Die Wahrheit über Geld – Raimund Brichta im Interview

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Der aus der Sendung „Telebörse“ auf n-tv bekannte Fernsehmoderator Raimund Brichta hat sich in seinem jüngsten Buch „Die Wahrheit über Geld“ der sachlichen Aufklärung über die Mechanismen und die Funktionsweise unseres gegenwärtigen Geldsystems gewidmet. Mit einer stringenten Erklärung in verständlichen Worten, sowie einem durchgehenden Bilanzierungsbeispiel, geht Brichta unter anderem den Ursachen der jüngsten Währungskrise des Euro sowie den Grundlegenden Mechanismen und Auswirkungen des Geldsystems auf den Grund. Brichta hat NEOPresse einige Fragen mit aktuellem Bezug beantwortet.

NP: Die Eurokrise ist weitgehend aus den Medien verschwunden. Haben wir tatsächlich das Schlimmste überstanden?

Raimund Brichta: Dank des Eingreifens der Europäischen Zentralbank, vorerst ja. Denn die EZB ist die einzige Institution im Euroraum, die über die nötige Power verfügt. Sie kann Geld in nahezu unbegrenzer Höhe produzieren. Deshalb hat es schon ausgereicht, dass Mario Draghi, Spitzname Super-Mario, mit seinen Muckis gespielt hat – mehr nicht. Die Finanzmärkze, die wichtigsten Gegenspieler der EZB, waren beeindruckt und haben die Krise vorerst ad acta gelegt.

Vorerst deshalb, weil das Grundproblem, nämlich die Fehlkonstruktion des Euro, damit nicht behoben ist. Deshalb wird auch die Eurokrise wieder kommen, ich weiß nur noch nicht, wann.

NP: Handelt es sich bei der „Eurokrise“ um eine Währungskrise, eine Schuldenkrise oder doch nur um eine politische Krise?

Raimund Brichta: Um alles zusammen: Um eine Währungskrise, weil der Euro durch seine Fehlkonstruktion von innen heraus gefährdet ist. Um eine politische Krise, weil die Politiker dafür vetantwortlich sind. Und um eine Schuldenkrise, weil diese den Rahmen für alles bildet. Hintergrund: Die Schulden steigen systembedingt weltweit immer weiter, und das hat folgerichtig die schwächeren Länder zuerst in Schwierigkeiten gebracht.

NP: Angela Merkel ist Verfechterin eines strikten Sparkurses. Die jüngsten EU-Wahlen haben jedoch „kritische Kräfte“ gestärkt. Marine Le Pen aus Frankreich fordert als Wahlsiegerin nun eine Abkehr von der Austeritätspolitik. Wer hat recht?

Raimund Brichta: Oh, nicht nur Le Pen am rechten Rand des politischen Spektrums fordert das. Nahezu sämtliche linksgerichteten Parteien fordern es ebenfalls. Es gibt dabei aber niemanden, der „recht oder unrecht“ hätte – weder diese Leute noch Angela Merkel. Denn die Sache ist einfach: Unser System aus wachsenden Geld- und Schuldenmengen muss irgendwann zurückgesetzt werden – wie ein Computer, an dem man die Reset-Taste drückt. Dies kann aber durchaus mit Schmerzen in Form eines heftigen Wirtschaftsabschwunges verbunden sein.

Diesen Abschwung würde man vermutlich auslösen, wenn man tatsächlich auf die staatliche Ausgabenbremse träte. In westlichen Demokratien wollen aber alle Politiker wiedergewählt werden, oder sie wollen zumindest nicht für den Zusammenbruch verantwortlich sein; deshalb sind im Zweifelsfalle auch alle bereit, bei den Schulden aufs Gas statt auf die Bremse zu treten. Das gilt für Le Pen genauso wie für Merkel, die es ja 2008/2009 schon bewiesen hat.

Die Unterschiede sind also allenfalls gradueller Art.

