in Finanzsystem

Derzeit finden bei der EZB nicht nur Pläne für die Einführung eines digitalen Euro statt. Die EZB denkt auch darüber nach, das Inflationsziel zu ändern. Nachdem die Zinsen seit Jahren im Null- und teilweise auch im Minusbereich sind, könnte ein neues Inflationsziel Millionen Sparer in ganz Europa noch härter treffen. Will sich Lagarde an der Federal Reserve orientieren, der US-Notenbank? Diese hatte vor kurzen ihr Inflationsziel „adaptiert“. Nach Phasen niedriger Inflation wird der Preisauftrieb zunächst nicht mehr durch die Geldpolitik gebremst, bis die Inflation im Durchschnitt auf den Zielwert gestiegen ist.

Die Fed hat für ihre Entscheidung, die Inflation vorerst nicht zu bremsen, keinen Zeitraum definiert. Die durchschnittliche Betrachtung der Inflation ist damit zunächst flexibler geworden. Die EZB könnte ähnlich vorgehen, denn Lagarde bemängelte, dass die Inflation jahrelang zu niedrig gewesen sei: „Wir müssen die Kräfte, die heute die Inflationsdynamik antreiben, gründlich analysieren und überlegen, ob und wie wir unsere Strategie als Reaktion darauf anpassen sollten“, sagte Lagarde jüngst bei einer EZB-Tagung. „Wir sollten ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig ist und das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann.“

In den vergangenen Jahren hat die EZB ihr Inflationsziel nicht erreicht. Lagarde sprach deshalb von einem „neuen Zeithorizont zum Erreichen des Ziels“. Die Inflation habe zwischen August 2008 und Ende 2019 im Schnitt nur bei durchschnittlich 1,2 Prozent pro Jahr gelegen, so Lagarde. Die Ziele der EZB sehen aber eine jährliche Teuerung von nahe 2 Prozent vor. Das Verfehlen dieses Ziels beeinträchtige aber die Inflationserwartungen und beeinflusse daher auch die Entscheidungen der EZB. Lagarde will daher das Ziel in einem kürzeren Zeitraum erreichen – was bedeuten dürfte, dass die EZB künftig energischer vorgehen und sich an der Fed orientieren will.

Lagarde erklärte weiter, „dass die Aussichten auf ein Überschießen der Inflation die Inflationserwartungen anheben und damit den Realzins senken würden“. Die EZB könnte also ein durchschnittliches Inflationsziel annehmen. Sicher ist das jedoch nicht, da Lagarde sich weder einschränkte, noch konkrete Entscheidungen mitteilte.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer indes ist der Ansicht, dass sich „die Menschen auf eine höhere Inflation einstellen müssten“: „Nach unserer Interpretation hat sich die EZB-Präsidentin zwar in keiner Weise festgelegt. Sie habe wohl nur auf die Diskussion verwiesen, die im Rahmen der Strategieüberprüfung geführt werde“. Krämer glaubt aber, dass sich die EZB auf ein Inflationsziel von 2 Prozent entscheiden werde und so entschlossen gegen eine zu niedrige Inflation vorgehen werde, wie gegen eine zu hohe.

Für Sparer bedeutet dies nichts Gutes, die ohnehin schon seit Jahren wegen der Null- und Niedrigzinspolitik real Geld verlieren. Bei einer Teuerung der Inflation verlieren Sparer noch mehr real an Kaufkraft, wenn die Zinserträge nicht darüber liegen. Schützen Sie sich!

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Kommentar

  1. Damit hat Lagarde endlich öffentlich zugegeben, dass die Inflation eine volkswirtschaftliche Erscheinung ist, deren Steuerung noch niemand richtig verstanden hat. Alle sog. Experten, die dazu Nobelpreise und andere Auszeichnungen erhalten haben, mögen sich zwar viele Gedanken über die Ursachen gemacht haben, aber den Kern, das Herz einer Inflation, wie sie entsteht und wie man sie wieder weg bekommt, bzw. volkswirtschaftlich steuern kann, hat niemand verstanden noch bisher ausreichend erklären können. Seit Jahrzehnten doktern die Notenbanken um sie herum: Japan, Argentinien, FED, EZB und all die anderen Scharlatane…. ohne Erfolg. „Lagarde, setzen! Vier minus!“