Geld zum Wohle aller – Teil 1: Was ist aus unserem Geld geworden?

Seit Jahrzehnten hat das Thema Geld die Medien und Menschen nicht mehr so beschäftigt wie seit Anfang dieses neuen Jahrtausends. Schulden, Krisen, Crashs, Bankrotte, Pleiten und Sparen, Sparen, Sparen sind die Themen die uns heute so dominant beschäftigen. Wie konnte es dazu kommen? Wie kam es zu den vielen Schulden? Sind wir schuld an diesen Schulden? Sind wir die Schuldner dieser Schulden? Was ist aus unserem Geld geworden? Dient das Geld noch uns oder sind wir schon längst die Sklaven des Geldes? Das möchte ich mit Ihnen im Folgenden betrachten.

Was ist eigentlich Geld?

Das Wort „Geld“ leitet sich vom indogermanischen Wort „Ghel“ (Gold) ab und wurde später im Althochdeutschen zu „Gelt“, was von Vergeltung im Sinne von Vergütung herrührt. Es ist der Name für ein Tauschmittel, das uns das Leben erleichtern sollte.

Anfänglich bestand das Geld noch direkt aus Gold, Silber, anderen Edelmetallen oder wertvollen Dingen wie z.B. Salz. Erst viel später kam dann das Papiergeld in Mode, das ursprünglich ebenfalls nur eine Erleichterung sein sollte. Ein Geldschein oder eine Banknote war aber immer eine Bescheinigung, die für etwas gegolten hat – in der Regel für Gold. Für Gold also, das z.B. bei einer Bank hinterlegt war.

Geld war also lange Zeit Gold oder durch Gold gedecktes Papiergeld. In der mehrtausend jährigen Geschichte des Geldes war das auch tatsächlich ca. bis zum Beginn des 1. Weltkriegs der Fall. Diese Deckung des Geldes durch Gold nannte man Goldstandard. Zur Finanzierung der enormen Kosten des 1. Weltkriegs wurde dieser Goldstandart „vorübergehend“ ausgesetzt – erstmals wurde Geld gedruckt, für das keine Golddeckung vorhanden war. Es war geplant, nach dem Krieg wieder zu diesem Goldstandard zurückzukehren, doch war die Verlockung für die internationalen Bankiers zu groß. Das System des ungedeckten Geldes wurde weiter forciert. Das Geld verlor seine Deckung und seinen Wert. Es entstand eine „Geldblase“ deren Auswirkungen in den Weltwirtschaftskrisen von 1918 und 1929 kulminierten. Die meisten Menschen verloren in diesen Krisen ihr gesamtes Vermögen. Frust, Armut, Arbeitslosigkeit und Verzweiflung der Menschen bereitete in der Folge den Nährboden für das Deutsche Reich und das Drama des 2. Weltkrieges. Zahlen und Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass wir uns heute in einer ähnliche Situation befinden wie vor dem 1. und 2. Weltkrieg.

Was mit unserem Geld geschieht ist deshalb wichtig und sollte uns nicht kalt lassen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde eine teilweise Golddeckung des Geldes beschlossen und die Regeln dafür im Bretton-Woods-System festgelegt. Als Bretton-Woods-System wurde das neu geordnete internationale Währungssystem von festen Wechselkursen bezeichnet, das vom goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung bestimmt war. Doch in den 70er Jahren wurde (übrigens wiederum wegen den Kosten eines Krieges – dieses Mal der Vietnamkrieg) auch dieses System wieder aufgegeben, so dass sich von da an wieder in zunehmendem Maße ein System des ungedeckten Geldes entwickeln konnte.

Heute ist der US-Dollar kein Geldschein mehr. Als der US-Dollar noch ein Geldschein war, war auf ihm zu lesen: „Covered in Gold“ – also durch Gold gedeckt und jederzeit gegen Gold einlösbar. Auf dem US-Dollar von heute steht: „In God we trust“ – also auf Gott vertrauen wir.

Auch der Euro ist kein Geldschein mehr, denn er gilt für nichts und ist durch nichts gedeckt. Im Buch der Deutschen Bundesbank über den Euro, das zu dessen Einführung herausgeben worden war,  ist auf S. 48 zu lesen: „Der Euro ist eine reine Papierwährung, also nicht durch Gold oder andere Edelmetalle gedeckt. Für Euro-Bargeld besteht keine Einlösungsverpflichtung in andere Werte.“

Stattdessen wird dieses „Geld“ durch ein Copyright der Europäischen Zentralbank (EZB) geschützt. Wenn Sie genau darauf achten, finden Sie das Copyright Zeichen auf jedem Euro-Schein.

Solches Geld, das nicht mehr durch andere Werte gedeckt ist, kann natürlich beliebig „geschöpft“ oder erschaffen werden. Deshalb spricht man auch von „Fiat-Money“, nach dem lateinischen Ausdruck für „Es werde“. Es werde also Geld.

Sicher haben Sie schon einmal im Wirtschaftsteil der Zeitungen davon gelesen, dass die Notenbanken „ihre Bilanzen verlängert“ hätten. Hinter diesem harmlosen Ausdruck verbirgt sich nichts anderes als die Tatsache, dass Notenbanken neues Geld geschaffen haben. Ob die amerikanische Notenbank (FED), die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Schweizerische Nationalbank (SNB) – alle haben sie ihre Geldmenge seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vervielfacht. Was Laien unerklärlich scheint – die Notenbanken können dieses Geld buchstäblich aus dem Nichts schöpfen. Und dazu müssen sie es nicht einmal mehr drucken, ein einfacher Buchungssatz an einem Computer genügt.

Dabei verlängern die Zentralbanken ihre Bilanzen nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie ihrer Rolle als Kreditgeber in letzter Instanz (Lender Of Last Resort) Rechnung tragen müssen. Wenn Geschäftsbanken Pleite gehen, dann können sie sich bei der Zentralbank neues Geld leihen. Amerikanische Immobilien- und Eurokrise haben dafür gesorgt, dass viele Banken auf diese Nothilfe angewiesen waren und immer noch sind.

Der rasante Zerfall der US-Immobilienpreise 2007 hatte zur Folge, dass die dazugehörenden verbrieften Hypotheken ebenso rasant an Wert verloren. Hypotheken, die einst sicher waren, waren fast über Nacht nichts mehr wert. Viele Banken saßen damals auf Bergen dieser Papiere. Andere haben heute große Posten von Staatsanleihen europäischer Defizitsünder in ihren Büchern. Auch diese galten bis zur Eurokrise als sicher. Doch inzwischen sind diese Staatsanleihen ebenfalls extrem in ihrem Wert gefallen. Nun werden Banken, die de facto Pleite sind, zu einer tickenden Zeitbombe. Sie können eine Kettenreaktion auslösen, die das gesamte System zum Einsturz bringt. Um dies zu verhindern, haben die Zentralbanken als Lender Of Last Resort, die gefährdeten Banken und inzwischen sogar Staaten durch Schaffung solchen neuen Geldes gerettet.

Vom Geld zum Schuldgeld

Als es noch einen Goldstandard gab, wäre eine solche Verlängerung der Bilanzen nicht möglich gewesen. Ein Goldstandard bedeutet nämlich, die Zentralbank muss jederzeit die Landeswährung zu einem festen, nicht veränderbaren Kurs  gegen Gold eintauschen. Gold ist nur begrenzt vorhanden und fälschungssicher, deshalb ist eine Ausweitung der Geldmenge in diesem System sehr schwierig. Unter dem Regime eines Goldstandards, wie er bis zum 1. Weltkrieg Gültigkeit hatte, wäre es daher wahrscheinlich zu einem bombastischen Bankencrash gekommen, aber niemals zu einer Explosion der Staatsschulden wie sie uns heute beschäftigt.

Der Nachteil des Fiat-Money-Systems ist es nämlich, dass bei der Schaffung neuen Geldes immer auch eine Schuld begründet wird – ein Kredit also, für den dann wiederum Zinsen fällig werden.

