Verschwörungstheorie von den politisch motivierten US-Ratingagenturen ist reine Utopie

Die USA, mit einem Schuldenstand von weit über 100% des BIPs, hat bei zwei von drei Agenturen das Toprating AAA. China, Brasilien, Russland oder Südkorea mit viel weniger Schulden und einem höherem Wachstum, haben aber wesentlich schlechtere Ratings. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die US-Ratingagenturen unter politischem Druck stehen.

Standard & Poors heißt übersetzt „gewöhnlich & armselig“, Moody´s heißt „launisch“ und Fitch ist eine Wortzusammensetzung aus „Fucking und Bitch“.

Die global gültigen Ratings werden also von gewöhnlichen, armseligen und launischen fucking Bitches gemacht. Der Witz ist zwar gut und das Wortspielt trifft zum Teil auch zu, aber ganz so einfach darf man es sich nicht machen. Die berühmten Ratings beurteilen nicht die Bonität der Länder. Es ist vielmehr so, dass die Anleihen eingeschätzt werden. Man stellt sich die Frage, nach der Wahrscheinlichkeit, eines Zahlungsausfalls. Die USA ist mit weit über 100% des BIPs verschuldet und es sind keinerlei Anzeichen erkennbar, dass der Haushalt saniert wird. Trotzdem bewerten zwei der drei Agenturen die US-Anleihen mit AAA. Nicht die USA als juristische Person wird bewertet, sondern die Anleihen. Eine Anleihe verbrieft die Pflicht, einen Nennbetrag zuzüglich der Zinsen zu einem festen Termin zu tilgen.

Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies geschieht, dann ist das Rating gut. Viel mehr bewertet eine Ratingagentur nicht. Die USA hat eine eigene Notenbank, die sogenannte FED und diese hat das Monopol die weltweite Leit(d)währung zu drucken. Die FED hat ähnlich wie die EZB versprochen, ggf. immer genügend Staatsanleihen aufzukaufen. Das heißt, die jeweilige Tilgung in US-Dollar ist sozusagen von der Druckerpresse garantiert. Die Ratingagenturen sehen dadurch, dass die Tilgung in US-Dollar sicher ist. Dass durch diese ungedeckte Geldmengenausweitung der Wert des Dollars stark verfällt, hat für die Bonität der einzelnen Anleihen keine Auswirkung. Jeder Anleger bekommt seine Anleihen in US-Dollar zurückbezahlt; Papier gegen Papier und das sogar von der FED garantiert.

Rating Irrsinn? Nein!

Die Ratings sind meiner Meinung nach echt und authentisch. Man muss sie aber korrekt lesen. Anleihenratings sind eben keine Kreditnehmerratings. Dass hierbei die ganze Welt leidet, weil sie sich durch den verfallenden Dollar eine Inflation bei Roh- und Hilfsstoffen importiert, interessiert die Ratingagenturen nicht. Das wären Themen für die Politik, aber wo kein gebildeter Wähler, da kein vernünftiger Politiker. Von der Logik her ist die USA schlimmer dran als beispielsweise Spanien oder Frankreich. Auch Deutschland ist mit ca. 83% des BIP verschuldet. Russland hingegen liegt bei nur 11% des BIPs, Südkorea bei 37,7% und China bei 22,2%. Südkorea hat in 2012 sogar einen positiven Haushaltssaldo und liegt im Rating mehrere Stufen hinter Deutschland.

Die Ratings sind zwar korrekt und sagen etwas über die Sicherheit der Anleihen aus, aber sie sagen absolut nichts über die Qualität und Bonität eines Landes. Es scheint sogar so, dass Staaten bzw. Staatenbünde mit lockerer Geldpolitik und bedingungslosem sowie alternativlosem Währungsverfall die besseren Ratings haben. Ich will und kann aber die Verschwörungstheorie der eurobesoffenen Kontinentalsozialisten nicht teilen. Die US-Ratingagenturen sind nicht US-politisch und „angelsächsich“ motiviert dem tausendjährigen merkelfetischistischen Euroreich zu schaden. Die drei Ratingagenturen machen (inzwischen) einen guten Job; zumindest wenn sie Anleihen und nicht Schuldner beurteilen.

