in Finanzsystem

Per Ende 2012 lagen die Staatsschulden von Japan in Relation zum Bruttoinlandsprodukt bei knappen 237%. Die Marke von 250% wird aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr fallen. Eine aggressive und von der Politik abhängige Zentralbank machen diese Geldpolitik möglich. Dazu kommt, dass Japan die Währungshoheit über den JPY hat und durch die verschiedensten Maßnahmen in den Märkten tätig werden kann. Tendenziell hat sich eine aggressive Intervention der Zentralbanken schlecht auf die Performance ausgewirkt, aber grundsätzlich gibt es  in dem gegenwärtigen Finanzsystem keine Grenzen, sowohl für Schuldenausweitungen und Marktbewegungen, die sich unmittelbar auf die Realwirtschaft auswirken. Gelten seit Abe 2.0 neue Marktgesetze?

Japanische Führer entschlossen wie nie

Seitdem Shinz? Abe das Amt des Premierministers zum zweiten Mal im Dezember letzten Jahres übernommen hat, ist Politik auf ein Inflationsziel determiniert (Wo haben sie sich das wohl abgeschaut?). Sie wollen mit den wildesten Maßnahmen durch die Zentralbank so schnell wie möglich eine Inflation von 2% erreichen. Das wurde dann auch im Jänner von offizieller Seite verkündet. Die BoJ würde alles in ihrer Macht stehende dafür tun, umdieses Target besser schon Morgen als Übermorgen zu erreichen. Diese Maßnahmen könnten extreme Auswirkungen auf den Wechselkurs haben, denn Japan ist nicht erst seit Abe auf expansive Geldpolitik ausgerichtet. Das hat bisher aber weder zu Wirtschaftswachstum noch zu Inflation geführt (Keynes Fans lassen grüßen). Aber diesmal scheinen Selbstbewusstsein und Bestimmtheit von Regierung und Zentralbank zur Geldmengenexplosion derart extrem ausgeprägt zu sein, dass andere mit Japan im Wettbewerb stehende Staaten mitziehen müssen.

Wechselkurs direkt betroffen

Goldman Sachs geht davon aus, dass pro 10 JPY Abwertung gegenüber dem Dollar die Exporteinnahmen um 7-10% steigen können. Alle Zeichen deuten auf eine gezielte Währungsmanipulation durch die japanische Zentralbank (BoJ) hin. Durch den starken JPY in 2012 wurden Importe zu billig und Exporte zu teuer. Das hat sich auch auf die Leistungsbilanz von Japan für 2012 massiv ausgewirkt. Dieser Überschuss wies den niedrigsten Wert seit mindestens 1985 aus.

Südkorea muss sich auf diesen Krieg einlassen. Wobei Japans Exportanteil im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung bei 16% liegt, zeichnet sich dieses Bild für Südkorea ganz anders. Dessen BIP hängt zu über 50% vomExport ab. Wenn also die BoJ wiedermal komplett „durchdreht“ und dessen Zentralbankenbilanz so extrem ausweitet wie momentan, hat das extreme Auswirkungen auf den Wechselkurs. Somit werden die Exporte Japans billiger im Vergleich zu Südkorea. Diese und andere Länder werden infolgedessen Japans Taktik kopieren und selber dessen Währung abzuwerten versuchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das „schöne“ an Währungsmanipulation ist immer, dass es ein Nullsummenspiel ist(Grundsätzlich gibt es nichts Schönes dabei). USD/JPY: Wenn der Wert des JPY fällt, dann steigt der Wert des Dollars um den gleichen Prozentsatz. Dessen Exporte verteuern sich dann auf dem Weltmarkt um den entsprechenden Hebel der eigenen Exportleistung. Die Kräfte werden demnach mit wilden Konsequenzen für die Geldmenge und Währungsreserven nur künstlich verschoben.

Der Nikkei (NKY) zeigt sich sehr bullish und bildet die aktuelle Lage verständlich ab. In den letzten Monaten hat dieser um ca. 30% zugelegt. Da sieht man wieder, dass die Märkte nicht von Anlegern sondern von Big Business und Wirtschaftspolitik getrieben werden. Interessant dabei ist aber, die Tendenz zu einer positiven Korrelation mit dem USD/JPY Wechselkurs.