Und Zins und Zinseszins ist eine verheerende Nebenwirkung unseres Geldsystems, der wir uns leider viel zu wenig bewusst sind. Er führt dazu, dass sich das Geldvermögen oder wie man auch sagt die Geldmenge ebenfalls von ganz alleine oder eben auch aus dem Nichts, nicht linear entwickelt, sondern exponentiell. Die Wirkung ist die gleiche wie beim Märchen vom Höfling, der dem persischen König ein Schachbrett schenkte und sich als Gegenleistung auf dem ersten Feld ein Reiskorn wünschte und auf dem jeweils nächsten Feld die doppelte Anzahl an Reiskörnern. Also 1, 2, 4, 8, 16 usw. Lange geschieht nichts Aufregendes. Doch ab einem gewissen Punkt steigt die Kurve plötzlich steil an, und das System wird unkontrollierbar. Schon lange vor der 64-zigsten Verdoppelung – also dem letzten Schachfeld – sind unvorstellbare Größenordnungen erreicht. Ähnlich verhält es sich mit Zins und Zinseszins, der – je nach Höhe unterschiedlich schnell –  aber laufend zu Kapitalverdoppelungen führt. Schon ein Zinssatz von z.B. 7 % führt mit Zins und Zinseszins ca. alle 10 Jahre zu einer Verdoppelung des Kapitals oder eben von Schulden.

Laufende Verdoppelungen – also sogenannte exponentielle Entwicklungen sind am Ende aber immer desaströs. Sie entladen sich in einem Zusammenbruch, einem Crash oder durch totale Zerstörung – egal ob bei Krebserkrankungen, bakteriellen Infektionen, Schädlingsplagen, atomaren Explosionen oder eben im Finanzsystem.

Die Geldmengenentwicklungen und die Entwicklung der Staatsschulden in den USA, Japan und Europa sind deckungsgleich und zeigen eine perfekte exponentielle Entwicklung, wobei wir uns nun schon seit einigen Jahren in dem Bereich der Kurven befinden, wo diese bereits steil ansteigen.

So verkommt unser Geldsystem immer mehr zu einem Schuldgeldsystem. Die Geldmengen werden nahezu unkontrolliert ausgeweitet, der Wert des Geldes wird ausgehöhlt, die Schulden sprießen an allen Ecken und Enden ins Unermessliche und plötzlich wird uns bewusst: Ohne dass wir je einen Kredit aufgenommen haben oder einen Vertrag unterschrieben haben, sind es plötzlich unsere Schulden.

Geld das vorher gar nicht vorhanden war, von den Zentralbanken aus dem Nichts geschaffen wurde, begründet nun Schuld- und Zinsverpflichtungen der Allgemeinheit.

Wofür das Geld dabei ausgegeben wird, spielt dabei keine Rolle. Ob es Ausgaben sind, die der Allgemeinheit dienen (Soziales, Bildung, Infrastruktur usw.) oder Ausgaben deren Nutzen zumindest zweifelhaft ist (z.B. Krieg und Rüstung) – am Ende erhält die Allgemeinheit die Rechnung präsentiert. Mit Zins und Zinseszins.

Der zusätzliche Haken an der Sache ist, dass die Bürger, die schlussendlich für die Schulden bürgen, in vielen Fällen die Hoheit über die Zentralbanken längst verloren haben. Denn diese sind meist nicht mehr in den Händen der Bürger und des Staates, sondern in den Händen von Geschäftsbanken und privaten Bankiers.

In letzter Konsequenz gibt es also private Banken und Privatpersonen, die die Möglichkeit haben, Geld aus dem Nichts zu schaffen und die Bürger – uns – dafür in Haftung zu nehmen, für Zins und Kapital.

Mayer Amschel Rothschild – der Urvater aller Privatbankiers hat einmal gesagt: „Gib mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.“

Und so ist es auch geschehen. Wir haben die Kontrolle über „unser“ Geld verloren und sind dabei, auch die Kontrolle über unsere Staatshaushalte zu verlieren.

Überall müssen plötzlich „wir“ sparen. Am Sozialsystem, an der Altersversorgung, am Gesundheitssystem, an Bildung und Kultur, an der Infrastruktur unserer Staaten u.s.w. u.s.f.

Und alles nur, um unseren Schuldtilgungs- und Zinszahlungsverpflichtungen nachkommen zu können, um unsere Bonität und unser „Rating“ aufrechterhalten zu können.

Doch diese Situation lässt sich nicht ewig weiterführen.

