in Finanzsystem

Gradido – Natürliche Ökonomie des Lebens. Ein Weg zu weltweitem Wohlstand und Frieden in Harmonie mit der Natur?

In meinen bisherigen Artikeln dieser Reihe (Teil 1, 2, 3, und 4), habe ich Ihnen aufgezeigt, wie unser heutiges Schuldgeld- und Wirtschaftssystem immer mehr an seine Grenzen stößt. Wie ein durch unkontrollierte Geldschöpfung gepushtes Geldmengenwachstum zu immer größerem Reichtum in den Händen von Wenigen und zu immer mehr Schulden und Armut der breiten Massen und der Regionalstaaten selbst führt. Und wie daraus resultierender Wachstumsdruck uns an die Grenzen der Belastbarkeit des Ökosystems des gesamten Planeten geführt hat.

Im letzten Artikel (Teil 5), habe ich Ihnen mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen ein Konzept vorgestellt, wie die Verteilungsungerechtigkeit unseres Wirtschaftssystems und die damit einhergehenden sozialen Probleme entschärft werden könnten.

Im Folgenden möchte ich einen Schritt weiter gehen und Ihnen ein Konzept vorstellen, das die Idee des Grundeinkommens mit einem neuen Geldsystem verbindet: Gradido – die natürliche Ökonomie des Lebens.

Entwickelt wurde das Model vom Deutschen Bernd Hückstädt. Bernd Hückstädt ist kein Ökonom, sondern studierte Musik, Nachrichtentechnik und Mathematik. Er bezeichnet sich selbst als Querdenker, Mathematiker, Musiker und Herzensmensch. Aus seiner langjährigen gedanklichen Auseinandersetzung mit den extremen Unterschieden zwischen arm und reich heraus, entwickelte er seine Ideen für eine „Natürliche Ökonomie des Lebens“.

Der Gradido in seinem System, ist eine neue Währung. Ihr Name leitet sich aus Gratitude, Dignity und Donation – also den englischen Wörtern für Dankbarkeit, Würde und Geschenk/Spende/Gabe ab. Anfänglich ist diese Währung als rein elektronische Währung vorgesehen. Im aktuellen Denkmodell entspricht ihr Wert dem des Euro und sie könnte parallel zum Euro oder jeglicher anderer Währung eingeführt werden.

Gradido – ein Aktives Grundeinkommen

In diesem System schöpft der Staat für jeden seiner Bürger jeden Monat 3 mal 1.000 Gradido. Jeder Bürger hat das Recht auf ein Aktives Grundeinkommen von 1.000 Gradido. Der Staat, also die Gemeinschaft aller Bürger, sagt jedem einzelnen Menschen danke: „Tausend Dank, weil du bei uns bist.“ Das Grundeinkommen soll dabei wie beim Bedingungslosen Grundeinkommen die Lebenshaltungskosten decken und jedem Menschen ein würdiges Leben ermöglichen. Sollten 1.000 Gradido dafür nicht reichen, kann dieser Betrag natürlich dementsprechend angepasst werden.

Im Unterschied zum Bedingungslosen Grundeinkommen garantiert dieses Aktive Grundeinkommen bedingungslose Teilhabe an der Gemeinschaft. Jeder hat das Recht – nicht die Pflicht – zur bedingungslosen Teilhabe, also das Recht, seinem Wesen, seinen Vorlieben und seinen Fähigkeiten entsprechend zum Gemeinwohl beizutragen. Bezahlt werden 20 Gradido pro Stunde. Jeder darf 50 Stunden bezahlten Gemeinschaftsdienst im Monat leisten und damit seine 1.000 Gradido als Dank verdienen. Jeder der heute schon ehrenamtliche Tätigkeiten verrichtet, könnte diese sofort dafür verwenden und sich so seine Gradido für diese Tätigkeit verdienen und damit endlich auch eine zählbare Gegenleistung und Anerkennung für seine ehrenamtliche Tätigkeit erhalten.