NP: Hilft ein Spardiktat tatsächlich Deutschland und schadet dem Rest von Europa? Marine Le Pen behauptet das …

Raimund Brichta: Ach wissen sie, diese Diskussion ist doch in erster Linie eine Folge der Fehlkonstruktion des Euro. Denn auch hier ist der Sachverhalt recht einfach: In einer Währungsunion sollte die Wirtschaft in den beteiligten Ländern einigermaßen im Gleichlauf sein. Dazu gehört auch die Finanzpolitik als wichtiger Faktor. Hier gibt es aber schon seit jeher große Unterschiede unter den beteiligten Ländern, die sich auch mit unterschiedlichen Mentalitäten begründen lassen – gerade auch zwischen Deutschland und Frankreich.

Wer sollte aber nun seine Mentalität ändern? Die Deutschen, die Franzosen, die Italiener, die Spanier – oder alle? An dieser Diskussion erkennen Sie schon, dass der Euro viel zu früh über ein Gebiet gestülpt wurde, das dafür noch lange nicht reif ist. Eine Gemeinschaftswährung hätte am Ende eines solchen Prozesses ihren richtigen Platz gehabt und nicht am Anfang.

Eine etwas sparsamere Politik – die Unterschiede sind wie gesagt nur graduell – mag für die einen gleich ein Spardiktat sein, für andere ist sie bloß gelebte Tradition. Auch hier gilt also: Es gibt kein richtig oder falsch, die Politik muss nur zur jeweiligen Mentalität passen. Erst aus der aufgezwängten Vereinheitlichung entsteht das Problem.

NP: Sie haben die im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“ als Volksverdummung kritisiert. Nicht mehr auszugeben als man einnimmt klingt doch vernünftig!?

Raimund Brichta: Für den Einzelnen ist sie vernünftig, ganz klar. Das Dumme ist nur, dass unser Geldsystem, wie es derzeit konstruiert ist, nur dann funktioniert, wenn Geld- und Schuldenmengen ständig wachsen. Das müssen mir die Leser an dieser Stelle einfach mal so glauben, weil ich hier für eine Begründung zu weit ausholen müsste. Sie steht aber im Buch.

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Wenn jedoch die Schulden ständig wachsen müssen, braucht es Schuldner, die all die Schulden schultern können. Der Staat als wichtigster – und über lange Zeit auch kreditwürdigster – Schuldner spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Klartext: Ohne ihn geht es nicht. Er muss immer mehr Schulden machen, ob er will oder nicht. Wenn er als zusätzlicher Schuldner ausfiele – oder noch undenkbarer – sogar seine Schulden tilgen würde, bekäme das System ein Problem und geriete in die Krise. Spätestens dann würde der Staat gar nicht anders können, als neue Schulden zu machen, um die Wirtschaft nicht gegen die Wand zu fahren.

Und genau deshalb hat die vermeintliche Spardiktatorin Angela Merkel in der letzten Krise so viele neue Schulden gemacht wie kein Kanzler vor ihr. Danach bestand die Volksverdummung darin, dem Wahlvolk weiszumachen, dass aber jetzt ein für allemal Schluss damit sei. Dies ist ein Märchen, und zu gegebener Zeit wird man dem Volk schon wieder Gründe präsentieren, warum doch neue Schulden gemacht werden müssen.

Grundsätzlich ist das natürlich ein Widerspruch, der im System steckt: Für den einzelnen Menschen, das einzelne Unternehmen und selbst für einen Staat mag es sinnvoll sein, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt. Aber wenn daraus die Konsequenz erwüchse, insgesamt weniger Schulden zu machen, bräche das System zusammen.

NP: Angenommen die Schuldenbremse, als Idealbild der Führung von Staatsfinanzen, würde in ganz Europa umgesetzt. Welche Auswirkungen hätte das auf den Euro?

Raimund Brichta: Dies wird nicht passieren, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Aber nehmen wir es mal an: Der Euro wäre dann weniger der Gefahr ausgesetzt, von innen heraus auseinanderzubrechen, weil alle Mitglieder ja in die gleiche Richtung marschierten. Dafür würde jedoch die Eurozone vermutlich in eine Depression schlittern, die der Wirtschaftskrise der 30-er Jahre gleichkäme.

