in Finanzsystem

Etliche italienische Banken straucheln erheblich. Die Eurogruppe warnt vor einem Kollaps. Hierbei kämpft Italien an mehreren Fronten: Marode Banken, eine enorm hohe Staatsverschuldung und ein niedriges Wachstum. Zwar sieht Premierminister Matteo Renzi sein Land trotz aller Probleme auf einem guten Weg, die Realität sieht allerdings anders aus.

An der Börse hat die Volatilität ein bisschen nachgelassen, aber dennoch stehen italienische Bankaktien weiter stark unter Druck. Von  Monte Paschi di Siena (MPS) über Carige bis zur Volksbank von Vincenza, so wird die Liste der italienischen „Problembanken“ immer länger. Die Volksbank von Vincenza und Veneto Banca sind augenblicklich noch die einzigen Banken, die die jüngst ausgegebenen Kapitalanforderungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht erfüllen.

Die Verluste der Institutionen beruhen auf mehreren Faktoren. Hierzu zählen Zahlungen an Ex-Manager und Wertberichtigungen auf sogenannte „Problemkredite“. Veneto Banca hat derweil einen Börsengang beantragt und die in der Nähe von Treviso ansässige Bank beschloss eine Kapitalaufstockung zur Stärkung ihrer Liquidität in Höhe von rund 1 Milliarde Euro. Die in Genua beheimatete Carige gehört zu Italiens großen Sorgenkindern. Die EZB forderte das Unternehmen auf bis Mitte Mai eine neue Strategie zur Stärkung des Kapitals zu beschließen. Das an der Mailänder Börse notierte Institut gehört gemessen an den Filialen zu den zehn größten Banken im Land. Bereits im Jahr 2013 war Carige wegen eines Derivate-Deals mit der Deutschen Bank negativ aufgefallen. Außerdem wurden dem Unternehmen Tricksereien innerhalb der Buchhaltung vorgeworfen.

Völlig ungewiss ist weiterhin die Zukunft des ältesten Geldhauses der Welt, Monte Paschi di Siena (MPS). Seit Monaten ist die Bank auf der Suche nach neuen Partner im Umgang mit notleidenden Krediten. Der Umfang von 26 Milliarden Euro an „faulen Krediten“, die die Bank belasten, muss reduziert und eine weitere Kapitalerhöhung ausgeschlossen werden. Die Angaben stammen vom CEO der toskanischen Bank, Fabrizio Viola.

Die kriselnden Banken setzen die Regierung von Matteo Renzi zunehmend unter Druck. Weil auch Regionalbanken nach erheblichen Kapitalausfällen Kapital fehlte, schnürte die Regierung in Rom bereits im November des letzten Jahres einen eigenen Rettungsplan in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Die faulen Kredite wurden in eine „Bad Bank“ ausgelagert. Die betroffenen vier Regionalbanken wurden umgehend rekapitalisiert und sollen nun verkauft werden. Ferner wurde ein 100 Millionen Euro Solidaritätsfonds zur Entschädigung der Kleinsparer eingerichtet. Im Zuge der Bankenpleiten haben tausende Kleinanleger ihre Ersparnisse verloren.

Weiteres, grundlegendes Problem Italiens ist die enorm hohe Staatsverschuldung. Nach Einschätzung der Euro-Finanzminister droht Italien mit seinem diesjährigen Budget gegen die Defizitregeln der Währungsgemeinschaft zu verstoßen. Erst am Montag erklärte die Eurogruppe in Brüssel, dass selbst wenn der Regierung in Rom ein Höchstmaß an Flexibilität zugestanden werden würde, das Risiko einer deutlichen Abweichung von den Vorschriften weiter bestünde. Die EU-Kommission beobachtet mit großer Sorge die hohe Verschuldung Italiens, die 130% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) beträgt. Das wirtschaftliche Wachstum dagegen bleibt niedrig.  Zwar versucht die Regierung mit Konjunkturprogrammen unterstützend einzugreifen, doch diese neuerlichen Ausgaben haben wiederum negative Auswirkungen auf das bestehende Defizit.

Matteo Renzi wehrt entschieden ab und beteuerte, dass kein Nachtragsbudget notwendig sei. „Es besteht keinerlei Gefahr, dass wir ein Nachtragsbudget verabschieden müssen. Italiens Bilanzen sind solide!“ Auch Wirtschaftminister Pier Carlo Padoan lässt sich scheinbar von den Einschätzungen und Sorgen der Euro-Finanzminister nicht aus der Ruhe bringen. „Wir beharren auf unserem Weg. Wir wollen einerseits die Beschäftigung mit Reformen und Investitionen fördern und zugleich verantwortungsbewusst mit den öffentlichen Bilanzen umgehen, denn unser Hauptziel ist die Senkung der Verschuldung“, kommentierte Padoan gegenüber den Medienvertretern. Der Minister betonte, dass Italien immerhin das niedrigste Defizit der vergangenen 10 Jahre vorweisen könne. Das bedeute eine Senkung um 2,4 %, ein Resultat, welches bislang keine andere italienische Regierung zustande gebracht habe. Zugleich habe das Land Ausgabenkürzungen von 25 Milliarden Euro vorgenommen.

