Bargeldverbot – Weltweiter Krieg gegen das Bargeld

Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat sich eine globale Bewegung in Richtung Abschaffung des Bargeldes gebildet. Dies ist kein illusorischer Traum der Banker und Politiker, sondern reale Politik in einem globalen Maßstab.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Jahr 2008 begann und sich noch weit über das Jahr 2009 hinausstreckte, zog eine Vielzahl von Konsequenzen mit sich, die aus der Wirtschaftsgeschichte nur begrenzt beziehungsweise gar nicht bekannt sind. Weltweit starteten Notenbanken und Staatsregierungen das sogenannte „Quantative Easing“ und vielerorts begann eine nie gekannt lockere Geldpolitik. Die Konsequenz waren niedrige Zinsen, vor allem im europäischen und nordamerikanischen Raum, aber auch in Japan, Afrika und Russland. Es fand eine globale Geldmengenausweitung statt, die ihres gleichen sucht.

Traditionell ist es so, dass Bürger eines Schwellen- oder Industrielandes ihre erarbeiteten Ersparnisse für Konsum ausgeben. Ein nicht unerheblicher Teil wird aber auch – soweit möglich – gespart. Die einfachste, bekannteste und risikofreiste Anlage bietet hier für ein einfaches Sparkonto mit jährlichen Zinsen, das in dieser oder einer ähnlichen Form weltweit bekannt ist. Mit der globalen Niedrigzinspolitik ist aber vor allem eines passiert: Diese bekannte und populäre Anlageform ist unrentabel geworden. Die Inflationsrate liegt in vielen Ländern oberhalb des Sparzinses.

Logischerweise findet eine „Flucht in das Bargeld“ statt, da es kaum einen finanziellen Unterschied macht ob ich Geld physisch besitze oder virtuell, auf einem Konto. Jedoch gibt es keine Aussicht auf eine erneute Erhöhung des weltweiten Zinsniveaus. Vielmehr reichen die derzeitigen monetären Maßnahmen vielen Notenbanken und Staaten dieser Erde nicht mehr, sie wünschen sich eine erneute Lockerung – was vielerorts Negativ, das heißt Strafzinsen bedeuten würde. Doch auch das ist mit der Möglichkeit der „Bargeldflucht“ praktisch unmöglich durchzusetzen.

Deswegen hat ein sogenannter „Krieg gegen das Bargeld“ begonnen, der längst globale Ausmaße erreicht hat.  „Gegenfrage“ berichtet: „In vielen afrikanischen Ländern wie Kenia oder Nigeria ist der bargeldlose Geldtransfer keine Frage der Bequemlichkeit, […] sondern es geht ums nackte Überleben. Weniger als 30 Prozent der Bevölkerung haben überhaupt ein Bankkonto, noch weniger haben Kreditkarten. Aber fast jeder hat ein Handy.“ Laut „TheCrux“ ist „Afrika somit der perfekte Ort für das weltweit größte soziale Experiment des bargeldlosen Lebens.“ „Gegenfrage“ berichtet weiter: „Westliche NGOs und GOs arbeiten Hand in Hand mit Banken, Telekommunikationsunternehmen und lokalen Behörden, um Bargeld durch mobile Geldtransfers zu ersetzen.“ Darunter zählen auch multinationale Konzerne wie Citi Group, Mastercard, VISA oder Vodafone; aber auch die US-Entwicklungshilfebehörde USAID oder die Bill und Melinda Gates-Stiftung.

Auch die weltweit größte Demokratie, Indien, bewegt sich in diese Richtung. Indiens Finanzminister Arun Jaitley betonte vor einigen Monaten, seine Regierung habe das Ziel, Indien in eine bargeldlose Gesellschaft zu führen – angeblich nur um das Scharzgeldproblem des Landes zu beseitigen. Auch hier wird man mit großen Konzernen und Vorreitern einer bargeldlosen Zukunft zusammenarbeiten, so lokale Zeitungen.

Larry Summers, 1991 bis 1993 Chefökonom der Weltbank anschließend Finanzminister der Clinton-Regierung, forderte bereits 2013 ganz offen die „Abschaffung des Bargelds“. In einer Rede vor dem IWF-Wirtschaftsforum im November begründet er das unter anderem mit einer vermeintlich eintretenden „massiven Nachfrage-Erhöhung“. Ein verirrter Ökonom auf Irrwegen? Keineswegs. Der einflussreiche Summers steht keinesfalls alleine da. Kenneth Rogoff, noch ein US-Ökonom aus Harvard, früher beim Internationalen Währungsfonds tätig und – rein zufällig wohl – ebenfalls Mitglied im Council on Foreign Relations, hat rund ein Jahr nach Summers Auftritt in dieselbe Kerbe geschlagen.

Auch er Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, ist ein dezidierter Befürworter der Bargeldabschaffung. Buiter sieht aber, dass Bargeld vor allem von Ärmeren und Älteren genutzt wird. Um die nicht ganz zu verprellen, schlägt er vor, nur noch Scheine mit kleinem Nennwert bis zu Fünf-Dollar auszugeben – immerhin.