Arbeitslosigkeit kann es damit nicht mehr geben. Will jemand keinen Gemeinschaftsdienst leisten und sein Geld ausschließlich in seinem Beruf verdienen, ist er natürlich frei, das zu tun. Kinder können sich spielerisch einbringen und erfahren so von klein auf eine Wertschätzung für ihre Fähigkeiten und Talente. Menschen die nicht mehr arbeitsfähig sind, erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Ähnlich wie in der heute ebenso geführten Vollgeld-Diskussion, obliegt die Geldschöpfung im Gradido-System wieder ausschließlich dem Staate ohne dabei Schulden bei übergeordneten Institutionen zu generieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass Geldschöpfung nichts  weiter ist, als das Erzeugen von Zahlen im Computer. Im Gradido-System haben diese Möglichkeit nicht mehr private Banken, sondern ausschließlich der Staat.

Vom Schuldgeldsystem zur Dreifachen Geldschöpfung

Das Geld wird nicht mehr durch Schulden geschöpft, sondern durch das Leben selbst. Für jeden Staatsbürger (für jedes Menschenleben) werden jeden Monat 3.000 Gradido geschöpft. Ein Drittel davon wird für das  Grundeinkommen der Bürger verwendet, das zweite Drittel für den Staatshaushalt eines Landes, proportional zur Anzahl seiner Bürger und das dritte Drittel für einen Ausgleichs- und Umwelt-Fonds zur Sanierung von Umweltschäden aus Altlasten. Hückstädt nennt dies die Dreifache Geldschöpfung, die damit dem Dreifachen Wohl dient: Dem Wohle des Einzelnen (Grundeinkommen), dem Wohle der Gemeinschaft (Staatshaushalt) und dem Wohle des Großen Ganzen (Umwelt und Natur).

Gleich wie jedem einzelnen Bürger, fließen also auch dem Staatshaushalt 1.000 Gradido pro Einwohner und Monat zu. Ohne Steuern eintreiben zu müssen, steht damit dem Staat ein Haushalt in einer Größenordnung zur Verfügung, die zurzeit in Mitteleuropa üblich ist – einschließlich Gesundheits- und Sozialwesen. Da Mitteleuropa den höchsten Lebensstandard weltweit aufweist, dient es im Modell als Maßstab, um zu definieren was quantitativ als Wohlstand gilt. Durch den Wegfall von Steuern und Abgaben ist wesentlich weniger staatliche Kontrolle und Bürokratie notwendig. Da der Staatshaushalt ohne Schulden finanziert wird, entfallen auch sämtliche Kosten die im heutigen System für Schuldzinsen aufgebracht werden müssen und in den meisten Staaten bereits den größten Budgetposten überhaupt darstellen.

Die dritte Geldschöpfung ist für die Sanierung und Bewahrung der Umwelt vorgesehen. Der Umwelthaushalt ist damit so hoch wie der Staatshaushalt selbst. Er hat die Aufgabe, die ökonomischen und ökologischen Altlasten so gut wie möglich zu beseitigen und in Zukunft die Natur und Umwelt nachhaltig zu schützen. Das wäre der größte Umwelt-Topf in der Geschichte der Menschheit. Umweltschutz und Umweltsanierung würden zu den lukrativsten Wirtschaftszweigen.

Somit sind in der Dreifachen Geldschöpfung auch die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt, um wieder in Einklang mit der Natur zu kommen. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn in dieses Geld- und Wirtschaftsmodell ein weiteres wichtiges Naturgesetz eingebaut wird: der Kreislauf von Werden und Vergehen.

Von exponentiellem Wachstum zu natürlichem Werden und Vergehen

Dieser Kreislauf von Werden und Vergehen wird in den Gradido aktiv eingebaut. Zur dreifachen Geldschöpfung auf der einen Seite, kommt eine Vergänglichkeit von rund 5% pro Monat auf der anderen Seite. Wer am Anfang eines Jahres 100 Gradido auf seinem Konto hat, dem würden jeden Monat 5% abgezogen, sodass am Ende des Jahres noch 50 Gradido übrig blieben. Nach dem Vorbild der Natur ist Gradido dadurch ein sich selbst regulierendes System, das die Geldmenge pro Person konstant hält. Die durchschnittliche Geldmenge pro Kopf der Bevölkerung würde sich demnach bei ca. 60.000 Gradido einpendeln. Denn wenn 60.000 Gradido pro Bürger im Umlauf sind, führt die Vergänglichkeit von 5% zum Verschwinden von 3.000 Gradido pro Einwohner und Monat, die auf der anderen Seite wieder durch die dreifache Geldschöpfung entstehen.

