Bulgarien beruft Reservisten ein: „Ich werde nicht gegen Russen kämpfen“

In Bulgarien verbreiten sich in diesen Tagen einige Berichte wie ein Lauffeuer. Wie mehrere bulgarische Medien melden, verschickt das Verteidigungsministerium Einberufungsbescheide an heimische Soldaten. Unter Soldaten kam das Gerücht auf, es ginge um einen möglichen Geheimeinsatz in der Ukraine. Die Berichte kamen auf, nachdem der US-Außenminister mit samt Viktoria Nuland zu Besuch in der Landeshauptstadt war. Das NATO-Land war Mitglied im Warschauer Pakt und ist traditionell und geographisch eng mit der Ukraine und Russland verbunden.

Laut einem Bericht der bulgarischen Tageszeitung „Petel“ wendete sich ein Reservist der Armee mit einem offenen Brief an das Verteidigungsministerium. Hier die Übersetzung:

An den Verteidigungsminister
von Republik Bulgarien

Sehr geehrter Herr Minister,

in Verbindung mit der begonnenen Verschickung von Einberufungsbescheiden für die Bulgarische Armee fühle ich mich verpflichtet Sie darüber zu informieren, dass ich ein äußerst zuverlässiger risikobringender  Soldat bin. Ich bin aus Überzeugung russophil, liebe Russland und könnte nicht russische Soldaten verwunden oder töten. Mit diesen Eigenschaften bin ich höchstwahrscheinlich eine Bedrohung für die Zuverlässigkeit der Bulgarischen Armee und die Sicherheit der anderen Soldaten, die zusammen mit mir kämpfen werden müssen.

Wegen der oben genannten Umstände bitte ich von einer eventuellen Mobilisierung für Kriegshandlungen gegen Russland oder gegen die prorussischen paramilitärischen Kampfgruppen in der Ukraine befreit zu werden. Außerdem muss ich auf meine psychische Instabilität und meine schmerzhafte Unverträglichkeit gegenüber der gegenwärtigen Regierung Bulgariens hinweisen. Im Falle, dass man mir ein Sturmgewehr in die Hand drückt, besteht das Risiko, dass ich statt in die Ukraine damit zum Protest vor das bulgarische Parlament komme.

Trotz der erwähnten Vorbehalte bin ich ein Patriot. Im Notfall bin ich bereit an jeglicher Art Kampfhandlungen, gerichtet gegen Staaten und Kräfte, die eine wirkliche Gefahr für Bulgarien und seine Zukunft darstellen, teilzunehmen.

Mit Hochachtung
Dobri Bojilow
(Soldat der Reserve)

Der Brief steht in Zusammenhang mit Meldungen mehrerer bulgarischer Medien. So berichtet die bulgarische Zeitung „Novini“, dass eine angebliche Mobilisierung der Armee gegen prorussiche Kräfte in der Ukraine im Gange ist und dass diese Einberufung in Zusammenhang mit den Besuchen des NATO-Generalsekretärs Stoltenberg und des US-Außenministers Kerry steht. Beide besuchten Bulgarien Mitte Jänner. Bei den Gesprächen mit der bulgarischen Regierung soll  es vornehmlich um den Ukraine-Konflikt und die Beziehung zu Russland gegangen sein.

Unterdessen sprach auch die bulgarische oppositionelle Partei Ataka die Vorkommnisse im Parlament an. Der Fraktionsvorsitzende warf der Regierung vor „eine Geheimoperation“ auf „ukrainischem Gebiet“ zu planen, um „Forderungen aus NATO-Kreisen“ gerecht zu werden. Die Partei ist bekannt für nationalistische und rechtspopulistische Töne. Als wir bei der bulgarischen Botschaft in Berlin nachfragten hieß es, man werde zu diesen Vorwürfen keine Auskunft geben.

In der ukrainischen Region Odessa leben ungefähr 400.000 Angehörige einer bulgarischen Minderheit. Diese befinden sich damit mitten im Kriegsgebiet des Konflikts zwischen Separatisten und Regierungstruppen. Bulgarien weist auch eine hohe Abhängigkeit von russischem Gas ab. Rund 85% der Energie-Bezüge kommen über die Ukraine aus Russland in das Land.

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