in Finanzsystem

Deutsche Wirklichkeit: Vorstand kassiert – Gehaltsabstand zu Mitarbeitern immer größer

Das Deutschland im Jahr 2018 ist offensichtlich ungerecht. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Dieser Eindruck entsteht nun aufs Neue, nachdem die Zahlen eines „Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung“, abgekürzt IMU, an den Tag gekommen sind. Das IMU wird vom „Handelsblatt“ zitiert, wonach die Differenz zwischen den Vorstandsgehältern und den Einkünften der normalen Arbeitnehmern in den zurückliegenden Jahren erheblich größer wurde.

71mal so viel wie die Angestellten….

Die Zahlen sind erschreckend, wenn sich neutrale Dritte die Differenz ansehen. Im reinen Mittel sollen die Vorstände von Dax-Konzernen das 71-fache dessen beziehen, was normale Angestellte erhalten.

Der Chef der Deutschen Post, die kürzlich erst eine Gewinnwarnung an den Markt brachte, Frank Appel, ist der bestverdienende Vorstand im Dax. Danach kommen die Chefs von HeidelbergCement, vom Sportartikelhersteller Adidas, vom angeschlagenen Automobilkonzern Daimler und ganz am Ende der Reihe dann der Commerzbank-Vorstand.

Dabei gibt das IMU auch an, wie sich die Schere entwickelt hat. Seit 2005 sollen die Vorstandsgehälter und die Angestelltengehälter demnach um weitere 70 % auseinandergegangen sein. Im ersten Jahr der Untersuchungen , 2005, ist der Dax-Vorstand im Durchschnitt nur um das 42fache besser entlohnt worden als die Angestellten. Auf 1.000 Euro Monatseinkommen der Angestellten kamen also 42.000 Euro Monatseinkommen der Vorstände.

Die Finanzkrise 2008 ließ das Verhältnis dann zunächst einfrieren. Da verdienten die Vorstände das 60fache dessen, was die Angestellten bezogen haben. Auf 1.000 Euro Monatseinkommen der Normalen kamen 60.000 Euro Monatseinkommen der Vorstände. Seit 2014 nun steigt die Differenz wieder. Im besten Fall war der Abstand mit dem 17fachen Monatsgehalt noch vergleichsweise gering. Nun ist die günstigste Variante bereits auf das 20fache angestiegen.

Erschütternde Zahlen – weil sie in eine bestimmte Richtung weisen: Die Differenz wird wieder weiter wachsen. An sich machen Eigentümer solche Verträge. Doch welche Aktionäre kümmern sich tatsächlich um den entscheidenden Aufsichtsrat. Hier macht die Gesellschaftsform als AG Vorstände reich und glücklich.

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Kommentar

  1. Hinzu kommt, dass diese Manager mit einem Rund­um-sorg­los-Pa­ket ausgestattet sind.

    Fehler, Schäden müssen nicht aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Sollte es doch mal, wegen eklatanter Unfähigkeit, zur vorfristigen Vertragsaufhebung kommen, dann gelten im Regelfall vereinbarte Abfindungen, Überbrückungsgelder, Boni usw. auch weiterhin.

    Und dann wundern sich doch die Herrschaften aus den Vorstandsetagen, dass sich immer weniger Beschäftigte der normalen Verdienstebene mit dem Unternehmen, in dem sie beschäftigt sind, identifizieren.

    Es offenbart sich auch durch solche Beispiele, dass das Unternehmertum längst durch skrupellose Marionetten des internationalen Finanzkapitals – ohne Moral, Ethik und Anstand – ausgetauscht wurde.

  2. Die Höhe des Gehalts ist eigentlich unwichtig, wichtiger ist die Auslese an geeignetem Führungspersonal. Hier liegen die grössten Sünden der Vergangenheit. Anstatt auf Charakter, Kompetenz und nachweisliche Erfolge zu achten, wurden Quotenwürstchen, Warmduscher in Schuhe gehievt, die ihnen viel zu gross sind. Zu allem Übel verdecken diese Nullen ihre Inkompetenz mit aufgeblasener Rhetorik, hinter Korruption und Ideologien. Diese Leute in den Vorstandsetagen der Wirtschaft aber auch der Politik sind Gift für die Gesellschaft.

  3. Die größten wirtschaftlichen Probleme oder gar Pleiten von großen deutschen Aktiengesellschaften in den letzten 20 Jahren waren fast ausschließlich Managementfehler aus den Vorstandsetagen.

    Im Grunde könnte man sagen, dass die meisten Unternehmen ohne ihre Vorstände besser dran wären, so ähnlich wie in Deutschland, das ohne seine Regierung wesentlich besser dastehen würde.

    Viele Manager werden maßlos überschätzt und verursachen erhebliche Kosten. Wenn man mal die gesamten Kosten aller Vorstände eines Dax-Unternehmens und ihren tatsächlichen Arbeitswert verrechnet, wir es ganz düster.

    Das Vorstands-Leistungsverhältnis (VLE) muß die neue Kennzahl für alle Vorstände werden, die glauben ihnen stünde ein astronomisches Gehalt zu.