in Finanzsystem

In den vergangenen zwei Jahren habe ich immer wieder davon geschrieben, dass der US-Dollar als tragende Säule des derzeitigen Finanzsystems fallen muss, damit eine “Neuausrichtung” erfolgen kann. Einige Leser zeigten in diesen Jahren Unverständnis für diese Aussage, weil die damaligen Zahlen eine andere Sprache sprachen.

Aber wie sagte schon weiland John Maynard Keynes?

„Nun ist das auf lange Sicht wahrscheinlich richtig… Aber die lange Sicht ist ein schlechter Führer in Bezug auf die laufenden Dinge. Auf lange Sicht sind wir alle tot.“

(Now, in the long run this is probably true… But this long run is a misleading guide to current affairs. In the long run we are all dead.) Oder auf gut deutsch: “Gut Ding will Weile haben.”

Derzeit wurde die von mir angesprochene, bewusste Schwächung und damit eingeleitete Dedollarisierung nun in den zweiten Gang geschaltet. Auch wenn sich die ersten Ökonomen fragen, wie es sein kann, dass der US-Dollar so einbricht, obwohl – nach offiziellen, “angepassten” Daten (!) – die USA unter Trump einen Aufschwung erfährt (Arbeitslosenzahlen, Aktienmarkt, Inflation, usw.). Der US-Dollar hat gerade in den letzten sechs Monaten enorm an Stärke verloren, wenn man seinen Wert gegenüber Rohstoffen, anderen Währungen oder den Kryptowährungen betrachtet. Was der eine oder andere vielleicht noch als “normalen Zyklus” sieht, lässt andere mit besorgtem Blick zurück. So fragt der Ökonom und Fondsmanager Peter Schiff in einem Tweet:

(Der US-Dollar-Index ist gerade unter die Marke von 90 gefallen. Was passiert zuerst, der Dollar-Index geht unter 80, der Goldpreis steigt über 1.500 Dollar, die 10-jährige Staatsanleihe steigt über 4% oder der Ölpreis steigt über 100 Dollar pro Barrel? Was passiert mit der Börse und der Wirtschaft, wenn alle vier [Überlegungen] in diesem Jahr eintreten?)

Ein Blick auf den US-Dollar-Index (DXY) zeigt, dass seit Dezember 2014 der Wert stetig fällt:

https://www.marketwatch.com/investing/index/dxy/charts
Obwohl der US-Dollar immer noch als die sicherste nationale Fiat-Währung im Fall einer Finanzkrise gilt, abgesichert durch den Status des Petrodollars und der Militärmacht Washingtons, bröckelt dieser Status der Dominanz immer mehr. Trotz weltweit zurückgegangener Nachfrage nach Öl, muss man seit dem Tief im Januar 2016 (40,59 US-Dollar je Barrel) immer mehr für ein Fass des “Schwarzen Goldes” bezahlen – insbesondere im letzten Jahr hat der Preis stark angezogen:

https://www.marketwatch.com/investing/future/clh8
Betrachtet man den Wert des US-Dollars gegenüber den Kryptowährungen, denen ich sehr kritisch gegenüber stehe, stellt man fest, dass zu Beginn des Jahres 2017 ein Bitcoin 1.000 US-Dollar kostete, während heute (nach zeitweise 20.000 US-Dollar) etwas mehr als 10.000 US-Dollar für einen Bitcoin zu zahlen sind:

https://coinmarketcap.com/currencies/bitcoin/#charts
Die Schwächung des US-Dollars wird weiter voran schreiten, die Preise für in US-Dollar gehandelte Rohstoffe werden weiter anziehen und in dessen Folge auch der Wert ausländischer Währungen gegenüber dem US-Dollar, die “ressourcenunterlegt”sind. Beispielsweise die Währungen Kanadas, Australiens, aber auch Russlands.

Denn Russland besitzt neben seinen riesigen Rohstoffvorkommen ein weiteres, wichtiges “Unterstützungsmittel” für seinen Rubel: Gold. Russland hat in den letzten fünf Jahren seinen Goldbestand (ähnlich wie China) massiv ausgebaut:

https://tradingeconomics.com/russia/gold-reserves
Zudem wird der US-Dollar gerade von einer zweiten Flanke aus angegriffen. Stichwort Öl-Yuan-Gold-Handel.