„Durch die Verschuldung der Haushalte bzw. der Staaten kommt es sowohl zur Versklavung großer Teile der Bevölkerung als auch einzelner Länder, die sich nur durch einen Schuldenerlass (siehe Griechenland), durch Krieg (siehe 1. und 2. Weltkrieg) oder durch Vernichtung der Vermögenswerte (siehe Weltwirtschaftskrisen am Anfang des vorigen Jahrhunderts) davon befreien können“, schreibt Franz Hörmann, Professor für Treuhand- und Rechnungswesen an der Wirtschaftsuniversität Wien in seinem Buch „Das Ende des Geldes“. Wegen des durch den Zinseszins verursachten exponentiellen Wachstums der Schulden wird das Fiat-Money-System in dem wir leben tödlich, sobald die Schuldenlast steil anzusteigen beginnt, wie es inzwischen heute der Fall ist.  Die Lösung könnte folgerichtig nicht primär in der Reformierung des Zentralbanksystems, sondern in der Abschaffung des Zinses liegen.

Das mag auf den ersten Blick erstaunen, doch es gab in der Geschichte der Menschheit immer Geldsysteme ohne Zins. So ist das Zinsnehmen noch heute im Koran (Islam) verboten und war es auch im Alten Testament. Das Verbot des Zinsnehmens galt lange Zeit auch für das Christentum und wurde erst im 16. Jahrhundert durch Heinrich VIII nach seinem Bruch mit dem Papst legalisiert.

Und es gibt die Geldsysteme ohne Zins auch heute noch bzw. sogar wieder vermehrt in Form von Regionalgeld oder Komplementärwährungen wie dem Chiemgauer in Deutschland oder dem VTaler im österreichischen Vorarlberg.

Die Ende 2013 verstorbene Margrit Kennedy war die führende Vertreterin der Regionalgeld-Bewegung Deutschlands. Sie hat ein Büchlein mit dem Titel „Occupy Money“ veröffentlicht. Kennedy rechnet darin mit einem baldigen Kollaps des bestehenden Geldsystems und hofft deshalb, dass die Regionalwährungen als Rettungsboote für die Menschen dienen können, wenn es so weit ist.

In meiner Funktion als Vermögensberater empfahl ich immer auch Anlagen in Gold und Silber und den Kauf von sogenanntem Währungsgold – also von Gold in kleinsten Stückelungen – nicht zu vergessen. Spätestens wenn das Geldsystem kippt, dient dann auch solches Gold als Rettungsboot und als ideale (bestens und weltweit bekannte und bewertbare) Währung. Im Übrigen – ebenfalls eine Währung ohne Zins.

In meinem letzten Artikel, den ich am 4. März hier veröffentlicht habe, habe ich u.a. auch von der Gefahr der Singularität gesprochen: Staatsschulden und Geldmengen tendieren gegen Unendlich (= stark ansteigende exponentielle Kurven), Wachstum und Zinsen tendieren gegen Null – das Zinssystem schafft sich also selber ab. Und wie zur Bestätigung dieses Szenarios, erfolgte nur wenige Tage später eine Zinssenkung der EZB (Europäischen Zentralbank) von 0.05 auf 0,0 % bei gleichzeitiger Ankündigung, die Geldmengen noch stärker als bisher auszuweiten.

Könnte das also eine Lösung für die Probleme unseres Geld- und Wirtschaftssystems sein – die Abschaffung oder Änderung unserer Zentralbanksysteme bzw. die Abschaffung oder Änderung unseres auf Zins und Zinseszins basierenden Geldsystems?

Wo immer auch die richtigen Lösungen zu suchen sind, eines ist völlig klar: Wir müssen die Hoheit und Kontrolle über unser Geld wieder zurückerobern. Geld muss wieder für etwas (Greifbares / Reales) gelten. Das Geld muss wieder uns gehören und uns dienen. Und nicht von anderen, unkontrollierbaren Kräften und Mächten aus dem Nichts geschaffen werden können, um uns am Schluss zu unterjochen und zu entmachten.

Entwürfe für solche (Geld-)Systeme, die wieder allen Menschen dienen und nicht nur einer kleinen Finanzelite, gibt es.  Darüber möchte ich hier noch später berichten. Zuerst werde ich mich im nächsten Artikel aber noch genauer mit dem Thema „Gold“ beschäftigen.