in Finanzsystem

Im März 2013 hat der European Stability Mechanism (kurz: ESM) einen neuen Foliensatz für potenzielle Investoren ins Netz gestellt. Der ESM präsentiert sich dabei von einer anderen Seite – quasi wie eine Bank. Es geht vor allem um die Ausgabe von Anleihen, die der ESM am Markt aufnimmt. Schuldner ist der ESM und somit die Mitgliedsländer, weshalb man von Eurobonds spricht.

Der ESM stellt sich in der Präsentation ziemlich gut vor. Auf Seite 10 gibt man den Investoren an, was man macht. Würde man es nicht besser wissen, dann könnte man denken die Präsentation einer Investmentbank zu lesen. Der ESM wirbt damit, Kredite an Euro-Krisenländer vergeben zu können. Zudem kann man Anleihen am Primär- und Sekundärmarkt erwerben. Der ESM investiert aber auch direkt in Banken. Die Rekapitalisierung von Banken wird vom ESM explizit als Betätigungsfeld angeführt. Der Punkt enthält sogar den Hinweis, dass dies auch für Banken gilt, die nicht dem Eurogebiet angehören.

Der ESM wirbt bei seinen potenziellen Investoren vor allem mit der ausreichenden Kapitaldeckung durch die Mitgliedsstaaten. Eine große Rolle dabei spielt das sogenannte „abrufbare Kapital“ (callable capital) in Höhe von 620 Milliarden Euro. Den ESM-Investoren wird auf Seite 15 schmackhaft gemacht, dass der Managing Director dieses Kapital von den Mitgliedsstaaten jederzeit abrufen kann und zwar ohne zusätzliche Genehmigungen. Die Geldgeber müssten dann unwiderruflich und bedingungslos innerhalb von 7 Tage bezahlen. Es tut mir leid meine Freunde – so steht es in der offiziellen Präsentation des ESM. Ich habe nichts hinzu gedichtet oder übertrieben. Auf der selben Seite wirbt man auch damit, dass das „Board of Directors“ das Kapital jederzeit mit einer einfachen Mehrheit erhöhen kann.

Interessant ist auch die Anlagepolitik des ESM. So lange das einbezahlte Kapital nicht für Krisenherde benötigt wird, muss es der ESM alternativ anlegen. Hierzu gibt es Richtlinien. Die Erträge hieraus verwendet man für Gehälter und andere Kosten, es gibt keine Ausschüttung an die Mitgliedsstaaten. Das Kapital wird in Papiere mit gutem Rating investiert. Außerdem legt man Wert auf internationale Streuung und wirbt damit, dass man sich auch auf festverzinsliche Anleihen außerhalb des Euroraumes konzentrieren will (Seite 17). Das hat natürlich einen kleinen Beigeschmack. Eine Institution, die den Euro retten soll, investiert nicht komplett selbst darin.

Der ESM wirbt mit einer transparenten „Investor Relation“. Das ist sowas wie PR, nur eben für Geldgeber. Man bietet einen vierteljährlichen Newsletter sowie zahlreiche Eurobonds mit vielseitigen Laufzeitenstrukturen, womit man dann auch eine Benchmarkfunktion übernimmt. Bereits jetzt können Investoren und Interessierte die ausgegebenen Eurobonds auf der Webseite des ESM beobachten. Auf den letzten 2 Seiten der Präsentation wirbt man mit erfolgreichen Eurobonds, die seit 2012 vom Vorgänger EFSF und seit 2013 vom ESM ausgegeben wurden. Was wir hier sehen ist Werbematerial einer Investmentbank. Was man früher nur in alternativen Medien lesen konnte, das steht heute ganz offiziell auf der ESM-Homepage.

Quelle: EFSF/ESM Investors Presentation von der ESM Website

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