NP: Amerika hält nichts von sparen. Die Notenpresse läuft auf Hochtouren. Warum dann eine Eurokrise und keine Dollarkrise?

Raimund Brichta: Ganz einfach: Die Eurokrise war – wie gesagt – keine Krise eines schwachen Euro im Vergleich zu anderen Währungen. Für die Südländer beispielsweise war und ist der Euro sogar viel zu stark. Die Eurokrise war vielmehr eine Krise, die sich aus den Spannungen innerhalb des Währungsgebietes ergab. Diese Spannungen gibt es innerhalb der USA nicht, weil es sich dabei um einen Staat handelt.
Hätten wir die Vereinigten Staaten von Europa, hätte es auch die Eurokrise nicht gegeben. So einfach ist das.

Außerdem haben die Amerikaner den Vorteil, wirtschaftlich, militärisch und politisch DIE Weltmacht zu sein. Damit sorgen sie zum einen dafür, dass der Dollar weltweit auch außerhalb der USA gebraucht wird (z. B. für Geschäfte mit Öl und anderen Rohstoffen), zum anderen bringt dies dem Dollar aber auch einen Vertrauensbonus ein. Und sie wissen ja: Unser Geld basiert fast nur auf Vertrauen.

NP: Es gibt Stimmen die von einem laufenden Währungs(welt)-Krieg sprechen. Zeichnen sich die Fronten im Zuge der Krise in der Ukraine ab?

Raimund Brichta: Jeder kocht in Sachen Währung natürlich sein eigenes Süppchen. Ob daraus aber tatsächlich etwas entsteht, das die Bezeichnung Weltwährungskrieg verdient hätte, ist meiner Ansicht nach noch offen. Noch würde ich diese Vokabel nicht verwenden; ich sehe allenfalls ein paar Scharmützel.

Und inwieweit der Ukraine-Konflikt tatsächlich etwas mit Währungsfragen zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Ich sehe hier eher die machtpolitisch-militärische Komponente als ausschlaggebend an.

NP: Ist es überhaupt realistisch, dass Russland und China den Dollar stürzen? Auf Chinas dickem „Bankkonto“ liegen doch hauptsächlich Dollars?

Raimund Brichta: Sie unterstellen in ihrer Frage eine russisch-chinesische Allianz in Währungsangelegenheiten. Auch diese sehe ich so nicht. Zumal der Rubel dabei nur der Juniorpartner wäre – eine Rolle, die Rubel-Chef Putin mit Sicherheit nicht gefiele, oder? Und warum China einen Verfall seiner Dollar-Reserven auch noch forcieren sollte, ist ebenfalls fraglich, wie sie richtig anmerken. Solange diese Reserven in wesentlichem Umfang bestehen, glaube ich nicht daran.

NP: Abschließende Frage: Angenommen ich hätte 150.000 Euro angespart. In welcher Währung sollte ich diese aufbewahren?

Raimund Brichta: Die Währung Gold eignet sich zum Aufbewahren ganz gut, denke ich. Zumal sie damit nicht zu den Problemen beitrügen, die die Hortung von heutigem Geld generell mit sich bringt. Aber das wäre schon ein Thema für das nächste Interview. ;-)

Buchbeschreibung: Die Wahrheit über Geld? Man kann es in Form von Scheinen oder Münzen anfassen, man verdient es und gibt es aus. Das war es auch schon, oder? Nein, das ist nicht einmal die halbe Wahrheit! Raimund Brichta und Anton Voglmaier graben viel tiefer und stoßen nicht zuletzt auf die Wurzeln der uns mittlerweile seit fünf Jahren beschäftigenden Finanzkrise. Auf dem Weg dahin erklären die Autoren, wie Geld eigentlich in die Welt kommt, welcher Zusammenhang zwischen Vermögen auf der einen und Schulden auf der anderen Seite besteht und warum man unser derzeitiges Weltfinanzsystem niemals nachhaltig und krisenfest ausgestalten kann. (Buch bei Amazon.de)

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