Widerstand – Nach dem Bargeld kommt das Bargeld

Ein Kommentar. Viele Beiträge in den Medien, auch bei Neopresse, beschäftigen sich mit der drohenden Bargeldabschaffung. Die Gründe für die Abschaffung des Bargeldes liegen sicherlich nicht in der Bekämpfung von Kriminalität, insbesondere des Terrorismus, denn es ist ja schon seit mehr als 40 Jahren kein Geheimnis mehr, dass das organiserte Verbrechen für die Geldwäsche die Banken nutzt. Im Bereich der Organisierten Kriminalität, insbesondere im Bereich des Drogenhandels und der Piraterie geht es um Summen, die auch mit „1000€“ -Scheinen die kriminellen Unternehmer vor erhebliche Logistische Probleme stellen würden. Kein Problem ist es jedoch Geld für virtuelle Dienstleistungen und Produkte Interkontinental hin – und her zu schieben, was sich ja auch bei den Geschäften von Starbucks, Apple und anderen Firmen zeigt. Ist eigentlich schon jemals eine Finanzbehörde auf die Idee gekommen zu überprüfen, ob die verschobenen Gelder tatsächlich durch den Verkauf von Waren erzeugt wurden?

Eine Zunahme der Nicht-Baren-Geldgeschäfte führt letztendlich nur dazu, dass die ohnehin schon überlasteten Finanzämter nicht mehr in der Lage sein werden, die Geldströme wirksam zu überprüfen. Und auch Geheimdiensten müsste es klar sein, dass in einer virtuellen Finanzwelt ihre Arbeit nur noch schwerer wird.

Euro-Banknoten sind relativ schwer zu fälschen. Sie besitzen zahlreiche Sicherheitsmerkmale, die Laien nicht bekannt sind und schon die alten DM- Scheine waren allein dadurch sehr sicher, dass das entsprechende Papier nur der Bundesdruckerei zur Verfügung stand. In der Welt der virtuellen Währungen ist Sicherheit ebenfalls nur noch ein Schein. Denn hier kämpfen schon jetzt die Geheimdienste gegeneinander, Mafia, Drogenkartelle, Banken, Hacker, Online-Terroristen erzeugen Falschmeldungen, Falschgeld, plündern Konten, verschieben Gelder, zerstören Firmen, spionieren. Es hat sich bisher gezeigt, dass alles was mit Computern zu tun hat – Fahrzeuge, Digitalfunk, Handys, Kreditkarten usw. permanent Angriffen ausgesetzt ist und die Sicherheitsbehörden Ihren Gegnern immer mehrere Schritte hinterherhinken. Und auch Angela Merkel, die immer noch dabei ist, das Internet zu entdecken, hat möglicherweise noch nicht wirklich Begriffen, dass sie immer abgehört werden wird, solang sie z.B. ein Smartphone in Ihrer Nähe hat. Die BürgerInnen können also von dieser „Führungselite“ in den Parlamenten nicht erwarten, dass sie geschützt werden. So ist es absehbar, dass es im Rahmen des Onlinekrieges dazu kommen wird, dass es irgendeinem Geheimdienst, einem Konzern, Terroristen irgendwann gelingen wird, den virtuellen Staatshaushalt in eine schwarze Null zu verwandeln. Die Schwachstelle wird höchstwahrscheinlich nicht unbedingt ein Programm, sondern ein Mensch sein. Eine Person mit entsprechender Sicherheitseinstufung, vielleicht korrupt, vielleicht zu dumm für den Job oder einfach nur nicht aufmerksam.

Der Alltag des „Otto-Normalverbrauchers“ wird sich dann ohnehin in einer Welt widerfinden, die sehr viel mit jener zu tun haben wird, in welcher die von Gert Fröbe verkörperten Figur sich Befand. Nämlich das Ruinen-Berlin von 1948, das von Hungersnot, Schwarzmarkt und Hehlerei geprägt ist (übrigens schrieb George Orwell 1948 bekanntlich seinen lesenswerten Roman 1984).

