in Finanzsystem

Basel III bezeichnet die Reform der bestehenden Bankenregulierung Basel II. Federführend ist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel. Eigentlich sollte Basel III ab 2013 stufenweise in Kraft treten, doch nun ist ein Streit entfacht. Man wirft sich vor, mit fehlerhaften Argumenten und unprofessionellen Studien zu arbeiten.

Im aktuellen Streit geht es um zwei Studien; die Parteien sind die Deutsche Bundesbank und die EBA (Europäische Bankenaufsicht).

Anfang August überließ die Bundesbank der EBA eine umfangreiche Studie über die Angemessenheit der Risikogewichtung bei Krediten an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Bundesbank nutzte für diese Studie eine breite Datenbasis aller deutschen Banken und kam zu dem Entschluss, dass der typische deutsche Mittelstand durch Basel III erheblich benachteiligt wird. Die Simulationen ergaben teilweise heftige Zinsaufschläge, obwohl die KMU hierzulande als bodenständig und sicher gelten. Die Bundesbank schlug in der Studie, so wie das Europäische Parlament, eine Korrektur der Risikogewichtung dieser Kredite vor. Kernaussage war, dass Basel III die Besonderheiten des deutschen Mittelstandes zu berücksichtigen habe.

Im September 2012 hat die EBA endlich auf die umfangreiche Studie reagiert.

Man hätte den Daten entnehmen können, dass sich Basel III sehr negativ auf den Mittelstand auswirken wird. In dem von der EBA zum Thema veröffentlichten Papier wurde die Problematik nicht berücksichtigt. Es wird sogar noch einmal klar gestellt, dass man keinen Spielraum bei der Risikogewichtung von KMU sehe. Die EBA hält KMU für riskanter als sie sind. Bundesbank und auch Bankenverbände stufen die Argumentation der EBA als „fachlich unzutreffend“ ein. Die EBA teilt nicht die Ansicht der deutschen Banken, die seit Jahrzehnten Praxiserfahrung mit KMU haben, dass der Mittelstand relativ risikoarm ist. Die EBA behauptet, dass der Mittelstand eher konjunkturanfällig ist als Großkonzerne. Deshalb müsse man KMU-Kredite verteuern und die Finanzierungsmöglichkeiten der Großkonzerne verbessern. Wer war es denn, der in der 2008er Krise tapfer durchgehalten hat? Es war der breit diversifizierte Mittelstand, der das Rückrat unserer Volkswirtschaft bildet.

Die EBA sieht neben den unerwarteten Verlusten, die die Höhe der Eigenkapitalanforderungen bestimmen, insbesondere die erwarteten Verluste von KMU-Krediten als Risiko an.

Eine zusätzliche Unterlegung erwarteter Verluste würde eine Doppelanrechnung bedeuten. Die Vermischung von erwarteten und unerwarteten Verlusten ist allerdings methodisch falsch und führt im Ergebnis, wie beispielsweise der Sparkassenverband schreibt, „zu erheblichen Fehleinschätzungen“. Werden die Bedenken der Bundesbank nicht berücksichtigt, dann werden Kredite an kleine und mittlere Unternehmen durch unprofessionelle Methodik und fachlich falsche Argumente teurer als bisher. Die Mittelstandsfinanzierung hat sich gerade in schwierigen Zeiten bewährt! In Deutschland ist es eine bewährte Tradition, dass Regionalbanken „vor Ort“ und dezentral die KMU finanzieren. Sparkassen und Volksbanken sind sicherlich die „besten“ Banken der Welt und kamen sehr gut durch die Krise. Es gibt nach Ansicht der Verbände absolut keinen Grund, dieses Modell zu bestrafen. Die Bundesbank schreibt in ihrem Monatsbericht Jan-2012 eindrucksvoll, wie das Regionalbankprinzip zu günstigeren Krediten führt, weil die Banken vor Ort die beste Transparenz und Kompetenz bei der Bewertung von Risiken der KMU aufweisen.

Statt die Risikogewichte angemessen zu senken sieht die EBA andere Lösungswege.

Sie empfiehlt den KMU künftig nicht mehr so sehr auf Bankkredite zu setzen und legt den Unternehmen nahe sich mehr auf dem alternativen Finanzierungsmarkt umzuschauen. Als Beispiel werden „Venture Capital und Private Equity“ genannt. Die EBA blendet dabei wichtige deutsche Tugenden aus! Der typische „schwäbische Familienunternehmer“ hat absolut keine Lust, sich einen angelsächsischen Hedgefonds in die Firma zu holen! Als weiteren Lösungsvorschlag nennt die EBA „Verbriefungen und Privatplatzierungen von Anleihen“. Daran verdienen dann Investmentbanken, welche die Kredite an die Börse bringen, damit sie dort wiederum von Zockern und Renditegeiern gekauft werden können. Die vorangegangene Studie der Bundesbank wurde mit hohem wissenschaftlichem Sachverstand erstell. Die Kritik der EBA ist mehr als unangemessen. Der Volksbankenverband schreibt:

„Auch in weiteren Aspekten ist die EBA-Kritik fachlich nicht zielführend“.

Komplett unberechtigt ist die Grundthese im Executive Summary der EBA, nach der KMU bereits schon deshalb ein höheres Risiko darstellen, weil sie hauptsächlich kreditfinanziert sind und nur sehr eingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt haben.

Seit jeher herrscht auf dem KMU-Kreditmarkt starker Wettbewerb. Gerade in Deutschland – aber natürlich auch in anderen Staaten mit einem starken Mittelstand – hat sich die Kreditvergabe und das Hausbankprinzip gerade auch in Krisenzeiten bewährt. Insbesondere durch die enge Kunde-/Bankbeziehung können im beiderseitigen Interesse Chancen und Risiken aus der geschäftlichen Entwicklung der Kunden insbesondere auch in Krisenzeiten besser gesteuert werden. In solchen Zeiten waren gerade die Kapitalmärkte „nur schwer aufnahmefähig“ und die Risikoaufschläge lagen dort erheblich über den Kreditmargen. Zu sehen ist dies beim Vergleich heimischer KMU mit beispielsweise spanischen. Die EBA verlangt im übertragenen Sinne, dass alle KMU in Europa die gleiche Risikogewichtung haben. Günstige Kredite soll es dann nur noch von „Heuschrecken“ und „Hedgefonds“ geben. Die Deutsche Kreditwirtschaft fügt hinzu: „Die EBA sollte bei den Regulierungsvorschlägen unbedingt die national unterschiedlichen Marktgegebenheiten in der Unternehmensfinanzierung – insbesondere in Deutschland berücksichtigen.“

Quellen:
– Bundesbank Monatsbericht Jan-2012
– Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft vom 02.11.2012
– Assessment of SME proposals for CRD IV/CRR (EBA)
– Veröffentlichung des DSGV vom 07.11.2012

(Alle Quellen als PDF vorhanden – bei Interesse bitte Mail an mich!)

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar