Geld zum Wohle aller – Teil 2: Gold

Gold gilt seit Jahrtausenden aufgrund seiner Eigenschaften, Seltenheit, Schönheit, seiner auffallend glänzenden Farbe und seiner besonderen Energie als äußerst begehrtes Edelmetall. Seit über 3.000 Jahren ist Gold als Zahlungs- oder Tauschmittel anerkannt.

Staaten nutzen Gold als Währungsreserve und noch vor wenigen Jahren war es in vielen Ländern Standard, dass die eigene Währung ganz oder zu einem bestimmen Anteil mit Gold gedeckt war. Im Rausch von Giral- und Papiergeld der letzten 40 Jahre ging das Interesse an Gold zurück. Doch jetzt in Zeiten von Finanzkrise, Staatsüberschuldungen und Inflationsgefahren steht Gold bei vielen Menschen wieder an erste Stelle, wenn es darum geht, die Kaufkraft des eigenen Vermögens zu schützen.

Es ist unmöglich, die Themen Geld und Gold voneinander zu trennen. Und es stellt sich die Frage: „Ist Gold das bessere Geld?“

J.P. Morgan, US-Privatbankier (1837-1913) sagte dazu: „Nur Gold ist Geld und nichts anderes“

In meinem letzten Artikel „Geld zum Wohle aller – Teil 1“ habe ich aufgezeigt wie in den letzten hundert Jahren unser Geld immer mehr vom Gold getrennt wurde, wie Geldschöpfung der Zentral- und Privatbanken sowie Zins und Zinseszins die Geldmenge immer weiter steigen lassen und damit der Wert des Geldes immer weiter sinkt.

Möchte man diese These untermauern, kommt man nicht daran vorbei, einen genaueren Blick auf dieses schöne Metall zu werfen.

Definition von Gold

Gold ist ein chemisches Element, das zu den wertvollsten Edelmetallen auf der Welt zählt. Aus seinem lateinischen Namen Aurum (= das Gelbe) leitet sich das chemische Symbol „Au“ ab. Es wird durch Luft, Feuchtigkeit, Hitze und die meisten Lösungsmittel nicht angegriffen und hat mit 19,32 g/cm³ eine sehr hohe Dichte und Dehnbarkeit. Aus 1 Kilogramm Gold könnte man einen 3 Kilometer langen Draht ziehen.

Im Vergleich zu Silber und Platin spielt Gold in der technischen Produktion keine sehr große Rolle. Einsatzgebiete sind z. B.: Mikroelektronik (Schaltkreise, Leiterplatten, Steckverbindungen), Optik (Beschichtung von Gläsern, Spiegel, Laserspiegel/Satelliten), Medizin (Füll-/Ersatzmaterial für Zähne, Rheumatherapie), Raumfahrt (Schutz vor Korrosion). Viel häufigere Einsatzgebiete sind die Schmuckindustrie sowie Dekoration/Vergoldung von z. B. Bilderrahmen, Büchern, Figuren.

Die Reinheit von Gold wird in Karat angegeben (Abkürzung kt, nicht zu verwechseln mit ct, der Gewichtseinheit für Edelsteine). Pures Gold oder Feingold hat 24 Karat. Die Promilleangaben, die z. B. in Schmuck oder Barren gestempelt/eingeprägt sind (Punzierung), bedeuten folgendes: 333 = 8 Karat. D.h. dass auf 1000 Gewichtsanteile 333 Anteile Gold kommen (333 = 1/3 von 24 Karat = 8 Karat). Folglich ergeben sich daraus die weiteren Werte: 585 = 14 Karat, 750 = 18 Karat. Sogenannte Bullionmünzen (Anlagemünzen) gibt es meist in 916,6/1000 (z. B. Krügerrand) oder 999,9/1000 (z. B. Wiener Philharmoniker und Goldbarren).

Der weitaus größte Teil des Goldes, das heute physisch vorhanden ist, ist schon vor langer Zeit gefördert worden. Denn Gold wird praktisch nicht verbraucht, lässt sich immer wieder einschmelzen und so endlos recyceln. Geschmolzen lässt es sich wieder problemlos von anderen Metallen oder Stoffen trennen und so jederzeit wieder in seinen vollkommen reinen Zustand zurückführen.

Geschichtliches

Seit Beginn der Menschheit wurden schätzungsweise 155.000 Tonnen Gold geschürft. Im Alten Ägypten war Gold ein unerlässliches Zeichen für Reichtum und Verbindung der Pharaonen zu den Göttern. Das Gold spielte nicht nur als Schmuck eine große Rolle, sondern vor allem in den Grabbeigaben wurden den ägyptischen Regenten wertvolle Gegenstände für ihr Leben im Jenseits mitgegeben. Auch bei den Azteken spielte Gold eine wichtige Rolle, sie nannten es „Teocuitlatl“, was sich aus „teolt“ = „Gott“ und „cuitlatl“ = „Ausscheidung“ zusammensetzt. Der große Goldrausch im Amerika Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts fand sich sogar in den Comics um Dagobert Duck wieder, der seine erste Million Kreuzer am (real existierenden) Goldgräberfluss Klondike machte.

