in Finanzsystem

Seit langer Zeit gilt China als wichtiger Motor der Weltwirtschaft. Enorme Wachstumsraten als Folge des Aufholprozesses und die Funktion als „Werkbank der Welt“ sorgen dafür, dass das Reich der Mitte eine der tragenden Säulen der globalen Konjunktur wurde. Doch faule Kredite und massive Zinssprünge sorgen für eine sich ausweitende Finanzkrise, deren desaströse Wellen bald schon bei uns einschlagen.

Alleine vom 21. bis zum 23. Januar 2014 pumpte die chinesische Zentralbank 375 Milliarden Yuan (45 Milliarden Euro) in den chinesischen Geldmarkt. Dies ist die höchste wöchentliche Finanzspritze seit rund einem Jahr. Grund dafür ist der akute Geldmangel der chinesischen Banken, die ihre Zinssätze für Sparguthaben schon an die obere Grenze von 10% über dem Leitzins getrieben haben, um damit Geld in die leeren Kassen zu bekommen.

Wie unsicher das chinesische Finanzsystem mit all den Schattenbanken ist, zeigt die enorme Kapitalflucht der Finanzeliten des Landes. Nach Angaben des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), die durch den „Offshore-Leaks-Skandal“ bekannt wurden, ist China inklusive Hong Kong der größte Anteilseigner an Offshore-Unternehmen in Steuerparadiesen. Daran beteiligt: Beinahe die gesamte politische und wirtschaftliche Elite Chinas.

Gerade die Expansion der Schattenbanken sorgt dafür, dass das chinesische Finanzsystem immer unberechenbarer wird. Die Volksrepublik als äußerst labile Mischung aus einem Staatssozialismus chinesischer Prägung und purem Casinokapitalismus. In diesem System gediehen gewaltige Finanzkonzerne, die im Gegensatz zu den regulären Banken kaum Kontrollen unterlagen. Damit jedoch entstanden jene Finanzblasen, deren Platzen nicht nur die chinesische Wirtschaft in den Abgrund reißen wird, sondern auch jene in Europa und den Vereinigten Staaten. Insbesondere das rapide wachsende Volumen der Faulen Kredite wird dadurch zu einem großen Systemrisiko. So schrieb ich schon im September 2013:

Ganz unkommunistisch hatte die chinesische Regierung erst im August den Handel mit Krediten erlaubt. Damit wurde ein Spekulationssystem geschaffen, welches schon 2007 zum Ausbruch der Finanzkrise führte, als die faulen Kreditderivate der Reihe nach implodierten. Bislang bleibt dieser Handel zwar nur Chinesen vorbehalten, doch die Investmentbanken Morgan Stanley, Goldman Sachs und die UBS sowie Finanzspekulanten wie Clearwater Capital oder Apollo Global Management wollen unbedingt dort mitmischen. Selbst wenn dies bedeutet, wieder mit Kreditderivaten zu jonglieren und eine neue Finanzkrise auszulösen.

Ungeachtet des exorbitanten Risikos dieser Derivate, so scheint es, ist die Gier nach potentiell überdurchschnittlichen Renditen weitaus größer als jeder normale Hausverstand. Zwar verhalten sich die Chinesen noch ablehnend gegenüber den ausländischen Spekulanten, da niemand (wie schon vor Ausbruch der Krise 2007) beschuldigt werden möchte, die Papiere »zu billig« veräußert zu haben. Sollte sich die chinesische Haltung dazu ändern, würde ein chinesischer Finanzkollaps weitaus mehr Schaden in der internationalen Finanzwirtschaft anrichten, als dies bereits ohne ausländische Mitspieler der Fall wäre.

Jetzt, nur wenige Monate später spitzt sich die Lage tatsächlich immer weiter zu. Nicht umsonst überarbeitete die chinesische Regierung die Regelungen für Faule Kredite. In den vergangenen Tagen erließ das chinesische Finanzministerium hierzu die neue „Verwaltungsregel zur Stornierung der Faulen Kredite in Finanzunternehmen“. Seit 1988 gibt es ein Gesetz zur Definition von Faulen Krediten, und wie die Banken damit umzugehen haben. Nun wurde diese Regelung überarbeitet: Die Definition von Faulen Krediten wurde erweitert und das „Stornierungsverfahren“ deutlich erleichtert. Auf diese Weise soll dem chinesischen Bankensektor geholfen werden, die Zahl der Faulen Kredite kosmetisch zu verringern. Sie können jetzt leichter als Verluste abgeschrieben werden. Chinas Banken gleichen damit noch stärker Potemkinschen Dörfern.

Dass es um die chinesische Wirtschaft insgesamt nicht so gut steht wie behauptet wird, zeigt ein Blick an die Börsen. Profitierten die Aktien anderer Schwellenländer vom billigen Geld aus den USA, so verzeichnet Chinas wichtigste Index – der CSI 300 – eine mehrjährige Abwärtsbewegung. Seit dem kurzen Boom 2010 geht es trotz kleinerer Zwischenhochs stetig bergab. Dies wirkt sich auch auf die Finanzindustrie aus, die dadurch deutliche Abschreibungen vornehmen musste. Fallen die Kurse weiter – was sehr wahrscheinlich ist – werden bald die ersten Finanzkonzerne fallen.

In Folge des massiven westlichen Engagements in China werden die Auswirkungen des chinesischen Systemkollaps auch hierzulande deutlich spürbar sein. Das Finanzsystem Europas und der USA ist nach wie vor äußerst labil und wird einen solchen Schlag kaum verkraften können. Damit wächst auch hier das Risiko eines umfangreichen Bankencrashs deutlich an.

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