Ökonom: Nach 10 Jahren droht erneuter Finanzcrash

Mario Draghi / Jennifer Jacquemart / EC - Audiovisual Service / © European Union , 2016

„Auch zehn Jahre nach dem Finanzcrash und der folgenden Wirtschaftskrise sind wir noch immer davon weit entfernt, alle Probleme und Ursachen davon gelöst zu haben“, schreibt der Ökonom Rudolf Hickel vom Institut Arbeit und Wirtschaft in einem Gastbeitrag bei Tichys Einblick. „Wir spüren noch heute die Folgen von 2008, als die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers die Welt in eine Krise schickte.“

Kanzlerin Merkel begann mit ihrem umstrittenen Programm zur Rettung der Banken. 480 Milliarden Euro der deutschen Steuerzahler wurden in die Banken gepumpt. Doch es half nichts. Die Wirtschaftskrise erfasste Deutschland dennoch. Die antizyklische Konjunkturpolitik à la Keynes kam zum Einsatz. Zudem versuchte man (erfolglos, wie sich zeigte), die Finanzmärkte durch Ge- und Verbote zu regulieren.

Angesichts dieses Crashs, dessen Auswirkungen wir noch heute spüren, stellt sich die Frage, ob es Anzeichen für Abstürze der Bankensysteme mit solch schweren Folgen für die Wirtschaft gibt. Fraglich ist zudem, ob ein erneutes Bankenrettungsprogramm politisch und demokratisch überhaupt noch einmal akzeptiert werde würde. Denn die Ursachen der Finanzkrise sind weder von Politik, Bankenberatungen sowie der Wirtschaftswissenschaft noch immer nicht begriffen worden, kritisiert Rudolf Hickel.

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Die Krise von 2008 war die erste finanzmarktgetriebene Krise. Denn das Finanzkapital dominiert die Wirtschaft: Die Kapitalumsätze auf den Finanzmärkten sind viel schneller gestiegen, als die tatsächliche Weltproduktion. „Wir hatten es mit einem Boom zu tun, der auf reinen Spekulationen beruhte. Ein Boom, der eine gefährliche Blase erzeugte, die schließlich platzen musste.“ Als Beispiel nennt Rudolf Hickel das Wachstum der Weltproduktion zwischen 1990 und 2011. In diesen 21 Jahren vervierfachte sich die Produktion, die Devisenumsätze stiegen jedoch um das 6,5-fache.

Um die Finanzumsätze anzukurbeln, sind Spekulationsprodukte von Investmentbanken kreiert und billig verkauft worden. Dabei spielte der Derivaten-Handel (Finanzprodukt, dessen Preis und Entwicklung vom Preis eines anderen Finanzprodukts, z. B. einer Aktie abhängt; Spekulation oder Wette, ob der Preis eines Finanzprodukts steigt oder fällt) eine zentrale Rolle. Kredite für Hauskäufe sind bis zur Unkenntlichkeit „verpackt“ worden. Schließlich konnten die Hypotheken aufgrund der sinkenden Einkommen nicht mehr bezahlt werden. Die Immobilienblase platzte.

Trotz Regulierungen der Finanzmärkte sind die Risiken einer neuen Krise nicht gebannt. Die Regulierungen waren nicht tiefgreifend genug. Zudem kommen neue Risiken dazu, die astronomischen Summen der „faulen Kredite“ in den Bankenbilanzen und die drohenden Zinssatzerhöhung durch die Notenbanken. Vor allem die Flucht aus dem reguliertem Bankensektor in einen sogenannten Schattenbankensektor birgt ein besonders hohes Risiko, warnt Rudolf Hickel. Denn die Schattenbanken stehen in zu engen finanziellen Verbindungen mit den regulierten Banken. Zudem wurden in den USA einige Gesetze zur Regulierung wieder zurückgenommen.

Anstatt in Gewinne für Sachinvestitionen zu investieren, investieren Vermögende und Unternehmen weiterhin in die virtuelle Geldvermehrung auf den Finanzmärkten. Anstatt zu sparen, müsste sowohl von Staat und Unternehmen in die Wirtschaft sowie die Infrastruktur investiert werden. Finanzminister Scholz betreibt aber genau diese gefährliche Sparpolitik. Staatliche Investitionen im eigenen Land sucht man in Deutschland vergeblich. Die Crash-Gefahr besteht also weiterhin. Letztlich auch zum Großteil durch die Finanzpolitik von EZB-Chef Mario Draghi.

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