Die Ratingagenturen sagen, dass jeder US-Kredit mit Papierdollars zurückbezahlt wird. Was ist daran bitte gelogen? Die (Süd)Europäer können dies nicht sagen. Die EZB muss für alle Mitgliedsländer die gleiche Geldpolitik machen. Sie kann nicht einfach hingehen und für z.B. italienische Staatsanleihen Geld drucken (es gibt immerhin Gegenstimmen im EZB-Rat!).

Die USA ist mit der FED flexibler und so lange die Menschen so dumm sind und eine private Notenbank dulden, so lange sollen sie auch darunter bluten. Dummheit muss bestraft werden. Thats Life. Die Verschwörungstheorien von SPD und Co., gegen irgendwelche angelsächsischen Bankenkartelle sind mehr als utopisch.

Ach, übrigens sollte man auch mal erwähnen, dass Ratings etwas wichtiges sind.

Das Wort „Rating“ ist sehr negativ besetzt. Auch in den Jahren 2010, 2011 und 2012 gab es zahlreiche Heraufstufungen. Leider liest man in den Medien oft nur über Herabstufungen. Oft wird auch eine Länderanleihe herabgestuft und alle sprechen vom „Ratinghammer“ und kritisieren die Einstufung. Aber niemand hat den meist hundertseitigen Ratingtext gelesen. Wie kann man etwas kritisieren, ohne es gelesen zu haben? Wenn ich „Ratingheraufstufungen“ googel, dann fragt mich Google ob ich „Ratingherabstufungen“ gemeint habe. Soviel dazu.

Echte und gute Ratings sind wichtg für transparente Märkte. Überall dort, wo sich Preise nicht frei bilden, entstehen Blasen und Verwerfungen, die meist blutig enden. Marktakteure, die für ihre Kunden (Banken, Versicherungen, Fonds, Stiftungen etc…) Geld anlegen, brauchen möglichst viele Informationen um sich ein korrektes Bild machen zu können. Chancen und Risiken sollten stets einen fairen Preis bilden, damit solch schlimme Krisen wie aktuell nicht mehr passieren können. Ich plädiere daher für mehr Ratings! Am schönsten wäre es, wenn es nicht nur 3 große Agenturen gäbe, damit man viele verschiedene Meinungen und Analysen heranziehen kann.

(Gute) Ratings schaffen Transparenz und sorgen für sichere und faire Märkte, an denen es nicht durch fehlende Infos zu Verwerfungen kommt. Preisblasen durch die Geldpolitik kann man durch mehr Ratings und mehr Transparenz natürlich nicht verhindern, aber ich denke, wir haben in dieser Krise, die ja noch immer läuft, mehrere Baustellen. Ich will heute einfach mal die Lanze brechen und sagen, dass Ratings wichtig sind. Wenn das jemand anders sieht, dann bitte ich um eine ausreichende Begründung. Wenn eine Ratingagentur sagt, dass es höchstwahrscheinlich ist, dass die USA einen Kredit mit Papier zurückbezahlt, dann glaube ich ihr das nunmal.

Wir müssen aufpassen, vor allem im Wahlkampf, dass wir vor lauter künstlicher Feinbilder wie „Banken, Börsen, Ratingangenturen, Hedgefonds, Islamisten“ und so weiter, die wahren potenziellen Lügner und Betrüger nicht ungestraft davonkommen lassen. Aus juristischen Gründen benenne ich diese Lügner und Betrüger hier nicht. Denkt selbst! :-)…. unabhängig davon und komplett ohne Zusammenhang hier noch ein interessanter Off-Topic-Link: „Die größten Lügen in der Krise“. Jeder sollte sich Fragen ob er dieses Pack weiterhin bei sogenannten Wahlen legitimieren möchte. Besonders enttäuscht bin ich von der Opposition, ach pardon, sowas haben wir ja gar nicht. Es regiert ja wieder die Einheitspartei, die Blockpartei, das Parteienkartell, … nennt es wie ihr wollt.