in Europa

Schon seit Monaten brodelt es in dem kleinen Land südlich der Ukraine. Fast wöchentlich kommt es zu Demonstrationen, organisiert von pro-russischen Parteien. Die Proteste richten sich gegen die pro-europäische, und somit auch gegen die pro-amerikanische Regierung, und machen diese verantwortlich für die unzureichende Lebensbedingungen.

Mittelpunkt der Demonstrationen ist der Cel-Mare-Platz in Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens. Erinnerungen an den Kiewer Maidan Platz kommen auf, wenn man die Massenkundgebungen der 15.000 Demonstranten betrachtet.

Im Januar dieses Jahres kochte der Unmut gegen die von Korruption gebeutelte pro-europäische Regierung so hoch, dass das Parlament gestürmt und Neuwahlen gefordert wurden. Doch die deutsche Presse schweigt sich aus. Grund genug gibt es dafür. Denn die aktuelle Regierung hat ganz klar gegen die Moldawische Verfassung gehandelt. In dieser wird die Neutratlität des Landes festgehalten:

Artikel 11 – The Rupublic of Moldova as a Neutral State

(1)   The Republic of Moldova proclaims her permanent neutrality.

Als Premierminister Vlad Filat im Januar 2010 in Washington ein Abkommen der Millennium Challenge Corporation (MCC) unterzeichnete, in dem die USA Moldawien über den Zeitraum von fünf Jahren Hilfe bei Landwirtschaft und Infrastruktur in Höhe von 262 Millionen US-Dollar zusicherte, ging man davon aus, dass es für den Aufbau der Wirtschaft zuträglich sein wird. Aber eine finanzielle Abhängigkeit hat schon immer den bekannten, bitteren Beigeschmack.

Als dann allerdings im Juni 2014 das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet wurde, war das ein ganz klarer Bruch der moldawischen Verfassung.

Im selben Jahr bestätigte der Vorsitzende der Sozialdemokraten Moldawiens Victor Shilin in einem Interview, dass hohe US-Militärberater in Moldawien eingetroffen sind mit dem Ziel, das Land auf einen Krieg vorzubereiten und die Neutralität zu nehmen.

„Ja, ich bestätige die Information darüber, dass in diesen Tagen in Moldawien ein Spezial-Kontingent von Offizieren der Vereinigten Staaten von Amerika eingetroffen ist, welches auf allen Militärgeländen, Truppenübungsplätzen der Republik Moldawien, eine Vorbereitung unserer Offiziere und Soldaten auf reale kriegerische Handlungen durchführt. […] Wenn wir die Situation in der Region berücksichtigen und bedenken, dass der Präsident der Ukraine gestern die Mobilisierung ausgerufen hat, und die Erklärung der USA, dass Russland eine Gefahr darstellt für die nationalen Interessen der USA und für die Region, dann kann man nur von einem Einsatz unserer Offiziere und Soldaten gegen die Russische Förderation sprechen. Das heißt Krieg an der Seite der USA gegen die Russische Föderation.“

Über das Ziel von amerikanischen Interventionen in Osteuropa braucht nicht lange diskutiert werden. George Friedmann nannte es “Cordon Santiaire” – der Sicherheitsgürtel um Russland. Und genau dieser wird hier enger geschnürt.

Und wie sieht Russlands Reaktion auf die EU-Annäherung aus? Auf den ersten Blick subtil, jedoch folgenreich. Moldawien ist ein Land, welches überwiegend von der Landwirtschaft lebt, insbesondere vom Weinanbau. Gerade in dem Moment, als verkündigt wurde, dass besagtes Assoziierungsabkommen unterzeichnet werden soll, verhängt Russland ein Einfuhrverbot von moldawischen Wein.

Die offizielle Begründung lautete, dass Weinprodukte aus Moldawien verunreinigt sind. Doch sollte dies wohl nur ein „Warnschuss“ sein, welches das kleine Land zwischen der Ukraine und Rumänien gelegen, weg von der EU treiben sollte. Im Nachhinein betrachtet, hatte es den gegenteiligen Effekt. In letzter Minute kam ein großer Auftrag aus Norwegen und half somit vielen Weinkellereien das Jahr zu überleben.

Moldawien ist ein zerrissenes Land und es ist mehr und mehr zu erkennen, dass es der Bauer in einem politischen Machtspiel wird.

Egal in welche Richtung es geht, am Ende ist Moldawien der Verlierer!

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Kommentar

  1. Die Proteste hatten vor einer Woche begonnen. Auslöser war das Verschwinden von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro von den Konten dreier Banken.Ein Demonstrant erklärt: “Wir wollen radikale Veränderungen in Moldau. Wir wollen, dass unser Land nach verschiedenen Regeln funktioniert. Heute ist Moldau in den Händen krimineller Oligarchen. Wir wollen sie loswerden.”

    Eine Frau meint: “All diese Menschen verdienen ein besseres Leben. Wir sind gekommen, um für eine bessere Zukunft, ein besseres Leben zu kämpfen.”

  2. Ein guter Artikel Frau Guhl !
    Gemessen an dem, was wir hier so gewöhnt sind, ist er sehr ausgewogen und ohne persönliche Färbung, so sollten rein informative Journalien sein, zudem gefällt mir ihr Schreibstil !
    Zum Thema: Warum will eigentlich Niemand begreifen, dass man mit den USA keine Verträge macht ?!
    An alle Advokaten: verbrennt die Verträge und behauptet im Kollektiv, der Ami hat seine gefälscht ! Einfacher und schneller kommt man aus der Nummer nicht raus, die Prozesse darum kann man über Jahrzehnte in die Länge ziehn ! Oder man ficht die Verträge an: Da waren halt die Unterzeichner zum Zeitpunkt der Abschlüsse nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, die Zeugen standen unter Drogen usw. – Frechheit siegt ! Merkel fragen !

  3. In diesem Zusammenhang fällt mir Kuba ein, dieses Land schleifte seit Jahren wegen des US-Embargos am Rande der Existenz. Nun hat die US-Riegierung eiligst ihre Haltung überdacht und will wirtschaftliche Beziehungen mit Kuba entwickeln. Doch der Sinn ist klar: Die US wollen nicht nochmal in der Situation wie 1962 kommen und haben mit ihrem jetzigen Fuß in der Tür den Zugriff der Russen auf Kuba „rechtzeitig“ ausgeschlossen. Die Expanisonspolitik der USA funktioniert aber immer nach dem gleichen Schema. Man initiiert Missstimmungen gegen Regierungen, unterwandert Parlamente mit CIA-Leuten und organisiert Umstürze…bis die USA jenes Land unter ihre Kontrolle haben. Mit Geld wird geködert und Dummheit gefördert.