in Finanzsystem

Um mehr als 1.100 Punkte brach der Dow Jones gestern im Handel ein. Der größte Einbruch seit sechseinhalb Jahren.

Letztlich ist genau das eingetreten, wovor im letzten Jahr zahlreiche Artikel immer wieder gewarnt haben. Die Aktienmärkte haben zur “Umkehr geblasen” und der gestrige “Aufgalopp” dürfte nur der Anfang dessen sein, was die Investoren und Anleger scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass sich all die Gewinne des Aktienjahres 2018 in den nächsten Wochen in Rauch auflösen werden.

Aktienmärkte und Aktien sind keine gute Indikatoren, um mittels deren Stände abzuleiten, wie gut oder schlecht es einer Wirtschaft geht. Sie sind kein “Prognoseindikator”. Die echten Fundamentaldaten (auch jenseits der “Zahlenwelt”, die uns in offiziellen Meldungen der Regierungen und Behörden immer als Beweis für eine Aufschwung verkauft wird) stehen schon seit längerem auf rot. Und offenbar ist endlich diese Realität auch im Aktienmarkt eingekehrt.

Auch aus diesem Grund war ein Kurssturz in dieser Größenordnung leicht vorhersehbar und das wird sich nach Meinung vieler auch in 2018 noch fortsetzen. Trump, der sich in den letzten Monaten immer als derjenige feiern ließ, der diese Hausse zu verantworten habe, wird sich nun die Frage stellen müssen, ob daraus eine nationale Krise in den USA entstehen kann, wenn sich die Märkte weiter gen Süden in einer ähnlichen Geschwindigkeit bewegen sollten.

Für sich allein werden dieser und nachfolgende Einbrüche nicht zu einer nationalen Krise in den USA führen. Aber kommt zu einer solchen “Marktschwäche” noch eine geopolitische Komponente (wie ein Krieg mit Nord-Korea) dazu, dann ist eine solche Krise fast unausweichlich, die sich dann wie Mehltau auch auf den Rest der Welt legen wird.

Hierzu ein kurzer Auszug aus einem Bloomberg-Artikel zum gestrigen Dow-Einbruch:

„Die US-Aktien gaben so stark nach wie in den letzten 6 1/2 Jahren nicht mehr, als der Dow Jones Industrial Average mehr als 1.100 Punkte einbüßte und der Aktienausverkauf einen Höhepunkt erreichte, während die Sorge wuchs, dass die Inflation die Zinssätze erhöhen würde. Die Staatsanleihen erholten sich und Gold stieg in seiner Nachfrage als sicherer Hafen.

Die Volatilität kehrte in die amerikanischen Aktienmärkte zurück, da der S&P 500 Index um 4,1 Prozent sank, was seinen Januar-Gewinn auslöschte und im Jahresverlauf einen Tiefpunkt darstellt.

Der Index erzielte den schlechtesten Tag, seit die USA ihr ursprüngliches Kreditrating verloren hatten, er übertraf sogar den Rückschlag, der auf Chinas schockartige Abwertung des Yuan folgte, den Brexit-Abverkauf und die Nervosität vor der Präsidentschaftswahl. Das Handelsvolumen war fast doppelt so hoch wie im 30-Tage-Durchschnitt. Alle bis auf zwei Aktien gaben in der Breite nach.

“Dies ist ein klassisches Risiko, das in absehbarer Zeit nicht enden wird”, sagt Win Thin, Leiter der Währungsstrategie für Schwellenländer bei Brown Brothers Harriman.

Der Verkauf beschleunigte sich kurz nach 15.00 Uhr in New York, als der Dow um mehr als 800 Punkte in nur 15 Minuten einbrach, nur um [kurz darauf] wieder nach oben zu gehen. Der Blue-Chip-Index schloss um 4,6 Prozent niedriger – der stärkste Rückgang seit August 2011 und ist auch auf das Jahr gesehen auf dem niedrigsten Stand. Der Cboe Volatility Index hat sich auf den höchsten Stand seit 2 1/2 Jahren mehr als verdoppelt.“

(U.S. stocks plunged the most in 6 1/2 years, with the Dow Jones Industrial Average sinking more than 1,100 points, as the equity selloff reached a fever pitch amid rising concern that inflation will force interest rates higher. Treasuries rallied and gold rose on haven demand.

Volatility roared back into American equity markets, as the S&P 500 Index sank 4.1 percent to wipe out its January gain and turn lower on the year. The index capped its worst day since the U.S. lost its pristine credit rating, topping the rout that followed China’s shock devaluation of the yuan, the Brexit selloff and jitters heading into the presidential election. Trading volume was almost double the 30-day average. All but two stocks in the broad gauge declined.

“This is classic risk off that may not end any time soon,” says Win Thin, head of emerging-market currency strategy at Brown Brothers Harriman.

Selling accelerated shortly after 3 p.m. in New York, with the Dow sinking more than 800 points in a matter of 15 minutes only to snap back. The blue-chip index ended lower by 4.6 percent – its steepest drop since August 2011, and is also lower for the year. The Cboe Volatility Index more than doubled to its highest level in 2 1/2 years.)

Quelle:

U.S. Stocks Sink Most Since 2011 as Rout Deepens: Markets Wrap

 

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Kommentar

  1. Der Aktienmarkt war in den vergangenen Jahren deutlich „überhitzt“. Das „billige“ Geld hatte eine Doppelwirkung, es brachen traditionelle Anlagemöglichkeiten weg und es erfolgte (neben dem Run auf Immobilien) eine verstärkte Orientierung auf Aktien. Das hatte zur Folge, dass viele Aktien weit über ihren Wert gehandelt wurden.

    Nun tritt eine Phase der Normalisierung ein und die ist noch längst nicht abgeschossen.

    Ähnliches haben wir bei dem Dollar. Er verlässt ganz langsam seine drastische Überbewertung. Das ist keine Schwäche, sondern eine Annäherung an die Realität.

    Gemeinsam mit der Rückbesinnung der USA auf ihre eigene Industrie und die Ansiedlungsoffensive für ausländische Unternehmen ist das der richtige Weg für die USA.