in Finanzsystem

Geld in physischer Form – das klingt ebenso banal wie selbstverständlich. Immerhin ist es Ihre Sache ob Sie Ihr Geld anlegen, sparen, ausgeben unters Kopfkissen legen oder als Toilettenpapier verwenden. Mehrere Großbanker, Politiker und Ökonomen sehen das anders. In der ganzen EU wird die Verwendung von Bargeld immer weiter beschränkt bzw. teilweise sogar verboten. Parallel werden in den globalen Finanzeliten von IWF über City Group bis zur Bundesbank Stimmen lauter, die offen eine ‚Abschaffung“ – also Verbot – des Bargelds fordern. Geht auch Deutschland diesen Weg? Ein Weg in die Sklaverei.

Bargeld das halten die Deutschen zweifelsfrei für selbstverständlich. Auf so etwas wie die Abschaffung der physischen Geldform würde kaum ein Wähler von sich heraus kommen. Für 82 Prozent ihrer täglichen Ausgaben nutzen die Deutschen am liebsten Scheine und Münzen und tragen im Schnitt etwa 96 Euro im Portemonnaie umher. Diese Zahlen stammen aus einer Studie der amerikanischen Notenbank Fed[1], über die das Nachrichtenportal Quartz kürzlich berichtete[2]. Die Untersuchung basiert auf Haushaltsbüchern, in denen Verbraucher ihre täglichen Ausgaben protokollierten. Regelmäßige Zahlungen wie Miet- oder Stromrechnungen, die eher per Dauerauftrag abgewickelt werden, wurden jedoch nicht berücksichtigt. In anderen Industrienationen wie den USA ist das Bezahlen per Kreditkarte wesentlich beliebter. Nur etwa 46 Prozent der Amerikaner zahlen regelmäßig mit Bargeld, auch tragen sie deutlich geringere Beträge mit sich.[3]

Über Sinn und Unsinn dieser im internationalen Vergleich eher konservativen Haltung der deutschen Bevölkerung kann man nun diskutieren, fakt ist aber: sie existiert. Da ist es erstmal egal ob diverse Manager an der Wallstreet das Rückständig finden. Doch darum geht es hier nicht. Denn Bargeld hat neben den alltäglichen, noch viele weitere Vorteile. So erhalten die Sparer in Deutschland derzeit bedingt durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) durchschnittlich -0,83% Zinsen und werden damit faktisch enteignet.[4] Wer hingegen das Geld unters Kopfkissen legt muss nur eine leichte Inflation weit unter 1% hinnehmen. Im Jahre 2014 sogar eine minimale Deflation. Die Bürger können sich also der Kontrolle der Banken und deren Geschäftsmethoden entziehen, denn sie haben das Geld einfach im Portmonnaie statt auf dem Bankkonto.

Doch das ist nicht für Alle ein Vorteil. Larry Summers, 1991 bis 1993 Chefökonom der Weltbank anschließend Finanzminister der Clinton-Regierung, forderte bereits 2013 ganz offen die „Abschaffung des Bargelds“. In einer Rede vor dem IWF-Wirtschaftsforum im November begründet er das unter anderem mit einer vermeintlich eintretenden „massiven Nachfrage-Erhöhung“.[5] Ein verirrter Ökonom auf Irrwegen? Keineswegs. Der einflussreiche Summers steht keinesfalls alleine da. Kenneth Rogoff, noch ein US-Ökonom aus Harvard, früher beim Internationalen Währungsfonds tätig und – rein zufällig wohl – ebenfalls Mitglied im Council on Foreign Relations, hat rund ein Jahr nach Summers Auftritt in dieselbe Kerbe geschlagen.[6] Auch er Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, ist ein dezidierter Befürworter der Bargeldabschaffung. Buiter sieht aber, dass Bargeld vor allem von Ärmeren und Älteren genutzt wird. Um die nicht ganz zu verprellen, schlägt er vor, nur noch Scheine mit kleinem Nennwert bis zu Fünf-Dollar auszugeben – immerhin.[7]

