in Finanzsystem

Das deutsche Finanzministerium und Jörg Asmussen, Mitglied des EZB Direktoriums, traten letzte Woche mit kreativen Ideen an die Öffentlichkeit, um die Schuldenquote Griechenlands im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt senken zu können. Erreichen die Euro-Retter mit dieser Kosmetik der Schuldenrate wirklich eine nachhaltige Verbesseung, oder verstecken sich gar anderen Interessen hinter deren guten Absichten?

Wenn Staatsanleihen auslaufen, dann müssen über den Kapitalmarkt neue Anleihen begeben werden, um die Finanzierung für die Zukunft gewährleisten zu können. Spätestens seit dem durchgeführten Schuldenschnitt im Frühjahr, bei dem Gläubiger von Griechischen Staatsanleihen zum Anleihetausch gezwungen worden sind, entfällt diese Option für zukünftige Finanzierungen der griechischen Schulden. Die Suche nach effizienten Alternativen entpuppt sich als schwierig, trotzdem das im September das sechste Sparpaket, das den Wirtschaftsmotor noch mehr abwürgen wird, angekündigt wurde.

Laut Angaben der Europäischen Kommission wurden bereits 380 Milliarden EUR an Griechenland Hilfen inklusive dem Schuldenerlass von privaten Investoren zur Verfügung gestellt. Diese astronomische Summe entspricht 177% des griechischen Bruttoinlandsproduktes. Für Barroso, EU-Kommissionspräsident, zeigt diese Zahl, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um das Land, das über eine kleinere Wirtschaftskraft als Baden-Württemberg verfügt, zu retten [1]. Trotzdem hat sich die Lage in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht in letzter Zeit äußerst verschlechtert, das zeigt nicht nur eine erschreckende Arbeitslosenquote, die über 24% gestiegen ist.

Wer hilft wem?

Das zeigt vor allem, dass alle bisherigen Maßnahmen völlig wirkungslos geblieben sind. Es hat weder die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands noch die des griechischen Menschen erhöht. Der Kurs der Europäischen Union bleibt trotzdem determiniert, denn aus deren Sichtweise hat es sich vielleicht doch gelohnt, je nach dem was sich noch alles für Reformen oder EU Vertragsänderungen, EU-Budget oder eigener Finanzminister, ergeben, die unter anderem auch mit der Griechenlandkrise begründet werden.

Suche nach Glaubwürdigkeit

Alle Indikatoren verweisen auf den Misserfolg der Rettungsmaßnahmen hin. Für die Samariter der Europäischen Union wäre es doch langsam an der Zeit, Erfolgsmeldungen zu verkünden. Das hat sich wohl auch Jörg Asmussen gedacht, der folgendes Modell für sinnvoll hält. Die griechische Regierung soll sich doch vom ESM Geld leihen, um sich damit bereits emittierte Staatsanleihen zu einem Viertel des Nennwertes zurückkaufen zu können. Das würde die Schuldenquote, die bis 2020 unter 120% fallen muss, massiv reduzieren. Für Asmussen wäre das ein mögliches Instrument, das zur Anwendung kommen könnte [2].

Interpretation gefällig?

Wenn eine Privatperson jetzt am Finanzmarkt griechische Schuldtitel kaufen würde, wäre das, je nach dem was für eine Laufzeit dahinter liegt, bereits weit unter dem Nennwert möglich. Wenn ich jetzt von einer Tilgung zu 100% ausgehen würde, könnte das sehr lukrativ sein. Ist es aber nicht, weil eine vollständige Rückzahlung, wie uns Asmussen beweist, seitens des Schuldners sehr unwahrscheinlich ist. Jetzt als griechischer Staat einfach herzugehen, und sich mit geliehenem Geld die eigenen Anleihen zurückzukaufen, das wäre nichts anderes wie ein zweiter Haircut. Weil sich dadurch die Gläubigerforderungen für eine vollständige Tilgung frühzeitig in Luft auflösen würden. Darüber hinaus entfallen Zinszahlen, die noch auf die restliche Laufzeit fällig gewesen wären.

Widersprüchliches Verhalten der EZB

Letzten Endes beweisen solche Aussagen von einem hohen Vertreter der EZB ein weiteres Mal, das sich definitiv andere Interessen hinter dieser Rettung verbergen, als den Griechen zu helfen. Auf der einen Seite rühmen sich die EU-Politiker, dass sie in Zukunft nur mehr Kredite an Griechenland vergeben würden, wenn die Schuldenquote unter eine gewisse Marke fällt. Und auf der anderen Seite wird der griechische Staat von offiziellen Mitgliedern der EZB beraten, wie ihre Schuldenquote künstlich gesenkt werden kann. Die EZB agiert also genau gleich wie damals Goldman Sachs, indem die Zentralbank Europas den Griechen zur Schönung von der Staatsschuldenqoute mit Rat und Tat zur Seite steht, um damit noch weitere Hilfspakete begründen zu können. Erkennen Sie den Widerspruch?

Einzelnachweise (Abfragedatum 21.10.2012)

  1. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/agenturen-ticker/EUKommission-Griechenland-bisher-mit-380-Milliarden-Euro-gerettet/story/21145648
  2. http://www.reuters.com/article/2012/10/21/us-eurozone-schaeuble-greece-idUSBRE89K05420121021?feedType=RSS&feedName=businessNews&utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+reuters%2FbusinessNews+%28Business+News%29

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