Bank of England eine Abschaffung des Bargelds mit der Begründung nur so niedrige Zinsen auch reell durchsetzen zu können.

Forderungen in dieser Richtung gibt es jedoch schon länger. Larry Summers, 1991 bis 1993 Chefökonom der Weltbank anschließend Finanzminister der Clinton-Regierung, forderte bereits 2013 ganz offen die „Abschaffung des Bargelds“. In einer Rede vor dem IWF-Wirtschaftsforum im November begründet er das unter anderem mit einer vermeintlich eintretenden „massiven Nachfrage-Erhöhung“. Ein verirrter Ökonom auf Irrwegen? Keineswegs. Der einflussreiche Summers steht keinesfalls alleine da. Kenneth Rogoff, noch ein US-Ökonom aus Harvard, früher beim Internationalen Währungsfonds tätig und – rein zufällig wohl – ebenfalls Mitglied im Council on Foreign Relations, hat rund ein Jahr nach Summers Auftritt in dieselbe Kerbe geschlagen.

Auch er Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, ist ein dezidierter Befürworter der Bargeldabschaffung. Buiter sieht aber, dass Bargeld vor allem von Ärmeren und Älteren genutzt wird. Um die nicht ganz zu verprellen, schlägt er vor, nur noch Scheine mit kleinem Nennwert bis zu Fünf-Dollar auszugeben – immerhin.

Aus den – durchaus einflussreichen – Forderungen wird nun teilweise Realität. Den Anfang macht Frankreich mit einer eher minimalen Einschränkung im vermeintlichen Kampf gegen den Terrorismus. Von September an dürfen nur noch maximal 1.000 Euro in barer Münze bezahlt werden. Das kündigte der französische Finanzminister Michel Sapin vor einigen Wochen an. „Große Geldflüsse“ sollten systematisch überwacht werden, sagte Sapin der Zeitung „Le Parisien“. Dafür sollen Banken sämtliche auffälligen Geldbewegungen bei den zuständigen Stellen melden.Auch Griechenland plant offenbar Bargeldzahlungen einzuschränken.

Transaktionen über 70 Euro sollen nur noch mit Karte erfolgen dürfen. Begründet wird das mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die JPMorgan Chase will in den Schließfächern und Tresoren ihrer Kunden kein Bargeld mehr akzeptieren. Außerdem müssen Tankstellen, Restaurants und kleine Läden in Dänemark bald kein Bargeld mehr annehmen. Die Notenbank Dänemarks hat bereits angekündigt, dass sie von Ende 2016 an mangels Nachfrage keine neuen Banknoten mehr drucken will.

Ein solches Verbot hätte massive Auswirkungen auf die Freiheit der Bürger Konkret wäre die Bevölkerung vollkommen gläsern gegenüber Banken, zu denen er fortan zwangsweise gehen müsste, und auch gegenüber Behörden. Außerdem wäre eine Enteignung mittels negativ Zinsen leicht durchzusetzen. Desweiteren wäre die Möglichkeit eines Bank-Run, der mittlerweile den Generalstreik als wirkungsvollstes Massenprotestmittel abgelöst hat, völlig unmöglich. Lesen Sie hier mehr über die Folgen eines Bargeldverbots: „NEOPresse: Das Bargeldverbot droht

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