in Finanzsystem

Aus Verlust mach Gewinn

Von René Zeyer

So sieht es aus, wenn die spanische Regierung, EZB-Chef Mario Draghi und viele andere Eurokraten davon sprechen, dass das Schlimmste ja nun wirklich überstanden sei.

Wenn es darauf ankäme, dann habe man lediglich mit Italien ein kleines Problem, weil dort der Stimmbürger zwei «Clowns» (Peer Steinbrück) gewählt habe. Was Clownerie ist, lässt sich aber viel besser am Beispiel Spanien zeigen.

Der Clown spielt auf

Der spanische Finanzkonzern Bankia ist aus dem Zusammenschluss von sieben in der Immobilienkrise durch faule Kredite absaufenden Sparkassen entstanden. Die Idee ist clownesk: Eine lokale und bankrotte Sparkasse ist zu klein, um gerettet zu werden. Deswegen ist es das Beste, wenn sie ihre Bücher auslagert, zumal sie nicht die einzige ihrer Art mit Schwierigkeiten ist.

Da basteln wir uns doch einfach eine neue, grosse Bank, die dann «too big to fail» ist. So kommen wir an die Hilfstöpfe der Eurozone ran. Zudem erlauben wir der grossen Bank, mal schnell 22 Milliarden Euro fauler Kredite an eine Bad Bank auszulagern. Sonst müsste sie nämlich als erste Amtshandlung gleich Bankrott erklären.

Der Clown jongliert

Gleichzeitig erklärte die spanische Regierung, so gehört sich das in der EU, dass damit eigentlich alle Probleme gelöst seien und keinesfalls, unter keinen Umständen, wer sind wir denn, Hilfe aus den Geldtöpfen der EU benötigt werde. Schon gar nicht vom Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), weil das mit für stolze Spanier unakzeptablen Bedingungen verknüpft sei.

Resultat: Spanien kassiert bis zu 100 Milliarden Euro (das ist die offizielle Obergrenze, die nie reichen wird) an Hilfe, ohne sich irgendwelchen Bedingungen unterwerfen zu müssen. Denn Spanien ist ja, im Gegensatz zu Griechenland, ebenfalls «too big to fail».

Der Clown fällt auf die Nase

Nun gibt der neue Bankenriese Bankia bekannt, dass er, so alles in allem, im Jahr 2012 Miese in der Höhe von 21,2 Milliarden Euro gemacht hat. Olé, das ist der grösste Verlust, den eine spanische Bank jemals in der Geschichte anhäufte. Abgesehen davon, dass das natürlich völlig unvorhersehbar war, macht das aber nichts.

Das ist keine schlechte Nachricht für die Aktionäre oder die Besitzer der Bank, auch Kunden müssen sich (noch) nicht grosse Sorgen um ihre Einlagen machen. Denn Bankia wurde ja verstaatlicht. Der Clown ist über seine grossen Füsse gestolpert, steht grinsend wieder auf, sagt: «Nichts passiert, Akrobat schööön.» Denn mit diesem Verlust hat ja nicht Bankia ein Problem, sondern der spanische Staat. Und dem kann geholfen werden.

Einfach oder kompliziert?

Nun könnte es sich der spanische Staat kompliziert machen. Er gibt für diese 21,2 Milliarden neue Schuldscheine aus, die ihm aber vielleicht niemand abkaufen will, oder wenn, zu hohen Zinsen. Solche Frechheiten des Marktes, dieses Bengels, der doch unverschämterweise für hohes Risiko auch hohe Zinsen wollte, duldet die Eurozone aber nicht. Hat EZB-Chef Draghi nun versprochen, notfalls auch unbegrenzt Staatsschuldpapiere aufzukaufen oder nicht?

Also, auch unter Clowns muss ein Wort doch wohl gelten. Als geht Clown Rajoy zu Clown Draghi. Der hat zwar vor Kurzem gesagt, dass die Europäische Notenbank keine unsoliden Haushalte in Ordnung bringen oder strauchelnden Banken auf die Beine helfen könne. Aber da gilt, wie immer, das gute Eurokratenprinzip: Na und?

Weg und her damit

Also, 21,2 Milliarden sind weg, dumm gelaufen. Weitere 22 Milliarden fauler Kredite sind auch weg. Der Clown lässt beim Jonglieren ein paar ziemlich grosse Geldbälle in den weiten Taschen seines Kostüms verschwinden. Dann schaut er nach oben. Schwups, da fallen aus der Zirkuskuppel doch tatsächlich zwei neue Geldbälle. EZB und ESM, ist ja eigentlich wurst, wer von beiden, winken fröhlich ins Publikum: So macht man das. Die Zuschauer wissen nicht so recht, ob sie weinen oder lachen sollen. Der eine oder andere greift sich vorsichtig ans Portemonnaie und atmet auf: ist noch da.

Der clowneske Trick

Wer vergangene Schulden mit frischem Geld begleicht, tut das in der Annahme, dass für das neue Geld in Zukunft eine entsprechende Wertschöpfung erwirtschaftet werden kann, die es egalisiert. Denn falls das nicht gelänge, würde das frische Geld ja nur zu einer Entwertung des existierenden Geldes führen. Das frische Geld würde also alle Gläubiger und Sparer und Einzahler in zukunftsgerichtete Sozialsysteme „rasieren“.

Nun kann aber weder beim spanischen Staat noch bei Bankia auch bei grösstem Optimismus nicht davon ausgegangen werden, dass innert nützlicher Frist eine solche zusätzliche Wertschöpfung ausbricht. Wie denn auch. Rezession, gigantische Arbeitslosigkeit, geplatzte Immobilienblase, im Eurokorsett nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft. Also ist das Neugeld futsch.

Zahltag

Man kann Geld zwar drucken, bzw. durch ein paar Klicks auf der Tastatur in einer Notenbank aus dem Nichts herstellen. Leider. Dabei sollte die vornehmste Aufgabe jeder Notenbank sein, die Stabilität der Währung zu garantieren. Aber auch da gilt in der Eurozone: Na und? Mit Neugeld kann man den Zahltag von morgen auf übermorgen verschieben. Ist doch auch was.

Die Clowns haben ihren Auftritt hingelegt, müder Applaus aus dem Publikum, das einige Tricks nicht ganz verstanden hat und dem auch nicht wirklich zum Lachen zumute ist. Irgendwie dämmert es einigen, dass am Ausgang eine Kasse stehen wird. Und da nützt dann kein schützender Griff ans Portemonnaie. Weg ist es. (Quelle: www.journal21.ch)

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