in Afrika

China entdeckt einen neuen Kontinent für sich: Pekings Afrikastrategie

Nicht gerade selten blickt die Welt heutzutage immer wieder auf China. Die Volksrepublik galt lange Zeit als eine der am schnellsten wachsenden Nationen der Erde und selbst 2018 konnte sich die Wirtschaftskraft Chinas weltweit sehen lassen. Dies ist mitunter auch wichtig für Deutschland: die Bundesrepublik exportiert ein hohes Aufkommen an Waren nach China ist daher direkt vom Wachstum des Landes betroffen. Klar, dass Berlin ein Interesse daran hat gute Zahlen aus Peking zu hören. Aber um die deutsch-chinesischen Beziehungen soll es in diesem Artikel nicht gehen. Wenngleich Deutschland und China noch etwas verbindet: Afrika und dessen Zukunft.

Chinesisches Kalkül oder Asiatische Hilfsbereitschaft?

Noch im September 2018 trafen sich 53 afrikanische Staats- und Regierungschef mit der Führung aus Peking. Und was der chinesische Präsident Xi Jinping zu verkünden hatte, war reiner Grund zur Freude: 60 Milliarden US Dollar Investitionen plane die Volksrepublik in afrikanischen Staaten. Insgesamt 15 Milliarden US Dollar seien davon als “Hilfen und zinslose Kredite“ vorgesehen. Woher kommt diese plötzliche chinesische Liebe für den afrikanischen Kontinent? Nun, ganz so plötzlich kam das alles nicht. China investierte schon früher in Afrika mit dem Bau von Eisenbahnen, Energietrassen, Flughäfen und Straßen. Zudem lebten afrikanische Staaten schon seit 2000 mitunter von chinesischen Krediten. Bis 2016 wurden sich an die 125 Milliarden US Dollar bei der Volksrepublik geliehen, laut Daten der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies. Damals wurde China noch vorgeworfen, dass Afrika so in eine Schuldenfalle gelockt werde. Das asiatische Land reagierte prompt und verkündete, dass sie viele der Verbindlichkeiten afrikanischer Staaten erlassen würden.

Aber geht es China wirklich rein um Hilfe für den afrikanischen Kontinent? Wie so oft mag die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Als gesichert gilt, das China nicht aus purer Solidarität heraus mal eben 60 Milliarden US Dollar investiert, 15 Milliarden davon als zinslose Kredite. Es gilt zudem als gesichert, dass China weiterhin nicht einfach so Verbindlichkeiten erlässt. Vielmehr scheint China wirtschaftliche Interessen zu haben. Nicht unbegründet, wenn wir uns ansehen, dass das Handelsvolumen zwischen den beiden Seiten bei 220 Milliarden US Dollar 2015 lag. Im Jahr 2017 waren das immerhin abermals 170 Milliarden US Dollar. Wenngleich diese Zahlen rückläufig sind, blieb China auch 2017 größter Handelspartner des afrikanischen Kontinents. Noch vor den USA. Wo der Westen nur Flüchtlingsströme sieht, klingeln in Peking unterdessen die Kassen.

Gut für China, gut für Afrika, schlecht für Europa

Die Afrikaner selbst sehen das Ganze zu 63 Prozent positiv, laut Angaben des unabhängigen afrikanischen Instituts Afrobarometer. „China ist in Afrika eher gern gesehen, besonders in der Bildungselite“, schrieb kürzlich der kamerunische Essayist Yann Gwet in der französischen „Le Monde“ und unterstreicht damit die Angaben. Wo einst Europäer Kolonien errichteten (und bis heute die Folgen der Kolonialzeit spüren), klatschen heute 53 afrikanische Staatschefs dem chinesischen Präsidenten Beifall. „Afrikaner sehen in China einen ehemaligen Underdog, dem es innerhalb von zwei Generationen gelang, in die weltpolitische Elite aufzusteigen. Die Chinesen zählen heute zu denjenigen, die die Welt mitregieren und denen sogar die Amerikaner Tribut zollen müssen. Für Afrikaner ist das eine Botschaft der Hoffnung und macht die Chinesen zum Vorbild“, sagte hierzu der renommierte US-amerikanische Afrikanist Stephen Smith von der Duke-Universität in den USA. Und der USA, bzw. ihrem Präsidenten Donald Trump, wurde ja erst im Januar eine regelrechte Abfuhr von afrikanischer Seite erteilt, nachdem er in Gesprächen mit US-Senatoren afrikanische Staaten als Dreckslöcher bezeichnete.