Die größten Goldvorkommen liegen in Südafrika in der Region von Johannesburg. Dort wird das Edelmetall inzwischen aus bis zu 3900 Meter Tiefe zu Tage befördert.  Neben Südafrika zählen China die USA und Australien zu den größten Goldproduzenten der Welt, zusammen fördern diese 4 Länder mehr als 40% des weltweit abgebauten Goldes.  Die jährliche Produktion (neuen) Goldes liegt heutzutage in etwa bei 2500 Tonnen.

Der Goldabbau ist heute bereits bei Konzentrationen von 1 – 2 Gramm Gold pro Tonne Gestein rentabel und kostet in der Produktion im weltweiten Durchschnitt rund 800 USD pro Unze Gold.

Die größten Goldmengen sind laut einer Schätzung folgendermaßen verteilt:

79.000 Tonnen (53 %)   sind in Schmuck verarbeitet.

28.000 Tonnen (19 %)   gehören Zentralbanken und anderen Währungsinstitutionen.

25.000 Tonnen (17 %)   sind in Privatbesitz (in Form von Barren und Münzen).

18.000 Tonnen (12 %)   sind in Kunstgegenständen verarbeitet.

Damit entspricht die derzeit auf der Welt vorhandene Goldmenge von rund 150.000 Tonnen nur einem Würfel mit etwa 20 Metern Kantenlänge oder 8.000 Kubikmetern reinem Gold und hat nach heutigen Preisen nur einen Wert von rund 6 Billionen Euro.

Laut einer Schätzung der US-Kartografie-Behörde liegen die wirtschaftlich abbaubaren Goldreserven dieser Welt noch bei maximal 50.000 Tonnen.  Rechnet man dazu nochmals 50.000 Tonnen, die vielleicht bei höheren Preisen oder durch neue Technologien gefördert werden können, kommt man alles in allem auf 250.000 Tonnen. Mehr Gold existiert nicht auf diesem Planeten.

Es wird deshalb wohl nie seinen Wert verlieren. Das ist der große Unterschied zwischen Papiergeld und Gold: Man kann das gelbe Metall nicht inflationieren.

Der Preis

Seit dem 18. Jahrhundert wird der Goldpreis in London bei einem täglichen Treffen wichtiger Banken fixiert (= Londoner Goldfixing).

Insgesamt betrachtet kann der Goldpreis als eher volatil – also größeren Schwankungen unterliegend – bezeichnet werden.

Langfristig betrachtet ist der Wert des gelben Metalls jedoch kontinuierlich gestiegen – oder anders ausgedrückt, der Wert des Geldes kontinuierlich gefallen. Besonders natürlich seit der Aufhebung des Goldstandards zum Anfang des letzten Jahrhunderts.

Wie kommt es zu den Schwankungen im Goldpreis?

Grob gesagt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.

Fällt der Goldpreis, müssen Goldminen mit hohen Produktionskosten wieder schließen, wodurch mittelfristig das Angebot wieder zurück geht, umgekehrt können bei steigenden Goldpreisen bisher unrentable Minen wieder geöffnet werden und das Angebot steigt dadurch wieder.

Durch diesen Effekt (der in anderem Zusammenhang auch als Schweinebauchzyklus bekannt ist), entsteht eine regelmäßige oder auch als natürlich zu bezeichnende Schwankung des Goldpreises. Diese ist jedoch nicht sehr kurzfristig, da die Produktion ja nicht von heute auf morgen erhöht oder reduziert werden kann.

Viel kurzfristiger wird der Goldpreis durch Erwartungen in die Wirtschaftslage, durch das Vertrauen in das politische System und die Finanzmärkte und durch Krieg oder Frieden beeinflusst. Beeinflusst wird der Preis auch durch Zentralbanken, die ihre Reserven senken oder erhöhen.

Sinkt bei der Bevölkerung das Vertrauen in das derzeitige Geldsystem, steigt das Interesse an Investitionen in Gold und der Preis steigt. Normalisiert sich die Lage, sinkt er wieder.

In Krisenzeiten ist der Goldpreis besonders hoch. Das zeigte sich z. B. 1980 (Krise im Iran, russischer Einmarsch in Afghanistan), als ein Rekordhoch von 850 US-Dollar je Feinunze Gold (31,103 Gramm) erreicht wurde. Danach fielen die Preise v.a. durch Goldverkäufe Europäischer Zentralbanken nach dem Beschluss der Euroeinführung wieder bis zu einem Tiefststand von 253 US-Dollar im Jahre 1999. Im Sommer 2011 – am Höhepunkt der Eurokrise – wurde der bisherige Rekordwert von 1.900 US-Dollar je Unze erreicht. Seither ist der Preis fast kontinuierlich wieder bis auf gut 1.000 USD gesunken und steht heute wieder bei gut 1.200 USD.