Es ist jetzt schon absehbar, dass große Teile der Bevölkerung bei einer Bargeldabschaffung komplett mittellos darstellen werden, nicht einmal die Chance bekommen werden, den einen oder anderen Cent von einem Passanten zu erhalten. Werden Kinder dann ihr Taschengeld auch Online erhalten? Schon jetzt geben immer mehr kleinere Fachgeschäfte auf, die nach neuen Aufforderungen der Finanzämter, ihre Kassen und Waagen online mit dem Finanzamt verbinden müssen. Das erfordert nämlich eine Investition, die wirtschaftlich für zahlreiche kleine und mittlere Betriebe unwirtschaftlich ist. Mit der Abschaffung des Bargeldes ist es daher zu erwarten, dass es zur massenhaften Aufgabe von Geschäften und Betrieben kommt.

Wird aber das Bargeld verschwinden? Vermutlich nicht. In der Grenzregion von Deutschland und Polen ist eher zu erwarten, dass der Zloty den Euro ersetzt, dass Schwarzmärkte in einem Maße entstehen, die für die kaputt gesparten deutschen Behörden nicht mehr kontrollierbar sein werden. Auch der Schweizer Franken wird zu einer alternativen Bargeldwährung, so wie es in der Türkei z.B. der Euro ist und die DM war. Der Schmuggel wird Alltagsgeschäft in einer wirtschaftlich Schwachen Grenzregion, deren Schwäche ihre Ursache im politischen Missmanagement hat.

Interessant ist es sich dabei insbesondere mit älteren Berlinern zu Unterhalten, die den Zusammenbruch der Reichsmark und die Zeit vor der Währungsreform erlebt haben. Sie teilen grundsätzlich die Einschätzung, dass es trotz ggf. drastischer Strafen zu einem florierenden Schwarzmarkt kommt, dass alternative Währungen übernommen oder entstehen werden. Natürlich werden gerade Goldmünzen für größere Beträge von besonderen Interesse sein, und noch im Beginnenden 20. Jahrhundert wurden diese auch in der Wirtschaft regelmäßig genutzt.
Drastisch ansteigen wird die Gewaltkriminalität im Bereich der Raubtaten. Während sich derzeit Räuber oft noch mit Bargeld zufrieden geben und auch die Straftaten im Zusammenhang mit der Beschaffungskriminalität auf Bargeld abzielen, werden zukünftige Straftäter nicht nur Kreditkarten und Smartphones erbeuten wollen, sondern sind auch die jeweiligen Passwörter. Schlimm wird es für das Opfer dann, wenn der Räuber biometrische Merkmale für die Überweisung braucht. Eine vorübergehende Entführung der Opfer ist absehbar. Sehr schlecht wird es für die Überfallopfer ausgehen, wenn, wie schon teilweise praktiziert wird. Chips mit den Persönlichen- und Kontodaten etc. unter die Haut gespritzt wurde.

Das diese Chips Türen in Sicherheitsbereiche öffnen, Zugang zu Geld, Wohnungen, Waren usw. ermöglich, ist eine Einladung für Verbrecher, diese Chips auch wieder zu entfernen. Und in der Eile geht das auch ohne Betäubung für das Opfer und z.B. mit einem Jagdmesse… Dass Gewalttäter vor nichts zurückschrecken, zeigen die Straftaten, bei denen Opfern z.B. Finger abgeschnitten wurden, um an Ringe zu kommen.
Besser wird unsere Welt ohne Bargeld auch nicht, was an grundlegenden, menschlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen liegt. Diese Erkenntnis hatten selbst die Erfinder von Star Trek, die von einer Bargeldlosen Gesellschaft träumten und beim „in Gold gepressten Latinum“ als alternativen Bargeld landeten. Nach dem Bargeld wird also das Bargeld kommen.
Nach mehr als 4000 Jahren der Nutzung von Bargeld ist es eben auch nicht mehr so einfach, es abzuschaffen.