in Finanzsystem

Vor einiger Zeit schrieb ich über den „100.000€ Mythos bei der Einlagensicherung“. Man könnte meinen, dass die schlechte Absicherung von Bankeinlagen der Höhepunkt sei. Das ist er nicht, denn Guthaben, meist Altersvorsorgeguthaben, in Renten- und Lebensversicherungen (auch betriebliche Verträge und Riester bzw. Rürüp) sind noch wesentlich schlechter geschützt. Bitte betrachtet dieses Posting als Ergänzung zum gestrigen Artikel.

Guthaben in Renten- und Lebensversicherungen liegt im sogenannten Deckungsstock und muss mit dem Garantiezins verzinst werden.

Kommt es aufgrund von Marktverwerfungen zu Abschreibungen, dann muss die Gesellschaft Rückstellungen auflösen um die garantierten Leistungen weiterhin darstellen zu können. Hierzu bilden die Versicherer Risikopuffer von ca. 1% der Garantiesummen. Reicht  dies nicht aus, dann haftet die Protektor AG, der sich die meisten Versicherungen freiwillig angeschlossen haben. Die Protektor AG wieß im Geschäftsbericht 2011 ein Sicherungsvolumen  von nur 749 Millionen Euro aus. Dies entspricht gerademal nur 1 Promille der gesamten Einlagen (auf Deutschland bezogen). 1 Promille ist auch das, was man womöglich zur Beruhigung benötigt, wenn man als Kunde entsprechende Sparverträge besitzt. Die Protektor AG sichert satzungsmäßig ca. 1% der 1%-Rückstellungen (also 1 Promille vom Gesamtvolumen) innerhalb der Gesellschaften ab. Braucht eine Versicherung ihre Rückstellungen komplett auf, dann müssen die anderen Gesellschaften über Beiträge an Protektor den Fehlbetrag (aber nur bis zur 1% Grenze) wieder auffüllen. So kommt man im Sicherungsfall einer Gesellschaft auf ein Haftungsniveau von maximal 1% der gesamten Guthaben; vorrausgesetzt, dass diejenigen Gesellschaften, die die Beiträge bezahlen sollen, nicht ebenfalls pleite sind.

Da die Anlagepolitik der Deckungsstöcke gesetzlichen Vorgaben unterliegt und weil dort Staatsanleihen und Immobilien dominieren, sehe ich ein erhebliches Konzentrationsrisiko. Wenn es bei Marktverwerfungen bei einer Versicherungsgesellschaft zu Abschreibungen kommt, dann kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei anderen Gesellschaften zu Abschreibungen, denn alle kochen mit dem selben Wasser, den gleichen Brei. Die meisten Analysten der Finanzwelt stufen ein entsprechendes Eskalationsszenario an den Märkten mit einer geringen Wahrscheinlichkeit von meist nur 5% ein. Es ist also unwahrscheinlich, dass es zu diesen Verwerfungen und Abschreibungen kommt, aber es ist nicht ausgeschlossen. Für den Fall der Fälle sind allerdings bereits alle gesetzlichen Weichen gestellt und die Sparerinnen und Sparer (auch Riestersparer etc…) haben das Nachsehen. 5%-Wahrscheinlichkeit heißt übrigens, dass es nach Meinung vieler Experten, alle 20 Jahre, oder 5 mal in 100 Jahren, zu diesem Eskalationsszenario kommt. Wie lange läuft denn so eine durchschnittliche Altersvorsorge? (=Rhetorische Frage)

Im Sicherungsfall werden die Versicherungsbestände zur Protektor AG übertragen.

Dort werden die Versicherungsverträge prinzipiell unverändert fortgesetzt: Alle Rechte, die mit dem Lebensversicherungsvertrag vereinbart wurden, etwa Dynamisierungen und Vertragsanpassungen, bleiben erhalten und werden durch den Sicherungsfonds erfüllt. Die Leistungen für die Altersvorsorge und den Risikoschutz werden in vollem Umfang garantiert, ebenso die bereits gewährten Gewinnbeteiligungen. Dies gilt aber nicht, wenn die Mittel von Protektor nicht ausreichen. In diesem Fall setzt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Verpflichtungen aus den Verträgen um bis zu 5% der vertraglich garantierten Leistungen herab. (§ 125 Abs. 5 VAG). Auch der gestern angesprochene § 89 VAG könnte dann herangezogen werden. Ich fasse noch mal zusammen: Hat eine Renten- oder Lebensversicherung Abschreibungen größer ca. 1% und hat keine Rücklagen dafür, dann könnte die Aufsicht alle Garantieleistungen der Verträge um bis zu 5% reduzieren. Der weitergehende § 89 VAG kommt zum tragen, wenn die Gesellschaft (nicht der Deckungsstock) in eine finanzielle Schieflage gerät. Die Sparerinnen und Sparer haften also doppelt, zum einen bei Missmanagement der Versicherungsunternehmen (§89 VAG) und zum anderen bei Abschreibungen im Deckungsstock (§ 125 Abs. 5 VAG).

Ich sage es oft und sage es heute wieder: Versicherungen sind nunmal keine Fonds! Fonds gelten als „Treuhandvermögen“ und haften nicht für die Bank oder das Management. Macht ein Fonds X herbe Verluste dann haftet der Fonds Y eben nicht dafür. Geht eine Kapitalanlagegesellschaft pleite, dann sind die Fondsvermögen nicht in der Haftung. Diesen Vorteil hat gute Gesellschaften wie die Deka, J.P. Morgan oder Franklin Templeton vor allem in der Finanzkrise ausgezeichnet. Der Wert eines Investmentfonds richtet sich nach dem, was drin ist (Inventarwert); über Chancen und Risiken sowie das Management und die verschiedenen Investmentstile lässt sich hierbei natürlich streiten aber ein Emittentenrisiko wie bei Zertifikaten oder im übertragenen Sinne bei Versicherungen hat man hier nicht. Die dümmste aller Möglichkeiten, sein Geld zu verbrennen ist dann wohl eine fondsgebundene Lebensversicherung. Tipp: Fragt mal euren Versicherungsberater nach der Thematik. Ich wette, der wird ins Schwitzen geraten.

Quellen (sofern nicht im Text genannt):
Protektor AG Geschäftsbericht 2011

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