China sieht einen wachsenden Markt in Afrika. Nicht umsonst würde Peking, welches sich selbst in einer stetigen wachsenden Schuldensituation sieht, immense Investitionen zusagen. Die afrikanische Mittelschicht umfasst heute rund 150 Millionen Menschen. Diese Anzahl soll laut Weltbank bis 2030 auf 600 Millionen angestiegen sein. Chinesische Massenproduktion trifft auf massiv wachsende Mittelschicht. 2050 sollen rund 2,5 Milliarden hauptsächlich junge Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben. Im Vergleich dazu werden gerade mal „450 Millionen Europäer“ im gleichen Jahr hochgerechnet, „vornehmlich älter“, laut Smith. Was heißt das für Europa? Es ist eine faire Annahme, dass die Anzahl an Migranten über die nächsten zwei Generationen erheblich zunimmt. Gleichzeitig läuft China den Europäern davon was Afrikastrategien anbelangt. Sowohl wirtschaftlich, als auch entwicklungstechnisch ist von Europa bislang keine klare Linie zu erkennen. Da hilft es auch nicht, dass Deutschland und Frankreich zuletzt ihr Engagement in Afrika verstärkten.

Europa ohne klare Linie

Ja, Bundeskanzlerin Merkel war im August 2018 in Afrika. Es ging zentral um die Migrationskrise, aber auch um Wirtschaft. 1 Milliarde Euro sollen fließen an Investitionen. Da scheint im Vergleich zu Chinas Vorgehen wie ein Tropfen auf einem viel zu heißen Stein. Während Deutschland und Europa ohne gemeinsame Linie die Flüchtlingskrise zu bewältigen versuchen, baut China Infrastruktur, Fußballstadien, Raffinerien und sogar Regierungsgebäude. Wenn die Mittelschicht Afrikas dann wächst wie vorausgesagt, ist es nicht schwer zu erraten, wo diese Menschen ihre Gelder lassen werden. Der finanzielle Kampf um Afrika hat längst begonnen und das Land ist längst kein aussichtsloser Armutskontinent mehr, wie Peking richtig erkannt hat. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass Afrika als Kontinent im Ganzen auch geholfen wird. Denn bei all dem Wachstum der Mittelschicht sollte nicht vergessen werden, dass künstliches Wachstum meist nicht lange währt. Europa wäre gut geraten für Nachhaltigkeit zu sorgen bei dem, was Peking in Afrika tut. Ansonsten drohen nach dem Klingeln der chinesischen Kassen nur noch mehr Boote aus Afrika, die verzweifelt versuchen das Mittelmeer zu überqueren.

Autor: Thomas Schmied

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Das ist die Art von gleichberechtigten Geschäftspartnern, eben zum gegenseitigen Vorteil zu handeln, im Gegensatz zum USI und dem neuen reich/EU, die nach wie vor die Kolonialherrenart nicht abgelegt haben. Und wenn das Merkela durch Afrika düst, um hier und dort ein Milliönchen aus dem zerbeulten Füllhorn rutschen zu lassen, dann war es doch bloß deshalb, weil sie die Stimme der Afrikaner gebraucht hat um ihre Kolonialverwaltung in den Sicherheitsrat zu bringen. Und diesen moralisch, geistigen und kulturellen Untergang Deutschlands lässt das deutsche Volk zu.

  2. Selbstverständlich(!) handelt China aus wirtschaftlichem Interesse! Was denn auch sonst? Komisch nur, dass das bei den Chinesen zumindest als „verdächtig“ deklariert wird … während es in der sogenannten „westlichen Welt“ fast schon als kriminell gilt, es nicht zu tun!
    Und nebenbei: 15 Milliarden als zinslose Kredite für Afrika – DAS möchte ich doch mal von unserer westl. „Wertegemeinschaft“ erleben!
    Da inhaftiert man in Kanada doch lieber in vorauseilendem Gehorsam die Finanzchefin von Huawei, weil die Herren Ami’s glauben, die „ganze Welt“ hätte sich nach ihren Sanktionen gegen den Iran zu richten!
    Das ist unglaubliche Arroganz und Dummheit, und soviel Dummheit muss eben bestraft werden! Deshalb wünsche ich den Chinesen alles Gute!

    • Teile die Meinung, dass das westliche Ausbeutermodell überholt ist und das offenkundig. Es hat fertig.
      Jeder Schulbub, der Grips hat, liest es aus.

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