Aus den – durchaus einflussreichen – Forderungen wird nun teilweise Realität. Den Anfang macht Frankreich mit einer eher minimalen Einschränkung im vermeintlichen Kampf gegen den Terrorismus.  Von September an dürfen nur noch maximal 1.000 Euro in barer Münze bezahlt werden. Das kündigte der französische Finanzminister Michel Sapin vor einigen Wochen an. „Große Geldflüsse“ sollten systematisch überwacht werden, sagte Sapin der Zeitung „Le Parisien“. Dafür sollen Banken sämtliche auffälligen Geldbewegungen bei den zuständigen Stellen melden.[8] Auch Griechenland plant offenbar Bargeldzahlungen einzuschränken. Transaktionen über 70 Euro sollen nur noch mit Karte erfolgen dürfen. Begründet wird das mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung.[9] Die JPMorgan Chase will in den Schließfächern und Tresoren ihrer Kunden kein Bargeld mehr akzeptieren. Außerdem müssen Tankstellen, Restaurants und kleine Läden in Dänemark bald kein Bargeld mehr annehmen. Die Notenbank Dänemarks hat bereits angekündigt, dass sie von Ende 2016 an mangels Nachfrage keine neuen Banknoten mehr drucken will.[10]

Die Bundesbank sagt derzeit sie stelle weiterhin genügend Banknoten bereit. Doch auch in deutschen Banker-Kreisen werden Stimmen lauter, die eine Abschaffung des Bargelds nicht mehr so kritisch sehen und teilweise sogar befürworten.
Doch warum ist dies nun ein Weg in die Knechtschaft? Welche Auswirkungen hätte ein solches Verbot? Konkret wäre der Bürger vollkommen gläsern gegenüber Banken, zu denen er fortan zwangsweise gehen müsste, und auch gegenüber Behörden. Außerdem wäre die oben beschriebene Zins-Enteignung mittels negativ Zinsen leicht durchzusetzen. Desweiteren wäre die Möglichkeit eines Bank-Run, der mittlerweile den Generalstreik als wirkungsvollstes Massenprotestmittel abgelöst hat, völlig unmöglich. Lesen Sie hier mehr über die Folgen eines Bargeldverbots: „NEOPresse: Das Bargeldverbot droht„.

Quellen:

[1] FED: „Consumer Cash Usage: A Cross-Country Comparison with Payment Diary Survey Data“, 08.05.14, http://www.bostonfed.org/economic/wp/wp2014/wp1404.pdf?_ga=1.16303798.1489528112.1409293260.
[2] Quartz: „Why Germans pay cash for almost everything“, 17.09.14, http://qz.com/262595/why-germans-pay-cash-for-almost-everything/.
[3] Wirtschaftswoche: „Deutsche zahlen am liebsten mit Bargeld“, 22.09.14, http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/zahlungsmittel-deutsche-zahlen-am-liebsten-mit-bargeld/10736910.html.
[4] Bundesbank: „Basiszinssatz nach § 247 BGB“, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Standardartikel/Bundesbank/Zinssaetze/basiszinssatz.html
[5] Youtube: „Larry Summers at IMF Economic Forum, Nov. 8“, 08.11.13, https://www.youtube.com/watch?v=KYpVzBbQIX0&feature=youtu.be.
[6] FAZ: „Ökonom Rogoff will Bargeld abschaffen“, 19.11.14, http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/nachrichten/oekonom-rogoff-will-bargeld-abschaffen-13274912.html.
[7] Bloomberg: „Citi Economist Says It Might Be Time to Abolish Cash“, 10.04.14, http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-10/citi-economist-says-it-might-be-time-to-abolish-cash.
[8] der Standard: „Frankreich begrenzt Bargeldgeschäfte“, 18.03.15, http://derstandard.at/2000013110576/Frankreich-will-Bargeldgeschaefte-begrenzen.
[9] Zeit: „Griechenland will Geldgebern entgegenkommen“, 30.04.15, http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-04/griechenland-bruessel-reformplaene-euro.
[10] FAZ: „Ein Schlag gegen das Bargeld“, 09.05.15, http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/daenemark-zentralbank-willl-notendruck-stoppen-13582761.html.