Dieses Prinzip hat sich Hückstädt von der Natur abgeschaut. Denn der Natur gelingt, wovon Ökonomen nur träumen können: Ewiges Wachstum auf begrenztem Raum durch die Verbindung des ewigen Werdens mit dem ewigen Vergehen, durch die Verbindung von Leben und Tod.

Nur wir Menschen sind auf die wahnwitzige Idee gekommen, uns diesem Naturgesetz entziehen zu wollen und ein Geldsystem zu entwickeln, das durch unkontrollierte Geldschöpfung verbunden mit Zins und Zinseszins zu exponentiellem Wachstum der Geldmenge führt. Bis der Wahnsinn sich dann schließlich wieder mit Gewalt reguliert: Durch Hyperinflationen, Wirtschaftskrisen, Crash, Kriege oder Naturkatastrophen.

Im Gradidosystem wird durch die Vergänglichkeit der Währung eine sanfte, geplante und vorhersehbare Regulierung eingebaut. Dies ist ebenso eine Grenze für die übertriebene Hortung von Geld, wie wir sie heute in unserer Gesellschaft sehen, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.

Von Geldhortung zu einem revolutionären Kreditsystem

Natürlich wird es auch in diesem System Ärmere und Reichere geben. Menschen die vom Grundeinkommen leben auf der einen Seite und besonders fleißige, talentierte oder geschäftstüchtige Menschen auf der anderen Seite.

Übertriebene Geldhortung bei einer Vergänglichkeit von 5% pro Monat, macht aber keinen Sinn mehr. Wer überschüssige Mittel hat, wird versuchen diese jemandem, der gerade Geld braucht als Kredit zu leihen. Dieser Kredit wird voraussichtlich zinsfrei sein oder sogar negative Zinsen haben, da der Kreditgeber ja die Vergänglichkeit seiner Guthaben oder Ersparnisse vermeidet, wenn er sie jemandem anderen für dessen Finanzbedarf zur Verfügung stellt und nach einem vereinbarten Zeitraum den vollen Betrag wieder zurück erhält.

Neue Banken könnten dabei in der Vermittlung zwischen Sparern und Kreditnehmern eine völlig neue Rolle spielen. Im Gegensatz zu heute, würden sie aber nur vorhandenes Geld vermitteln und nicht durch Kreditvergabe neues Geld schöpfen.

Auch das Problem, dass die Wirtschaft nicht mit ausreichenden Mitteln bzw. Krediten für Investitionen, Forschung, Entwicklung, Neuproduktionen, Firmengründungen und vielem mehr versorgt wird, wäre wohl behoben. Während heute auf der einen Seite Unmengen von Geld gehortet werden, darbt auf der anderen Seite die Wirtschaft und jammert über Kreditklemmen durch  restriktive Kreditpolitik der Banken.

Im Gradidosystem haben Wirtschaft und Private durch die Vermeidung der Geldhortung leichten Zugang zu (billigen) Krediten. Dies schafft Raum für Unternehmertum und Kreativität und verringert auch das Kreditrisiko, da Finanzierungskosten sinken.

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes würde enorm erhöht, da Geldhortung nicht attraktiv ist, das Geld würde wieder fließen, so wie es eigentlich sollte. Sparen zum Beispiel für die Altersvorsorge wäre nicht mehr so wichtig, da eine Grundvorsorge ja auf jeden Fall gewährleistet ist. Andererseits könnte man natürlich auch in diesem System Möglichkeiten schaffen (z.B. Vorsorgefonds), in denen zweckgebundenes Sparen ohne Vergänglichkeit möglich wäre.

