in Europa

Das aktuelle Rückkaufangebot des griechischen Finanzministeriums bleibt Brennpunkt dieser Woche. Dabei verdrehen sehr interessante Umstände, die erst bei einer genauen Betrachtung der Sachlage erleuchten, die ursprünglich gesetzte Maßnahme. Zum einen wurde das Umtauschangebot bereits in den letzten Wochen sehr offensichtlich angekündigt, das hat vor allem Spekulanten in die Karten gespielt. Zum anderen rühmen sich die Beteiligten, dass ein weiterer Schuldenschnitt noch nicht vollzogen wird – ist das wirklich richtig?

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=E1uFJytAFcs[/youtube]

PS.: Thinktankjunk ist parteipolitisch unabhängig orientiert. Das Video soll keine Verherrlichung der Linke darstellen – aber wenn jemand mal die Fakten rund um Griechenland auf diese Art und Weise im Bundestag präsentiert. Dieser Performance gebührt auch entsprechende Würdigung!

Griechenland bleibt offenbar im Fokus des westlichen Krisenmanagements. Wie das griechische Finanzministerium am Montag verkündete, darf die Deutsche Bank im Interesse von Griechenland die technische Abwicklung des Rückkaufangebots übernehmen. Dieses besagt: Die privaten Gläubiger von griechischen Staatspapieren [1] dürfen zwischen einer sofortigen Auszahlung von 30,2% bis 40,1% (abhängig von der Laufzeit) des Nominalbetrages oder der Hoffnung auf eine höhere Tilgung in der Zukunft auswählen. Falls das Angebot in Anspruch genommen wird, muss über die jeweilige Depotbank eine Meldung bis spätestens Freitag gemacht werden. Eine entsprechende Auszahlung soll dann im Gegenzug in Cash am 17. Dezember 2012 erfolgen [2].

EZB Direktor Jörg Asmussen übernimmt entscheidende Rolle

In meinem Artikel vom 21. Oktober 2012, EZB versucht sich als Goldman Sachs, habe ich damals bereits auf die Problematik hingewiesen. Jörg Asmussen, ehemals Aufsichtsrat der Deutschen Postbank AG, hat Griechenland tatsächlich in gekonnter Bankermanier beraten, um die Privatinvestoren noch mehr zu schädigen und vor allem um die eigene unausweichliche wertlose Ausbuchung der Forderungen an Griechenland noch weiter in die Zukunft zu verschieben. Lösung: Finanzspritze durch den ESM organisieren, um den privaten Gläubigern ein lukratives Angebot zu machen. Weil sich Griechenland sich am Kapitalmarkt ohnehin nicht selbstständig finanzieren kann.

“Last week European Central Bank Executive Board member Joerg Asmussen made the same suggestion about the Greek government buying back its own debt [3]. “

Die Bundestagswahlen in Deutschland will man vielleicht doch noch abwarten, um ja nicht zuzugeben müssen, dass das eigene Krisenmanagement total versagt hat.

Auswirkungen auf die Schuldenquote im Verhältnis zum BIP

Bis 2020 soll Griechenland eine Schuldenquote von 120% vorweisen können. Das war zumindest eines der Hauptkriterien für die Geldgeber, um weiteres Cash in den Süden zu liefern. Selbiger hat übrigens bereits 414 Mrd. EUR an öffentlichen Kredite zur Krisenbewältigung erhalten [4]. Diese Bedingung ist aber sehr unvorteilhaft für noch weitere Kreditlieferungen, d.h. um Glaubwürdigkeit auf Schuldnerseite zu behalten (sofern noch was übrig ist), muss gleichzeitig zur Finanzierung ein weiterer Schuldenerlass kommen. Das aktuelle Programm würde die griechischen Schulden bis zu 10% reduzieren [5]. Damit wären aber die privaten Gläubiger endgültig von der Gläubigerseite entfernt. Der nächste Schuldenschnitt kann nur mehr öffentliche Gläubiger betreffen, weil praktisch keine anderen mehr übrig bleiben.

Schuldenschnitt Vs. Schuldenrückkauf

“Asmussen betonte, dass ein Schuldenrückkauf nicht gleichbedeutend mit einem Schuldenschnitt sei. Die privaten Gläubiger Griechenlands haben bereits auf die Rückzahlung von etwa 100 Milliarden Euro verzichtet. Weil jedoch die Wirtschaft stärker einbricht als erwartet, steigt die Schuldenquote trotzdem massiv an [6]! ”

In obiger Ausführung des EZB Direktors finde ich keinen schlüssigen Zusammenhang. Die Privaten haben bereits einmal auf Forderungen verzichtet, deshalb fällt ein zweites Mal nicht ins Gewicht, oder wie ist das zu verstehen?

Griechenland tilgt mit geliehenem Geld nur einen Teil der noch ausständigen Verpflichtungen. Die Restforderungen der privaten Gläubiger würden bei Annahme des Angebots aber entfallen. Das ist für mich ein klassischer Schuldenschnitt in Reinkultur – wo sehen Sie hier den Unterschied? Außer das Schuldenschnitte in Zeiten wie diesen sehr unpopulär geworden sind!

  1. http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user5/imageroot/2012/11-2/Greek%20bond%20buyback.jpg
  2. http://www.pdma.gr/attachments/article/248/Press%20Release%20-%20December%2003.pdf
  3. http://www.reuters.com/article/2012/10/21/us-eurozone-schaeuble-greece-idUSBRE89K05420121021
  4. http://www.neopresse.com/europa/ifo-was-kostet-die-rettung-griechenlands/
  5. http://www.nachdenkseiten.de/?p=15343
  6. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-hilfsplan-fuer-griechenland-asmussen-schlaegt-griechenland-rueckkauf-von-staatsanleihen-vor-1.1495033

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