Dennoch werden einige der italienischen Problembanken nun auch verstärkt von der EZB kontrolliert. Fast täglich überprüfen die Frankfurter Währungshüter die Liquidität besagter Banken. Der Berg an faulen Krediten, der auf der Branche lastet, bereitet besonders Anlegern große Sorgen und so haben seit Jahresbeginn die Aktien italienischer Geldhäuser stark an Wert verloren. Die EZB erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Überwachung des Kapital-und Liquiditätsniveaus gängige Praxis sei und lehnte eine weitere Stellungnahme bezüglich der Überprüfung bestimmter Institute ab.

Andere internationale Experten und Beobachter, z.B. von Globalrisk sprechen mittlerweile von etwa 200 Milliarden Euro bezüglich der Ausfälle hinsichtlich der „schlechten Kredite“ oder des Niveaus sogenannter Nicht-Ausführungsdarlehen (NPL) bei italienischen Banken. Verglichen mit der beständigen Finanzkrise in Griechenland, könnte das Risiko einer sich entwickelnden Finanzkrise in Italien weitaus größere Folgen für die Eurozone nach sich ziehen und wird daher als wesentlich ernster eingestuft. Italien stellt immerhin die acht größte Wirtschaft der Welt dar. Die Banken-Union wird dann zur großen Haftungsunion und durch die europäische Einlagen Sicherung wird dann der Sparer zum Euro-Retter.

Quellen: Cash.ch, Nachrichten.at, Frankfurter Allgemeine, FAZ, Deutsche Wirtschaft Nachrichten, Globalrisk-Insights

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11 Kommentare

    • Keine Ahnung, so einen Quatsch lese ich hier leider öfter.
      Vermutlich „denkt“ der Autor, man hättte die Schuldenkriese erfolgreich mit noch mehr Schulden gelöst…

  1. Na mit den Italienern ist nicht zu spaßen ! Ich glaube da kommt das meiste Falschgeld her. Wenn die ihr Geld nicht kriegen, dann wird es aber heftig. Ich glaube vor ca. 1 Jahr prognostizierte diesen Zustand Dirk Müller und er hat wie immer recht behalten !

    • Ich denke, ist doch wurscht, wer die Blüten druckt !
      Ob nun die EZB, die Italiener oder die Osteuropäer, alle Blüten sind gleich viel Wert – nämlich Nix !
      Da sowieso keiner mehr seine Einnahmen zur Bank bringen will, fallen die Blüten aus der zweiten Reihe im Umlauf doch kaum noch auf, und wenn sie gut gemacht sind … ! Es bewahrheitet sich : Handwerk hat goldenen Boden.
      PS. wenn mir heutzutage einer über den Weg rennt, der sich traute ne Bank zu erleichtern, schick ich die Streife in die andere Richtung !

  2. In der SZ wird heute behauptet, die künstliche Intelligenz schaffe einen erstaundlichen Durchbruch. Go gelte als das komplexeste Spiel der Welt. Eine PC hat nun gegen den Champion gewonnen.
    Go ist ein Rechenspiel. Tatsächlich kann der PC nur schneller und tiefer Rechnen als der Mensch. Das gilt auch beim Schach.
    Die Künstliche Intelligenz ist bloß ein vom Menschen geschaffener Algorythmus. Bei unendlichen Wenn – Dann-Schleifen, einer Zieldefinition und mit seiner phantastischen Merkfähigkeit variabler Arrays ist eine Rechenmaschine der menschlichen Rechenleistung natürlich überlegen. Mit Intelligenz hat das allerdings nichts zu tun. Eher mit ihrem Abbau. Schon der Flaschenzug ist der menschlichen Kraft überlegen. Ist der deswegen…

    • .. „intelligent“?
      Die groteske Technikanbeterei könnte auch mal ein Thema sein. Aber dafür müßte man aufhören, die Technik anzubeten.

    • @Ralf. Nix deutsch, Kauderwelch !
      Außerdem – immer kommen lassen, in meiner Kindheit wurden Schweine, Hasen und Hühner geschlachtet, ich weiß wie das geht ! Is halt ne riesen Sauerei … ! :(