in Europa

Wer als Sparer allzu schnell mehr Zinsen erwartet, setzt auf das falsche Pferd. Die umstrittene Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), unter der Führung von Mario Draghi, führt abermals zu keiner Veränderung des Leitzinses. Aktionäre freuen sich, Sparer blicken in die Röhre. Zumindest noch bis Sommer diesen Jahres. Frühestens dann nämlich will die EZB über eine Anhebung des Leitzinses nachdenken.

Pessimistische Aussichten auf Leitzinserhöhung

Doch auch im Sommer diesen Jahres halten es Bankvolkswirte für eher unwahrscheinlich, dass der EZB-Präsident Mario Draghi eine Erhöhung des seit März 2016 auf historischer Null sitzenden Leitzinses verkündet. Es gibt einfach zu viele Schwächen im europäischen Wirtschaftsmarkt. Der chaotisch verlaufende EU-Austritt Großbritanniens spielt hierbei eine sicherliche tragende Rolle. Die Engländer haben schließlich keine untergeordnete Rolle in Sachen Gesamtwirtschaftskraft der EU gespielt. Italien und seine Haushaltspolitik plus insgesamt sinkende Wachstumsprognosen kommen noch hinzu. Weltpolitisch darf auch der Handelskonflikt zwischen den China und der USA nicht ignoriert werden. In beiden Ländern leidet das Wachstum dadurch bereits und für die globale Wirtschaft heißt dies auch nichts Gutes. Die unberechenbare Haushaltspolitik von US-Präsident Donald Trump ist ein weiterer Faktor der Unsicherheit, auch für Europas Wirtschaft. Irgendwie kann man die EZB also doch verstehen oder? Draghi muss die Konjunkturperspektiven fast schon negativ sehen, angesichts dieser Umstände. Zudem dürfte ihn das verfehlte Inflationsratenziel nicht gerade erfreuen. Im Dezember 2018 lag diese Rate bei nur 1,6 Prozent, entgegen des Ziels der EZB von 2 Prozent. Das Wachstum der Euro-Zone wurde bisher mit einem Plus von 1,7 Prozent vohergesagt, allerdings wird erwartet, dass dieses prognostizierte Plus für 2019 und 2020 auf 1,2 bis 1,5 Prozent verringert werden wird.

Für den Sparer bedeutet die umstrittene, lockere Geldpolitik der EZB vor allem eines: weiter niedrige Zinsen für Erspartes. Beim Tagesgeld bekommt der Sparer in der Praxis durchschnittlich gerademal 0,15 Prozent. Spitzenwerte liegen bei maximal 0,5 bis 0,6 Prozent. Volkswirte sehen den Aufwand des häufigen Bankenwechsels als einzigen, zeitweisen Ausweg aus der Niedrigzinsfrustration, denn die Banken werben um Neukunden mit höheren Zinsen, wenngleich diese Zinsen stets zeitlich begrenzt angeboten werden. Eine erfreuliche Situation ist das für den Sparer wahrlich nicht. Und auch die Wirtschaft sieht der Nullzinspolitik und lockeren Geldvergabe durch die EZB kritisch entgegen. So mahnte bereits Ende vergangenen Jahres der Ökonom Volker Wieland davor, dass die EZB „Gefahr laufe“, die „geldpolitische Wende zu spät einzuleiten. Das heißt, die Inflation könnte schneller steigen, es könnten noch mehr riskante Kredite vergeben, unproduktive Investitionen getätigt und Ressourcen falsch eingesetzt werden.“ Er warnte gar vor Risiken für die Finanzstabilität der Euro-Zone. Die EZB müsse, um diese Risiken zu minimieren, „die Zinsen früher anheben.“ Zudem ginge es um eine dringende Erklärung, „wann und wie schnell sie ihre Bilanz reduziert. Sie sollte nicht auf so viel Staatsanleihen sitzen bleiben, sondern Bestände abbauen.“

Sparer sind die Leidtragenden der lockeren Geldpolitik Draghis

Aber auch das bringt dem Sparer nicht viel. Wenngleich die Nullzinsstrategie beim Leitzins günstigere Kredite auch im Privatbereich bedeutet, das teuer Ersparte Geld will nicht wirklich wachsen. Experten raten deswegen zu alternativen Anlageformen, wie zum Beispiel der Börse. Hier eignen sich, laut Analysten der Finanzmärkte, Aktienindizes, wie z.B. der DAX. Dieser Kurs sei leicht zu verstehen und Prognosen sind relativ verlässlicher Natur. Aber auch Gold, dessen Kurs an der Börse seit Herbst vergangenen Jahres deutlich anstieg. Der Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit, zeigt die Attraktivität von Gold als Anlageform deutlich: während eine durschnittliche Bankeinlage über die vergangenen 20 Jahre betrachtet gerademal 1,5 Prozent an Ertrag einbrachte, machte der Anleger beim Gold 188 Prozent. Und das bei gleichem Zeitraum und gleichen Bedingungen. Das macht Gold klar zu einer attraktiven Geldanlage, allerdings muss erwähnt werden, dass die Entwicklung von Aktienkursen immer spekulativer Natur ist. Die Entwicklung von Kursen bleibt immer zu einem gewissen Prozentsatz unsicher. Tagesgeld oder andere Sparanlagen sind hingegen sicherer und kommen mit klar berechenbaren Entwicklungen daher.

Wie eingangs erwähnt hieß es von der EZB, dass frühestens im diesjährigen Sommer über eine Erhöhung beim Leitzins nachgedacht werden könne. Bloomberg hingegen dämpft, wie auch andere Finanzexperten, diesen Ausblick. Bloomberg sieht eine Erhöhung des Leitzinses frühestens 2020. Mario Draghi selbst gab vergangenen Donnerstag bei einer Pressekonferenz zu verstehen, dass er dieser Einschätzung durchaus zustimmen mag. 2020 könnte für den privaten Sparer in Deutschland oder anderswo in der Euro-Zone genausogut 2021 bedeuten. Denn bis die Änderungen Wirkung zeigen und von Banken übernommen wurden, dauert es Wochen, wenn nicht Monate. Sollte der Leitzins erst gegen Ende des Jahres 2020 erhöht werden, blickt der Sparer noch 2 Jahre auf ein Niedrigzinsumfeld und eben nicht auf wachsende Sparanlagen bei der heimischen Bank.

Autor: Thomas Schmied

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