Aus den – durchaus einflussreichen – Forderungen wird nun teilweise Realität. Den Anfang macht Frankreich mit einer eher minimalen Einschränkung im vermeintlichen Kampf gegen den Terrorismus. Von September an dürfen nur noch maximal 1.000 Euro in barer Münze bezahlt werden. Das kündigte der französische Finanzminister Michel Sapin vor einigen Wochen an. „Große Geldflüsse“ sollten systematisch überwacht werden, sagte Sapin der Zeitung „Le Parisien“. Dafür sollen Banken sämtliche auffälligen Geldbewegungen bei den zuständigen Stellen melden.Auch Griechenland plant offenbar Bargeldzahlungen einzuschränken.

Auch die skandinavischen Länder gehen in eine ähnliche Richtung, allen voran in Schweden. Laut berichten von „Credit Suisse„, stände dort schon seit einigen Monaten an den allermeisten Läden des täglichen Gebrauchs: „Vi hanterar ej kontanter“, was so viel bedeutet wie „Wir nehmen kein Bargeld an“. „Gegenfrage“ berichtet, dass es eine ähnliche Entwicklung in Dänemark gäbe, „wo fast 40 Prozent aller Transaktionen via HandyPay durchgeführt werden. […] Mehr und mehr Einzelhändler schließen sich dem an.“ Michael Busk-Jepsen, der Geschäftsführer des dänischen Bankenverbandes, sieht in der bargeldlosen Gesellschaft deswegen „keine Illusion mehr, sondern eine Vision, die innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens eingeführt werden kann.“

Auch der deutsche Wirtschaftsprofessor Gerald Mann ist sich sicher: „Die Bargeldabschaffung wird sicher nicht sofort kommen. Eine schrittweise Abschaffung halte ich hingegen für sehr wahrscheinlich.“ Der Professor für Nationalökonomie an der FOM Hochschule in München, hat gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Ulrich Horstmann ein Buch zu dem Thema Bargeldverbot geschrieben – „Bargeldverbot: Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen“ heißt es.

Den wesentlichen Treiber hinter einer solchen Abschaffung sieht Mann, in einem Interview mit dem „Focus„, bei wichtigen internationalen Finanzinstitutionen und -Institute, denn „wenn eine Zahlungsvariante, mit der ich konkurriere, abgeschafft wird, kann ich meine Gewinnmarge deutlich erhöhen“. Ein weiterer Hauptbefürworter sieht er in der europäischen und nordamerikanischen Politik, „so haben bereits einige Länder Höchstbeträge eingeführt, bis zu denen mit Bargeld bezahlt werden kann. So sollen Schwarzarbeit, organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung bekämpft werden.“ Insbesondere Schweden sei hier ein zentraler Vorreiter, wo einige Bankfilialen gar kein Bargeld mehr ausgeben und manche Geschäfte wiederum kein Bargeld mehr annehmen würden. „Manche Experten erwarten, dass in Schweden bis zum Jahr 2030 die bargeldlose Gesellschaft eingeführt werden kann“ so der Experte weiter.

Den Grund für diese gesamteuropäische Entwicklung sieht Mann in der immer noch gegenwärtigen Staats- und Finanzkrise, da die Gefahr eines „Bankruns“, das heißt einer kollektiven Welle der Abhebungen, immer noch bestehe. Aus diesem Grund rückt das Bargeldverbot im Zentrum vieler Banker und Politiker, denn sonst „wäre das Finanzsystem am Ende“. Mann weiter: „Der zweite Grund ist, dass wir unser Geld ausgeben sollen. Die Negativzinsen der Zentralbanken sollen auf für den kleinen Mann gelten, damit der Konsum angekurbelt wird.“ Er nennt diesen einen Angriff auf „unsere gute Sparkultur“.

Die Risiken sieht der Professor für Volkswirtschaftslehre und studierte Politikwissenschaftler vor allem in der Macht, die dem Staat dann zu Gute kommen würde. „Er könnte jede Transaktion überwachen. Wer politisch unliebsame Bücher oder Zeitschriften kauft, könnte sofort erkannt werden. George Orwell würde sich angesichts des ‚gläsernen Zahlers‘ verwundert die Augen reiben, weil es seine Erwartungen noch übertrifft.“ Ein solches Verbot hätte massive Auswirkungen auf die Freiheit der Bürger Konkret wäre die Bevölkerung vollkommen gläsern gegenüber Banken, zu denen er fortan zwangsweise gehen müsste, und auch gegenüber Behörden. Außerdem wäre eine Enteignung mittels negativ Zinsen leicht durchzusetzen. Desweiteren wäre die Möglichkeit eines Bank-Run, der mittlerweile den Generalstreik als wirkungsvollstes Massenprotestmittel abgelöst hat, völlig unmöglich. Lesen Sie hier mehr über die Folgen eines Bargeldverbots: „NEOPresse: Das Bargeldverbot droht