Ein System mit vielen Vorteilen

Ich hoffe, dass ich damit die wichtigsten Aspekte dieses kreativen Konzeptes erläutern konnte. Mir ist klar, dass ihnen sofort etliche Fragen und Einwände einfallen werden. Doch Hückstädt gelingt es in seinem Buch fast alle Fragen mit bestechender Logik zu beantworten. So widmet er ein großes Kapitel dem Thema: „Die 100 wichtigsten Vorteile“. Neben den bereits genannten seien hier nur noch ein paar weitere Vorteile des Modells aufgelistet:

  • Entlastung nachfolgender Generationen
  • Geringe Lohnkosten
  • Sanierung der Staatsfinanzen
  • Geringere Kriminalität
  • Kein Konsumzwang
  • Stufenweise Einführung des neuen Systems, parallel zum bestehenden System möglich
  • Auch Papiergeld ist möglich
  • Frieden

Natürlich ist Gradido ein sehr idealistisches Modell. Und natürlich klingt es im ersten Moment zu schön um wahr bzw. möglich zu sein. Andererseits besticht es auch durch seine Einfachheit und Logik. Hückstädt nimmt auch nicht für sich in Anspruch, dass sein Modell nicht noch verbesserungsfähig ist und ruft zur aktiven Mitarbeit auf.

Möglicherweise ist Gradido auch der Missing Link zwischen Gemeinwohlökonomie und ethischen Banken und die ideale „Gemeinwohlwährung“.

Egal wie realistisch jemand dieses Modell hält – eines ist sicher, es bietet eine Vielzahl kreativer, neuer Denkansätze, Ideen und Lösungsvorschläge und es zeigt ganz klar:

Es gibt Alternativen zu unserem heutigen Wirtschafts- und Geldsystem mit seinen verheerenden Nebenwirkungen. Wir müssen nur einen Schritt zur Seite machen und neu denken. Denn wir leben in demokratischen Staaten und können uns in demokratischen Prozessen neue Regeln schaffen, wenn uns die alten Regeln nicht mehr dienlich sind. Zum Wohle aller.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gradido.net . Das E-Book wird gratis zum Download zur Verfügung gestellt.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Dann fragt doch mal bei den Rothschilds oder anderen Multis ob denen das gefallen würde? Wenn sie nichts besonderes mehr sind wissen die doch gar nicht mehr wo sie stehen! Für so ein Model ist die Welt oder besser die Hochfinanz ums verrecken nicht bereit dann lieber noch ein paar Kriege!

  2. Ja, der Mann hat in der Tat eine bestechende Logik:
    Der Staat, der heute 50+% braucht, kann mit zukünftigen 33% seinen Haushalt sanieren…
    Ein System mit 5% Geld-Entwertung (Vergänglichkei) im Monat führt nicht zu Konsumzwang…
    Man könnte auch „Vorsorgefonds“ für zweckgebundenes Sparen ohne „Vergänglickeit schaffen…
    Alles klar ;-)

    Ich finde auch, man sollte dem Staat die totale Kontrolle über das Geld (am besten gleich über alles) geben. Die Menschen sind viel zu dumm und unfähig, ohne unsere weisen Politiker-Götter zu leben.

  3. Immerhin findet Bernd Willfried Senf – deutscher emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre – im System einen interessanten Ansatz für die Ablösung des heutigen Systems, Und dass dies dringend notwendig ist, sind wir uns ja alle einig.

    Prof. Senf weiss allerdings auch, dass das System des Gradigo noch nicht völlig ausgereift ist.
    Aber wie kann man das erwarten, wenn Tausende VWL-Absolventen es geschafft habem, eine vernünftige Lösung zu präsentieren. Dazu gehören z.B Adams, Keynes, Mises, Hayek, Friedman, Schumpeter und viele mehr. Alles Möchtegern Oekonomen?

  4. Ein spannendes Konzept, bei dem aber noch zu bedenken ist, wie die Sachwerte künftig verteilt werden.

    Besitz und insbesondere Eigentum, die Grundpfeiler des Kapitalismus, haben doch Eigengesetzlichkeiten, die mit einem neuen Modell der Geldverteilung nicht unmittelbar geändert werden!

    Dennoch finden sich da vielleicht gute Lösungen. Aber natürlich muss darüber das Volk entscheiden und nicht die Herren Soros und Rockefeller.

  5. Es gibt inzwischen viele Modelle, die denkbar wären, man sollte sie erst spielerisch ausprobieren können, und andere machens anders. Wieso nicht auch Wettbewerb bei den Geldsystemen. Das „Wunder von Wörgel“ war in einer Notzeit genial, derzeit wären wohl nur Wenige einverstanden, wenn das Geld ständig Wert verliert, weil das Verständnis nicht da ist.