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18 Kommentare

  1. nehmen sich dann die Reichen gegenseitig das Geld weg? gibt es für die auch ein Bargeldverbot? haben die dann ihre Mio im keller? genehmigen die sich dann einen Finanzausgleich? oder gilt alles nur für den Normalo?

  2. Der Anfang vom Ende. 16 Jeder – ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave – wurde gezwungen, auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen.
    17 Ohne dieses Zeichen konnte niemand etwas kaufen oder verkaufen. Und dieses Zeichen war nichts anderes als der Name des Tieres, in Buchstaben geschrieben oder in Zahlen ausgedrückt.

    • …womit man sich sozusagen dann wieder (in deren SInne) starfbar macht? Diese Halunken. In diesem Sinne gestehe ich, bin ich wohl Volksverhetzer oder sowas in der Art.

    • Ja ich denke auch, dass dies nur die letzten Zuckungen einer aussterbenden Art ist. Wer Wind säht wird Sturm ernten. Mächti gewaltig Egon.

  3. Der totale Anspruch der Elite auf den Menschen .
    Nicht nur ,dass der Mensch permantent an die Politik Abgaben zu leisten hat , seine Arbeit in erheblichem Anteil an den Staat und an die Unternehmen abgeben muß , beim Konsum von Gütern noch einmal Abgaben leisten muß ,
    wird mit der Abschaffung des Bargeldes der totale Anspruch auf das Vermögen des Einzelnen gestellt —
    der einzelne in vollkommene und direkte Abhängigkeit von den Machthabern gebracht .
    Eine absolute Form der Versklavung .

  4. Da kann man nicht mitmachen – ist eine Sache von Blut und Geld – ausser als Sklave und Erfüllungsgehilfe.
    „Wer was macht wird nicht Sklave“ ? Ahja – was willst du machen ? Der Gesellschaft auf Wiedersehen sagen und zurück auf die Bäume ? Ohne die anderen wird, was auch immer du tust, dein Ergebnis nicht mehr als jämmerlich sein.
    Dumme schrein nach Wir ? Naja, klingt erstmal nicht so dumm – Kannst ja gerne mal versuchen deine Ziele gegen eine Gruppe von 50 Mann durchzusetzen die bereit sind dir für ihre Ideale den Hals umzudrehen.
    Manchmal SIND die ANDEREN auch das Problem – da hilft keine hohle Phrasendrescherei. Du magst ja dein eigener Nabel der Welt sein, aber für einen Großteil der Menschheit ist das nicht der Fall.

  5. NSA/BND, VDS, FACTA, MAUT-Bewegungsprofile, Überwachungskameras, Meldebehörden, Handyortung, Technik bei neuen Autos, Finanzamt…das alles haben wir oder sind kurz davor es zu bekommen.
    Wenn das Bargeldverbot hinzukommt, dann ist die Totalüberwachung da und die Privatsphäre ist nur noch zu Hause gegeben, wenn man auf Laptop, Fernseher und neue Stromzähler verzichtet.

  6. Ich freue mich drauf… jeden zweiten Tag beim Bäcker der vor meiner Tür hält, 60 Cent mit meiner Diners-Club-Card zu bezahlen. Der bescheißt doch alle ;-)

    PS: die Fünfhunderter kann er nie wechsel (sagt er)

  7. WEHRT euch dagegen!
    Was man mit „Schwarzgeldverhinderung“ und „Steuerbetrug“ zu erklären versucht (als hätte Ulli Hönes mehrere Millionen in bar unter dem Kopfkissen gehabt) , hat einen ganz anderen Hintergrund:

    Damit will man schleichend NEGATIVZINSEN einführen.
    Das heißt, wenn man Geld auf der Bank hat (und woanders kann man es ja nicht haben) bekommt man nicht nur keine Zinsen mehr, sondern muss dafür sogar noch bezahlen!!

    Gibt es keine Einschränkung von Bargeld, würden sich bei Negativzinsen die Leute das Geld auszahlen lassen und irgendwo zu Hause aufbewahren.

    Das wäre für die Banken schlecht. Und der drohende BunkenRun würde sogar eine Einführung von Negativzinsen verhindern