Tsipras und Varoufakis: Systemfreund oder -feind?

Archiv - Bild nicht mehr verfügbar

Mit dem Wahlsieg der Partei Syriza und der Ernennung Alexis Tsipras zum Premierminister Griechenlands bzw. Giannis Varoufakis als neuen Finanzminister schien der EU ein wirkliches Problem erwachsen zu sein. Auch die ersten Handlungen Tsipras zeigten in diese Richtung. Seien es die Äußerungen gegenüber Moskau, die (leider wieder einkassierte) Weigerung zur Fortsetzung der Sanktionen gegen Russland oder auch die von der Wiener Zeitung kolportierte Meinung, dass Syriza niemals den Knebelvertrag aka das Handeslabkommen TTIP ratifizieren wird.

Interessanterweise sprach Tsipras bereis 2013 beim Brookings Institute vor. Jene Denkfabrik, die gerade für die Kiewer Truppen, um den unantastbaren, weil auserwählten Oligarchen Kolomoisky, mehr Bomben fordert:

Brookings Institution has now issued a call for us to finance more firebombings, clusterbombings, and other support…
(Das Brookings Institute hat nun einen Aufruf an uns gerichtet mehr Brandbomben, Clusterbomben und anderweitige Unterstützung zu finanzieren…)

Das Brookings Institute ist nicht nur irgendein Think Tank in den USA. Vielmehr ist es nach der Aufstellung des 2013 Global Go To Think Tank Reports der University of Pennsylvania die wichtigste Denkfabrik der Welt.

Warum besucht ein damals völlig unbekannter griechischer Oppositionspolitiker dieses Institut und hält dort eine Rede?

Ähnlich wie bei dem neuen Finanzminister Varoufakis, der in den USA so etwas wie ein ökonomischer Popstar ist, muss man sich daher die Frgae stellen: Sind die beiden die vorgeblichen Gegner der EU, des Euros und des Systems? Oder sind sie nur „frische, publikumswirksame, griechische Rennpferde, die schon auf dem richtigen Parcour unterwegs sind“?

Auch angesichts solcher Bekundungen des Brookings Institutes:

In a country where leftists have historically been incendiary, prone to violence, and aggressively anti-American, Mr. Tsipras came across as genial, courteous, pragmatic and eager to hear American views… He spoke warmly about President Obama’s inaugural calls for social justice.
(In einem Land in dem Linke in der Vergangenheit Brandstifter waren, anfällig für Gewalt und aggressiv antiamerikanisch, empfanden wir Herrn Tsipras als genial, höflich, pragmatisch und begierig amerikanische Ansichten zu hören… Er sprach freundlich über Präsident Obamas Forderungen in seiner Einführungsrede nach sozialer Gerechtigkeit.)

Sehen wir einmal mehr den Klassiker schlechthin: Divide et impera? Oder besser: Was schlecht für Europa ist, ist gut für die USA?

Auch wenn der Besuch 2013 stattfand, passt es gut zu den Gerüchten, die sich seit Beginn der politischen Karriere um Tsipras ranken:

Um Tsipras ranken sich auch darüber hinaus noch schwerwiegenden Gerüchte. So wird behauptet, dass er sich für seine Kampagne für die Wahlen letzten Jahres von einer US-amerikanischen Firma hat beraten lassen, die einen Connex zu Hillary Clinton hat.

Es scheint so zu sein, als wurden mit Tsipras und Varoufakis nur zwei neue Pferde aus dem unfangreichen Stall der „Rennpferde“ ins Rennen geschickt, um die Stimmung der Menschen und deren Unzufriedenheit einzufangen. Man wünscht sich, dass man damit falsch liegt. Die nächsten Wochen werden zeigen, wo die Wahrheit liegt.

Quellen:
Syriza will TTIP „niemals“ ratifizieren
Mr. Tsipras Comes to Washington
The Brookings Institution, increased firebombing in E. Ukraine, and the resonances of Nazi Germany
Wikipedia – Brookings Institution
Wikipedia – Yanis Varoufakis
Varoufakis on Valve, Spontaneous Order, and the European Crisis
Greek pseudo-left leader Tsipras auditions for State Department, IMF
Griechenland – mal wieder ein Bericht