in Finanzsystem

Über Wirtschaftswachstum werden die seltsamsten Debatten geführt. Im letzten Spiegel war es wieder so weit. Den gescheiterten Weltklimagipfel in Warschau nahm ein Autor zum Anlass, mal wieder das ach so böse Wachstum aufs Korn zu nehmen. Dabei kommen dann naive Vorstellungen ans Tageslicht, die in etwa so gehen: Wir müssen einfach nur beschließen, nicht mehr zu wachsen und dann wird alles gut. Wir müssen also nur wollen!

Schöne einfache Welt. Dabei gibt es hier zwei Missverständnisse, mit denen dringend aufgeräumt werden muss.

Erstens: Der alte Spruch „Stillstand bedeutet Rückschritt“ ist so banal wie wahr. Entscheiden sich nicht alle Staaten dieser Erde zugleich, ab sofort auf Wachstum zu verzichten, endet das Ganze für uns in einem Desaster. Verweigern wir uns dem Wachstum, wird unser erreichter Wohlstand erodieren. Andere Staaten werden das ausnutzen, an uns vorbeiziehen und unsere Position schwächen.

Zweitens: Sollten sich tatsächlich alle zugleich für einen wachstumslosen Weg entscheiden, steht uns immer noch unser Geldsystem im Weg. Es ist ja nicht so, dass wir alle nur aufhören müssen zu wachsen, um uns dann bequem im Status Quo einrichten zu können. Nein, unser weltweit existierendes Schuldgeldsystem, das ab dem ersten Euro (also dem Leihen der Geldscheine durch die Zentralbank an die Privatbanken) auf Krediten und Zinsen beruht, lässt uns gar keine andere Wahl. Um die Zinslasten bedienen zu können, muss die Geldmenge schrittweise erhöht werden. Die Wirtschaft muss sich dieser Entwicklung anpassen – es kommt zu einem Wachstumszwang. Wird die Geldmenge nicht erhöht bzw. stockt die Vergabe von neuen Krediten, kommt es zu Pleiten und einer Kontraktion der Wirtschaft.

Erstens und zweitens zusammengeführt heißt das: Wir müssen wachsen, solange wir unser Geldsystem beibehalten. Die romantische Vorstellung, dass  das immer währende Wachstum in die Irre führt und wir nur einfach damit aufhören müssen, ist idiotisch. Die Apologeten dieser Vorstellung sind demzufolge – Entschuldigung – Wachstumsidioten.

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Kommentar

  1. Vorab: Schimpfwörter sind bei Sachthemen fehl am Platz.

    Ein System, dass unsere Gesellschaft ins Elend führt weiter drehen zu wollen zeugt von Phantasilosigkeit.

    Wieviel BIP braucht eine Nation? Zunächst nicht mehr als sie für ein angenehmes Leben braucht. Im aktuellen System hingegen wird der Lebensstandard der Menschen zugunsten von Wachstum dramatisch zerstört. Stichwort Lohn-Wettbewerb, poor working, Abbau von Arbeitnehmerrechten usw.. Wachstum ist im Neokapitalismus folglich kontraproduktiv.

    Wachstum gegen die Zinseszinsfunktion betreiben zu wollen ist bereits rein rechnerisch ein verlorenes Spiel. Da wird am Ende die Demokratie sowie die Selbstbestimmung eines Volkes an die Bankiers übereignet. Das kann keine Option sein…

    • Wir können nicht so weiter machen! Am Aufbau eines neuen Systems kommen wir nicht vorbei!

      Wie sollte dies aussehen?

      1. Schuldenschnitt gegenüber Privatbanken, Verbot von Privatbanken und Zinsgeschäften. Genossenbanken vergeben begrenztes Kontingen von zinslosen Krediten, halten so die Geldmenge im gesunden Verhältnis zur Gütermenge.

      2. Beenden des Globalisierungs- bzw. Marktöffnungsirrsinns. Teilprotektionismus. Umstieg auf maximale Selbstversorgung.

      3. Staat richtet Produktionsmöglichkeiten ohne Unternehmen für die Bevölkerung ein: Landvergabe zwecks Hausbau, Möbel-, Kleidungs-, Baumaterialwerkstätten in denen die Bevölkerung sich selbst versorgen kann. Lohn ist das Produkt.

  2. Oha, ein Minstrant der Geld – aus – nix – Priester. Volxwirt. „Experte“.

    An der Tatsache, dass Banken recht anstregungslos Geld aus Nichts schöpfen, dafür Zinsen kassieren, und es dann noch mit Leistung oder Sachwerten bedeckt zurückfordern, an diesem Enteigungsmodell, das frühere Feudalherrn erblassen läßt, findet der Autor nichts zu bekritteln.

    Früher oder später kriegen die Mietmäuler auch was auf selbiges.

  3. Sachlich sicher korrekt: „Wir müssen wachsen, solange wir unser Geldsystem beibehalten“.

    Es scheint dem Autor jedoch irgendwie entgangen zu sein, dass rein physikalisch ein unbegrenztes Wachstum in einem begrenzten System nicht möglich ist. Jedenfalls nicht, ohne dieses System zu zerstören.

    Ergo fehlt dem Beitrag leider die einzig logische Schlußfolgerung: Wir MÜSSEN das Geldsystem ändern, weil unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist.

    Für mich sind „Wachstumsidioten“ diejenigen Menschen, die keine Gelegenheit auslassen, öffentlich das immergleiche Lied vom ach so notwendigen Wachstum zu predigen, ohne sich o.g. physikalischer Gesetzmäßigkeit bewusst zu sein.
    Mit der Physik haben es die Wirtschafts-„wissenschaftler“ halt…