Quelle: Bloomberg

In USD gesprochen hat der NKY Index folglich fast gar kein Plus erzielt. Der Wirtschaftsminister Japans, Amari, setzt dem ganzen „Theater“ noch einen drauf:

“It will be important to show our mettle and see the Nikkei reach the 13,000 mark by the end of the fiscal year (March 31) (Japantimes)!”

Quelle: Bloomberg

Das würde ganz einfach eine neuerliche Abwertung des JPY gegenüber dem USD bedeuten. Wenn also das Ziel bis Ende des nächsten Monats (Ende des japanischen Fiskaljahres) erreicht wird, dann stehen wir bei einem Wechselkurs von 104,75!

Kommentar der Großen

Europa hält sich noch bedeckt. Draghi meint, dass die neuerliche Stärke des Euros mit der Erholung der hiesigen Wirtschaft zusammenhängt (aha?). Hollande, der unberechenbare aus Frankreich, ist da schon präziser. Er will direkt in den Wechselkurs eingreifen, um gegen die Japaner anzutreten. Ich denke, sobald der EUR zu stark wird (über 1,40), werden auch die Frankfurter weitere Maßnahmen setzen, weil eines nicht vergessen werden soll. Deutschlands Exportanteil gegenüber dem BIP liegt bei 45%, wobei Japans w.o. erwähnt „nur“ bei 16% liegt. Die Auswirkungen von einen zu starken EUR auf die Exporte Deutschland sind also viel stärker durch den Wechselkurs gehebelt, als die der Japaner es sind.

G7 bleiben locker und ungenau

Sie lehnen ein Eingreifen von Zentralbanken auf den Wechselkurs generell ab:

“The G7 group of leading developed countries have sought to allay fears of a currency war when they agreed to avoid targeting lower exchange rates to secure a competitive advantage.Amid concerns that recent measures by Japan to reduce the value of the yen could escalate into tit-for-tat measures, the G7 said exchange rates should be set by market forces, not deliberately manipulated (Guardian)!”

Eine Frage bleibt offen: Man darf also Geld drucken und Austerität leben, aber nicht offiziell zugeben, dass man dabei eine Auf- oder Abwertung des Wechselkurse bezwecken will!? Natürlich glauben wir den Japanern, dass nur die heimische Inflation bekämpft werden soll. Dazu wird der G20 Gipfel Ende der Woche in Moskau vielleicht weitere Erkenntnisse bringen!

Aktienkurse von Politik bestimmt und Konsument bleibt Konsument

An aggressiven Ankündigungen seitens der japanischen Wirtschafts- und Bankenvertreter mangelt es offensichtlich momentan nicht. Das große Problem auf diesen Kontext bezogen, sehen wir darin, dass die BoJ sehr wenig Traktion auf die Inflation hat. Das haben die letzten Jahre gezeigt. Natürlich können sie massiv in den Devisenmarkt durch Geldmengenausweitung eingreifen, aber der Cash kommt wahrscheinlich nicht beim Konsumenten an. Aber fast nur dieser kann für einen Anstieg der Inflationsrate, die fast ausschließlich durch Endverbraucherprodukte bestimmt wird, sorgen. Was die massiven Interventionen auf den Wechselkurs bedeuten, wird die nächste Handelsbilanz zeigen.

Die BoJ sorgt für eine Wettbewerbsverzerrung der Wirtschaftskraft in Japan. Das japanische Volk kann sich aber jedenfalls auf höhere Steuern, um den Staatshaushalt noch bedienen zu können, und teurere Importe einstellen. Obwohl Japan seit drei Jahren mit fallenden Preisen zu kämpfen hat, sehe ich auch, eine sehr große Inflationsgefahr von dem Land der aufgehenden Sonne ausgehend. Die massive Cash Ausweitung wird sich in Inflation niederschlagen, wenn das aber nicht in Japan sein wird, dann werden das andere Segmente und geografische Destinationen zu spüren bekommen. Hauptsache die Aktienmärkte rennen gut, dann geht es dem Konsumenten doch auch wieder gut, oder nicht?

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  1. Japan hat keinen Friedensvertrag mit den USA. Es blutet genauso, wie das Konstrukt DEUTSCH in Richtung Besatzungsmächte aus. Japan dürfte inzwischen über wertlose amerikanische Staatsanleihen im Nennwert von 1.3 Billionen Dollar haben, die sie nicht handeln dürfen.