Selbst der Euro konnte gegenüber dem US-Dollar seit Dezember 2016 um 20% zulegen. Ein Einäugiger unter den Blinden:

(‘Guten’ #euro Morgen! Der Euro ist seit dem Tief im Dezember 2016 um 20% gegenüber dem #USD gestiegen. Hat #Draghi letzte Nacht gut geschlafen?)

Peter Schiff glaubt sogar, dass die “Neue Politik der Schwächung des US-Dollars ein Desaster” für die USA werden kann, während der US-Finanzminister Steve Mnuchin dem widerspricht. Auf dem World Economic Forum in Davos sagte er gegenüber der Presse:

Offensichtlich ist ein schwächerer Dollar für uns gut, da er in Verbindung mit dem Handel und Chancen steht.

(Obviously a weaker dollar is good for us as it relates to trade and opportunities.)

Er fügte hinzu, dass der kurzfristige Wert des Dollars “für uns überhaupt kein Problem ist (not a concern of ours at all)”.

Als klassischer Gegenspieler dazu reagierte die IWF-Chefin Christine Lagarde, ebenfalls in Davos, auf die Aussage Mnuchins:

Ich hoffe wirklich, dass Finanzminister Mnuchin eine Chance bekommt, genau zu klarzustellen, was er gesagt hat. Der Dollar ist von allen Währungen eine fließende Währung und eine, deren Wert von den Märkten bestimmt wird und sich an den Grundlagen der US-Politik orientiert.

(I really hope that Secretary Mnuchin has a chance to clarify exactly what he said. The dollar is of all currencies a floating currency and one where value is determined by markets and geared by the fundamentals of U.S. policy.)

Und nochmal Peter Schiff dazu:

(Die Leute verstehen es immer noch nicht. Der einzige Grund, warum sich die Wirtschaft “erholt”, ist, dass ein steigender Dollar die Zinsen niedrig hielt und die Verbraucherpreise in Schach hielt, was es Amerika ermöglichte, sich weiter zu verschulden, und dass die Verbraucher weiter konsumieren [konnten]. Wenn der Dollar fällt, wird die Wirtschaft mitgehen.)

Es scheint so zu sein, dass der US-Dollar final zum Abschuss freigegeben wurde. Alles ist so positioniert, dass einer der wichtigsten Stützpfeiler, der US-Dollar, endgültig “weggeschlagen” und damit der “Neuanfang” des Finanzsystems eingeläutet werden kann. Aber nicht zugunsten der einfachen Menschen, wie viele vielleicht aufgrund der Krypto-Blase hoffen. Wer diesen Blog seit Jahren verfolgt hat, weiß was ich damit meine…

Quellen:
Keynes – A.V Aussprüche und Parabeln
US Dollar Plummeting Against Commodities and Other Currencies
Tweet 1 Peter Schiff
Tweet Jeroen Blokland
Tweet 2 Peter Schiff
A weaker dollar is good for the US, Treasury Secretary Mnuchin says
IMF’s Lagarde Urges Mnuchin to Clarify Remarks on Weak Dollar
Tweet 3 Peter Schiff

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Kommentar

  1. Hat schon mit Saddam und Gadafi begonnen. … Einen sehr hohen Preis mussten beide für die Idee einer afrikanischen Bank, in der man für afrikanisches Öl zB mit Gold bezahlen musste, bezahlen.
    Aber nun gibt es China und Russland, oder auch Indien, die für Öl in deren nationaler Währung zahlen können und damit kommen die Amis nicht klar – logisch, wenn doch der Petrodollar ausschließlich auf den Ölhandel in US Dollar fixiert ist.

  2. Das stand unter Bush schon fest, das die darauf folgende Währung der Amero sein soll ! Im Zuge dessen sollen, so laut Planung die Grenzen zwischen Kanada, Amerika und México wegfallen ! Schauen wir mal wie und was geschehen wird …. in der Politik ist nichts dem Zufall überlassen ???

  3. Munchin sieht das Ganze unaufgeregt, weil er weiß, dass die USA nur hier oder dort weitere Kriege vom Zaun brechen müssen, um den Dollar wieder zu stärken. Damit müssen wir rechnen, gleich wie der Präsident heuißt, da er immer das tut, wa ihm von den Strategen des Tiefen Staats gesagt wird..