Und natürlich wird der Goldpreis auch durch die Finanzindustrie, durch Geschäftsbanken, Fonds, Hedgefonds und Spekulanten tagtäglich stark beeinflusst. Denn diese handeln Gold in der Regel nicht physisch sondern nur auf dem Papier. Nur ein minimaler Bruchteil der täglichen Handelsumsätze in Gold passiert mit physischem Gold. Und tatsächlich sind diese Umsätze auch wesentlich höher als die auf der Welt physisch vorhandene Goldmenge.

Es ist also ein riesen Unterschied, ob man Gold physisch besitzt – also in der Hand halten kann, oder nur auf dem Papier, wie z.B. bei Goldfonds, Zertifikaten oder Goldkonten. Ein Unterschied der in Zukunft noch sehr viel Sprengstoff bergen könnte. Denn man liest in den letzten Jahren immer mehr von einer möglichen Goldpreismanipulation, bei der Großbanken Unmengen von Gold leer verkauft haben sollen, um den Goldpreis künstlich niedrig zu halten. Bei Leerverkäufen verkauft man etwas was man gar nicht hat, in der Hoffnung es später zu einem niedrigeren Preis wieder eindecken zu können. Sollte der Goldpreis aber trotzdem weiter steigen, wären diese Banken niemals in der Lage, dieses Gold auch tatsächlich zu liefern. Platzt die Geschichte, würde der Goldpreis explodieren.

Man sieht also, dass die Entwicklung des Goldpreises von vielen Faktoren abhängig ist. Von Rationalen und Irrationalen, von Kurzfristigen und Langfristigen, von Politischen und Realwirtschaftlichen.

Das macht die Entscheidung nicht gerade leichter, wenn Sie sich überlegen ob Sie Gold kaufen sollen oder nicht.

Deshalb möchte ich hier ein paar ganz klare Ratschläge geben:

  • In Zeiten in denen unser Geldsystem auf des Messers Schneide steht, ist es auf jeden Fall ratsam, einen Teil seines Geldes oder Vermögens in Gold anzulegen. Allgemein wird ein Anteil von 10 – 25 % des Vermögens empfohlen. Ich halte das für vernünftig.
  • Investieren Sie nur in physisches Gold. Alles andere ist im Krisenfall Schall und Rauch.
  • Verwahren Sie dieses Gold (oder zumindest einen Teil davon) an einem jederzeit zugänglichen sicheren Ort auf. Ein Banksafe ist dazu im schlimmsten Falle nicht geeignet.
  • Gerade wenn Sie wenig Geld zur Verfügung haben, kaufen Sie am Anfang vor allem kleine Einheiten Gold. Goldbarren gibt es ab einem halben Gramm um derzeit rund 30 Euro. Kleine Einheiten sind im Verhältnis zu großen Einheiten deutlich teurer. In einer Krise sind aber nur kleine Einheiten nützlich. 1945 konnte man in Deutschland um weniger als 10 Gramm Gold ein ganzes Haus kaufen. Auch wenn Sie also nur wenig Geld zur Verfügung und nur geringe Ersparnisse haben, kann es durchaus Sinn machen, sich ein paar Gramm Gold zuzulegen.
  • Kaufen Sie Gold nicht zu spekulativen Zwecken, sondern als Wertspeicher. Der aktuelle Goldpreis ist dabei egal. Denn in Wahrheit ist es – von irrationalen Schwankungen abgesehen – nicht der Goldpreis, der hoch oder niedrig ist, sondern der Wert des Geldes. Langfristig betrachtet hält Gold seine Kaufkraft bereits seit Jahrtausenden. Vor 2000 Jahren erhielt man für ein Gramm Gold 15 Laibe Brot – dieses Verhältnis stimmt heute noch. 1908 kostete ein Ford Tin Lizzy (das erste bandgefertigte Serienauto) 850 US-Dollar oder ca. 1,3 KG Gold. Um die gleiche Menge Gold zum heutigen Preis von etwas mehr als 40.000 Euro erhält man auch heute noch ein hervorragendes Auto.
  • Der Kauf und Besitz von Gold ist (noch) steuerfrei, legal und weitgehend anonym möglich. Das war nicht immer so und muss auch nicht immer so bleiben.
  • Wenn das Geldsystem kippt, kann Gold als Rettungsboot und als ideale (bestens und weltweit bekannte und bewertbare) Ersatzwährung dienen. Im Übrigen – ebenfalls eine Währung ohne Zins.
  • Gold ist ein hervorragendes Beruhigungsmittel – weit besser als Baldrian. Eine Versicherung gegen Geldentwertung, Währungsreformen, Finanzcrashs, Systemzusammenbrüche, Kriege und Krisen.

„Denn wer Gold hat, hat immer Geld.“

Im nächsten Artikel dieser Reihe werde ich mich mit dem defacto Staatsbankrott von Griechenland auseinandersetzen und aufzeigen, was hinter dem griechischen Drama steckt.