Fragwürdiger Verbraucherschutz schränkt Arbeitnehmerdatenschutz ein

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Ähnlich wie bei „Neonazis“ wird nun auch ein Register mit Bankberatern eingeführt. § 34d WpHG und WpHG-Mitarbeiteranzeigenverordnung legen fest, dass das Aufsichtsamt ab dem 01.11.2012 ein Register mit allen Bankberatern, die im Wertpapiergeschäft tätig sind, führen muss.

Das neue Register umfasst Mitarbeiter, die in der Anlageberatung, als Vertriebsbeauftragte und als Compliance-Beauftragte in Banken und Wertpapierdienstleistungsinstituten eingesetzt werden.

Das Gesetz sieht vor, dass die Institute alle Kundenbeschwerden, egal ob berechtigt oder unberechtigt, zur Archivierung an das Register weitergeben müssen. Bei Auffälligkeiten hat das Bundesaufsichtsamt (BaFin) entsprechende Kompetenzen und darf sogar Berufsverbote aussprechen. Dieses neue Register ist mit der Verkehrssünderkartei in Flensburg vergleichbar. Problematisch wird es bei Auskünften aus diesem Register. Schon heute verlangen viele Arbeitgeber von ihren Bewerbern z.B. ein polizeiliches Führungszeugnis. Künftig, so die Befürchtung vieler, könnten Arbeitgeber auch einen Auszug aus dem BaFin-Register verlangen. Dort werden dann alle Kundenbeschwerden zum Thema Anlageberatung archiviert sein. Die BaFin speichert nicht den Wortlaut der Beschwerde sondern erfasst sie nur numerisch. Es ist also nicht ersichtlich um was es thematisch ging. Viele Beschwerden sind allerdings auch auf Missverständnisse oder andere Beweggründe zurückzuführen; dies wird im Register nicht berücksichtigt. Was auch immer mit einem Wertpapier nicht stimmt: Es wird künftig immer der Mitarbeiter und nicht der Anbieter schuld sein.

Ich sehe durch das neue Gesetz den Arbeitnehmerdatenschutz stark gefährdet. Es handelt sich, wie so oft, um einen politisch getriebenen Schnellschuss ohne wirklichen Kundennutzen. Die Arbeitnehmer sind stark benachteiligt, denn alle Beschwerden werden unter ihrem Namen gespeichert. Dabei verkaufen die meisten Bankberater nur das, was „von oben vorgegeben“ wird. Was kann ein Bankberater dafür, wenn ein Wertpapier ungeplante Verluste bringt? Ich sehe vielmehr die Führungskräfte mit ihren Vertriebsvorgaben und die Produktköche in der Pflicht, den Beratern gute Produkte an die freie Hand zu geben. Einzelne Berater managen ja keine Fonds; sie sind nicht verantwortlich für Fehlentwicklungen. Man sieht hier ein Phänomen, das man oft sieht: Die Arschkarte wird bis zum hintersten Glied der Arschkartenkette durchgereicht! Das neue Register macht die Finanzmärkte nicht sicherer und die Produkte werden nicht besser. Die Verantwortung wird von Management an das Basispersonal übertragen. Das traurige dabei ist, dass das WpH-Gesetz nicht für Versicherungen gilt. Die Drückerkollonnen von Maschmayer und seinen lieben Freunden dürfen weiter unqualifiziert beraten und ahnungslosen Kunden ihre überteuerten Produkte aufschwatzen. Was wir hier sehen ist ein halbherziger Verbraucherschutz, der in der Praxis keinen Mehrwert bietet.

Link: BaFin

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