Margin Debts: Das gefährliche Spiel mit Aktien und Krediten

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Die jüngsten Rekordwerte an den Börsen führen dazu, dass immer mehr Menschen ihre Ersparnisse vom schlecht verzinsten Sparbuch in die lukrativer erscheinenden Aktienmärkte stecken. Ganz gewiefte Spekulanten gehen sogar noch einen Schritt weiter und nutzen die derzeit extrem niedrigen Zinsen zur Hebelung mittels Krediten.

In Finanzkreisen ist es nicht unüblich Aktienportfolios mit kurzfristigen Krediten zu belehnen, um damit bei einer Hausse zusätzliche Gewinne einfahren zu können. Üblich sind hierbei Belehnungen von 50% des aktuellen Werts der Aktien, so dass man mit einem Aktienpaket von 100.000 Euro mittels Kreditaufnahme noch einmal Aktien im Wert von 50.000 Euro kaufen kann. Steigt beispielsweise der Wert der Aktien im Jahresabstand um 20%, verbucht man dadurch anstatt 20.000 Euro ganze 30.000 Euro Gewinn. Bei Kreditkosten von 5% (2.500 Euro) darf man sich schlussendlich also um ein Extraeinkommen von 7.500 Euro freuen.

Problematisch wird es jedoch, wenn die Kurse fallen: Sinkt der Wert der Aktien zum Beispiel um ein Drittel, verliert man (zumindest theoretisch, wenn man zu diesem Preis verkaufen würde) nicht nur 33.000 Euro, sondern gleich 50.000. Damit wäre das gesamte Aktienpaket nun gleich viel Wert wie zuvor – ohne jene zusätzlich gekauften Anteile mittels Kredit. Rechnet man noch die Kreditkosten hinzu, liegt der Gesamtverlust in diesem Fall bei 52.500 Euro.

Von den Beispielen hin zur Realität

Agieren nur ein paar Spekulanten auf diese Art und Weise, fällt dies angesichts der täglich auf den Börsen herumgeschobenen Werte nicht ins Gewicht. Wie die Grafik von dshort.com links deutlich zeigt, wird beispielsweise die Entwicklung des US-Aktienindex SAP 500 massiv von den als „Margin Depts“ bezeichneten Krediten auf Aktien befeuert. Interessant hierbei ist die Tatsache, dass die Kreditentwicklung kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 deutlich über die Kursentwicklung des SAP 500 geriet, und seitdem deutlich stärker ansteigt als dieser selbst.

Damit wird auch klar, dass die Börsenkurse nichts mit der realwirtschaftlichen Entwicklung zu tun haben, sondern ein kreditfinanziertes Ergebnis von Spekulanten und Spielern sind. Hinzu kommt der Umstand, dass die höheren Wachstumsraten für die Margin Debts im Vergleich zur Entwicklung an der Börse ein deutliches Anzeichen für eine gefährliche Schuldenblase ist.

Diese Praxis findet sich jedoch nicht nur in den Vereinigten Staaten wieder, sondern auch hier in Europa. Ohne diese Aktienkäufe auf Kredit wäre selbst der DAX nicht auf Rekordjagd gegangen. Möglich machen es die niedrigen Zinsen und das viele billige Geld der Zentralbanken, welche die Märkte seit Jahren mit Liquidität fluten. So lange es so bleibt, werden wir gewiss noch einige Jubelmeldungen der Wirtschaftspresse zu lesen bekommen, und da die EZB eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt hat, könnte die Hausse durchaus noch dieses Jahr andauern.

Sollten jedoch nur ein paar Leute zu viel auf die glorreiche Idee kommen, einen Teil ihrer Aktien abzustoßen um die Kredite zu tilgen, könnte sich binnen weniger Tage eine teuflische Abwärtsspirale an den Börsen entwickeln. Wenn dann die Banken weitere finanzielle Sicherheiten von den Schuldnern verlangen, diese jedoch nur Aktien anbieten können, bricht dieser große Schwindel wie ein Kartenhaus zusammen, und wir erleben einen Crash der selbst jenen 2008 übertreffen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst beim Contra Magazin