Kommentar: Oxi – Haircut aus der Portokasse

Keine Frage: Grie­chen­land ist plei­te und wird die Schul­den nie­mals zu­rück­be­zah­len kön­nen. Al­les wäh­rungs- fi­nanz- oder wirtschafts­po­li­ti­sche Her­um­ge­ba­ste­le und das me­dia­le Ge­sund­be­ten der La­ge schafft kei­ne Ab­hil­fe, son­dern erf­üllt nur den Tat­be­stand der In­sol­venz­ver­schlep­pung. Wir alle ahnen das seit 5 Jahren. Und die Experten aus Politik und Finanzbranche wissen es, wollten uns aber bislang – vermutlich aus Gründen der Barmherzigkeit, wem auch immer gegenüber – die Wahrheit ersparen.

Nun haben die Griechen ‚Nein‘ gesagt zu sinnlosen Reformen und zum selbstzerstörerischen Sparen um jeden Preis, koste es, was es wolle – und damit auch zum immer peinlicher und immer teurer werdenden, verdrucksten Herumreden um den heißen Brei. Das ‚Oxi‘ der Griechen ist ein ‚Nein‘ zur Lüge und ein ‚Nein‘ zu einem Europa der Banken und Konzerne. Aber zugleich ist es ein Votum und eine Chance für ein Europa der Menschen.

Keine Frage: Nicht allein Banker und Politiker haben Mist gebaut, auch die Griechen selbst haben ordentlich zugelangt, als man ihnen die Glasperlen vor die Nase hielt. Nun sitzen sie in der Tinte. Und wir haben jetzt genau zwei Möglichkeiten: Wir wenden uns von ihnen ab und lassen sie die Suppe, die sie sich auch selbst mit eingebrockt haben, alleine auslöffeln. Oder wir wenden uns ihnen zu, reichen ihnen die Hand und helfen ihnen dabei, aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen. Verallgemeinert gesagt stellt sich also die Gretchenfrage: Wollen wir ein Europa der Falschspieler, Zocker und Schnäppchenjäger, in dem es darum geht, wer den anderen am geschicktesten über den Tisch zieht oder wollen wir ein Europa für Menschen, in dem es darum geht, Solidarität zu üben auch und gerade mit denjenigen, die in der Schiete sitzen?

Frohe Botschaft

Kein Dilemma ohne frohe Botschaft: Geld geht niemals so ganz, es wechselt nur den Besitzer. Und wo Schulden sind, da ist auch Vermögen. Das Problem der Ver­schul­dung von Griechen­land und ande­ren Staaten ist im Grunde ge­nom­men weit­aus gerin­ger als gemein­hin kom­mu­ni­ziert, wäre man nur gewillt, sich auf eine vernünftige, faire und solidarische Ein­kom­mens- Vermö­gens- und Lasten­ver­tei­lung zu einigen und die inzwi­schen gera­dezu zum globale Dogma erhobene Um­ver­tei­lung von unten nach oben endlich beenden. Wo­für es ange­sichts des der­zei­ti­gen Wel­ten­bran­des ohne­hin an der Zeit ist. Übri­gens auch und ge­ra­de im wohl­ver­stan­de­nen Eigen­inte­res­se der Rei­chen und Schö­nen, unter denen es eine wachsende Anzahl von Aufgeklärten, Vernünftigen und Einsichtigen gibt, die wissen, dass es eine Welt ist, in der wir leben und die gerne dazu bereit wären, ihren angemessenen Beitrag zu leisten!

In Deutschland leben bereits seit dem Jahre 2012 erstmals eine Million Millionäre mit einem Gesamt­ver­mö­gen von 3,7 Bil­lio­nen Dollar. Wenn man nun unter die­sen Su­per­rei­chen ei­ne ein­ma­li­ge Ver­mö­gens­ab­ga­be in Höhe von 1% des Ver­mö­gens er­he­ben wür­de, so kä­men 37 Mrd Dol­lar zu­sam­men. Das ent­spricht etwa 50% der Haf­tung des deut­schen Steu­er­zah­lers für die Grie­chen­land- Schul­den. Ein Schul­den­schnitt von 50% für Grie­chen­land wä­re da­mit qua­si aus der Por­to­kas­se zu wup­pen. Und führ­te man die­se Maß­nah­me ei­ni­ge we­ni­ge wei­te­re Jah­re fort, wä­ren in kur­zer Zeit auch noch die ge­sam­te Ver­kehrs­in­fra­struk­tur sa­niert und vie­le wei­te­re Pro­ble­me ge­löst.

Und da es ja immer so schön heißt, Deutsch­land habe enorm vom EURO profitiert, wäh­rend in Wirk­lich­keit ledig­lich die Vermö­genden in Deutsch­land profi­tiert haben, würde ein solcher Schritt keineswegs ein un­gerecht­fertig­tes Opfer bedeuten, sondern es handelte sich tat­sächlich um eine Art nach­träg­liche Besteu­erung von privaten Erträ­gen und Gewin­nen zur Finan­zie­rung der inzwi­schen sozia­li­sier­ten, näm­lich auf den Steuer­zahler abgewälz­ten Ver­luste. Al­ter­na­tiv könnte man ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren auch als ei­ne Art La­sten­aus­gleich be­trach­ten, wie er in den 1950- er Jah­ren zur gleich­mä­ßi­gen Ver­tei­lung der Kriegs­la­sten des 2. Welt­krieges auf die Men­schen in Deutsch­land duch­ge­führt wur­de.

Und wo unser Herr Bundespräsident, Kanzlerin Merkel und mehr oder weniger die gesamte politische und wirtschaftliche Prominenz gerade zuletzt immer wieder gerne an die internationale Verantwortung, Menschlichkeit und Opferbereitschaft der Arbeitnehmer und Steuerzahler appellieren, eröffnete ein Appell in die umgekehrte Richtung doch eine ausgezeichnete Gelegenheit, einmal mit gutem Beispiel voranzugehen und den Bürgern zu zeigen, wie es geht!